Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 25 (19.6.1908)
- Date
- 1908-06-19
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 25 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 241 £e\vi11־Epstein, reist dieser Taue abermals nach Palästina ab. um eine zweite Kolonie auf derselben Basis wie Rechoboth Ins Leben zu rufen. An dieser neuen Kolonie beteiligen sich fast ausschliesslich wohlhabende amerikanische luden, die eine Gesellschaft mit gleichen Anteilen bilden und gemeinsam den Landkomplex kaufen und bewirtschaften lassen werden. Das Technikum in Palästina Aus Jaffa wird uns von unserem dortigen Korrespondeuten geschrieben: Dr. Paul Nathan, der gegenwärtig wieder in Palästina weilt, studiert liier die verschiedenen Städte, die für die Erriclituug des neu zu gründenden Technikums in Betracht kommen, auf ihre Eignung zu diesem Zwecke. Dr. Nathan und Achad Haan! sind für Haifa, während andere äugescheue Persönlichkeiten .1 e r u s a l c m als den geeignetsten Platz betrachten. Nach der Ansicht von Dr. Nathan ist Haifa deshalb vorzuziehen, weil es durch seine Lage am Meere, sowie durch seine Eisenbahnverbindung mit Damaskus einer grossen Zukunft entgegen geht. Der Handel wächst dort zusehends, und auch die Industrie ist in ständiger Ent- Wicklung begriffen. In Haifa wird jetzt der Hafen ausgebaut, und die Stadt wird so immer mehr zum wirtschaftlichen und kulturellen Mittelpunkt Palästinas. Es muss frühzeitig dafür gesorgt werden, dass in Haifa ein starkes jüdisches Zentrum entstehe, um die durch die Lage der Dinge geschaffenen wirtschaftliclicn Vorteile fiir die Juden auszuniitzen. Die Grün• uting der technischen Schule in Haiia würde sicherlich nach dieser Richtung hin sehr viel nützen. Die Partei, welche für die Errichtung des Technikums in Jerusalem ist, weist auf die Notwendigkeit hin, dem bc* stehenden jüdischen Zentrum in Jerusalem neue Lebenskraft zuzufiüiren. Der Einfluss der Juden in Jerusalem, und die Rolle, welche sie im Lande spielen, würden dadurch eine wcsentlichc Hebung und Stärkung erfahren. Auch wird die Befürchtung ausgesprochen, dass in Haifa das Technikum d c u t - sehen Einflüssen allzu sehr unterliegen müsste, während es in Jerusalem eine echt jüdisch-nationale Anstalt mit der hebräischen Unterrichtssprache bleiben muss. In diesem Sinne haben viele Juden Palästinas Dr. Nathan eine Adresse ühcrreicht. Gegen Haifa sprechen auch administrative Sch wierigkeiten. welche mit einer eventuellen Errichtung des Technikums in dieser Stadt verbunden sein könnten. Haifa untersteht dem NVali von Beirut, der selbst Kindergärten nicht eröffnen lässt, weil er die Stärkung des deutschen Einflusses fürchtet. In Jerusalem dagegen wird man voraussichtlich ohne Schwierigkeiten und polizeiliche Schikanen die Schule• begründen können. Augenblicklich hat sich Dr. Nathan nach Beirut begeben, um mit der dortigen administrativen Behörde persönlich zu verhandeln. Es wäre sehr zu wünschen, dass diese Verhandlungen Erfolg hätten, denn, wie die Dinge einmal liegen, muss doch Haifa zweifellos als der geeignetste Platz für das neue Technikum betrachtet werden, wenn es nicht gegenwärtig überhaupt der einzige Ort ist, an dem die Errichtung einer höheren technischen Schule den Juden und dem Lande wirkliehe Zukunftsaussichten eröffnet. Die Befürchtungen eines überwiegend deutschen Einflusses, die der Wali auch vom Technikum zu hegen scheint, wird Herr Dr. Nathan sicher durch Hinweise auf die Zweckbestimmung der Schule entkrälten können. Vom Standpunkte des Judentums, des Hehraismus und des materiellen Erfolges aus kann n u r Haiia als Ort für das Technikum in Betracht kommen. Kindergärten Wie populär die Institution des Kindergartens, die für den Orient eine in mannigfacher Richtung ungemein wichtige Mission zu erfüllen hat — in der kurzen Zeit ihres Bestehens gesoeziell in Palästina gewgrden ist — dafür liefern die folgenden Mitteilungen einen höchst erfreulichen Beweis. Der Zudrang zu den 3 Kindergärten des Hilfsvercins der Deutschen Juden in Jerusalem war zu Beginn des neuen Schuljahres nach Ostern so stark, dass nicht allen Gesuchen um Aufnahme entsprochen werden konnte. Hunderte von Müttern füllten, wie man uns aus Jerusalem mitteilt. Hof und Strasse vor den Lokalen der Kindergärten, um ihre Kinder anzumelden. Die Erauen. deren Kinder aus Mangel an Raum nicht