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Jüdische Rundschau · 1908-04-15 · Heft 16-17 (15.4.1908) · page 13

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIII (1908)
Issue
Heft 16-17 (15.4.1908)
Date
1908-04-15
Page
– (sequence 13)
Language
German
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No. 16/17 JÜDISCHE RUNDSCHAU, Seite 149 Markt zu crschlicsscn• Demnächst wird dem Kartnel-Wcinhandcl in Palästina eine Konkurrenz erstehen in Gestalt einer neuen orthodoxen Weinbau-öcscllsehait, für die in den strenggläubigen Kreisen ein grosses Interesse herrschen soll. Die Kolonisten kommen immer mehr von der einsaitigen Pflege des Weinbaus ab. Neuerdings wurden in einigen Kolonien Versuche mit der Anpflanzung von Obstbäumen gemacht, auch wurde die Kultur von Gemüsen in Angriff genommen und brachte bereits gute Erträgnisse. Dass man neuerdings auch mit der Anpflanzung von Rizinusbäuincn vorgeht, haben wir bereits berichtet. Die bisher erzielten Erfolge sind durchaus ermutigend. Vor einigen Wochen fand hier die Grundsteinlegung des neuen Hauses für die Handwcrkerschulc statt, die feierlich bcgangen wurde. Das Unternehmen ist ganz aus orthodoxen Kreisen hervorgegangen und lediglich aus palästinischen Mitteln, ohne Unterstützung der Diaspora, entstanden. Die Schule lat in ihrem altcn^ Heim im Laufe des Jahres ihres Bestehens bereits 20 Zöglinge aiisgcbildet urul sie in die Lage gesetzt, sich eine eigene Existenz zu verschaffen. Jerusalem entwickelt sich auch in architektonischer Be- Ziehung durchaus zum Vorteil. Eor{während entstehen ganz reue Strassen und Plätze. Die Häuser werden meistens von jüdischen Gesellschaften gebaut ,die sich ausschliesslich jüdischer Arbeiter bedienen. Auf diese Weise entstehen ganze Haiiserviertcl mit jüdischen Benennungen, z. B. .,Sichron Moschch־־. ..Baihc-Aehwah“ usw. U. a. wird von einer hiesigen Ballgesellschaft der Bau einer grossen lalmud-Thora unternommen, die JO Zimmer enthalten soll und für die bereits ein Kapital von mehreren IOim.H) l'rcs. vorhanden ist. Vor einiger Zeit war viel die Rede von einer neuen Rieh* tmig innerhalb der Chalnkahkreise. Mau sprach von der Gründung einer Arbeit s Kolonie i 11 r jung e Leute, die bisher nur auf die Chahikah angewiesen waren- Es sollte damit die Möglichkeit geschaffen werden, diesen jungen Leuten eine Nebenbeschäftigung mit landwirtschaftlichen Kleinarbeiten z.u gewähren, ohne sie ganz von ihrem Studium abzulenken. Angeblich handelte es sich um ein grosses Terrain, das spottbillig zu erlangen wäre und wofür in der ganzen Welt Sammlungen unternommen wurden. Nun stellt sich aber heraus, dass es sich lediglich um ein paar Dunam schlechtes Land handelt, das ganz versumpft und auch von Malariakcimcn nicht frei ist. Das Bekamitwerden dieser Tatsache hat viel böses Blut gemacht und mannigfache heftige Auseinandersetzungen hervorgerufen. Vereine und Gesellschaften Berlin. Verein ffirStatistikdcr Juden. Montag, den 16. März fand in! Lokale des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens die diesjährige Hanptver- Sammlung des Vereins für Statistik der Juden statt. Aus dem von dem Vorsitzenden des Vereins, Herrn Dr. Xossig, er* statteten Rechenschaftsbericht ging hervor, dass das vom Verein geschaffene