Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 28 (10.7.1908)
- Date
- 1908-07-10
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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*׳;*׳*״J ij Seite 28 JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 2H klimatischen Verhältnisse nicht besonders günstig sind, von gutem Erfolg begleitet war, so ist es klar, dass die Straussenzucht in der viel wärmeren Tibcrias-Gegend, die auch ärmer an Niederschlägen ist. sich zweifellos gut einführen und zu grosser Rentabilität bringen lassen wird. — Durch die Straussenzucht würde sich der jüdischen Kolonisation eine neue reiche Erwerbsquelle eröffnen. Jüdische Straussen- Züchter aus Südafrika werden wahrscheinlich bereits in aller Kürze eine grössere Straussenfarm in der Nähe von Tiberias anlegen. Bekanntlich ist das Einkommen aus den Straussenfarmen ein verhältnismässig sehr hohes. Expedition zu den Falaschas Florenz. Der von dem italienischen Falascha-Kamitcc in Verbindung mit einem internationalen Komitee zu den Falaschas entsandte Dr. Jacques F a i 11 o w i t s c 11 aus Paris ist bereits auf dem Wege zu den Falasclms. Er hat auf seiner Reise in Asmarat die bereitwilligste Unterstützung des Gouverneurs der Eryträischcn Kolonie geiunden. Durch Vermittelung des italienischen Gesandten in Abdis-Addeba erhielt er vom! Ncgus die Erlaubnis, das ganze!.and zu bereisen und eine warme Empfehlung an die Häuptlinge des Landes. Der Ncgus betonte, dass er ihm die Genehmigung ebenso gern gewähre wie kurz vorher zwei anderen Stanmicsgenosscn. (Gemeint sind die Herren von der Mission der Alliance Isrnclitc Universelle). Dr. Faitlowitsch wird itn Herbst itt Abdis-Addeba vom Ncgus empfangen werden. Kleine Mitteilungen ä 1 ' 1 k ' Württemberg. Der Kultusminister hat den Ständen den Entw urf eines Gesetzes für die Volksschulen zugehen lassen, das zwar die Koniessionalität derselben aufrecht erhält, aber die Fachaufsicht einführt. U'eber das evangelische Schulwesen führt ein Obcrscliulrat. über das katholische der katholische Oberkirchenrat die Aufsicht Hinsichtlich der israelitischen Schulen wird in der allgemeinen Begründung ausgeiührt, dass bei der geringen Zahl dieser Schulen, welche insgesamt zirka 300 Schüler umfassen, und bei der besonderen Veränderlichkeit der hier in Betracht kommenden Verhältnisse auch jetzt kein Bedürfnis vorliege, die Aufsicht über diese Schulen im Einzclncn gesetzlich zu regeln.’ Der Entwurf sieht deshalb wieder den Verordnungswcg vor. Zur Zeit bestehen in Württemberg 24 jüdische Volksschulen, die sämtlich e i n k 1 a s s i g sind. Sechs davon •werden aus öffentlichen Mitteln untcrlialten; IS sind freiwillige Konfessionsschulcn; 15 gehören zum Geschaftskreis des evangelischen Konsistoriums, 9 zu demjenigen des katholischen Kirchenrats. Die Deutsche Palästina-Bank in Berlin berief eine ausserordentliche Generalversammlung ein, zwecks Beschlussfassung über Erhöhung des Aktienkapitals um 4 00000 Mk. auf 5 000 000 Mark. Auf der Tagesordnung der Generalversammlung vom 28. April d. Js. stand ein Antrag auf Kapitalscrhöhung um I (K>0000 Mk. zwecks Ausdehnung des Geschäftsbetriebes. Die Beschlussfassung über diesen Punkt wurde damals von der Tagesordnung abgesetzt, da, wie die Verwaltung mitteilte. die Vorarbeiten noch nicht erledigt waren. Wem» jetzt die Verwaltuug den Antrag stellt, das Kapital der Gesellschaft um 4 000000 Mark *zu erhöhen, so bedarf das einer eingehenden Erläuterung seitens der Leitung des Instituts. Vermuten lässt sich, dass die erhöhte Kapitalsforderung mit einer beabsichtigten Geschäftserweiterung in Verbindung steht, die sich aus der von der Verwaltung beantragten Namensänderung der Gesellschaft schliesscn lässt, ln der Generalversammlung soll nämlich gleichzeitig die Abänderung der Firma in ״Deutsche Palästina- und Levante-Bank" beschlossen werden. Religlonsstatlstik. Das in diesem Jahre erschienene amerikanischc Mssonsblaubuch enthält eine Religionsstatistik der Gegenwart. Die Zahlen stimmen, wie das FREIE WORT feststcllt, ziemlich genau mit den von P. Krosc S. J. in den STIMMEN aus M.-'I.aach, Jahrgang 1903 veröffentlichten überein. Es sind; Katholiken . 264 506 000 272 638 500 Protestanten . 166 627 000 166066 000 Griechisch-Orthodoxe . . 117 875 000 120157 000 Juden . 11 027 000 11220 000 Mohamcdancr . 202 048 000 216630 000 Buddhisten . 120 250000 137935 000 Hindus. 210 000 000 209 659 000 Konfuzianer und Tavisten . 267 000 000 231816000 Schintoisten . 17000 000 24 900 000 Alte indische Kulte .;. . 12 114000 — Fetischanbeter M4 700 000 157 069 000 Sonstige . 