Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 31 (31.7.1908)
- Date
- 1908-07-31
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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p £ ־.ד.***** * Abonnementspreis einschliesslich LITERATURBLATT »ierleljlhflich: I. durch die Eipedilion: ■) In Berlin —,90 Mark. b) nach aus• wärt* «,— Mark, c) lür das Ausland 1.50 Mark. 2. In Pestabonnement: 1,25 Mark. inserttonsprels die?lergespaitene Petit-Zeile oder deren Raum 25 Piennig. Allgemeine Jüdische Zeitung• Redaktion: BERLIN NW. 52, Melanchthonstrasse 4. Fernsprecher: Moabit, 3387. I Expedition und Adresse für Geldsendungen, and Bestellungen:;^.j״> Varltj Jüdische Rundichau, E. G.m. b. H. Berlin S.w. 68, Zimmerilrasse 77,; ~־ ,? , . Oeicbiftsstundea der ־Expedition' tigl'ch (ausser Sabbat end Sonntag) nachmittags 37־ל Uhr. ־;;lv־// Alle Rechte Vorbehalten. Abdruck aus der JÜDISCHEN RUNDSCHAU nur bei voücr Quellenangabe gestattet. ׳־■ו;:...ד• Berlin, 3. Abh 5668 - 31. Juli 1908 Nummer 31 Die Drei Wochen Drei Wodni sind es, die uns an die schwerste Zeit ׳erinnern, die unser von so vielen Levden getroffenes Volk durchgomacht hat, an den letzten grossen Krieg, in dem unsere Nation in unvergleichlichen Kämpfen dLe Fahne der Ehre gegen den römischen Unterdrücker Jtochhielt, und in dem sie schliesskch der erdrückenden Uebennacht unterlegen ist. Kein Volk der Welt hat eine auch nur ähnliche Tragik durchgemacht und kein zweiter Stamm hat eine annähernd ähnliche Katastrophe überdauert. Dass das Jüdische Volk nach so vielen und gründLchcn loden immer noch!lebt und sich anschickt, sein altes Volksleben aut der Grundlage seines ältesten Stammeswosens wieder zu •errichten, das ist ein Beweis der Lebenskraft, wie kein zweites Volk sie je gegeben hat. Ein Volk mit einer solcher Geschichte ist dauernder denn Erz und fester denn der Fels. Wir können darauf vertrauen, dass keine Macht der W2lt imstande r'st, dieses Volkstum zu vernichten, das sogar die in ihm selbst schlummernden Keime der Auflösung in so kurzer Zo't überwunden und ausgestossen hat. Die drei Wochen aber stimmen uns zu stiller Nachdenklichkcit. Sie erwecken die Erinnerung an all das Leid, das uns betroffen, an die Verfolgungen, die unser Stamm seit zweitausend Jahren durchmachen musste, in dem er keinen ruhigen Augenblick hatte für den Ballen seines Fusses. für den Scheitel seines Hauptes. ״Sein Leben hing fern von ihm selbst, als ob ,es ein fremdes Leben wäre“, und es hat in der ganzen Zeit seit der Zerstörung des jüdischen Staates keinen einzigen AugenbPck gegeben, •in dem man hätte sagen können, wenigstens in diesem einen Augenblick sei das jüdische Volk glücklich. So viele Länder das Volk betreten hat, k^in einziges ist!ihm zur Hemmt geworden und doch hat es so vielfach diese Länder mit einer Vaterlandsliebe, mit einen! Heimatsgefühl geliebt, wie d:e nicht haben, die ahm das Heimatsgefülil in dunklerischem und streberischem Hochmuie absprechen. Worin es schien, dass ein Land ihm zur Heimat geworden war, wenn es Jahrhundertelang der schwersten und wirkungsvollsten