Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 34 (21.8.1908)
- Date
- 1908-08-21
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 34 Seite 339 JÜDISCHE RUNDSCHAU Grössere Sammclbczirke, welche noch kein eigenes Aus■ weisorgan hatten, simt Kanada, Südafrika, Frankreich, Italien. Amerika hat vorläufig die Monatsschrift MACCABAEAN. Eine Monatsschrift ist jedoch für die vereinigten Staaten ungenügend, und die Sainmelstelle ist mit uns einig, dass eine mindestens wöchentlich erscheinende Zeitung von grösserer Auflage zur Aufnahme der offiziellen Nationaltonds-Auswcise gewonnen werden müsste. Sie hat jedoch bis jetzt noch keine Gelegenheit gefunden, diesbezüglich einen günstigen Vertrag mit einem allgemein verbreiteten Blatt abzuschliessen. Ebenso erscheint uns für England der JEWISH EXPRESS als alleiniges Ausweisorgan ungenügend. Wir haben uns mit der Birma üreenberg & Co., London, in Verbindung gesetzt, und dieselbe hat sich bereit erklärt, uns den jeweils notigen Raum im JEW1SH CHRONICLE gegen eine Vergütung von 6 £ pro Seite, bezw. pro rata zu überlassen. Ein Vertrag ist jedoch nicht zustande gekommen, da die Mitglieder der englischen Nationalfonds-Kommission z. T. der Ansicht sind, dass die Kosten einer solchen Veröffentlichung ihrem praktischen Nutzen nicht entsprechen würde. Zu gleicher Zeit mit dieser Neugestaltung des Ausweises haben wir einen Misstattd beseitigt, der leider bedauerliche Folgen gezeitigt hat, nämlich das Sammeln von Spenden durch die Zeitungen selbst. Da w ir durch dieses Sammeln nicht unerhebliche Summen verloren haben, die von den Zeitungen i!ir allgemein zionistische Zwecke verwandt worden sind, haben wir es einfach den Zeitungen untersagt. Spenden anzuuelimcn. Wir haben i.berail bekannt machen lassen, dass Zeitungen nicht h c i u g t sind, über Spenden des N a t i ״ ■ nalionds zu quittieren. Es gelang uns auch allmählich, das * insbesondere in Galizien — durch solche Misshräuclie erschütterte Ve! trauen für den .Jüdischen Nationalfonds durch genaues und korrektes Arbeiten wieder herzu- .stellen. Wir halten ferner die Sanmiclstellen veranlasst, die bei ihnen eingehenden Spenden allwöchentlich nach London abzuführen, und der grössere Teil der Sanmiclstellen ist nun in der Lage, dieser Anordnung Folge zu leisten. Die regelmässige Abführung der Gelder ermöglicht es uns. den Gesamtausweis it! der WELT schon eine Woche nach dem detaillierten Ausweis zu bringen und bietet uns ferner die Garantie dafür, dass nie grössere Stimmen, welche Eigentum des Jüdischen Nationalfonds sind, sich in fremdem Besitz befinden. ln manchen Ländern bestanden innerhalb der zionistischen Organisation Zerwürfnisse. und diese drohten auch dem Nationalionds Schaden zu bringen. Wir haben uns daher bemüht, die Organisation des N a t i o n a l f o n d s möglichst von der zionistischen Organisation zu trennen und haben, soweit es uns möglich war, in allen Ländern veranlasst, dass hi denselben eine besondere Kommission erwählt wurde, welche die Angelegenheiten des Nationalfonds zu hesorgen und mit den in den Städten ihres Bezirkes gewählten Nationalfondskommissären zu verkehren hat. Der National- »onds soll von allen politischen Streitigkeiten unberührt bleiben, er soll auf einer möglichst breiten Basis stehen und In der Lage sein, auch über die Grenzen der zionistischen Partei hinaus Freunde und Förderer zu gewinnen. Dank unserer Bemühungen ist cs gelungen, neue Sammelstellen zu schaffen, so di«: Sainmelstelle für Kroatien- Slavonicn -Bosnien, die ungarische Sammelstellc und die beiden ä g y p t i s c h c n Sammelsteilen in A I e x a n - d r i c 1t und Kairo. Auch die endgültige Errichtung einer Sammelstellc in Argentinien steht demnächst bevor. In Russland wurde eine neue Sammelstellc des Jüdischen Nationalfonds geschaffen, welche ihren Sitz in Moskau hat, und die Leitung und Einrichtung dieser Sainmelstelle wurde im Januar ds. J. Herrn Dr. h. W. l’sc It 1 e n ow übertragen. Diese neue Sammelsteile nahm bald ihre Arbeit aui und sic hat es durch rührige Tätigkeit verstanden, die Organisation des Nationalfonds in Russland zu stärken und atiszubreiteit. Das Steigen der russischen Spctidcneingängc ist der beste Beweis fiir ihren Erfolg. fn Oesterreich hat sich bereits vor langer Zeit dasselbe Bedürfnis geltend gemacht, und es sind daher Distriktssanmiclstellen in Czernowitz für die Bukowina, in Lemberg. Stanislau, Tarnopol. Krakau für die Distrikte Ost-, Süd-, West- Kalmen und Podollen eingerichtet worden. Die Organisation des Nationaiionds in England ist dagegen bedauerlicherweise 11 och i m 111 er u n g e 11 ü g e 11 d. Die dort innerhalb der zionistischen Organisation bestehenden Streitigkeiten wirken