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Jüdische Rundschau · 1908-05-28 · Heft 22 (28.5.1908) · page 13

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIII (1908)
Issue
Heft 22 (28.5.1908)
Date
1908-05-28
Page
– (sequence 13)
Language
German
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No. 22 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 103 Jüdische Handlungsgehilfen und Gehilfinnen! | 1 Wnil schärfer. immer gefährlicher und veruerblicher wird das Wüten des Antisemitismus, Es gibt n eniatiactl unter Euch, der das nicht tätlich sicht, oder der dies mclit irgendwie zu fühlen bekommt. Die jüdischen Angestellten sind es, die physisch und psychisch dem Judcrihnss am meisten preisgegeben sind. Nicht nur ihre jüdische, ihre Menschen-Ehre, sondern auch ihr Stück Brot müssen sic dem Antisemitismus gegenüber verteidigen. Den jüdischen Angestellten stösst der jüdische und nichtjüdische Chef meistens zurück, dem jüdischen Angestellten verweigert man die Stelle.. Nicht das Fach, nicht die Arbeit, der Juden wird boykottiert. Nun denn, Ihr jüdischen Angestellten, wenn Ihr als Juden zimickgesetzL wenn Ihr als Juden getroiieu werdet, so vertcnligt Euch als Juden. Nichts ist logisJicr, nichts ehrenvoller, nichts klüger. Als jüdische Angcsellte sdilicsst Huch zusammen, zur Abvehr der wirlsc»!aftlichcn und antisemitischen (icfaltr! Kol.egcn und Kolleginnen! Wer von Huch die Wirtschaftliehen und gesellschaftlichen Verhältnisse in der Gegenwart mit klarem Auge netraclict, wer sich mich etwas Hiebe zu tmsertti jüdischen Volke bewahrt bat 1י1״ו dessen Not lindern will, wer sich sein Sebstbewusstoiu seine lilirc erhalten mochte und im Kampfe als wirtschaftlich Schwächerer und als Jude zugleich brüderliche Unterstützung• und Kräitigmig sucht, wird und muss sich unscrm Verbände aiischlicsseu. — ln der Bewegung der fiandlung.s׳gel!iifensehait Deutschlaiiu.s spielen sich Dinge ab, die jeden jüdischen Haudliiugsgehilfeti zum Nachdenken über seine eigene Stellungnahme zwinge״ sollten. Der ״Verband Deutscher Handlungsgehilfen /u Leipzig״ will sich mit dem ,.Dcutsclmationalen ilandhingsgclulfen-verband׳* fusionieren, oder, wie uie Herren sich aus- /״drücken belieben, ״eine Interessengemeinschaft licrstillen‘‘. I:s kann einem jüdischen Handlungsgehilfen nicht gleichgiltig bleiben, dass wieder ein Verband mit einem so grossen Mitglicderstaiide in das Fahrwasser der Herren Schack. Blohcl und Konsorten himibergleitet. Der Vorstand des Vereins Deutscher ilanühingsgehi'fen tat zwar alle Schritte über die Köpfe! seiner Mitglieder hinweg und erklärt mm immer auf die Frage, was mit seinen jüdischen Mitgliedern geschehen soll. i:1 gewundenen und gedrechselten Ausdrücken, ״deren Rechte sollen nicht angetastet werden.