Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 23 (5.6.1908)
- Date
- 1908-06-05
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 200 No. 23 JÜDISCHE RUNDSCHAU. unseres Zukunftslandes, vollzieht sich auch in .der deutschen Judenheit ein noch wenig bemerkbarer geistiger Umschwung, von dem wir hoffen können, dass unserer Zionistischen Zukunftspartei gute Ernten aus dieser Saat erwachsen werden. Die Fragen, die wir zu behandeln haben, sind teils solche, die uns vereinigen, wie die Fragen der Wirtschaftliehen Entwicklung und kulturellen Hebung unseres Landes und seiner Juden, Dann snd es aber auch Fragen, die geeignet sein können, Zwiespalt unter uns hervorzurufen. Die Gegenstände, die zu einer Spaltung oder auch nur zur Ver- Stimmung führen können, tragen somit schon an sich das Zeichen, dass sie nicht dem Zwecke des Zionismus entsprechen, der alle Juden zu gemeinsamer Arbeit für die öffentlichrechtlich gesicherte Heimstätte für das Jüdische Volk in Palästina vereinigen will. Trotz aller Debatten wird man schliesslich zu keinem endgiltigen Resultat in den Fragen kommen, die den Zionismus eigentlich nichts angehen. ln der Frage der deutschen inneren Politik wird man kein anderes Verlangen an die Zionisten richten können, als sie furtfahren zu lassen, was sie bisher taten, nach bestem Willen und Gewissen das Wohl des Staates zu fördern, dem sie angehören und jede Nützlichkeitspolitik als unsittlich und schädlich abzuweisen. In deutschen Fragen deutsch, in jüdischen jüdisch! Zu den jüdischen Fragen gehört das Verhalten zu den grossen Organsationen im Judentum ausserhalb des Zionismus. Da heisst es nicht zu vergessen, dass unser Endzweck für unser Verhältnis zu ihnen allein ausschlaggebend zu sein hat. So weit sie dem nationalen Gedanken im Judentum und der planmässigen Besiedlung Palästinas durch Juden sich geneigt finden, ist ein Zusammenarbeiten möglich. Jedes andere Zusammenarbeitenwollen würde zu Kompromissen führen, und Kornpromisse in grundsätzlichen Dingen müssen kompromittieren. In Fragen der Religion haben wir keine Ent- Scheidung zu treffen, da bereits der grundlegende Kongress als Verfassung in dieser Richtung festgesetzt hat, dass der Zionismus mit der Frage der Religion sich nicht zu befassen hat. Es muss jedem einzelnen unbenommen bleiben, bei seiner Art des Glaubens oder Unglaubens selig zu werden. Der Zionismus lehnt jede Inquisition und jedes Ketzergericht grundsätzlich ab. Auch hier entscheidet eben der nationale Character der zionistischen Idee, die. alles ausschüesst was die Juden trennt und alles hervorkehrt, was sie vereinigt. Uns vereinigt aber unsere grosse nationale Geschichte, unsere grosse nationale Not der Gegenwart und unerschütterliche Hoffnung auf die grosse nationale Zukunft. Unmittelbar im Anschluss an das Fest, das das Empfangen der mosaischen Kulturlehre, der Thora feiert, versammeln wir uns und ein Hauch dieser Festesstimmung möge auch über unserm Delegiertentage schweben. Es ist das Fest jenes Mosaismus, der an das ehrfurchtsvolle Betragen zu Eltern und Altvordern die frohe Verheissung knüpft, dass wir lange leben sollen in dem Lande unserer Väter, in dem Lande, das der Ewige unserem Stammvai»*;• zugeschworen hat, für seine Kinder, so lange der Himmel über der Erde steht. Wir dürfen erwarten, dass der Geist der Zwietracht unseren Beratungen fern bleibt, dass der Zionismus und allein der Zionismus es ist, der unseren Verhandlungen das Gepräge gibt und begrüssen die Delegierten, die aus allen Gauen Deutsch- •lands herbei eilen und die Gäste aus den Nachbarstaaten, aufs allerherzlichste. Sie kommen, um für die Zukunft des Volkes zu raten und zu taten. Der Geist der Einigkeit wird sie führen. Und in diesem Sinne haben wir den höchsten Wunsch, den Juden in den allerinnigsten Momenten sich gegenseitig zurufen ■ ...S-v [לשנה הבאה נירושלש ־~~~ ~ HeiTTFicl~Loewe.