Bureau für Statistik der Juden im Berichts* iahrc mehrere grössere Arbeiten vollendet hat. Eine Schrift über die ״Juden in Oesterreich־* von Dr. Jacob Thon ist vor kurzem erschienen. Demnächst wird eine Arbeit von Dr. Arthur Ruppin über die ״Juden in Rumänien־־ veröffentlicht. Die vom Bureau für Statistik der Juden dtirchgeführtcn Erhebungen über die jüdische Bevölkerung des Orossherzogtums Hessen befinden sich zurzeit noch im Archiv der Grossloge des U.O.B.B. Die Einnahmen des Vereins betrugen im Berichts* jahrc 8283.J0 Mk. Der Verein für Statistik der Juden wird nun fast von allen grösseren jüdischen Organisationen und von 55 Gemeinden in Deutschland und im Auslände subventioniert. Von den für die nächste Zeit geplanten Arbeiten des Statisti* sehen Bureaus seien l1ervorgch<»bet1: Eine Uebersicht der Ver* hältnisse der Juden in Ungarn und eine analoge Arbeit für Holland. Die gegenwärtig in Palästina weilenden Mitglieder des Bureaus. Dr. Thon und Dr. Ruppin, werden ferner eine Statistik der jüdischen Schulen in Palästina aufnehmen. Die Hauptversammlung genehmigte die von Rechtsanwalt Dr. Bruno Blau entworfenen Satzungen des Verbandes fiir Statistik der Juden, der die zurzeit bestehenden Vereine umiasst. Aus den Wahlen gingen das Kuratorium und der Vorstand in ihrer bis* hörigen Zusammensetzung unverändert hervor. Zu Revisoren wurden die Herren Leopold Douumuec und PUöbus Sachs gewählt. Berlin. Der Jüdische Handhingsgehllfen-Vcrband, Orts* gruppe Berlin, veranstaltete am Montag, dem 13. April, abends 9 Uhr. in seinem Vereinslokal, Gontardstr. 5 1, einen Rezitations* abend, betitelt ״Von Kindheit und Alter“. Da das Vereinslokal so gelegen ist (am Alexanderplatz), dass es von überall her bequem zu erreichen ist und die Veranstaltungen unentgeltlich sind, so dürfte der Besuch der Veranstaltungen stets zahlreich sein, denn Gäste — Damen und Herren — sind stets willkommen. Die jüdischen Handlungsgehilfen und *Gehilfinnen seien auf obigen Verband wiederholt besonders hingewiesen und zu den am Montag, abends 9 Uhr, regelmässig stattfindenden Vereinsabenden cingeladcn und zum Beitritt höfliebst aufgefordert. Näheres über den Verband wird in dem in Kürze erscheinenden Flugblatt erörtert sein. Kleine Mitteilungen Berlin. Die Jüdische Lesehalle und Bibliothek, eingetragener Verein, bezieht zum I. April neue grössere Räume in der Oranietiburgerstrasse 58. parterre links. Das Institut ist am Sonnabend und Sonntag von It Uhr vormittags bis 2 Uhr nachmittags und abends von 7 bis 10 Uhr geöffnet, feiner an allen anderen Tagen von 1 bis 5 Uhr nachmittags und abends — mit Ausnahme von Freitag — von 7 bis 10 Uhr. Wien. Ein Unteroffizier des Deutschmeister-Regiments wurde wegen roher .Misshandlung jüdischer Rekruten, die der Kriegsminister im Abgeordnetenhaus bestätigte, zu Degradierung und achtmgnatigem Gefängnis mit einem hasttag wöchentlich verurteilt. Paris, 6. April. Heute nachmittags fand die feierliche Amtseinführung des neuen Rabbiners von Erankreich statt. Eine zahlreiche, äusserst elegante Versammlung wohnte diesem Akt bei. Nachdem unter Orgelbegleitung mehrere Chöre zu Gehör gebracht wurden, wurde der Wahlakt durch den Präsideuten des Konsistoriums verlesen. Nachdem noch der neue Rabbiner, Albert