Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 23 (5.6.1908)
- Date
- 1908-06-05
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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No.' 23 Seite 303 tZ JÜDISCHE RUNDSCHAU werden sollten;: •wir haben dieses Projekt aber fallen lassen müssen, da die Kosten dafür zu hoch sind. Auf vielfache Anfragen, ob und wo Oelbüumc bereits zur Pflanzung gekommen sind, bemerken wir bei dieser Gelegenheit, dass die Baumschule in Lydda bei Ramlch, die vor kurzem mit gutem Erfolge angelegt wurde, für mehrere zehntausend Baume berechnet ist, von denen bereits 15 000 angepflanzt sind, wahrend das für den Herzhvald demnächst zu erwerbende Terrain Hulda, das auf dem Wege von Jaffa nach Jerusalem liegt, für die Pilanzung von 20 000 Büumen genügt. Bei Hinzurechnung der gewöhnlichen Oclbaumspcnde;! ergibt sich zwar ein Gegenwert von über 10 000 Büumen; die speziellen Herzlwakl-Spcnden haben aber die Höhe von 10 000 Büumen noch lange nicht erreicht. Soll der Herzhvald in der Zukunft die Basis eines grossen ständigen Kulturfonds werden, 50־ ist es klar, dass man spüter weder bei 10־ noch bei 20000 Baumen stehen bleiben kann. Nachdem der achte Kongress sich in erhöhtem Masse für Kulturarbeit in Palästina ausgesprochen hat, ist es die Pflicht eines jeden Zionisten, sich an dieser eminent wichtigen Kulturarbeit zu beteiligen und dem Herzhvald sein besonderes Interesse zuzuwenden. Die Selbstbesteucrung ist ein arg vernachlässigtes Stic!- Kind des National-Fonds; die Einnahmen aus diesem Zweige betrugen 1906/07 ca. 1000 Mk., 1907/08 ca. 1800 Mk\, ein wahrhaft klägliches Resultat, wenn man sicli an die grossen Hoffnungen erinnert, weiche die Einrichtung dieses Zweiges seinerzeit erweckt hat. Und hierbei muss man sich ins Gedüchtnis zurückrufen, dass der grösste Teil der Einnahmen aus diesem Zweige aus dem Lande Anhalt kommt, wo unser geschätzter Gesinnungsgenosse, Herr Kantor Blitz, in Dessau alljährlich für die Selbstbesteuerung in eifrigster Weise tätig ist; die Methode des Herrn Blitz ist in der JÜDISCHEN RUNDSCHAU schon wiederholt zur Nachahmung empfohlen worden. Wir lassen hier noch einmal einen Brief des genannten Herrn an das Berliner Zentral-Bureau iolgen, in welehern er über die Art seiner Sammlungen sich des Näheren auslässt. Herr Blitz schreibt: Auch in diesem Jahre habe ich wie früher eine Agitation für die Selbstbesteuerung zugunsten des Nationalfonds in Anhalt veranstaltet und dieselbe noch weiter ausgedehnt als im Vorjahre; der Erfolg hat infolgedessen den von 1906 noch ganz bedeutend übertrofien. Ich kam nach Plätzen, an denen man von einem Jüdischen Nationalfond noch nie etwas gehört hat, oder wo man dem Zionismus abweisend gegenüberstand dennoch habe ich fast überall von Juden, die nicht Zionisten waren, ziemlich beträchtliche Summen iiir den Nationalfond erhalten. Ich meine daher, dass meine Methode, zu den Leuten ins Haus zu gehen, die richtige ist und dass dieselbe in ganz Deutschland nacligeahmt werden müsste; denn das ist doch klar, dass man auf Grund von Broschüren kein Qcld erhalten wird, da die meisten Leute doch Gcschäftslcute sind, die nur selten Zeit haben, Broschüren zu lesen, und es ja auch schliesslich zuviel verlangt wäre, dass jemand, der vom Zionismus zum ersten Male hört, aus freien Stücken Geld für unsere Institutionen absenden soll. Etwas ganz anderes Ist es, wenn man unsere Stammesbrüder in ihrer Wohnung persönlich aufsucht und mit ihnen eine Debatte über Judentum und Zionismus herbeiführt. Ich kamt ruhig die Behauptung aufstclien, dass ich von */o der von mir besuchten Personen Betrüge erhalten habe; überall habe ich natürlich den Zionismus gemeinverständlich erklärt und Zweck und Ziele des Nationalfonds auseinandergesetzt und, wie gesagt, fast regelmässig nach kurzer Debatte einen Betrag erhalten, was ich besonders betonen möchte, etwfa nicht als Schnorrerei oder Almosen, sondern als regelmässige jährliche Beiträge für den