Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 30 (24.7.1908)
- Date
- 1908-07-24
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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״־•'־*■־v' *״ ■ 1׳w äk, \ |? i Abonnementspreis einschliesslich LITERATURBLATT vierteljährlich: I. durch die Expedition: ») in Berlin —,״ 0ייMark, b) nach aus- Wirts 1,— Mark, c) (ür aas Ausland 140 Mark. 2. In Peilsbonnement: 1,25 Mark. Allgemeine Jüdische Zeitung. Redaktion: Expedition und Adresse für Geldsendungen und Bestellungen; Vartag iUdisch« Rundschau, E. G. m. b. H. Berlin S.W. 68, Zimmerslrtiie 77. Insertionspreis die »fergespaltene Petit-Zeile oder deren Raum 25 Pfennig. Alle Rechte Vorbehalten BERLIN NW. 52, Melanchthonstrasse 4. Fernsprecher: Moabit, 3387. 1 Abdruck aus der JÜDISCHEN RUNDSCHAU nur bei voller Quellenangabe gestattet. Qeachittaituaden der Expedition täglich (ausser Sabbat und Sonnlag) nachmittags 3-7 Uhr. ge1״■״ ■ —.... Nummer 30 Berlin, 25. Tammus 5668 — 24. Juli 1908 XIII. Jahrgang Der Zionismus, dieTaufseuche und die Alliance. Wir haben schon in unserer vorigen Nummer die frivolen Angriffe, die im Julihefte d:e Zeitschrift Ost und West, das Organ der Deutschen Konferenz-Qe־ Seilschaft der Alliance Israelite Universelle, gegen den Herzl’schen Wiener Kreis und gegen den Zionismus Im allgemeinen richtet, als leisteten sie der Taufseuche Vorschub, gebührend zuriickgcwiesen. Inzwischen haben wir bei einem der allernächsten Vertrauten Herzls in Wien Erkundigungen eingezogen, der erklärt, die drei von Ost und West angeführten Tatsachen seien ihm unbekannt und insbesondere der dritte Fall, dass die nächste Blutsverwandte eines der einflussreichsten Zionistentührers, dessen Name vom Meister in seinem unsterblichen ״A11 n c u 1 a n d“ verewigt worden, das Judentum verlässt (unter Beifall und Zustimmung der ganzen Familie!) — sei solange als frei erfundene Lüge zu bezeichnen, als der damit gemeinte Name nicht öffentlieh genannt wird. Also bitte um Namen, meine Herren von der A.l.U. Das Vorgehen der A. I. U. ist umso eigentümlicher, als man es doch im allgemeinen für schicklich erachtet im Haus des Gehängten nicht vom Strick zu reden. Die A. I.U. ist in Oesterreich vertreten durch die 0״ es te r reichische Israelitische Allian z", die mit der Pariser Zentrale kaum in weniger fester Verbindung steht, wie die ״Deutsche Konferenzgemeinschaft“. Der Präsident der ״Oesterreichischcn Israelitischen Allianz“, Grossindustricllcr David Ritter von Qutmann, hat eine getaufte Tochter, mit der er den Verkehr nicht abgebrochen hat; die Dame hat erst vor wenigen Tagen in einer Pariser Kirche geheiratet. Ebenso hat der Vize- Präsident der Oe. I. A., Direktor K 0 r i t s c h o n e r, eine getaufte Tochter. Weiter. Die offizielle Vertretung der Wiener Juden- Schaft, der Vorstand der israelitischen Kultusgmeiudc,hat den Zionismus stets erbittert bekämpft, ist aber mit der Oe. I. A. eng verknüpft, u. a. gehört ihm Herr v. Gutman n an. In seinem grossen Sitzungssaal hängen etwa 40 Porträts verstorbener hochverdienter Kultusvorstände von Wien, eine Ahnengalerie der Mescltumodim und Antisemiten. Zur Zeit sitzen ׳im Kultusvorstand noch folgende Herren, welche die Taufe ihrer Töchter geduldet haben: Leopold von Lieben, Hofrat Dr.Benno R a p p a p 0 r t, Wilhelm K u f f n c r, Dr. Arthur K u r a n d a. Weiter. Sämtliche Söhne •des berühmten Wiener Predigers Dr. Adolf J e 1 li n e k sind getauft. Die gesamte Nachkommenschaft seines noch berühmteren Vorgängers Ma!1 n 11 eimer ist getauft. Die Söhne des berühmten Dichters und Sekretärs der israelit. Kultusgemeinde Ludwig August Frank (Ritter, von Hoch w a r t) sind getauft. Mit weiterem Material werden wir auf Wunsch .nächstens dienen. So sehen die Hüter des jüdischen Glaubens aus. so bewahren sie ihn ihren Nachkommen. Aus diesem verfaulten Mileu versuchte Herzl die Juden zu rcissen und be! Tausenden und aber Tausenden ist es ihm gelungen. Aber die Taufanwärter fühlten sich bedroht; sie führten und führen gegen den Zionismus einen Vernichtungskampf und sie tragen die Schuld, dass nicht weitere Kreise der Taufepidemie entzogen sind. Wer die Wiener Judenschaft der ״besseren Kreise“ genau geschildert sehen will, der lese Arthur Schnitzlers ״Der Weg ins Freie". Dort hat er die prächtigsten Typen, direkt aus dem Leben gegriffen, die Familien Ehrenberg und Wyner. Unjiid:scl1. verzärtelt, asthetisiert, bar jedes wahren Gefühls, unfähig zu jeder Kraitanstrengung, körperlich, geistig oder moralisch. Die Frauen bis ins Mark verdorben, die Männer schwächliche Cretins oder höchstenfalls unfruchtbare Raisonneure. Aus diesem Zustande heraus will der Zionismus dem jüdischen Volke den Weg ins Freie bahne!), den Weg den Schnitzler gesucht, aber nicht gefunden hat. Soweit die Wiener Judenschait. Und nun noch ein Wort an die ״Deutsche Konfereuzgemeinschaft der A. I. U.“ Wir Zionisten sind heute von äusserster Friedfertigkeit. Wir wollen alle den Frieden mit den nichtzionistischcn Organisationen, vor allem mit der A. I. U., mit der wir d'e alljüdische Tendenz gemeinsam haben; manche von uns erstreben sogar ein Zusammenarbeiten und Hand in Hand gehen mit den Organisationen. Aber die A. I. U. irrt sich, wenn sic glaubt, wir seien friedfertig aus Schwäche und wir Hessen uns ungestraft beleidigen. Sind wir schwächer an Geldmitteln, so sind wir ihr hundertmal überlegen an Menschen, an Willenskraft, an Begeisterung, die sich nicht ersetzen hisst durch J e gelernten Künste dem Meistbietenden feiler Geschäfts- §! f ""^יויי »ימיממיי L