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Jüdische Rundschau · 1908-03-27 · Heft 13 (27.3.1908) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIII (1908)
Issue
Heft 13 (27.3.1908)
Date
1908-03-27
Page
– (sequence 5)
Language
German
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No•■ 13 Seite 119 JÜDISCHE RUNDSCHAU Strassenbau im Wilajet Cossovo . Sehr wichtige öffentliche Arbeiten werden ■gegenwärtig im ‘Wilajet Cassovo ausgeflilirt. Eine Kahrstrasse wird von Pri/.- ’ reuf bis Friovik gebaut; für welche der Unternehmer die runde Summe von 10 000 tiirkischcn Pjuml erhält. Mehr als W Arbeiter sind auf der Strasse Cotzana-Jakimowa beschäftigt. Fine andere Chaussee von Ueskiib bis Ekschi-Sott wird bereits in• kurzer Zeit dem Verkehr übergehen werden. Nächstens •wird auch mit dem Bau einer Strassenanlage zwischen Ueskiib und der Brücke von Vardar begonnen werden. Auch die Vorarbeiten zum Bau einiger eiserner Brücken ätn Wilaict Cossovo sind bereits beendet worden. Das gesamte Eisenmaterial ist in Europa bestellt worden und soll im Juni dieses Jahres an Ort und Steile eintreffen. Der Brand in Konstantinopel ' Konstantinopel war, wie durch die Tagespresse bereits be- kannt ist, am vergangenen Freitag der Schauplatz• eines grossen Brandes. In der Vorstadt Haskiöi, die fast ausschliesslich von armen •spaniolischctt Jude»! bewohnt ist. wurden 377 Häuser, darunter urc» Schulen und eine Synagoge, ein Rauh der Flammen. Kaum vier Stunden haben genügt, um über 1500 jüdische Familien obdachlos zu machen und ihrer ganzen armseligen Habe zu berauben. Das Feuer brach aus im L-aden des jüdischen Händlers Ahrain Leon, wo von einen» fortgeworieneu Streichholz ein Pe»ro!cumbcbülter in Brand geriet. Mangel an Wasser verhinderte, den Brand im Anfang zu ersticken, und mit Blit/cseile wurden die eng aneinander gebauten Holzhäuser von» Feuer eriass:. Viele, die 4hre Habe nach entfernteren Strassen gebracht hatten, wurden auch dort von dem» verheerenden Element erreicht. Die wenigsten waren versichert, lind selbst unter diesem Häuflein ,.Glücklicher־■ gibt es eine grosse Anzahl, bei denen die Aus- Zahlung der Versicherungssumme fraglich ist. da sie ittfolge ratenweiser Zahlung der Versicherungsprämien an die Agenten nicht int Besitz der Policen sind. ׳ . S. M. der Sultan hatte sofort den Stadtpräiekten S. E. Rechid Pascha beauftragt, sich aui den Unglücksplatz zu begehen und die Hilfeleistung zu organisieren, ln einigen Synagogen. Schule»». Kirchen und Privathausern wurden die Unglücklichen zu Hunderten zusammengepfercht untergebracht und mit Brot. Käse und Oliven gespeist. Auch wird auf Befehl des Sultans eine Liste der Betroffenen aufgestellt, die dem Sultan präsentiert werden wird. Das Grossrabbinat empfing Beilcidskundgehungen von verschiedenen Notabilitäten. unter anderen auch vom armenischen Patriarchen. . Dreissig Telegramme sind von hier an philanthropische Gesellschaften des Auslandes abgegangen. einstweilen hat nur der Hilfsverein deutscher Juden die Summe von 1000 Francs als erste Hilfe telegraphisch an Herrn Rabbiner Dr. Markus überwiesen. Erst gestern um 6 Uhr abends vereinigten sich die Vertreter des Grossrabbinats. des Konsistoriums, des Hilts- Vereins und der Alliance, um über die Beschaffung der Mittel zu beraten, die zur Linderung der grossen Not notwendig sind. Als erste Zeichnung einschliesslich der 1000 Francs des Hilfs- Vereins sind 600!türk. Pf. (13800 Fs.) aufgebracht. Auch die Alliance Israelitc Universelle hat inzwischen 10 000 Franks telegraphisch überwiesen utid ihr hiesiges Lokalkomitee beauftragt, eine Hilfsaktion zu organisieren. Ucbrigcns sind die Schule n des Hilfsvereins und der A. I. U. unversehrt geblieben und können nun teilweise zur Beherbergung der Obdachlosen verwendet werden. Uc be r den B r a tul in Haskiöi und die Organisation des Hilfswerks für die Opfer der furchtbaren Katastrophe liegen dem H i 1 f s v c r e i 11 der Deutschen Juden die folgen* den Nachrichten vor. Auf eine Anregung, die der Hilisvcrein der Deutschen Juden seinen» Vertrauensmann in Konstantinopel, Herrn Rabbiner Dr. Markus, telegraphisch übermittelt hatte, fand am . 