~T Bericht des Zentralbureaus der Zionististischen Vereinigung für Deutschland Die Beschlüsse des tu. Dclegieftcntagcs in H anno v c r am 4. und 5. Juni 190ö hatten die Spannung zwischen den deutschen Zionisten iiticrbriickt.' Das Ergebnis der Tagung war denn auch ein schnelles Anwachsen der agitatorischen Tätigkeit sowie eine Stärkung des inneren Lehens vieler Ortsgruppen. Dementsprechend brachte das Winterhalbjahr 1906/07 unserem Bureau wesentlich mehr Arbeit als bisher. Wir haben uns bemüht, der allgemeinen Stimmung entgegenzukommen, indem wir den Ortsgruppen, wie dies auch in früheren Jahren geschehen war, immer neue Agitationsmittel zur Verfügung gestellt haben. Die sichtbare Folge der verstärkten Tätigkeit der Gruppen war die Vermehrung der Scliekeleingänge. sowie das Anwachsen der Sammlungen für den Nationalfond und andere palästinische Institutionen. Die deutsche Landes-organisatkm konnte'daher zum 8. Kongress im Haag im Sommer 1907 30 Delegierte cnLsenden. Der 8. Kongress hat für die Oesamtparteidas geleistet. w׳as der Zionismt!s in Deutschland dem Delegicrtcntag in Hannover zu danken hat. Die prinzipielle Diskussion über die Tätigkeit der Partei in Palästina wurde für Jahre hinaus durch ein fast einstimmiges• Votum des Kongresses in der Palästinafrage gcschlossen. Ausserdem wurde die Arbeitsfähigkeit der Parteileitung durch die Einschränkung der Zahl ihrer Mitglieder wesentlich gefördert. Die deutschen Delegierten haben zu diesem guten Ergebnis sehr viel beigetragen, und so war es denn auch erklärlich, dass insbesondere sic vom Kongress befriedigt zttriickkame״ und sich von neuem eifrig der Agitation widmeten Wir können mit Befriedigung konstatieren, dass die Tätigkeit der Gruppen auch im vergangenen Winterhalbjahr nicht nachgelassen hat obwohl der mächtige Ansporn eines nahe bevorstehenden Kongresses fehlte. Zifiernmussigc F.rgebnissc vorzulcgcn, sind wir leider nicht in der Lage, da die Seliekclsammlung für das laufende Jahr noch nicht beendet ist, das Rechnungsjahr vielmehr noch bis zum 30. Juni läuft. Für unser Bureau haben wir einen Bericht für zwei Reellnutigsjahre zu geben, da im vergangenen Jahre ein Dolegiertentag nicht stattgeiunden hat. Der Mitgliederbestand des Bureaus bat. um dies vorwegzunehmen, sich insofern gcändert, als wir mit Genehmigung des Zentralkomitees Herrn Rechtsanwalt G ronema un im August 1907 kooptiert haben. Zur Förderung der Propaganda haben wir eine Reihe neuer Broschüren herausgegeben. Unmittelbar nach dem letzten Delegicrtcntag haben wir die von Herrn Dr. Alfred Nossig verfasste Broschüre .,Die jüdische Volksbewegung“ herausgebracht. Die anerkannt vorzügliche Broschüre ist in mehr als SO 000 Exemplaren verbreitet worden. In Berlin »st sie sämtlichen Mitgliedern der jüdischen Gemeinde zugegangen. Ausserdem hat sie der Gesamtauflage des HAMBURGER ISRAELITISCHEN FAMILIFNBLATTES und der STRASS- BURGER ISRAELITISCHEN WOCHENSCHRIFT heigelcgcn. Der Rest ist von den Ortsgruppen vertrieben worden. Im März 1907 sind vier Nummern der JÜDISCHEN RUNDSCHAU zu Agitationszwecken in einer Aut läge von 20 000 Exemplaren erschienen, im laufenden Jahre haben wir die von Herrn Davis T riet sc 11 verfasste Broschüre ״Wirtschaftliche Tätigkeit in Palästina“, vermehrt durch eine Karte und die neueste Statistik der jüdischen Kolonien, sowie durch eine UchersicUt de! AornsViselten Institutionen in Palästina, in 10 000 Exemplaren und eine Broschüre von Herrn Dr. Alfred Nussig ״Die jitdisehe Realpolitik“ in 5000 Exemplaren herausgegeben. In den letzten Wochen ist es uns auch gelungen, das ״Zionistische A-B-C-Bttcli“ fertig zu stellen. Das W'erk Wird einem allgcmeinen Bedürfnis abliclfen, indem es zum ersten Male in gedrängter Form eine umfassende Darstellung aller den Zionismus betreffenden Themata gibt. Wir sprechen‘ Herrn Dr.