Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 14 (3.4.1908)
- Date
- 1908-04-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Abonnementspreis einschliesslich LITERATUR BLATT vierteljährlich: t. durch die Expedition: a) in Berlin —,90 Mark, b) nach auswlrts Mark, c) für das Ausland 1,50 Mark. 2. hi PssUbonnement: 1,25 Mark. Insertionspreis die vlergespaltcnc Petit-Zeile oder deren Raum 25 Pfennig. Allgemeine Jüdische Zeitung. Redaktion: BERLIN NW. 52, Melanchthonstrasse ,4. Fernsprecher: Moabit, 3387. Alle Rechte Vorbehalten. Abdruck aus der JÜDISCHEM RUNDSCHAU nur bei voller Quellenangabe gestattet. Expedition und Adresse für Geldsendungen und Bestellungen: Verlag fudrtthe Runtftehau, F. G. m. b. M. Berlin S.W. 68, Zimmerstrasse 77, Geschüftastuoden der Expedition täglich fausser Sabbat und Sonntag» nachmittags 3-7 Uhr. Nummer 14 Berlin, 2. Nissan 5668 — 3. April 1908 XIII. Jahrgang Zur gefl. Beachtung Die Expedition der JUEDISCHEN RUNDSCHAU e. G. m. b. H. befindet sich seit dem 1. April 1908 an Berlin S.W. 68, Zimmerstrasse 77. Der Pogromversuch in Jaffa . Wie man aus den Tageszeitungen \vc:ss, ist das friedliche Jaffa zum Schauplatz einer Pogromübung gemacht worden. Wir bedienen uns dieses russischen Ausdrucks absichtlich, und zwar nicht bloss deshalb, weif die Türken ebenso wenig wie sie, im Gegensatz zu den Russen, d:e Judenverfolgung kennen, auch kein tiirkisches Wort dafür haben, sondern auch, weil es sich erwiesenennassen um ein aus Russland importiertes Fremdgewächs handelt, das unter den Türken und Arabern trotz des ״Rubels auf Reisen“ nicht gedeihen wird. Denn wenn auch einzelne ungetreue türkische Beamte vielleicht sich dazu herbeilasscn, gegen: »Jas Interesse des eigenen Staates zu handeln, und die Geschäfte Russlands im eigenen Lande zu besorgen, so darf man keineswegs glauben, dass sich das arabis.he Volk oder die türkische Beamtenschaft so, wie es ein einzelner soeben tat, durch das russische Tschiiiowniktum in der Nedsehib Bustrosstrasse verleiten lassen wird, praktisch russische Politik zti üben, die im Trüben fischen möchte und die es traditionell auf den Untergang des Türkischen Reiches abgesehen hat. Der Plan war klug. Er war so raffiniert klug, dass er der russischen Schlauheit und skrupellosen Gerissenheit alle Ehre macht. Der Kaimakam des Kada Jaffa, der eine Art I.andrat ist, wird veranlasst, durch türkische Polizei russische Juden zu überfallen, wobei cs nur gegen den Willen des d:rigicrcnden russischen Politikers dazu kommt, dass auch ein amerikanischer Jude verwundet und ein französischer Staatsangehöriger angegriffen wird. Nein, nur seine ״eigenen Untertanen“ überweist er nach heimischem Rezept der Willkür der tiirk sehen Pobzei, der der russische Dragoman und der russische Kawass aus Montenegro die sachverständigen Auweisungen nach grossrussischen Vorschriften geben. Schutz- und rechtlose russische Juden, verraten von ihrer eigenen Behörde, werden für das Bubenstück ausersehen, das an ihnen verübt werden soll. Ke:n türkischer Beamter wird es wagen, an russische Staatsangehörige Hand zu legen, wenn er sich nicht vorher genau und zuverlässig vergewissert hat, dass der Konsul keine Hand zu ihrem Schutze rühren wird. Es ist ein zu ausgezeichneter Plan, als dass er in dem Hirn des imtelnüissigen Beamten, der in Jaffa Russland vertritt, ausgeheckt sein kann. Es gibt ja gar keine grössere Schädigung der Türkei, als wenn man das treueste Element, die Juden, kopfscheu macht. Die Juden, die allen russischen Lockungen widerstanden, die nicht wie Armenier* und Grfechcn an der Zerstörung des türkischen Staatswesens arbeiten, deren Interesse mit dem der Türkei nicht bloss Hand in Hand geht, sondern fast identisch ist, sollen in einen Gegensatz gegen die milde türkische Herrschaft gesetzt werden, mit der sie die enge Glaubens- und Stammverwandtschäft mit Recht empfinden und der sie Dank schulden und Dank wissen mehr als irgend einem andern Staate der Welt. Man kann keine*! besseren Keil in die Türkei treiben, als wenn man Juden und Muhammedaner gegen einander hetzt. Und mit welchem Geschick wurde die Sache eingeleitet? Der Kaimakam, der ganz und gar nach demselben Rezept arbeiten wollte, das sich in Odessa so oft bewährt hat, und der marokkanische Derwisch Fassir wurden vorgeschoben, damit auch der gute Schein bewahrt bliebe, entsprechend dem Grundsätze jener Heu* chclei. der den christlichen Barbarenstaat Osteuropas die Rolle des Kulturträgers mit Vorliebe spielen lässt, — der Staat, der keinen Kultusminister, sondern ein ״Ministerium für Volksaufklärung“ kennt. Immerhin hat die Rechnung der russ'schen fernen und schlauen Politik ein Loch. Sic hat einige Impondcrabtlicn vergessen, die in der Volksseele liegen und ff»!• die der Russe, der alles nach dem Rubel abwägt und schätzt, absolut kein Verständnis hat. Denn die arabische Bevölkerung hat, abgesehen von einigen bezahlten Individtien. die fiir Geld zu allem zu haben sind, sich von jeder Provokation der Juden absolut ferngehalten. Und der fiir Geld zu Habenden waren deshalb so wenige, wie cs in Russland deren so viele gibt, ebenfalls aus einem Grunde, für den die Russen kein Verständnis haben. Und das ist das islarn'sche Verbot des Alkoholgenusses. Und ebenso wie die arabische Bevölkerung sich trotz aller russischen Geschicklichkeit und opferwilligen Spenden von dem Versuch des Pogroms fern gehalten hat, ebenso wenig haben die Juden sich zu einer Femdseligkeit in der Tat oder in der Gesinnung gegen die gastliehe Türkei und gegen die stammverwandten Araber fortreissen lassen. Sie wissen ganz genau, wo allein