Kulturarbeit dort geleistet hatte, dann zwang man es weiter zu wandern, und es war zu allen Zeiten so wie heute: wenn es in einigen Ländern nyt recht geringer Judenbevölkerung cL*n Juden leidlich, [a vielleicht sogar gut zu gehen begann, dann durfte man sicher sein, dass die andern neun Zehntel der Nation in so schwerer politischer und wirtschaftlicher Bedrängnis waren, dass die gute Lage der Bevorzugten für ,die XIII. Jahrgang Lage der Nation in ihrer Gesamtheit gar' nichts aus1 machte. ',־";ד ׳' ׳־׳''.‘ :‘J;; Ganz Europa und Asien haben beinahe zwei 'Jahrtau*• sende lang alb Künste der Roheit und 'Gewalttat”1 an ihnen versucht und haben stets nut heuchlerischer Gleisnerei die zivilisatorischen und religiösen Vorwände gefunden, um das Recht klar zu legen, nach welchem man gar nicht anders mit dem unglücklichen Volke Verfahren dürfe. Wenn man ihnen den' *Schandflecken ,an die Kleider heftete und ihnen gelbe hohe Judenhüte^aufsetzte, so geschah das um der Kultur;willen,'Venn mau sie verjagte und mit Hunden!letzte,'so gcscltah das um des Fortschrittes willen und wenn man sie tÖLSchlug und verbrannte, so war es mindestens die höhere Ehre Gottes, der diese Feierlichkeit galt. Ströme vonBlut und Tränen. Judenblut und Judenträneh' haben*,^sich durch Jahrhunderte durch ,Europa״ ergossen Tind[, der Wolf hat immer nur über ‘,das Länim geklagt^ das\sich erfrecht hat, aus der Quelle' zti trinken,, die dadurch nach 9einer Meinung verunreinigt ,,Sei;.“’./ •T, Doch (Fe Wahrheit erfordert es, festzusieljen, d^s5 os doch ein Volk gegeben hot, ein'.einziges Volk, das,s.eit; dem es auf dem Schauplatz der Geschichte erschiene!! .ist, sich an den Judenverfolgungen und, Jiideminterdriiekungen niemals beteiligt hat und das sogar .in gastfreier Weise und mit, oiieneii. Händen das vertriebent? Volk bei sich aufgenonmien und den müden undjgchetzfen Wanderern' eine Zuflucht geboten hat.״ Es sind freilich die Türken, an deren Kultur, und Kulturfähigkei! Europa niemals glauben wollte und erst gezwungen glauben wird! Als Fernando und Isabclla an der S’pit;-e der europäischen Kultur marschierten und doch auch *mir einen Höhepunkt״ der Jahrhundertelang gleichen Judeuf hetze bildeten,,da .üahinen die ,Türken (d?e‘;Ärmeii Y!nc| Gehetzten f atif,״ •dieselben Türken, unter deren"tnildeut Regiment‘ *alte unterworfenen Nätiouen und!; auch , ,die Juden sich in ihrer;; Eigenart ungehindert, , auslebpu koniUen. . . .! .׳.!! , ״,•; , b;:;7/ ׳!•.•%"'!.•'! .V ׳׳v 1J!.!:׳: r .!Um iv.iiov ׳;Auch in der neuesten Zeit, wo alle Länder sieh gegevv die Judeneinwanderwig sperren .und. abschiiessen, während. gleichzeitig der Strom .der Auswandc rüden, d. h. der; mit curopiüscher: Eleganz Ausgetriebei.eiv.sieh über! alk Länder grgiesst; hat die Türkei, ihre gastlichen Tory, iür die .Vcriolgten weit geöffnet .in., der; richtigen Ein-, sieht, dass ״die . Verfolgten •in ewiger baukharkek aif dem Lande und Volke hängen :;werden, •das;, alltvn de!»! gewährten ,Rechtsschutz nicht;! mit :der Sell'stcjitüusse־‘ rung des eigenen,,Wesens bezahlt u haben vyollte.., Jlb 1■ ' "יוד ייהוייד*