Lew. die Eröffnungsrede gehalten haue, beschloss ein Gebet für die französisclie־ Republik die Leier. Petersburg. Non der Erwägung ausgehend, dass cs notwendig sei. das ökonomische Niveau der breiteren Massen der in Beltelarmut verkümmernden russisch-jüdischen Bevöikerung des Ansiedlungsrayons zu heben und mittelst Ausfindig* macliuug von neuen Erwerbsz.w eigen die unhaltbaren Verhältnisse zu sanieren, bat. wie wir erfahren, dieser Tage in der Residenz eine Konferenz von 65 Vertretern der jüdischen Bevölkerung von Petersburg. Moskau sowie der zum An* siedlungsrayon gehörigen Gouvernements des europäischen Russlands srattgefunden. Die Konferenz beschloss, ein Aktienunternehmen zu begründen zwecks Ausfindigmachung und Exploitierung neuer Erwerbszweige für die ärmere jüdische Bevölkerung sowie zum Warenabsatz der Produkte der jetzigen jüdischen Handwerker. Es wurde ein Organisationsbureau begründet. Die Ausarbeitung der Statuten der neuen Gesellschaft wird bald abgeschlossen sein. Helslngfcrs. Dass in England eine starke antisemitische Strömung herrscht, trotzdem die Juden in diesem Lande nicht den geringsten Einfluss haben, zeigt sich in einen soeben abgehaltenen grossen Versammlung von Vertretern aller hiesigen Gewerbe- und Handelsvereine. Den Anlass zu der Versammlung gab der unlängst im nunmehr aufgelösten Landtag eingebrachte Antrag, der eine Erweiterung der äusserst beschränkten Rechte der Juden verlangt und einem Ausschuss überwiesen wurde, fn der Versammlung sprach man sich aber allgemein gegen eine Erweiterung der Rechte aus. Besonders geschah dies seitens de־. Schneidermeister, die an der Tätigkeit der Juden in Finnland eine strenge Kritik übten. Im übrigen hielt man es fiir unangebracht, dass der finnische Landtag die Judenfrage behandelt, ehe sie in Russland erledigt sei. Schliesslich wurde eine Kommission niedergesetzt, die eine Versammlung von Vertretern der Gcwc־־bc- und Handclsvereinc ganz Finnlands einberufen und das Programnt dazu auszuarbeiten soll. Die Schneidermeister sind Antisemiten, weil die armen Juden meist schneidern. Hasköl. Zu der von der Alliance israölite Universelle dngelciteten Hilfsaktion für die Abgebrannten in Hasköi, worüber bereits mehrfach berichtet wurde, bat das Frankfurter Hilfskomitee 2ü0D ■Mark und die Israelitische Allinanz zu Wien 2u!)0 Francs der Alliance Israelite Universelle zur Verfügung gestellt. Dem Hilfswerk der Alliance ist neuerdings auch die Angln- Jcwish Association beigetreten. Russische Juden fiir ihre nlchtjüdlschcn Landsleute. . . , Ein schöner Zug von jüdischer Nächstenliebe wird aus New Yorkmitgeteiit. In letzter Zeit wandern viele Nichtjuden aus Russland nach Amerika aus. Fast wöchentlich kommt es mm vor. dass viele solcher echt russischer Emigranten in Ellis Island zurückgehalten werden, weil sie nicht über die vorgeschriebencn Barmittel verfügen und niemand sich ihrer annehmen mag. Ein Verein russischer Juden in New York hat nun beschlossen, sich dieser ihrer ״Landsleute" anzunehmen, wodurch eine grosse Anzahl von ihnen vor sicherer Deportation bewahrt wurde. Wer weiss. wie viele von diesen durch Juden Hinübergeretteten Pogromhelden sind, die vor einer Bestrafung geflüchtet sind.

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