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Jüdische Rundschau · 1908-07-03 · Heft 27 (3.7.1908) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIII (1908)
Issue
Heft 27 (3.7.1908)
Date
1908-07-03
Page
– (sequence 7)
Language
German
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No. 27 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 261 Aus Jerusalem Der hiesige musikalische Verein ״Kin״r-Zion“ entwickelt sieh Ranz vorzüglich. Verschiedene musikalische Abende, u. a. auch am Lag-Baomer und Schcwuoth legten Zeugnis ab von der ausserordentlichen Beliebtheit des jungen Vereins im hiesigen jüdischen Publikum. Es werden jetzt Abendkurse für Gesang und Musik eingerichtet, die sich eines starken Zu• Spruchs erfieucn. Eine Kolonie amerikanischer Juden Die Vereinigung Aschusath Nach!־.!׳ die gegründet wurde zum Zwecke der Erwerbung und Unterhaltung einer Kolonie in Palästina, ist nunmehr als amerikanische Gesellschaft unter dem Vorsitz des Mr. Harry rischel gesetzlich cingetcagcn worden. Zweck der Gesellschaft ist die Erwerbung von •1000 Dunam Land in Palästina, utn es nach einer gewissen Zcitperioüc in gleichen Abschnitten unter die Mitglieder des Vereins zu verteilen. Jedes Mitglied5 hat zehn Jahre lang?01) Dollars jährlich in die Vereinskasse zu zahlen, so dass sein Anteil nach 10 Jahren 3000 Dollar beträgt. Die Gesellschaft wird zunächst besondere Sachverständige nach Palästina entsenden, die dort das geeignete Land aussuchen sollen, und die Geschäftsführung in Palästina in die Wege leiten. Später soll in New-York ein Bureau mit einem bezahlten Sekretär eingerichtet werden. Das zu erwerbende Land soll in 100 gleiche Teile eingeteilt werden, von denen jeder einzelne entweder ganz mit Orangen oder teilweise mit Orangen und teilweise mit Oliven und Mandeln bepflanzt werden soll. Orangenzucht soll jedenfalls in erster Linie getrieben werden, weil die Orangen- Pflanzungen, z. B. in I’etaeh Tikwak, sich als sehr profitabel erwiesen haben und andererseits die palästinischen Orangen in Europa an Ruf gewinnen und den italienischen bereits ernsten Wettbewerb bereiten. Ausserdem ist Orangenzucht möglich nicht nur in der Nähe von Strömen, sondern auch, mittels ßcviisserungsanlag'en, in trockenem Gelände. Die Einzahlung des ersten Jahres (30 000 Dollars) soll ausschliesslich zum Bodenerwerb verwendet werden. Sollte dieser Betrag nicht ausreishen. um genügend gutgclegenes Land anzukaufen, so soll die Einzahlung des zweiten Jai res ganz oder teilweise noch dazu herangezogen werden. Die Raten der folgenden Jahre dienen der Bodenbepflanzung. Vom achten Jahre ab rechnet man, dass der Ertrag der Pflanzungen genügen wird, uni die Unterhaltungskosten zu decken. Vom Ende des zehnten Jahres ab hören die Zahlungen der Mitglieder auf, der Ertrag der Pflanzungen soll indessen noch 5 Jahre lang den Pflanzungen selbst zugute kommen. Nach 15 Jahren sollen demgemäss die Anteilinhaber Im Besitz einer Landparzelie sein, die ihnen zwischen 5000 und 10000 Francs Einkommen jährlich bringt. Die Parzelle ist dann Eigentum des betreffenden Gesellschafters, mit der er nach Belieben verfahren kann. Dabei ist wohl zu beachten, dass der Erwerb und die Bepflanzung von 40 Dunam durch eine Einzelperson 7— 8000 Dollar kosten würde, während sie nach diesem Plan bereits über 3000 Dollar mögicli wird. Die Bodenbearbeitung geschielt durch die Geschäftsführung der Aschusath Nachla in Palästina, die unter der Kentrolle der Anglo-Palestine-Company und des Palästina-Amtes arbeiten soll. Als Arbeiter sollen nur Juden angcstellt werden. Einunddreissig Mitglieder der neuen Gesellschaft haben die erste Anzahlung bereits geleistet. Aufgehobenes Landkaufverbot ln Palästina. Bisher bestand in Palästina ein Verbot, in einer Entfernung von je 10 km. 7u beiden Seiten der H c d s c h ä s - B a h n Land zu kaufen. Dieses Verbot ist in den letzten Tagen au!gehoben worden, wodurch ein neues aussichtsreiches Gebiet der Ansiedlung erschlossen ist. ^f~1־ Sprechsaal ri ftr Mt Mittcilangcti an dieser Stelle Obernlmmt die Redaktion nur die pressgesetxllche Verantwortlichkeit. Auf Beschwerde des Herrn Struck wünscht das Zentral- Iniro, dass wir mitteila», dass der erste Satz seiner Antwort an Hcrmoni in voriger Nummer ausgefallen sei. Ausserdem soll in der Mitte ein Vordersatz gestrichen sein. Die Haupt- Sache ist Herrn Struck das hebräische Zitat ־שם<וה ננונה das ausgefallen ist. Der Redakteur Dr. Locvve war bei der Redaktion nicht anwesend, sondern mit Wissen des Zentralbüros vertreten. Manuskript ist bereits vernichtet Um aber dieser unfruchtbaren Diskussion ein Ende