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Jüdische Rundschau · 1908-02-21 · Heft 8 (21.2.1908) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIII (1908)
Issue
Heft 8 (21.2.1908)
Date
1908-02-21
Page
– (sequence 2)
Language
German
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» Seite68___jüdische Rundschau No. 8 Die Falaschas ]Berlin, 1?. Februar. Von Herrn Dr. .1. Faitlowitsch gellt uns die nachstehende Zuschrift zu: ״Der Aufsatz ״Die Falaschas“ int Februar-Heft der Zeit- Schrift OST UND WEST, Organ der Deutschen Konfcrenz-Gemeinschaft der Alliance IsraCdite Universelle", enthält eine Reihe von dem Berichte des Zentral-Komitees der A.I.U. entnommenen Unrichtigkeiten, die zur Wahrung meiner eigenen Ehre und zur Klarstellung des tatsächlichen Sachverhalts hiermit zu berichtigen lieh veranlasst sehe. Ich ersuche Sic höfliehst, die nachstenende Erklärung in Ihrem gcsch. Blatte zum Abdruck zu bringen: 1. Der Artikel behauptet, dass meine ״Forschungen sich auf den Besuch einiger Falaschadörfer beschränken mussten.“ Demgegenüber stelle ich fest, dass ich länger als ein Jahi die beiden Landschaften Tigre und Amhara bereist und darin die von Falaschas bewohnten Provinzen Lasta, Ycdzu, Bogltemeder. Dembea, Waghera. Semicn. Tsegadie, Walkait besucht habe. 2. Der Artikel behauptet, dass ich ״die Provinz Goudau nicht besuchen konnte, in der zur Zeit die grösste Anzahl. jüdischer Falaschas sich befindet.'• Diese Behauptung ist vollkommen zutreffend. In der Provinz ״Qoudau'* bin ich allerdings nicht gewesen, denn eine solche Provinz existiert nicht. Sollte, wie ich vermute. Gondar ge־ meint sein, so würde auch das von einer vollständigen Unkenntnis der Verhältnisse zeugen, da Gondar nur eine Stadt und in der Provinz Dembea gelegen ist. Diese Provinz birgt in der Tat (neben Wagera und Semien) die grösste Zahl der Falaschas: darum habe ich mich auch in dieser Provinz und In der Hauptstadt Gondar mehrere Monate aufgehalten. Als lebtndige Zeugen meines dortigen Aufenthaltes habe ich die in dem Artikel erwähnten beiden jungen Falasches mitgebracht, die aus der Provinz Dembea stammen. X Der Artikel be• hauptet, dass die ״zwei jüdischen Leute" ..in der orientalischen Schule (der Alliance) auigenommen wurden und sich sehr schnell mit der europäischen Kultur befreundeten." Der Artikel verschweigt, dass die Aufnahme seitens der Alliance ursprünglich entschieden verweigert wurde und erst nach Intervention von hochangeseliencr Seite erfolgt ist. Es entspricht nicht den Tatsachen, dass die beiden Falaschas die ihnen vollständig unbekannte hebräische Sprache in dieser Schule erlernten. Von ihrer Ankunft im Herbst 1915 bis Mai 1906 erhielten sie überhaupt keinen Unterricht, und auch dann, auf Grund meiner Vorstellungen nach persönlicher Verwendung des hochverehrten Präsidenten der Alliance nur eine Stunde w&chentlfchen Unterrichts im Hebräischen. Der Artikel ver* schweigt ferner, dass der eine der beiden Falaschas sich seit dem Januar 1907 in Florenz befindet und dass auch der andere seit Herbst 1907 die AUianee-Schute verlassen hat. Da ich mich für die beiden jungen Leute verantwortlich fühlte, konnte ich es mit meinem Gewissen nicht länger vereinbaren, dass die religiöse Anschauung, die sic mitbrachten, durch die Erziehung in jener Schule und durch die ihnen zugänglich gemachte Lektüre untergraben wurde. 4. Ich erachte es uni der Wahrheit Willen für gebotet), ferner zu erklären, dass die Alliance sich niemals aus freien Stücken fiir die Falaschas interessiert hat. Bereits die Mission meines verehrten Lehrers Joseph Halevi־ wurde erst auf Anregung von anderer Seite ausgerüstet, lat- Sache ist ferner, dass auch ich nur durch Halövy veranlasst wurde, die Reise zu unternehmen, dass mir die Mittel hierzu nicht von der Alliance, sondern auf Verwendung des edlen Grand Rabbin Zadoc Kahn s. A. von Herrn Baron Edmotid de Rothschild gewährt wurden. Allerdings ist mir bei meiner Abreise von Paris durch den Geschäftsführer der Alliance zugesichert worden, dass mir ein fiir meine Reise bereits votierter Betrag unmittelbar nach meiner Ankunft in Massaua zugehen solle: aber auf meine wiederholten Anfragen erhielt ich zunächst gar keine, später eine ausweichende Antwort. Den Kommentar zu diesem seltsamen Verhalten der Alliance gab mir nach meiner Rückkehr die wiederholte und cntschicdene Erklärung des Geschäftsführers: ich dürfe mich versichert halten, dass jn dieser Generation die Alliance sich nie und nimmer für die Falaschas interessieren werde. Diesem Prinzip ist die Alliance seit meiner Rückkehr bis zum Beginn des Jahres 1907 treu geblieben. Wenn sie seitdem ihre Haltung geändert hat, so geschah cs unter dem Druck der öffentlichen Meinung, die durch meine Propaganda ~ - ich nehme oieses Verdienst für mich in Anspruch — auf die Lage der Falaschas aufmerksam wurde und eine Hilfsaktion entschieden ver־ langte. Nur mit schwerem Widerstreben habe ich mich zu dieser Flucht in die Ocffeutlichkeit entschlossen, die nur aber, um einer Missdeutung meines Schweigens vorzubeugen, durch die Darstellung ln dem amtlichen Organ der Alliance aufge* zwungen wurde. Dr. Jacques F a 111 o w i t sc h. II. Der geschäitsfiilirende Vorstand oes italienischen Pro- Falascha-Comitös, dem die Herren Oberrabbiner Dr. Margulies in Florenz. Professor Finzi ebenda und Advokat R. Ottolenghai in Acqui angehören, veröffentlicht folgende Kundgebung: Das Unterzeichnete Präsidium des italienischen Pro- Falasche-Komitees sieht sich veranlasst, öffentlich über seine bisherige Tätigkeit Bericht zu erstatteten und bittet Ew. Hochwohlgeboren um Aufnahme der folgenden Erklärung: Wie allgemein bekamt, bewilligte die J.C.A! nach Benüihimgen unseres Präsidenten zunächst auf d Jahre eine jährliche Subvention׳ von 10 000 Frcs. V.u dem Zwecke für die Falaschas in Eritrea eine jüdische Schtije zu eriichtcn. Gleichzeitig beschloss die J.C.A.. dass die Leitung der geplanten Schuigriindimg zugunsten der Falaschas und demnach die Aus- Zahlung der besagten Subvention der Alliance Israclitc Universeile in Paris anvertraut würde. Diese setzte sich durch ihren Präsidenten, der auch Präsident der .I.C.A. ist. sofort mit dem italienischen Komitee in Verbindung, und es schien zunächst, dass sie geneigt war. mit dem Komitee an der Gründung der Schule in Eritrea mitztiarbeitcn entsprechend dem Aufträge, den. sie von der J.C.A. empfangeu hatte, und dem Zwecke, für welchen diese in unzweideutiger Weise ihre Subvention bestimmt hatte. Aber mit einem Male änderte das Präsidium der Alliance seine Meinung 11ml erklärte, dass, bevor man an die Durchführung des Schuiwcrkes gehen konnte, es uuerlässlich wäre, eine neue Mission zu senden, um besser die Lage der Falaschas und ihre Bedürfnisse zu studieren. Ob• wohl das italienische Komitee diese Ansicht nicht teilte, vielmehr die Entsendung einer neuen Mission als unnützen Zeit- und Geldverlus^bctrachtete, gab es. um einen Konflikt zu vermeiden, dem V mische der Alliance nach. Da aber kam eine neue Frage aus Tapet, die ohne Verschulden des italienischen Komitees zu einem Konflikt geführt hat. Das Zentral-Komitee der Alliance in Paris wollte aus persönlichen Gründen und auf Grund subjektiver Bewertung der bisherigen Tätigkeit und der Fälligkeiten des Dr. Faintlow itsch diesen von der Mission ausschliessen. D a s italienische Komitee erachtete ein solches Vorgehen als Ungerechtigkeit und als F e h I e r. Als Ungerechtigkeit, w eil Herr Faitlowitsch derjenige ist. der die ganze gegenwärtige Bewegung zugunsten der Falaschas cingclcitet und allein gefördert hat; als Fe h I c r. weil Herr Faitlowitsch vermöge seiner ausgezeichneten Kenntnis des Landes, der Bewohner und ihrer Sprache, vermöge des Vertrauens und des Ansehens, das er sich bei den Falaschas erworben hat. Im gegenwärtigen Augenblick als die einzige Persönlichkeit gelten kann, die sichere Gewähr für einen glücklichen Ausgang der Mission biete. Als alle Bitten und bescheidenen Vorstellungen, von diesem Beschhiss zurückzutreten, die vom italienischen Komitee schriftlich bei der Leitung der Alliance vorgebracht wurden, ungohört blieben, begab sich der Unterzeichnete Präsiden! persönlich nach Pari.;, um die Frage zu regeln. Dank dem Eingreifen zweier atigeselmer Mitglieder der J.C.A. entschloss sich das Zentral- Komitees der Alliance zu einer Vereinbarung, in der ’es zustimmte, dass Herr Faitlowitsch als Vertreter ges italienischen Komitees an der Mission teilnahm, hingcgelt die Forderung stellte, dass er ״unter der Order" des Herrn N'ahoum stehen sollte, der von der Alliance zum- Clmt der Mission ernannt worden war. Es war nicht ausgeschlossen, dass das italieuisehe Komitee in Erwägung, dass ihm ntir diese Weise jede Möglichkeit, einem Einfluss auf das Hilfswerk zu tiben. und jede Kontrolle über den Bericht der Mission genommen wir. und In der Ucherzetigung. dass ohne die Mithilfe des Herrn Faitlowitsch die Mission niemals den erwünschten Erfolg haben könne, in seiner Sitzung vom 25. Dezember I9r»7 den Beschluss, auf jede Beteiligung an der Mission der Alliance zu verzichten. Gleichzeitig behielt sich das Komitee vor. bei der JCA dahin . vorstellig zu werden, dass sie die dem italienischen Komitee zugesicherte Subvention der ursprünglichen Bestimmung gemäss zur Verwendung bringen werde, n ä m I i c 11 z u g 11!1 s t e ti de r Gründung einer jüdisch cn Schule für d i e Falascha i 11 Eritrea. Das Komitee wird ferner andere Mittel suchen, um sein Ziel zu erreichet! und wird zu diesem Zwecke die Unterstützung der anderen grossen jüdischen Organisationen der ganzen Welt erbitten. Dr. M a r g u e 1 i e s, Präsident. Adv. Moise Finzi. Sekretär. Adv. Raphaele 0 11 o I e 11 g h i. Schatzmeister. ■~r *t

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