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Jüdische Rundschau · 1908-04-03 · Heft 14 (3.4.1908) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIII (1908)
Issue
Heft 14 (3.4.1908)
Date
1908-04-03
Page
– (sequence 5)
Language
German
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No. 14 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seile 125 Da ist eine Krane an den Herrn Kriegsminister i. V. nötig: Wenn die jHecicsverwalLmg doch jetzt schon weiss. welche Stellung sic cinztmehincti hat. wozu verspricht der. Herr Kriegsminister i. V. erst die Prüfung des von Herrn Kopsch zum hundertsten Male vorgetragenen Materials?? Nur. um Herrn Kopsch hei seinen zukünftigen jüdischen Wühlern zu bescheinigen, dass er, ernst genommen werde/ Diese freundliche Block-Bemühung dürfte doch nicht Sache, des Kriegsministers sein, und überdies glaubt ja doch kein Mensch daran. Namentlich wir Juden sind ein undankbares Voik und werden die ״K o p s c 11 - S c 11 e u ־. an der wir seit Jahren aus gewissen Gründen leiden, sobald nicht los. Aber es gibt auch Bessere unter uns vielleicht sichert sich Herr Kopsch lieber d e r.c 1t Gunst, indem er die Geldstrafe für verbotene Borsentcrrningeschütte um IlKK) Mark herahsetzen hilft. Ja, ja, die Blockpolitik!.. —ck- - Kreppchen nach Purim Zu tmserm Artikel in voriger Woche sind verschiedene Anfragen an uns gelangt, die Zweifel aussern. ob die Tatsuche der Wahrheit entspricht, dass der Leiter des ..streng rituell eu Sanatoriums Kurhaus Schlachtenseee unter rabbi!lisch er Aufsicht“ tatsächlich getauft sei. Wir steilen daher fest, dass der Nervenarzt Dr. Siegfried Placzek im Jahre 1901. damals 31 Jahre alt. aus dem Judentum ausgtreten ist, um evangelisch zu werden und dass er zurzeit dem Vorstand der Zwültapostelhirche augehort. Sein Gcschaftsteilhabcr und Mitleiter des koscheren Sanatoriums Dr. Kantorowlcz. wie Dr. Placzek aus der Provinz Posen gebürtig, ist aus de m Judentum au s g e schied e n und Dissident geworden. Seine Krau ist nicht Dissidcntin. sondern dem Christentum treu geblieben. Auf unsere Krage nach dem Namen des beaufsichtigenden Rabbiners haben wir bisher keine Antwort erhalten. Wir wiederholen dahe* hiermit diese Krage. Pole, Jude und Daude An der Berliner Universität hat sich kürzlich ein Vorfall abgespielt, der nach mehr als einer Richtung hin zum Nachdenken Anlass gibt. Ein polnischer Student wurde aus irgend einem Grunde von einem jüdischen Mitglied der paritätischen Verbindung ״Slaufia** gefordeit. Der Pole verweigerte die Genugtuung in der üblichen Form, was schliesslich sein gutes Recht war, gab aber dazu die Begründung, Juden gäbe er überhaupt keine Satisfikation. Dafür tat die Verbindung Stauiia, was auch alle anderen Verbindungen i1.׳ solchen Fällen tun: sie erklärte den edlen Polen in Verruf• Der aber tat darauf, was Leute, die aui das Prädikat ״edel" einen traditionellen Anspruch erheben, doch nicht tun sollten: er tief zur Universitätshehördc und denunzierte. So weit wäre die Geschichte von relativ geringem Interesse. Nun trat aber der Herr Universitäts-Richter Daude in Aktion und erklärte, die Äusserung des Polen, er gäbe jüdischen Studenten keine Satisfaktion, sei durchaus keine Beleidigung. Dahingegen habe sieh die Verbindung Stauiia gegen die Universitäts-Disziplin vergangen und werde deshalb aufgeiöst, obwohl sie sich bereit erklärte, ihren Beschluss rückgängig zu machen. So der Universitäts-Richter Daude in Berlin. Gegen die Entscheidung des Herrn Daude gibt es rechtlieh gar kein Mittel. Manche Berliner Blätter meinen, die Auffassung dieses eigenartigen Richters sei so ungeheuerlich, dass dessen Vorgesetzter, der Herr Kultusminister Dr. Holle im Abgeordnetenhause angefragt werden sollte. Wir glauben nicht, dass das viel nützen wird und halten es für zweckmiissiger. wenn die jüdischen Studenten selbst auf die Wahrung ihrer Ehre bedacht sind und sich zu diesem Zwecke nicht in ״paritätischen•, sondern in solchen Verbindungen zusammenschliessen. die in ähnlichen Fällen sich selber zu helfen wissen. Antisemitismus und Antialkoholismus Die Antisemiten liehen es bekanntlich, ihren Judenfeindliehen Umtrieben irgend einen anderen Namen zu geben, damit man sic nicht gleich als antisemitisch erkennt. Sie gleichen darin gewissen Juden, die sich auch mit allerlei Mäntelchen behängen, uni nicht als Juden erkannt zu werden. Au Vorwänden für irgend eine kleine oder grosse antisemitische Hetze ist nun natürlich kein Mangel. So wurde in der Schweiz das Schächtverbot im Namen der Bekämpfung der Tierquälerei von dem souveränen Schweizervolk dekretiert, und so versuchen die Antisemiten jetzt in Galizien die M Ü s s i g k e i t s - bewegung vor ihren Karren zu spannen, im Namen des Antialkoholisrnus wird für die Ausdehnung der Sonntagsruhe auf das Schankgewerbe gearbeitet. Freilich vermag der Anschein, dass hier tatsächlich um ein Ideal gekämmt werde, nur sehr wenige zu tiiigen und auch diese kaum für lange Zeit. Denn sobald man die Versammlungen dieser Mässigkcits- Apostel besucht und sich die Herren etwas näher ansieht, die da mit von Bier um! Wein geröteten Nasen für den Antialkoholismus Pronaganda machen, bekommt man sofort einen ganz anderen Eindruck von ihren wahren Absichten. Da wird jedem klar, dass es diesen Herren ״Antialkoholikern", die selber ein ganz ansehnliches Quantum Alkohol verbrauchen, nicht in! geringsten um den Antialkoholisrnus zu tun ist. Ihr einziges Ziel bei der ganzen Agitation ist vielmehr, die paar tausend jüdischen Familien zu ruinieren, die sich vom Scliankgcw erbe ernähren. Sehr bezeichnend ist es. dass die Herren ir. ihren Versammlungen ständig die jüdischen Schankbesitzer als die Ursache für die überhandnehmende Säuferei unter den Nichtjuden hinstellen, während in Wirklichkeit die Urheber dieses Uebcls doch die polnischen Schlachzizen sind, die das Volk geistig und physisch verkümmern lassen, sodass es schliesslich auch dem Mhohotismus verfällt. Natiirlieh ist bei den politischen Verhältnissen, die hierzulande herrschen, nicht daran zu zweifeln, das.־; auch diese neueste antisemitische Aktion Erfolg bähen wird. Auf dem'Lande werden bereits L'iitcrsciirifthogcti für eine Petition an den Landtag verbreitet, und da matt ja weiss. wie hier Wahlstimmen und Pctitions-Ut1terseI1riite11 zustande kommen, so wird der Landtag wahrscheinlich gegenüber der ..erdrückenden Zahl von Unterschriften" nacligeben und das Gesetz über die Sonntagsruhe auch aui das Schaukgewerhe ausdehucn. Ein Komitee der vereinigten polnischen Parteien agitiert ebenfalls bereits hicriiir. und da der Sonntag natürlich der Hauptgeschäftstag iiir dieses Gewerbe ist. so gehen wieder einige tausend jüdische Familien einer ungewissen Zukunft entgegen.’ Polnische Demokraten und Zionisten Lemberg. Fine der letzten Nummern der in Krakau erscheinenden NOWA REFORMA. welche bekanntlich das Organ der polnisch-demokratischen Union und der sogenannten Ktakaucr Demokraten ist, brachte einen Artikel, welcher von nicht geringer Bedeutung für uns Zionisten ist. Mit Rücksicht aui die anlässlich der galizischen Landtagswallien erfolgte Koalition zwischen der Konservativen Schlachta und der polnisehen Volkspartei, wodurch eine agrar-politische Majorität in! galizischen ,Landtage geschaffen wurde und die Interessen der städtischen Bevölkerungals gefährdet erscheinen, fordert das oben genannte Blatt zu einer Ralliicrung aller demokratischen Parteien in den Städten auf. Und es geschieht nun zum erstenmal, dass ein polnisches Blatt offen und ununiwunden 1ür eine Vereinigung zwischen den poi- 1; i sehen D e nt ok r a 11 n und Zionisten in den Städten sich einsetzt . Der Artikdschreiber konstatiert nämlich, dass die überwiegende Majorität der Intelligenz, abgesehen von den Volkstnassen. unter der zionistischen Fahne marschiere und dass ihr Einfluss heim jüdischen Volke unleugbar sei. Die polnische Demokratie müsse das nun einmal einsehen und daraus die Konsequenzen ziehen. Die Wahrheit bricht sich dennoch Bahn! Und die Herren Locwenstein. Fruchtmann et consortes sind doch unvermeidlich die letzten ihres Sklavengeschlecktes- Industrie und Handel in Palästina Die Behörden Jerusalems beschäftigen sich seit einiger Zeit mit dem Projekt, dort oder in Jaffa eine Handelss c 11111 e zu begründen. Es braucht kaum gesagt zu werden, von welcher Bedeutung die Ausführung dieses Planes für den Handel Palästinas wäre, denn es tchit gar sehr an gebildeten Kaufleuteii. Grosse Bedeutung kommt auch den Versuchen zu. die man kürzlich wieder .mit der Kultur der Seidenraupe in der Umgegend von Jaffa gemacht hat. Vor Jahren waren in einer jüdischen Kolonie solche Versuche bereits gemacht worden, die damals aus äusseren Gründen wieder eingestellt wurden. Wenn jetzt, wie es heisst, die erneuten Experimente sehr ermutigend ausgeiallen sind, so eröfmete sieh damit vielleicht auch für eine Reihe von Jüdischen Kolonien ein neues '1 ätigkeitsield. dessen mögliche Entwicklung noch gar nicht zu übersehen ist. Ein jüdischer ״Verräter“ Ein interessanter Fall kam an« 12. März vor dem Kriegsgericht in Wilna zur Verhandlung. Im russisch-japanischen Krieg war der jüdische Soldat M. Schiff von den Japanern bei Sandepu auf dem Schlachtfelde verwundet aufgefunden und nach einem japanischen Lazarett gebracht worden. Im gleichen 1

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