Fond. Aus dieser meiner Erfahrung heraus. lege ich nochmals meinen Gesinnungsgenossen meine Methode zur Nachahmung ans Herz, denn diese persönlichen Besuche sind schliesslich auch ein sehr wichtiges Agitations- und Propaganda-Mitte! und wirken weit besser als grosse Versamm- Jungen, die doeji von einer ganzen Anzahl von Leuten nicht besucht werden, und deren Ton auch oftmals dem einfachen Manne zu hoch ist, als dass er sich ein klares Bild von unserer Bewegung mache« könnte. Daher müssten sich überall in den Ortsgruppen Männer finden, die sich einer solchen Arbeit unterziehen, und die von Ort zu Ort, von Dorf zu Dorf gehen und für unsere Bewegung agitieren.“ Und was Herrn Kantor Blitz in Anhalt gelungen ist, müsste doch in anderen deutschen Landen von geeigneten Personen ebenfalls geleistet werden; darum ist für diesen Zweig des Nationalfonds auch besondere Aufmerksamkeit anzuempfehlen. Es ist auch vor zwei Jahren der Versuch gemacht worden, Zehner-Gruppen, sogenannte Minjanim, zu gründen, deren Glieder sich die Verpflichtung auicrlegt hatten, in regelmässigen Zeitabschnitten sich zugunsten des Nationasfonds selbst zu besteuern; es ist von alledem nichts übrig geblieben. Eine einzige rühmliche Ausnahme macht das Minjan, das unter Leitung unseres bewährten Gesinnungsgenossen Hermann Struck in Berlin stellt; es ist das einzige, das überhaupt noch in Deutschland existiert. Und doch könnte diese Quelle dem Fond ganz erhebliche und was die Hauptsache ist, regelmässige Einnahmen zuiiihren, wenn jeder Zionist sich seiner Pilicht voll und ganz bewusst wäre und sich diese freiwillige Steuer auierlegtc. An dem Beispiel in Oesterreich ist zu ersehen, dass die Selbstbesteuerung bei intensiver Agitation gute Resultatezu erzielen imstande ist. Der Wunsch nach Sammelbüchsen ist von der Nationaliond-Vcrwaltung in ganz ausgedehntem Masse befriedigt worden; cs sind jetzt iu Deutschland ungefähr 3000 Sammelbuchsen untergebracht; allein auch hierbei ist das Resultat nicht im entferntesten den gehegten Erwartungen entsprechend gewesen. Auf Wunsch der Hauptleitung in Köln ist von jetzt ab eine eigene Rubrik ״Aus Sammelbüchsen“ eingerichtet worden, um deren Ergebnisse besser verfolgen zu können. Wir müssen daher die Ortsgruppen-Vorstände wiederholt dringend bitten, darauf zu sehen, dass in ihren Ortsgruppen jede Büchse regelmässig in Zwischenräumen von drei Monaten einmal geleert wird. Die Nationalfond-Verwaltung richtet zwar hierauf ebenfalls ihr Augenmerk, allein es ist Sache der Ortsgruppen, einen geregelten Dienst für die Büchsen herzu- . stellen. Es mag hier nochmal daran erinnert werden, dass die Büchsen, die einen schönen Zinunerschmuck darstelien, kostenlos und portofrei abgegeben werden. Die Ortsgruppen müssen nach Möglichkeit darauf achten, dass die Sammelbüchsen auch in die Häuser von Nichtzionisten kommen, insbesondere in solche, die für die Chaluka Spenden zu geben pflegen; zum anderen aber ist es von grosser Bedeutung, sämtliche jüdischen Restaurants mit solchen zu verscheu; man wird die betreffenden Herren leichter dazu veranlassen können, dass sic ihre Genehmigung zur Aufstellung der Büchsen erteilen, wenn man sie darauf aufmerksam macht, dass bei den regelmässigen Ausweisen in der JÜDISCHEM RUNDSCHAU jedesmal der Name des Restaurants, in welchem die Biichse aufgcstellt war, erwähnt wird, so dass die Herren dadurch eine gewisse Reklame ganz gratis erhalte«. Wen« wir bereits in dem Bericht für 1905/06 darüber geklagt haben, dass der Absatz von Nationalfond-Marken recht mangelhaU sei, so gilt dies von den beiden Jetzigen Berichtjahren noch in erhöhtem Masse. Die Einnahmen hieraus beliefen sich in beiden Jahren auf insgesamt 1500 Mk. Die Hauptverwaltung in Köln hat die Absicht neue Marken hersteilen zu lassen und wird dann den noch vorhandenen grossen Fond von alten zu einem wesentlich reduziertem Preis verkaufen, so dass vielleicht dann der Absatz derselben sich flotter gestalten wird,. i i % % t •יומוייוי