“ Hs würde also ein Schutz- Judentum Fein! Y.D.U. eingerichtet werden. Eine liebliche Situation für die jüdischen Mitglieder, und wir iragen Huch. Ihr jüdischen Handlungsgehilfen und -Geliiliiiinei. genügt Euch dieser neue Schlag ins Gesicht noch immer nicht, oder seid Ihr weiter gewillt. Euch als ein zu duldendes übel betrachten zu lassen? Wollt Ihr wirklich durch Euer Verhalten bestätigen, dass Ihr minderwertig seid. Was nützt cs Euch, dass Ihr in die angeblich paritätischen Vereine lauft? Betrachtet sic, und Ihr werdet sehen, wieviel Rechte Ihr in ihnen geniesst! Der eine nimmt euer Ocld und bcschliesst dann über Eure Köpfe hinweg, sich offen in antisemitische Gefolgschaft zu begeben. 111 Wirklichkeit ist er seit langem antisemitisch: denn er hat noch keinen Juden in sein Büro und in seine Verwaltung geumninen. Ein anderer sagt zu seiner Entschuldigung: ״Wir haben Gott sei Dank wenig Juden.“ Sogar Vereine, die zum . überwiegenden Teil aus Juden bestehen, stellen keine Juden in ihren Büros an. und deren Vakaiizeiilisten sind fast ausschliesslich für die christlichen Mitglieder reserviert. Das ist Liberalismus, der die Chefs ruhig ihren Antisemitismus pflegen lässt, anstatt ilm zu bekämpfen. Die Verbände und Vereine-mögen den guten Willen haben, vir wollen ihnen dies nicht bestreiten, aber durchsetzen können sie für uns als Juden nichts, hier hilft nur eines, eine eigene jüdische Gehilfen- Organisation, und bics ist der Jüdische Haudltingsgehilfen-Verbaud. Nieh um eine neue Zersplitterung hervorzubringeu. gründeten wir den Verband, sondern aus zwingender Notwendigkeit heraus, aus Liehe zu unscrm Staude uub zu unserin Volks- tum. Ausser der Selbsthilfe durch gütliches Einwirken auf I die Hinrichtungen in den einzelnen Geschäften und der Beseitigung verkommender Missstände, erstreben wir weiteren Ausbau der sozialen Gesetzgebung für unser!! Beruf durch folgende Forderungen: 1. Eine wöchentliche Ruhepause von mindestens 36 Stunden: 2. Verkürzung der täglichen Arbeitzeit: a) in den Engros-, Bank- und Eabrikgeschäften auf höchstens 8 Stunden, b) in den Detailgesehäfteu durch rcichsgcsetzliehe Einführung des ,8 Uhr-Ladenschlusses als Beginn weiterer Verkürzung: 3. Fest- Setzung von Mindestgehältern nach 5cn Ortsverhältnissen: 4. Regelung des Lelirliiigswesens durch Staffelung und Vcr־< kürzung der Lehrzeit; 5. Einsetzung von Handclsinspektorcn: א• Handlungsgehilicnkammcrn als gesetzliche Standcsvcrtrc- 0 tretung; 7. Anspruch auf Gehalt bei unverschuldeten Unglücksfällen, sowie während der Zeit der militärischen Dienstzeit bis zur Dauer von 6 Wochen: 8. Einführung eines Erholungsurlatibcs von mindestens 14 Tagen jährlich: 9. Obligatorischer Fortbildungsunterricht für Lehrlinge. Gehilfen und Gehilfinnen bis zu 18 Jahren; 10. Weitgehendste Massnahmen zum Schutze des weiblichen Personals: 11. Strenge Durclifiilirunä der hygienischen Vorschriften in den Geschäfts- und Arbeitsräumcu: 12. Aufhebung öer Koukurrenzklaiiscl: 15. Wahlrcformen gum Kaufmannsgcrielit durch Ausdehnung des Wahlrechts auf alle Angestellten ohne Unterschied des Geschlechts vom 21. Jahre ab: 14. Pensionskassc mit Reicliszuschuss. Der Jüdische Handlungsgchilfcn-Vcrband bezweckt die Föiderung der geistigen und wirtschaftlichen Interessen seiner Mitglieder und die!