aufgenommen werden ,konnten, verliessend weinend das Haus. Die drei Kindergärten des Hilfsvereins in Jerusalem zählen jetzt •150 Zöglinge. Der dritte Kindergarten ist aus der Montefiore-Kolonie in die Stadt verlegt werden. Zum ersten Male ist damit überhaupt ein Kindergarten im Innern der Stadt eröffnet worden. Besondersbemerkenswert und ein sehr bedeutsames Zeichen fiir den Fortschritt, den das moderne Erzichungswerk in Palästina macht, ist es, dass unter den neu Aufgcnoituucncn sich allein 11(» Knaben befinden, die in früheren Zeiten den Chcder besucht hätten. Aus dieser Schar wird die moderne Schule das beste Schiilermaterial erhalten. Die Segnungen, die die moderne Schule und das Fundament, aut dem der Hilfsverein der Deutschen Juden sie aufbaut, der Kindergarten, für die junge Generation mit sich bringt, werden von der Be- Vülkeruiig von Tag zu Tag mehr empfunden und gewürdigt. ־־ET Sprechsaal r~־f^ Mr dl« MJttellanjcn ■n dieser Stelle übernimmt die Redaktion nur die pressgesetztlche Verantwortlichkeit I. Die verchrl. Redaktion der JÜDISCHEN RUNDSCHAU bitte ich, folgende berichtigende Ergänzung autzunehmeu: Der dritte Absatz der von Dr. Eriedematm und mir eiligebrachten Resolution: der deutsche D. T. ersucht die deutsehen Mitglieder des A. K.. darauf hiuzuwirken. dass die offizielle zionistische Presse sich religiösen Fragen gegenüber neutral verhalte, wurde erst zurückgezogen, nachdem Dr. Bodenhcimer namens der anderen A.-K.-Mitglicder erklärt latte, er würde iiir selbstverständlich gehalten, in der von der Rest Intioii gewünschten Richtung zu wirken. Ergebenst Hermann Struck. II. Berlin-Charlottenburg, den 14. Juni OS. Sehr geehrte Redaktion! In der letzten Nummer des ISRAELIT finde ich in dem Artikel über den Delcgiertentag der deutschen Zionisten eine Erklärung des Herrn Struck wiedergegeben, die folgenden Passus enthält: ״Das hebräische offizielle Parteiblatt HAOLAM aber, das fortgesetzt unsere Empfindungen durch seine Artike.1 verletzt, schoss den Vogel ab. Wie sehr nämlich diese Kreise ihr Unrecht empiinden. ersieht man daraus, dass der HAOLAM durch die Hand seines Redakteurs Hcrmoni die bedauerlichen Vorkommnisse einfach ableugnet —!“ Ich will in keine Diskussion darüber eintreten. ob der HAOLAM wiiklicli ״fortgesetzt unsere (d. h. der Gesetzestreuen) Emptindungen durch seine Artikel verletzt** — das ist eine Sache der persönlichen Ansicht, über die ich mich mit Herrn Struck kaum einigen werde. Ich will nur feststellen, dass ich niemals die ..bedauerlichen Vorkommnisse“ ab ge leugnet habe. Ich habe überhaupt niemals über diese Vorkommnisse geschrieben, vielmehr habe ich in meinem Artikel ״Darki Ziona“. in der No. 17 des HAOLAM. behauptet, dass man zur Zeit (es־ war kurz nach Pessach) im Kölner Zentralbureau «1m Sabbnth nicht mehr arbeite. Herr Struck und Genossen können das ja gewiss in der »blichen Weise kontrollieren. Ich nehme an. dass es sich bei der Erklärung dts Herrn Struck uni ein Missverständnis handelt: und zwar könnte Herr Struck die Gegenwart mit der Vergangenheit verwechselt haben,indem er den Satz עבת היא סגורה וססדגרה.“• vielleicht ,הלענה היתד. בגירה ום:וגיד gelesen haben wird, was bei seinem geringen hebräischen Wissen ein entschuldbarer Fehler wäre. Interessant ist dabei, dass Herr Struck in Deutschland gewisscrniassen für eine Autorität für hebräisch gilt, und dass er sich iiir befugt hält, die Redakteure des hebräisch geschriebenen HAOLAM abzukanzeln. Mit Zionsgruss A. Hcrmoni. Redakteur am HAOLAM. Aus Gemeinden und Vereinen D. J. G. B. An Spitze der soeben erschienenen No. 70 der MIT- II.!LUNGEN, vom Deutsch-Israelitischen-Üemeindcbund. wird in einem Artikel ..Israelitische Erziehungsanstalt für geistig zurückgebliebene Kinder Wilhehii-Augustc-Victoria-Stiftung in Beelitz“ über den derzeitigen Stand des vom D.LG.B. gemeinsam mit der Grossloge des Biie Briss-Ordeus geplanten Hilfs- Werks au den geistig zurückgebliebenen jüdischen Minderjährigen berichtet. — Der Bau in Beelitz schreitet rüstig voran, so dass die Eröffnung• der Anstalt im Oktober d. Js. erwartet werden kann. Bei der erstmaligen Aufnahme der Zöglinge hat sich das Komitee das U. Lebensjahr als Orenze gesetzt, um die Schwierigkeiten, mit denen das Anstaltspersonal zu kämpfen haben wird, nicht ncch zu verzrossern. Der Auiertt- I halt in der Anstalt selbst kann bis zum 20. Lebensiahre aus-