zu machen, wollen wir deu Abschnitt, uni den es sich handelt, wörtlich zum Abdruck bringen und jeder Leser kann dann allein entscheiden. Der Artikel DarkI Zionäh (Mein Weg nach Zion) erschien am 29. April (28. Nissan 56C8). also nachdem bereits Herr Präsident Wolf*-■ sohn alle Garantien gegeben hatte, dass eine Arbeit im Bmcau. wie es früher vorgekommen ist, nicht mehr statt* finden könnte.ohne dass die Angriffe aufhörten. Der fragliche Abschnitt lautet hebräisch: «Haf<5z hefizu schenuiäh, schebclischkat hammerkas hazzionft en schomrlm et haschabbät kehilchatö. Dawürseh kewär liubrär — liaschschemuäh lü ncchonfib, halljschka hi seguräli uniesugerct. abhäl mefize haschscheniuäh e1ia»1 mistapkim hasch umosifim lehachl»t hachlatöt — keneged nii ukeneged n.ah? enfirti jodemi! Osim kenigäh al jede hatalüt raasch. Umäh od,“ Wir können das nur so ins Deutsche übersetzen: ,Man hat ein Gerücht verbreitet, dass man im zionistischen Zcntralbureau den Sabbat!; nicht satzungsgemüss beobachtet. Diese Sache ist aufgeklärt. י Das Gerücht ist unrichtig, das Bureau ist durchaus geschlossen, aber die Verbreiter des Ge* rüchtes begnügen sich damit nicht und fahren fort, Resolutionen zu fassen — gegen wen und gegen was? Sie wissen cs nicht! Sie machen einen Feldzug durch Erregung von Lärm. Und was weiter?“ Nach diesem Text und dieser Ucbersetzimg kann sich wnl jeder Zionist selbst ein Urteil darüber bilden, was im HAOLAM gestanden hat und wie der Sinn der hebräischen Worte ist. Für unser Blatt!:alten wir damit diese Diskussion für geschlossen. Kleine Mitteilungen Frankfurt a. M. Im ersten Quartal des Jahres 19C8 sind 323-1 diverse Kranke und 2069 Augenkranke in der Poliklinik des Palästinischen llilfsvcreins Lemaan Zion zu Jerusalem gratis behandelt, in der Apotheke •1554 Rezepte, zum grosser: Teil gratis, hergestellt worden. 10 00Q Personen, darunter 7GU0 Schüler der verschiedenen Schulen und Talnmd-Torahs. wurden anlässlich der anfangs des Jahres ausgebrockencn Bittcrn-Epidcmic kostenlos geimpft. 340 Kranken wurden leihweise die notwendigen Utensilien überlassen. Ferner erstreckte sich die Tätigkeit des Vereins aui Lehrlings- und Kranken- Unterstützung, Arbeitsförderung und Subventionierung russischerEinwanderer. Seit dem 1. Mai ist, wie Sie bereits mitteilten, eine Spezialklinik für Augenkrankheiten eingerichtet, woselbst Herr Dr. M. Erlanger, der frühere Assistent des Berliner Prof. Silex, täglich gratis Sprcclstunden abhält Schon im ersten Monat ihres Bestehens sind 566 verschiedene Patienten in 1SSI Besuchen behandelt worden. Der Verein sieht sich durch diese ausserordentliche Inanspruchnahme des Herrn Dr. Erlanger veranlasst, sobald als irgend tnöglieh, demselben eine geeignete Hilfskraft zur Seite zu stellen. Waschkoutz (Bukowina). Die Zionsvereine des Waschkoutzer und Stanesticr Bezirkes veranstalteten vor wenigen lagen ein Kaiserjubiläumsfest. Der Ort war beflaggt. Bei dem Umzug, an dem sich die gesamte Judenschaft beteiligte, wurden die offiziellen Ansprachen in hebräischer Sprache gehalten. Die Schüler der hebräischen Schule führten ein Theaterstück auf. Aus Woronesch, wo ohne iede Veranlassung 75 Iüdlsche liandwe.-keriamlUcn, die Jahrzehnte hindurch dort wohnten, ausgewiesen wurden, ist eine Deputation in Petersburg angelangt, um bei Stolypin vorstellig zu werden. Ob's aber Erfolg hat? >> * Warschau. Die jüdischen Zeitungen berichten, dass das Unterrichtsministerium ein Rundschreiben an die Kiratoreu der Lehrbezirke folgenden Inhalts erlassen: Wenn, eine Lehranstalt einen Sclülcrausflug nach Ortschaften veranstaltet, wo Juden sich autlalteii dürfen, so ist die Schulbehörde, sofern sich ״”ter.,?.c״ Schülern auch Juden befinden, verpflichtet, zuvor die Einwilligung des Gouverneurs zur Mitnahme der Juden einzuholem Wie minutiös die Fürsorge des Minsteriums ist Minsk. An den! Leichenzuge eines bei der Verfolgung vou Revolutionären getüten Polizisten nahmen vorgestern in Minsk der Gouverneur und die Mitglieder des ״Verbandes der echten Russen“ teil, die auch den Sarg mit Blumen geschmückt hatten; in ihrer Gegenwart hielt, obgleich die Untersuchung ergeben hat, dass der Mörder ein Russe war. ein höherer Beamter am offenen Grabe eine Rede gegen Polen und Juden, indem er behauptete, die Verbrecher seien Polen und Juden gewesen. Finnland. Der Finnländisclie Senat hat neuerdings wiederum drei Gesuche von jüdischen Familien, ihnen die Ansiedlung in Finnland zu gestatten, abschlägig beschieltem. *) Aus Rücksicht auf die Druckverhältuisse geben wir den Text in lateinischer Umschrift.

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