auf die Arbeit fiir den Nationalfonds geradezu lähmend, umsomehr, als die Federation, ohne die Kraft zu besitzen, selbst die nötige Organisations- und Propaganda- 1 arbeit zu bewältigen, sich dagegen sträubt, die Erfüllung dieser I Aufgabe anderen zu־ überlassen. Gelegentlich der Anwesenheit des Sekretärs des Haiiptburcaus in London wurde zwar eine neue Natioiialfoiidskoriiniission für England geschaffen, die zur Hälfte aus Mitgliedern der Federation und zur Hälfte aus Vertretern der Zionisten des East Etid besteht. Aber leider ist die Arbeit dieser Kommission noch immer nicht zufriedenstellend. Einerseits sind Differenzen innerhalb derselben entstanden und anderseits lässt ihr die Federation keinen Spielraum für eigene Initiative. Mit Rücksicht darauf, dass der englischen Samiuelstclle die grosse Aufgabe zufällt, für die Propaganda und Agitation des Nationalfonds in dem weiten Bezirk der englisch sprechenden *!.{Inder zu sorgen, wird wohl nichts anderes übrig bleiben, als auch in England die Nationaliondsorganisation neu und unabhängig von der Federation einzurichteu und dort ein eigenes Bureau gewissertuassen als Propaganda- und Agitationszentralc für die englisch sprechende Welt zu schäften. Dies wird eine unserer nächsten Aufgaben sein. Eine weitere Aufgabe, an deren Lösung wir in nächster Zeit herantreten müssen, ist die Zentralisierung der N. E.־ Tätigkeit in D c u t s e h I a 11 d , wo sich die örtliche Trennung von ücldgeharmig. Buchführung, Propaganda und Materialien- Sammlung als nachteilig erwiesen hat. Die Sammlung und Verwertung von Postwertzeichen kommt hier nicht in Betracht. Wir haben diese im Interesse eines vor!eillr,:ien Absatzes dem Tätigkeitsgebiet der Sammelstellen entzogen und in Berlin und Wien konzentriert. Herr Dr. med. Julius L ö w e 1! 11 e i m in Berlin, und Herr I I e i n r i c 11 Kolli 11 e r in Wien, beide hervorragende Kenner des PhilatcÜcw׳esens. haben sich in liebenswürdiger Weise bereit erklärt, die grosse Arbeit, welche mit der Leitung dieser Zentralen׳ zusammenhängt, zu übernehmen. Wir haben infolgedessen versciiieduic Zirkuläre in unseren sämtlichen Auswtisorganen und in der WELT erlassen, in welchen wir die Gesinnungsgenossen baten, allenthalben gebrauchte Briefmarken zu sammeln und dieselben entweder ihrer Sammelsteile zur Weitersendung oder direkt au unsere Verkaufszentralen einzusenden. Diese straffe Organisation hat bereits einige Erfolge gezeitigt, und cs sind im Laute der letzten 6 Monate (Februar bis Juli I9׳.!s) aus dem Verkaufe von Briefmarken bereits 512,96 Mark dem Jüdischen Nationaiionds zugeführt worden. Hiervon entfallen I70.2U Kr. aut die österrcichische Zentrale. Wir waren stets bemüht, neue Kräfte zur Arbeit für den Nationalfonds hcranzuziehen und überall neue Verbindungen anzuknüpien. und zu unserer Genugtuung können wir konstatieren, dass unsere diesbezüglichen Anstrengungen bercits dazu geführt haben, dass wir nunmehr auch in Brasilien einen Vertreter haben, ierner in Konstantinopel, sowie dass auch Australien allmählich für den Nationalfonds zu arbeiten beginnt, und uns von Neuseeland erst vor wenigen lagen eine Spende von £43.10.00 avisiert worden ist. Audi Italien und Frankreich senden Spenden. (Hier folgt ein längerer Passus über die Befugnisse des Direktoriums des N.-F. und die im Anschluss daran aiifgetauchten Streitfragen.) (Schluss in nächster Nummer.) Generalversammlung des «Jüdischen Nationalfonds Am 13. und N. August 1908 fanden In den Räumen des Hauptbureaus des Jüdischen Nationaiionds, Köln. Karolingerring 6, zwei Boardsitzungen des Jüdischen Nationalt'otids statt. Den Sitzungen wohnten bei die Herren Dr. M. J. Bodenhtimer. Vorsitzender des Direktoriums, die Direktoren Dr. A. Hantke, L. Kessler und Dr. E. W. Tsehlenow, die Üovernois Professor Dr. O. Warburg und D. Wolftsohn sowie Herr H. Ncumann. Sekretär der Gesellschaft und die Herren H. Kaufmann und N. Gross. Sekretäre des Hauptbureaus, Köln. Es wurden sämtliche schwebenden Palästinaang e I cg c n h eit c n ausführlich besprochen, alle vorliegenden praktischen, wie auch die prinzipiellen Fragen eingehend erörtert und diesbezügliche Beschlüsse gefasst. Die von den Bücherrevisoren geprüfte Bilanz pro 1907 wurde verlesen und unterzeichnet. Unter anderem wurde beschlossen, eine neue N a t i o 11 a I f o n d s m a r k e im Werte von *I—5 Pfennig herauszugeben. Es lagen zu derselben bereits Entwürfe versehiedeuer Künstler, sowie auch der Kuntsgewerbcschuic ..BezaliT* vor. Das Direktorium wühlte von denselben fünf, darunter zwei vom Bezalci aus. von welchen Probedrucke hergestellt w׳erden sollen. Erst nach Fertigstellung der Probedrucke soll cudgiltig über die Wahl entschieden w׳erden.