17. März eine Sitzung von Vertretern des Grossrabbinats. des Konsistoriums, des Hilfsvereins der Deutschen Juden und der Alliance Israelitc Universelle statt, in der über die Beschaffung von Mitteln zur Linderung des durch die verheerende Feuerskrunst hervorgerufenen Notstandes beraten wurde. Um eine scl»»»elle und zweckmässige Organisation des Hiliswerkes zu sichern, wurde eh» Komitee von 30 Personen gebildet, dessen Präsidium auch Sc. Eminenz Moi'se Halewy. der Chacham Baschi, angehört, es wurden ferner spezielle Kommissionen gewählt; man hofft, dass es gelingen wird, binnen kurzem 50 000 Mark in Konstantinopel selbst zusammen zu bringen. Freilich werden, um der Not, die über Tausende hcreingebrochen ist, auch nur einigermassen zu steuern, bedeutend grössere Mittel erforderlich sein. In der Sitzung selbst wurden einschliesslich des vom Vertreter des Hilfsvereins zur• ersten Hilfeleistung übergebenen Beitrages von 1000 Francs 600 Ltq. gesammelt. Der griechische Patriarch übersandte den» Grossrabbiner 100 ׳Ltq.. die Banquc ottomane steuerte die gleiche Summe bei. Nach den bisherigen Feststellungen, die aber den vollen Umfang des Unglücks noch nicht klar überblicken lassen, sind 412 Häuser und Läden cingeäschcrt — darunter 3 israelitische Schulen und eine Synagoge — und cs wurden 5028 Personen ihrer Hein»stättc beraubt• 1500 jüdische Familien sind brotlos geworden. Die Not macht sich um so stärker fühlbar, als die Teuerung in Konstantmopei noch immer andauert. Ein Teil der Obdachlosen' fand Aufnahme in Gast* und Privathäusern, bei Verwandten und Bekannten: diejenigen, für die eine andere Unterkunft sich nicht bot. mussten in Synagogen, Kirchen und Schulen untorgebracht werden. Die Synagogen von Cheriddji. Moisallctn. Coula, Demir-Capon, Ghdzil-Minasib, Calaidji, Amon u. a. beherbergen eine grosse Zahl der. unglücklichen Opfer. Wie man annimmt.׳waren vorhültnismüssig nur wenige von ihnen gegen Feuer versichert. Iniiocriiiu sind natürlich eine Reihe ausländischer Versieherungsgesellschafteu bei dem Brande, der einen ganzen Stadtteil vernichtet hat, stark in Mitleidenschaft gezogen, u. a. sollen auch deutsche Gesellschaften in München, Aachen und Stettin beteiligt sein. Die türkischen Behörden nehmen sieh der Betroffenen in anerkennenswerter Weise an. indem sie für ihre Unter,״ hringung sorgen und ihren Lebensmittel, Heizmaterial. Decken etc. zur Verfügung stellen wie auch sanitäre Vorkehrungen treuen. Der Sultan hat den Befehl erteilt, alle notwendigen Alassregcln zu ergreifen, um die oNt'.age der heimgesuchten Bevölkerung von Haskiöi zu lindern. Der Stadtpräiekt hat den» Grossrabbinat von diesem kaiserlichen Irade ausdrücklich Mitteilung gemacht. Lasistan Die hier erscheinende gut informierte Zeitung SABACH bringt einen sehr interessanten Bericht über die Küstenland- Schaft an der Siidostkiiste des Schwarzen Meeres. Lasistan. die administrativ zum Wilajet Trapczunt gehört. Der Landstrich birgt nach den Berichten unschätzbare Naturreichtiimer. Zahlreich sind dort die Mineralquellen und Minen, darunter auch Naphtaquellcn an der Küste von Kerner, die jetzt ungenutzt ins Meer fliessen. Grosse Wälder bedecken eine Fläche von insgesamt 1 0!070 רי Dunam. zum grössten Teil Urwald, aber auch Hochwälder, deren hochstämmige Bäume sehr wertvoll sind. Diese Wälder allein bilden immense Schätze; schon die vorn Sturm gebrochenen Bäume würden genügen, um tausende von Häusern mit dem notwendigen Baumaterial zu versehen.י Und doch bringt diese reiche Landschalt den» türkischen Staatsschatz nur eine ganz unbedeutende Summe, weil noch nie der Versuch gemacht wurde, die Reichtiimer dieses Landes auszubeuten. Hauptsächlich liegt dies natürlich an dem Mangel an Verkehrsmitteln. Aus diesen» Grunde ist auch die Bevölkerungszahl sehr gering. Von de»» etwa 167 000 Einwohnern wandern in der letzten Zeit sogar sehr viele aus. weil sie unter dem gegenwärtigen Zustande in ihrem Lande kein Brot linden können. Was den Handel in Lasistan aubetrifft. so beträgt der Import 12 Millionen Piaster der Export dagegen nur 2 900000, und zwar bildet der Hanf den hauptsächlichsten Exportartikel. Bei einiger Anstrengung könnte der türkische Staat aus dieser Landschaft einen Nutzen von mehreren Millionen jährlich ziehen, und auch die Bearbeiter dieses Landes würden sicherlich reichlich belohnt werden. Türkische Konzess:or»en Min hiesiger Rechtsanwalt. Mustafa Arif Eiicntli, ist auf dem Wege, von der Regierung die Konzessionen für drei grosse U n t c r 11 c 11 m u 11 g c n ־ in Cavalla zu erhalten, und zwar erstens für Anlegung und Ausbau eines Hafens, sodann fiir Einrichtung und Betrieb eines Strassenbalm- Verkehrs zwischen Cavalla und Drama und endlich für die Trockenlegung der Sümpfe von Pravjchta. Die Konzessionen sollen fiir einen Zeitraum von 90 Jahren gegeben werden. Dafür muss sich Arif Etfendi verpflichten. 10 Prozent der Nettoentnähme für die HcdscUäsbalm abzutreten. Vereine und Gesellschaften Berlin. Das jüdische MädchensÜU, Lotliringerstr. 16. gewährt in einem von der. Hausmutter Frau Henriette Baer geleiteten Heim 15 unbemittelten jüdischen Mädchen vollständig unentgeltlichen Unterhalt und hauswirtschaitliche Ausbildung. Der 18. Jahresbericht liegt gedruckt vor. Von den im ganzen

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