Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 31 (31.7.1908)
- Date
- 1908-07-31
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 31 Seite 134 Palästina auf. Das ist Utopie. Aber ein zeitweiliger Aufe*%- I halt oder Besuch Palästinas sei für die meisten wohl möglich. I Macht man einem Deutsch-Amerikaner aus der Forderung I seines, alten Vaterlandes keinen Vorwurf, so darf inan ihn I einem nach Palästina gehenden Juden auch nicht machen. I Jüdische Volksschullchrer würden in Bayern nur mehr an I jüdischen Rcligiousschulen angcstcllt. Assessoren (z. B. Ruppin) I die aus Palästina zurückkehren, ruliisr ihre Tätigkeit wieder I aufnehmen, aber ihre Arbeit dort ist wirkungsvoller als die I eines Assessors oder Arztes hier, der höchstens die Grossstadt I mit überfüllt. Das Ziel ist. dass letzt ein gewisses kulturelles I Zentrum dort geschaffen wird, wo wir schon heute ohne Ent- I bclirung der alltäglichen Gewohnheiten unter den auch eine I Intelligenz besitzenden 80UU0 palästinischen Juden leben können. I Wenn schon jüdische junge Leute auswandern, sollen w׳ir sie I auf Palästina konzentrieren. Man hat für ein neues Kolonisationsuntornchmen jetzt z. B. 0 - 60 000 Mark gezeichnet, gerade genug, um z. B. in Deutschland ein besseres Gut zu kaufen. Hier muss man auf die Grundlagen des Zionismus zurückgreifen. Sie sind nationale. Für 11 n s ist der Zionismus alles, nicht für galizisehc oder russische Juden. Unser Standpunkt darf nicht der des Esra sein. -Wir sind darüber hinaus, den Zionismus nur zu erläutern. Wir müssen in ein praktisches Stadium ciutrctcn. persönlich an• Ort und Stelle arbeiten; zu jüdischer Arbeit, was wir nur nur in Palästina vermögen. Forderung der Palästinaarbeit in intensivster Weise! O p p c 1111 c i in c r erw ähnt in seinem Referat über 0 r - | ganisation und Agitation: Er wolle nur einzelne taktische Fragen behandeln. So seien Gross- und Kleingemein־ j den auscinanderzulialten: der Jude in der Grossstadt ist, wenigstens hinsichtlich jüdischer Fragen degeneriert, abgesehen von jugendlichen Idealisten oder Männern mit religiösen Idealen. Dagegen könnte der in der Kleingcmeinde noch vorhandelte jüdische Gemeinsinn aui iolgende Weise fruchtbar gemacht werden. Nicht dadurch, dass wir mit dem zionistischen Programme Aufsehen und Unverstand ernten, sondern indem wir uns um die Bedürfnisse der Kleingemeinde bekümmern. Sie fühle sich verlassen durch Abzug in die Grossstadt, kämpft schwer ums tägliche Brot. Wenn wir der Not des Fänzclnen abi.clfcn. dann‘ vertraut man uns. dass wir ebenso der Gemeinde helfen können. Wir müssen die Leute von dem Viehhandci abzichcn. der heute, trotzdem die Bauern gar nicht mehr auf ihn angewiesen sind, vornehmlich von den Juden dort betrieben, wird. Er ist gewinnlos und erniedrigend. Aber auch der Abwanderung in die Grossgemeinde müssen wir entgegentreten. Ein beute fruchtbarer lukrativer Landwirtschaftsbetrieb muss entstehen, der zugleich Liebe zur Scholle, eine Vorbereitung auf den Zionismus bedeutet. Dazu sind jüdisch rituelle Kreditvereiae von nöten. Pe i sa k o wf i t sch tritt dem Vorredner entgegen, indem er auf verschiedene Arbeiten liinweist (Brentano), die einen Niedergang der Landwirtschaft Voraussagen. Auch würde der Antisemitismus nur verstärkt werden. Natzler behauptet, dass der Vorschlag Oppenheimer ebenso wie der des Dr. Strauss fchlschlagcn würde, da die Juden erstens in Bajera den Ackerbau nicht annehmen wollen und ihnen andererseits das Ideal, das Judengefühl abginge, weil sic die Not des Ostens nicht kennen. Reich führt aus, dass die Juden, wenn sic einen so schwierigen Entschluss fassen, dann gleich in Palästina Bauern werden. Die jungen idealistischen Elemente des Zionismus, die KXVer müssten persönlich zu diesen Leuten sprechen und ihnen klarniachcn, wie sehr der Zionismus mit allen jüdischen Fragen verwachsen sei. In der Stadt sei es ähnlich. Die Arbeit sei zu sehr auf die Palästinafragc konzentriert. Hoffentlich leite die Änderung in Russland betreffs der zionistischen Vereine eine persönliche Agitation ein. Erst müssen w׳ir die Juden mit unseren Fragen und Arbeiten, z. B. der jüdischen Literatur zu beschäftigen wissen. Mehr kulturelle Agitation. Strauss hebt die Selbstvcrtiefung hervor; nicht auf wirtschaftliche Momente käme es an. Natzler den Wert der Frau, ihre stille Arbeit für die Bewegung. T1»eilhaber erwähnt, dass nach der Statistik, jüdische Landwirtschaft nur in Palästina möglich sei. Die z. B. in Ahlem Ausgebildeten treten in den Städten in Geschäfte. Oppenheimer spricht mit Bedauern von der schlecliten ..Jüdischen“ Wirtschaft auf dem Lande, behauptet, dass