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Jüdische Rundschau · 1908-07-10 · Heft 28 (10.7.1908) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIII (1908)
Issue
Heft 28 (10.7.1908)
Date
1908-07-10
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Abonnementspreis einschliesslich LITERATURBLATT vierteljihrlich: . . _ 1• <«rch di• Expedition: ») In Berlm —,90 Mark. b) nach auswlrts 1,— Mark, c) für das Ausland 1,50 Mark. 2. In Paitabennemtnt: 1,23 Mark. Allgemeine Jüdische Zeitung. Redaktion: Expedition und Adresse lür Geldsendungen und Bestellungen: Verlag Jüdisch• Rundschau, £. Q. m. b. H. Berlin S.W. 68, Zimmerstrasse 77. BERLIN NW. 52, Melanchthonstrasse 4. Fernsprecher: Moabit, 3537. Insertionspreis die viergespaltene Petit-Zeile oder deren Raum 73 Pfennig. Alle Rechte Vorbehalten. Abdruck aus der JÜDISCHEN RUNDSCHAU nur bei voller Quellenangabe gestattet I Ocichüttsstuoden der Bxpedltlea täglich (ausser Sabbat und Sonntag) nachmittags 3—7 Uhr. Nummer 28 Berlin, 11, Tammus 5668 — 10. Juli 1908 XIII. Jahrgang Diskussion über den Deleprientag (Fortsetzung.) Bewegung und Endziel Seit dem Breslauer Delegiertentag ist in unserer Mitte eine I rinzipicllc und theoretische Diskussion über die Grundlagen unserer Bewegung entstanden, wie wir sie seit Erlöschen ces St!fites über die Frage der praktischen Palästinuarbcit nicht mehr gesehen haben. Sic knüpii aber logisch umnittelbar an den Kampf uni den Charterismus an. Konnte man im Anfänge der Bewegung der Ansicht sein, alles, was in den Golusliindern geschehe, sei nur von sekundärer Bedeutung, da die Erlangung des Charters und der Beginn der Abwanderung nach Palästina nur noch eine kurze Spanne Zeit ausstehen könnten, so wissen wir heute, dass wir voraussichtlich über- Haupt oluie einen generellen Charter uns werden behelfen müssen und uns darauf einrichten müssen, noch 40 Jahre in der Wüste zu wandern, als Masse vielleicht noch Generationen inunsern Wohnländcrn zu bleiben. Durch diesen veränderten Gesichtspunkt erhalten naturgomuss alle Fragen, welche unsere Stellung in diesen Wohnländern betreuen, eine ganz andere Bedeutung. Dazu kommt, dass seit Begründung unserer Organisation und mit unter ihrem Einfluss eine grosse Reihe anderer jüdischer Organisationen entstanden sind resp. die bestehenden sieh ausserordentlich gekräftigt haben, und wir mit diesen Organisationen als Macht• faktoren rechnen müssen. Für uns ist nun die Frage, wie wir Zionisten unter diesen Bedingungen zu einem Modus vivendi mit dem Milieu, in dem wir notgedrungen leben müssen, gelangen können, zu einer Lösung, die gleichzeitig drei Bedinguiigcii erfüllt: 1. Sie muss uns die reale, d. h. ökonomische, soziale, kulturelle und politische Existenzmöglichkeit in unsern Wohnländern bieten, 2. Sie muss* ur.s die Möglichkeit bieten, die Judenheit unserer Wohnländer zu dem Gedanken der Erhaltung und Neubildung des Judentums zu erziehen, 3. Sic muss uns Aussicht bieten, unsere palästinische Position in möglichster Beschleunigung intensiv und extensiv zu kräftige». Die Begründung der Notwendigkeit dieser 3 Postulatc dürfte sich erübrigen, da sie wohl auf keinen Widerspruch stossen dürften. Dagegen ist es erforderlich, dass wir unter uns einig werden über die Art, wie wir diesen Modus vivendi erreichen können, nachdem weniger seitens der Leitung der zionistischen Organisation, als seitens mancher ihrer Mitglieder und zum Teil auch seitens ihrer Presse vieles geschieht, was für die Erreichung dieses Zieles zweiiellos ein retardierendes Moment darstellt. Sölten hierbei AgitaUonsnicthodcn verschwinden müssen, die dem Einzelnen lieb und wert geworden sind, so möge er des Wortes des alten Liebknecht eingedenk sein: ״We 11 n die Dinge sich an einem Tage 24 mal ändern, so ändere ich tu c i!1 c T a k t i k 24 m a I.“ 111 diesem Hinblick erscheint cs vor allem notwendig — und es scheint, dass in diesem Punkte der grösste Teil der Diskussionsgegner erfreulicherweise der gleichen Ansicht sind —, dass wir uns, wie es unsere Leitung als solche stets getan hat, rückhaltlos auf den Boden stellen, dass wir deutsche Staatsbürger sind und unsere Gleichberechtigung in Deutschland erkämpfen müssen. Wir sind zu diesen» Standpunkt gezwungen aus zwei Gründen: Einmal, weil wir Zionisten in unserer Eigenschaft als deutsche Juden an der restlosen Durchführung der Gleichbercchtigung selber ein absolutes eigenes Interesse haben; zweitens, weil die Ocsamthcit der übrigen deutschen Juden, die das Objekt unserer agitatorischen Tätigkeit bilden, an dieser Frage ein derart überwiegendes Interesse nimmt, dass sie jede Richtung von vorherein ablehnt, die dieses ihr wichtigstes Interesse zu gefährden scheint Das ist offenkundig der Hauptgrund der Gegnerschaft der gesamten westlichen Judenheit gegen den Zionismus, die Furcht, wir beförderten durch die Betonung unserer Sonderart den Antisemitismus und erschwerteil die Erlangung der Gleichberechtigung. Wir haben dies prinzipiell stets energisch bestritten, sind aber als Einzelne in zahlreichen Einzelfällen nicht richtig vorgegangen. Die Hauptkonflikte mit der nichtzionistischen Judenheit in Deutsch-!and in den letzten .*׳,,״cn sind durch grosse Fehler Einzelner von uns provoziert \ den. Wir müssen nicht nur unausgesetzt die Maxime betoi.cn, dass wir als nationale Juden genau so gute deijtsche Staatsbürger sind wie irgend ein anderer Jude oder Nichtjude, wir müssen auch nach dieser Maxime handeln. Dass hier in der Tat kein Konflikt vorhanden ist, habe ich im A-B-C-Buch Hi dem Artikel ״Staatsbürgertum und Nationale Bestrebungen“ ausführlich begründet. Es seien hier nur zwei Momente wiederholt, die ich in der Debatte der Berliner Zionistischen Vereinigung Herrn Feiwcl und Herrn Dr. Auerbach gegenüber anfiilirte. Die Gestaltung des deutsehei Wirtschaftslebens führt immer piehr dazu, dass die selbständige Existenz des Kaufmanns und Gewerbetreiben*. den unmöglich wird und dieser als Privatbeamter in die grossen*’, Unternehmungen gezwängt wird. Diese Unternehmungen haben die Tendenz, gcnau'so wie die Staatsverwaltungen, judenrein zu sein. Da ein Eikle der Kapitalskonzentration und der Verstaatlichungen nicht abzusehen ist, so bedeutet diese Entwick-

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