Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 18 (1.5.1908)
- Date
- 1908-05-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 18 JÜDISCHE RUNDSCHAU. Seite 159 ”und der erfrischende Hauch freier Naturforschunt bläst lustig durch den alten Moderduft — zum Heile der kommenden Oeschlechter! Wir geben diese Aeusserung Floerickes im KOSMOS deshalb wieder, weil wir Juden in langen, bangen Jahrhunderten der Natur völlig entbehren mussten und weil wir auf die Wichtigkeit von Schulgärten für unsere palästinischen Schulen besonders dringlich hinweisen wollen. An unsere Abonnenten Wir bitten die fälligen Aborincmcntsbeträgc bis inkl. H. Quartal OS bis zuin 7. V. 1008 gefl. einsenden zu wollen, da wir sonst die Beträge per Postnachnahme einziehen, was unnütze Mehrkosten verursacht. Verlag JÜDISCHE RUNDSCHAU, c. G. m. b. H., Berlin SW. 68. 7in1mcrsträs$c 77. Kleine Mitteilungen Berlin. Jüdischer Handlungsgchllienvcrbaiid Ortsgruppe Berlin. Montag, den •I. Mai, Vereinsabend. Vortrag des Herrn Dr. Ellas Auerbach, abends 9 Uhr. über ״Krank 11 citslchrc der Jude n“ im Vcreinslokal des Volksvercins. Pircksenslr. 46, Hot I. Gäste, Herren und Damen herzlich willkommen. Vom Hllisvereln. Herr• Dr. Paul Nathan hat sich zum .zweiten Male nach Palästina begeben, um dort persönlich die Vorbereitungen für die nächsten S c h u 1 g r ii tt d u n g c n c*js Hilisycreins der Deutschen Juden zu treffen. Der Hilfsverein der Deutschen Juden hat nunmehr, nachdein der Umfang des Schadens und der genaue Plan für das Hilfswerk festgestellt ist. weitere 10 000 Franken zugunsten der Geschädigten in Haskiöj überwiesen. Berlin. In! Fflrsorgehcim für hilflose jüdische Kinder bcginnt Antang Mai unter Leitung des Anstaltsarztes Dr. L. Mendelsohn ein neuer Kursus iiir Frauen und junge Mädchen über Pflege und Ernährung des Kindes beziehungsweise des Säuglings. Nähere Auskunit und Anmeldungen im Fürsorgeheim. Artilleriestr. 36 b. Ein Urteil über das Schächten Ein längerer Artikel, den Dr. Wilhelm Dosquet über ״die Fabrikation von Fleischkonscrven in dem letzten Heft der DEUTSCHEN VIERTELJAHRESSCHRIFT FÜR ÜFFENT- LICHE GESUNDHEITSPFLEGE (Bd. 39) veröffentlicht, hat für. weitere Kreise der Juden Interesse: Herr Dr. W. Dosquet schreibt: ״Diejenige Schlachti methode ist die beste, bei welcher am sichersten die Ent- ' blutung erreicht wird, weil das Blut die Neigung hat, ausserordentlich schnell in Fäulnis überzugehen. Schlachtmethoden, die eine Lähmung der Gcfässnerven oder eine Erschütterung . des verlängerten Markes herbeiführen, sind zu vermeiden. - damit sich das Blut mit starkem Drucke entleeren kann. Am >.!verlässigsten ist der sogenannte Schüchtschnitt. Die mittelst des sogenannten Bolzenschussapparatcs vorher beliebte Betäubunc des Schlachttieres ist wegen ihres Einflusses auf die gcfässerisenden Nerven besser zu unterlassen.“ Wien. Nach einer römischen Meldung des MATIN stattete der österreichische Gesandte beim Vatikan den Kardinalen Merrv de Val und Tripepi Besuche ab. um ihnen mitzutcilen. dass der Wiener Professor Feilbogen wegen des Zwischenfalles in der Sixtinischen Kapelle seines Amtes als Professor enthoben worden sei. Der Vorstand der Wiener israelitischen Kultusgemeinde hatte sein Präsidium beauftragt, beim Unterrichtsminister zu erklären, dass die Kultusgemcinde den Vorfall in der Sixtinischen Kapelle aufs tiefste bedauere und aufs schärfste verurteile. Die Kultusgemeinctc ersucht den Minister ' gleichzeitig, diese Erklärung zur Kenntnis des Kaisers zu bringen. Fatale Neuerung Aus Warschau wird uns von unserem dortigen K-Korrespondenten geschrieben: Dem Kurator des Warschauer Schulkrciscs ging seitens des Kuitusministcriums der Befehl zu, die wissenschaftlichen Diplome den frisch zum Christentum übergetretenen Juden mit einem Vermerk, der die Abstammung und die jüngst empfangene Taufe des betreffenden Besitzeis ansgibt, zu versehen. Diese Neuerung ist wirklich fatal für diejenigen, die durch ihre mutige Tat ihr Judentum ausgemerzt zu haben glaubten, nunmehr aber verdammt sind, doch ihr ganzes Leben das Kainszeichen ihres ehemaligen Judentums zu tragen. Jüdische Blldungsgeselfschaft