es wohl ffldisches Gemeinschaftsgefühl dort gäbe. « * * Abends fand ein Festabend statt, auf dem Herr Rcchtsanwalt E. Meyer eine glänzende Herzlgedonkrcde hielt. Anwesend waren: die Vereine jüdischer Studenten, die Vereinigung jüdischer Akademiker, Mckor Cliajni. viele Vertretcr der gesetzestrciien Juden, die alle ihre weitgehendsten Sympathien für den Zionismus bekundeten. Wer die Gegner- Schaft gegen den Zionismus in München kannte, musste sich freuen, selbst den Führer der orthodoxen baver. Juden. H. Siegmund Fränkcl, unter den erschienenen Festgästen weilen zu sehen. Bedauerlicherweise w ar nur die Ortsgruppe Nürnberg, von der etwa 10 Herren kommen wollten und derentlmlhen die Tagung so lange hiuausgeschobcn war. niemand gekommen. Die Debatte der Tagung selbst bewegte sich auf einer geistig;,'! Höhe und w׳urdc so präcise durchgciiihrt. dass die Tagung allgemein befriedigte. In diesem Winter dürfte nach der Ausspräche die Arbeit von den einzelnen Grpppcnvorständcn wieder energisch in die Hand genommen werden. — A us den Ortsgruppen Königsberg. Eine Herzl-Feler veranstaltete atn Sonntag, dem 19. Juli im Saale des Justsehen Hotels in Cranz die Küoigsberger Zionistische Vereinigung. Erüifnet wurde die Fticr durch eine Ansprache von stud. Rosen leid. In warmen Worten feierte er Herz! als das grosse jüdische Genie der Neuzeit, das im rechten Moment, als das jüdische Volks* tum der Zersetzung anlicim/ufallcn diolite. mit tiefem Blick das Problem des Judentums erfasst und den Weg gewiesen labe, aui dem eine Renaissance des jüdischen Volkes allein zu erwarten sei. Alsdann gab Herr Littmann Rosenthal aus dem reichen Schatz persönlicher Erinnerungen eine Schilderimg von Hcrzls Persönlichkeit und Wirken. Beide Reden wurden von der zahlreich erschienenen Zuhörerschaft mit leb- Itaftcin Beifall autgenonmien. — Am 22. wurde in Cranz von den anwesenden Zionisten eine Versammlung veranstaltet. Herr Rosentlia! sprach ״Zur Lage des Zionismus in Russland.“ Dienstag wird eine öffentliche Versammlung stattünden; stud. jur. Goldstein wird über die Realisierung der zionistischen Idee sprechen. Allwöchentlich Versammlung im roten Haus. Wronkc. Am Mittwoch, dem 22. Juli, hielt Herr Rcferciidar Max Rosenberg aus Lncbau in der hiesigen Ortsgruppe eine Gedenkrede aui Theodor Herzl, welche auf die Erschienenen einen tief empfundenen Eindruck machte. Hieran schlossen sich einige Rezitationen desselben von Morris Rosenfeld, sowie von Prag, die allgemeinen Beifall landen. R. Kattowltz CVS. Sonnabend, den 18. Juli, veranstaltete die hiesige Ortsgruppe die letzte Versammlung dieser Saison, zu welcher sich trotz der Hundstagsliitze sogar eine Anzahl auswärtiger Gesinnungsgenossen cingefimdcn hatten, unter ihnen der Vertreter der Bielitzcr Studentenverbindung ..Eniunah“, welcher deren Grüsse überbrachte. — Die Gedenkrede anlässlich der vierjährigen Wiederkehr des Todestages von Theodor Herzl hielt Herr Arnold Wiener, welcher in fein durchdachter, stimmungsvoller Weise die Persönlichkeit unscics grossen dahiiigeschiedeneii Führers und seine licdeutung für das Judentum zeichnete. Daran schloss sich der Bericht des Herrn Siegmund Rappaport über den Brcslauer Delegiertentag. Der Referent verstand cs. in 1U• stündigeu, fesselnden Ausführungen nicht nur denjenigen, welche an den Verhandlungen nicht tcilgenommcn hatten, ein intcrcssantcs Bild von deren äusseren Verlauf zu gehen, sondern er rückte vor allem die hauptsächlichsten dort behandelten Probleme in den Vordergrund, um schliesslich in wohibegrioideter Kritik zu ihnen Stellung zu nehmen. Fürwahr der beste Anknüpfungspunkt für eine Diskussion, welche indes mii Rücksicht auf den Herbst verschoben werden musste. Hoffen wir. dass in diesem Falle aufgeschoben nicht aufgehoben hedeute, und dass eine eingehende Aussprache über den Delegiertentag in einer die Winterarbeit einleitenden Versammhing unvermindertem Interesse begegne. — Für den Hcrzlwald wurden •1 Bäume gespendet. \V. Bad üräfenberg (österr. Schlesien). Am 19. Juli voranstaltete und leitete Lehrer A u c r 11 a c h - Posen, eine öfientliehe Herzl-Gedenkfeler, welche sehr würdevoll verlief. Zahlreiches Badepublikum aus den besten Kreisen füllte den Saal bis auf den letzten Platz, so dass viele umkehren mussten. Nach dem von Silvy Karger -Breslau, stimmungsvoll vorgetragenen Prolog ..Dem toten Fürsten“, von Isr. Auerbach, begrüsste der Leiter die Anwesenden und erteilte sodann Herrn Kurarzt Dr. Sadge r das Wort zur Gedenkrede. Der Redner würdigte unseren verewigten Führer als Mensch. Dichter und Poliitker und ermahnte zu rastloser Weiterarbeit an seinem