2 841 000 352 15 סייס Hamburg. Der Israelitische Unterstiit/ungsvcreln für Obdachlose (e. V.) hielt seine diesjährige öencralvcrsanuniung unter Vorsitz des Herrn Rechtsanwalts Alexander ab. Der Vorsitzende begrüsste die Anwesenden und wies bei Erstattung des Jahresberichts darauf hin. dass das verflossene Jahr der Vereinstätigkeit ein wiederum gegen das Vorjahr verändertes Bild biete. Infolge der im verflossenen Jahre in Russland nicht mehr stattfindenden grösseren Pogrome, sowie des Abflaucns der amerikanischen Konjunktur, fand eine merkliche Abnahme der Auswanderung statt. Es waren gut ein drittel weniger jüdische Passagiere in den Auswandererinnen als 1906. Betrefis der Beherbergung der Durchreisenden in der Stadt, ist der Vorstand nach wie vor der Ansicht, dass die Erbauung eines eigenen Hauses eine unbedingte Notwendigkeit ist. Wohl sind dem Vorstände von verschiedenen Korporationen und Wohltätern grössere Beträge teils gegeben, teils zugesichert für den Bau oder Ankauf eines eigenen Heims, allein, die Stimme genügt noch nicht. Der Vorstand hofit, dass er in die Lage gesetzt werde, das im Jahre 1909 stattfindende iimniimdzwaiizigjälirige Bestellen des Vereins durch Einweihung des eigenen Heims würdig begehen zu können. Was die Vereinstätigkeit im einzelnen anbelangt, so wurden in den Auswanderefhalkn der Amerika-Linie an 29 007 jiidiselten Emigranten 118 7.59 Portionen Mittagessen aus der rituellen Küche auf Kosten des Vereins verabfolgt. Die grösste Frequenz zeigte der Monat Juni mit 35 •3»׳ Personen, während im September nur 578 Emigranten vorhanden waren. Ferner erhielten in der Stadt 1948 Personen Anweisungen iiir unentweltliches Nachtquartier. Des weiteren wurden 3986 Portionen Kaiicc und 2415 Portionen Mittagessen verteilt. Wenn man dann noch in Befracht zieht, dass an 1352 durchreisenden Personen eine Reiscuntersützung gewährt und •1500 Personen mit warmer Kleidung versehen wurden, und aus dem Krankenionds des Vereins 526 Verpilegungstagc im Hospital bestritten wurden, so erhält nian einen kleinen Einblick in die vielseitige Tätigkeit des Vereins. Unter den grösseren Ausgaben figuriert an erster Stelle für Rciseuntcrstntzinigcn 5293.75 Mark und für Speisung 5468.70 Mk., iiir Nachtquartier wurden 1119 Mk. und für Bekleidung 729 Mk. ausgegeben. Bad Sassendorf. Am 12. Juli wurde der Grundstein zum Ban eines jüdischen Kinderheims gelegt. Das Kinderheim der Harpener Bergwerks-Aktiengesellschaft hat zurzeit etwa 60 Kinder in Kur. Karlsbad. Eine grosse Zahl jüdischer Wähler in Karlsbad hielt Donnetstag, den 2. d. Mts. eine Versammlung ab. in welcher folgende Resolution gefasst, wurde: ״Die jüdischen Wühler Karlsbads sprechen dem Reichstagsabgcordnetcn der Stadt Karlsbad. Herrn Professor Rudolf Lössl. anlässlich seiner Abstimmung für die Resolution des Proiessors Schund ihre schärfste Missbilligung aus. Sic hätten erwartet, dass derselbe als Jugendbildner •einer Resolution nicht zustimmen w erde welche die Bildungsmöglichkeit einschränken will. Diese Erwartung konnten sie um so eher״ hegen als es ihm als Vertreter eines Wcltkurnrtes besonders schlecht ansteht, einen bildungsfeindlichen rückschrittlichen Standpunkt cinzunehmen. Mülhausen. Nach dem Jahresberichte der Israelitischen Gewerbeschule für das Jahr 1907 wies die Anstalt 33 Schüler auf. die sich auf die verschiedensten Handwerke verteilen. Bei der in Metz veranstalteten Elsass-Lothringischcn Lehrlingsarbeiten-AustclIung hat das Preisgericht den vier teilnehmenden Schülern je einen 2. Preis zuerkannt und die Industrielle Ge- Seilschaft hat gelegentlich der Zcielmungsausstcllung drei Schüler mit Auszeichnungen bedacht. Die Einnahmen betrugen 16 296.72 Mark, die Ausgaben 12 264,53 Mark, so dass ein Ucbcrschuss •von 3200,19 Mark vorhanden ist. Das Institut, das 1842 gegründet und 1850 als gemeinnützige Anstalt ancrkannt w orden ist. verfolgt den Zweck, den Klein- und Hausier- Handel auf dem Lande zu bekämpfen und unter der ärmeren israelitischen Bevölkerung des Obereisass die Liebe zum Handw'crk zu w׳ccktn und zu fördern. Warschau. Im laufenden Jahre haben 3») Juden die hiesigen Gymnasien und 12 Juden die Landwirtschaftliche Schule in Pulawy mit der höchsten Auszeichnung (Medaillen) beendet. Zusammen mit denen, die die Schulen im vorigen Jahre beendet haben, gibt cs augenblicklich im Königreich Polen 75 solcher mit Medaillen ausgezeichneten jungen; Juden. Die ״MedaiÜistcn“, wie man sie nennt, haben bei der Aufnahme in die Universität den Vorrang. Trotzdem soll die zehnprozentige Norm beibehaltcn werden, d. h. die ״Medaillisten" werden nur dann aufgenommen werden, wenn die Zahl der christlichen Kandidaten 750 erreicht. Bisher aber sind erst 500 Bittschriften um Aufnahme von Christen eingelaufen. «*CTf״־