ln Petersburg Aus Petersburg wird uns geschrieben: Die Jüdische Bildungsgesellschaft in Petersburg, die schon seit vielen Jahrzehnten eine umfassende Wirksamkeit unter den russischen Juden entfaltet, hat kürzlich neue Statuten ausgearbeitet um ihre Tätigkeit auf eine breitere und festere Grundlage zu stellen. Diesen Statuten wurde jedoch min vom Petersburger Magistrat die Legalisierung versagt, weil darin den Bevoll-!nächtigten der Gesellschaft gestattet ist. sich an öffentlichen Versammlungen zu beteiligen. Jüdische Kreditanstalten In Russland Aus Warschau wird ans von unserem dortigen K -Korrespondenten geschrieben: Das Finanzministerium, das seit längerer Zeit mit Petitionen. In denen Juden um Erlaubnis zur Gründung eigener jüdischer Kreditanstalten bitte!., bestürmt wird, wandte sich an die ״Gouvciremcntskomitecs für Gewährung von Kleinkredit im Königreich Polen" mit dem Ersuchen, ihre Meinung darüber zu äussern. Die erhaltenen Antworten lauten für das Projekt der Gründung jüdischer Spar- und Leihge- Seilschaften günstig und sind merkwürdigerweise damit motiviert, dass in den gemischten und interkonfessionellen Ge- Seilschaften meistenteils doch nur Juden von den Ersparnissen der Nichtjuden den Nutzen zögen. Gedenkfeier für Karawaievv Am 20. April wurde in Petersburg von den Hospitalärzten eine Gedenkfeier für den ermordeten Dumadeputierten L. A. K a r a w a j c w abgehalten. Unter andern! sprach auch der frühere Duma-Abgeordnete L. Bramsohn über Karawajews Stellung zur J u d e n f r a g e. Als Bramsohn hervorhob. dass die Juden keine Gnade erflehten, sondern ihr Recht verlangen, da wurde er vom überwachenden Polizeikommissar aui die Ungehörigkeit und gesetzliche Unzulässigkeit (!) eines solchen Ausspruches aufmerksam gemacht. Ebenso wurde der Redner von demselben Komissar daran gehindert. Karawajews Tätigkeit anlässlich des Pogroms in Jckaterinoslaw zu schildern. Zur Ermordung Jollos’ Aus Petersburg wird uns von unserem ’ dortigen Korrespondenten geschrieben: Die Untersuchung in der Angelegenheit der Ermordung des jüdischen Deputierten der ersten Duma. G. B. J o 11 o s. ist von neuem aufgenommen worden. Der Redakteur der Zeitung NASCH DJEN wurde in dieser Sache gerichtlich vernommen, weil er i!1 seinem Blatte mitgcteilt hatte, dass in einem öffentliehen Hause der Stadt T w e r gewisse Dokumente aufgefunden worden seien, die auf neue Spuren zur Ermittlung der Mörder Jollos* führen könnten. Uebcr die Ergebnisse dieser Vernehmung ist noch nichts bekannt geworden. Nachklänge zu den Oktober-Massakres Aus Petersburg schreibt man uns: In verschiedenen Städten fanden in den letzten Tagen neuerdings wieder Prozt-sse gegen die sogenannten ..Urheber" — die wirkliche n Urheber sitzen natürlich ganz wo anders! — der in den ״Freiheitstagen“ Russlands an den Juden verübten Raubmorde statt. Es lohnt sich nicht, näheres von diesen Gerichtsverhandlungen, die überall dieselbe Komödie bieten, zu berichten. Das höchste Strafmass, das einzelne der Raubmörder traf, beträgt ein Jahr Zuchthaus. Aber auch diese Straie brauchen die russischen Patrioten kaum abzubüssen. können sic doch sämtlich der Gnade des Zaren sicher sein. Petersburg. Wie der GOLDS MOSKWY meldet, soll in massgebenden Kreisen der Plan bestehen, kiinitighin besondere Regimenter ausschliesslich aus Juden• zu bilden, gleich den indischen Eingeborenen-Rcgirncntern. welche England gcschaffen hat.. Diese Massnahme soll darauf zuriiekzuführeu sein, dass man bcschloskcn habe, die Juden aus der Armee zu entfernen, um ihren ״revolutionären Einfluss" auf die Truppen zu beseitigen. Der bekannte General B o t j a k o w plädiert sogar für die völlige Ausschliessung der Juden von der Erfüllung der Militärpflicht aber man scheint auf dllescn Gcdanken nicht eingchen zu wollen. — Der Russe gebraucht eben Judenblut, um cs selbst zu schlachten und fün sich schlachten zu lassen. Petersburg. Die wegen der Biatystoker Judenmetzeleien zu fünfmonatiger Einreihung in die Arrestantenkompagnicn Verurteilten sind begnadigt worden, ebenso der aus dem gleichen Anlass zu achtjähriger Zwangsarbeit verurteilte Dscmanowitsch zu einem Jahr Gefängnis.