*liege des jüdischen Stamnicsbcwusstscins. Dieser Zweck soll erreicht werden durch: a) Erörterung von Standesfragen: b) kostenlose Stellen- Vermittelung für Mitglieder: c) Gewährung von Rcchtsclmtz in beruflichen Streitfällen: M Einrichtung von sprach- und handelswWissenschaftlichen Lehrkursen: e) Unterstützung bei Stellenlosigkeit. Krankheitsumi anderen Notfällen: f) Herausgäbe einer Vcrcinszeitschrift: gl Bibliothek und Lesezimmer; h) Vorlesungen und gesellige’Veranstaltungen etc. etc. . Ferner will der J.H.V. die Selbstachtung der jüdischen Gcliilfeuschaft hoben, und daher richten wir an Euch. Kollegen und Kolleginnen, die Mahnung: kämmt, solange es Zeit ist. und das könnte Ihr mir im Jüdischen Haiidhmgsgefiiitui-Verband! Der Agitalioiisausscimss. Nähere Auskunft erteile;! die Kollegen Hermann D;1 v i d R o s c a b 1 u!ח . Berlin N. 3s, Treskow strasse 57. Julius Buch. Berlin C. 2, Kaiser \\ iüichustrasse 1?. Vereinsabend der Ortsgruppe Berlin (Vortrag oder Diskiission) jeden Montag, abends 9 Uhr. Direkserstr. 46. Hof 1• Gäste stets willkommen. Beitrittserklärungen nehme!: die obengenannten Kollegen stets gern entgegen. . ..... f Nationalfond 1 Sammlungen für den Nation3lfond und andere zionistische Zwecke sind ausschliesslich zu senden an dun Schatzmeister des Zentralbureaus, Herrn Max Wollstelner, Berlin NW3 .׳j, ■r—rax■■ -!י..,gg=s, Hots־einer U'er 10. Der Jüdische Nationalfond ist dazu bestimmt, palästinischen Boden nls Cie*an1tcI1ce1»tumdesJii«IIschen Volkes zu erwerben and auf ewige Zeiten zu erhalten. Vom S. 7.ionlstenkongross 1901 gegründet, besitzt er heute bereits ein Vermögen von über /«/. Millionen Mark. Dr. Israel Auerbach und Frau gratulieren zur Hochzeit Dr. Kohn - Fabian, Berlin h'rzüch 1, Mir• Louis Ba ende I, Beuthen O.-Schl. als Dank für den ibm 8m 15. Mat von der Zionistischen Ortsgruppe gesjendeten Oelbaura anlässlich der Verlobung seiner Tochter •.•«...«• ...... IO,-“ ,, Familie Max Schönfeld, Zabrze gratuliert A׳otbeker S c h c y e r zum bestandenen Exatr.ea herzltchst 1, ״ Frau Dina Blitz, gratuliert (durch Krankheit verspätet) Felix Prenzlau und Frau zur Vermählung, Rechtsanwalt Martin Meyer und Braut und Rechtsanwalt Dr. E. Landau und Braut zur Ver• lobung -,״״ B Emma Ohnstein, Berlin gratuliert Frl. Gertrud G rü n s pan herzlichst zum Geburtstage .... 0,50 * Rudolf Benjamin, Münster i. W. Kosten an Rechtsanwalt Dr. E. Straus, München. 2,60 ״ Aus Breslau: Ernst Sigismund Stein itz dankt für die Glückwünsche zu seinem Geburtstage. 3,— , Dr. Walter Stein itz uud Frau gratulieren zur Barcuizwah Bl umo u vhal. 0,50 ״ Hugo Schachte I gratuliert Emil Weiss und sn'nen Eitern zu Emils Staatsexamen. . . . 0,5י (׳ L. Jaffe, Krotoschin gewonnene Wette von Erna W o li ma nn ... 2, ״ Dr. Siegfried Gelles, Breslau dankt Emma Cobn bestens für die Gratulation. 2,50 ״ S Loebmann, Zibrze gratuliert herz'ichst zum Erstgeborenen hei Dünner, Fuerth. I,-־ B Dr. Carl und Watt/ Lewin, Berlin Sonoabendgruss an Hermann S truck .. 1,— ״ "יממיייי

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