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Jüdische Rundschau · 1908-02-14 · Heft 7 (14.2.1908) · page 11

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIII (1908)
Issue
Heft 7 (14.2.1908)
Date
1908-02-14
Page
– (sequence 11)
Language
German
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No. 7 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 37 Drf Manasse namens des ,..Jüdischen Turnvereins“ den Distriktstag. Alsdann erstattete der Vorsitzende den Tätigkeitsbericht des Distriktsbureaus. Danach stand das Bureau mit 14 Gruppen und insgesamt 40 Orten in Verbindung; der Umfang der Beziehungen resultiert aus der Summe der Eingänge mit 250, der Ausgänge mit 275. Fortdauernd blieb das Bureau bemüht, in den kleineren Gruppen zionistischcs Leben zu erhalten und zu heben. Dies geschah einmal durch Veranstaltung zahlreicher Versammlungen im ganzen Distrikt, meist mit eigenen rednerischen Kräften; ferner durch Vermittlung häufiger Anregungen und Informationen, Verbreitung der Parteipresse und -literatur. Auch mit einer kleinen Wanderbibliothek, die besonders tätigen Gruppen gesandt wurde wurden erfolgreiche Versuche gemacht. Das Bureau vermittelte ferner einer Reihe von Gruppen die eindrucksvollen Vorträge von Dr .Bloedc sowie eine Tournee von Dr. Moses über ״Jüdische Kunst* mit Lichtbildern. Trotzdem entwickelte nur die Hälfte der bestehenden Gruppen eine eigentliche Tätigkeit, allen voran Samt er, das allen kleineren Gruppen ein Muster sein könne. Von bcsonderen Einrichtungen einzelner Gruppen seien zu erwähnen: Zeitungs-Lesezirkel. Leseabende. Geschichtskurse. Volksunterhaltungssabende. Die übrigen Gruppen konnten aus ihrer Lethargie nicht aufgerüttelt werden; nicht einmal Vcrsamtnhingen waren zustande zu bringen. s<> dass der Gruppenvcrband tatsächlich mehr rednerische Kräite zur Verfügung habe, als der Distrikt in Anspruch nehme. Viel zu wünschen lasse der Eingang der Beiträge zum Parteifonds, während Sclicklzalilungeii und N.-F.-Spcndcn im ganzen befriedigend seien. An den Bericht knüpfte sich eine ausgedehnte Debatte, an der sich die Herren Gold-Samter, Salinger-Fileime, Freudentlial-Kruschwitz. Goldschmidt-Fraustadt. Paradies-Posen und Üronemann-Bcrlin beteiligten. 'Letzterer bemängelte die geringe Höhe der Landesbeiträge und Parteifonds-Eingänge aus dem Distrikt, ferner den Mangel an Anregungen für das Z.-B. seitens der Vertrauensmänner und an Reaktion dieser auf die Zirkulare, und sonstigen Kundmachungen des Z.-B. die übrigen Redner verbreiteten sich über einzelne Propaganda- und Organisationsfragen. Alsdann hielt Herr Dr. ehern. Rosenberg ein nach Form und Inhalt ausgezeichnetes, höchst ausdrucksvolles Referat über die ״Lage im Zi0111 smus.“ Er führte folgendes aus:' ״Wenn wir die Lage im Zionismus richtig überschauen wollen, müssen wir den ganzen' Weg betrachten, den wir gegangen sind, denn cs gibt heute Ecgriüe in der Ideenwelt unserer Bewegung, die den Charakter ־von Schlagworten angenommen haben und deren wahre Bc$QUtung wir nflr erkennen, wenn wir ihre Entstehung kentten ßpd wenn wir sie an der Grösse unseres Endziels messen. . Redner gibt nun ein Bild des Entwickelungsg?.nfces der zionistischen Bewegung. Das erste siegreiche Vordringen, der Wiederstand, den die Bewegung an der Indifferenz der Masse!! fand. Entstehung des Gegenwartsprogramms •der Erziehung des jüdische Volkes zum Nationalismus. Die Entwicklung der Gegensätze zwischen praktischen-politischen Zionisten. Der Tod des Führers, die Spaltung auf dem 7. Kongress und die Entwicklung seither, welche die Gegensätze mildernd, von einem unpraktischen Zionismus zu einem praktischen politisehen Zionismus führte. Die Bedingungen einer jüdischen Volksbewegung sind jetzt günstiger als vor 10 Jahren. Die Ereignisse in Russland, das Erstarken des Antisemitismus in allen Ländern der Assimilation, vor allem aber die zionistische Agitation auf politischem und auch kulturellem Gebiete, -- jüdische Literatur und Kunst hat in die westeuropäische iüdische Gesellschaft Eingang gefunden.— all diese Faktoren haben die Juden Westeuropas aufgerüttelt und heute geht ein starker Zug durch ihre Kreise. Die grossen jüdischen Hilfsgenossenschaften haben das verderbliche Prinzip der Zerstreuung der Juden aufgegeben und versuchen die Emigration von grösseren Gesichtspunkten zu leiten. Der Hilfsvcrcin der Deutschen Juden, der ursprüng- (ich mit einem deutschen Kulturprogramm für die Juden des Orients gegründet wurde, leistet heute wertvolle Arbeit, auch in iüdisclinationalcm Sinn. Ferner die J.T.O. Selbst wenn . sie keine praktischen Erfolge erzielt, und dann erst recht, ist ' sie ein bedeutendes nationales ürzichungsinstruincnt, denn sie lehrt sogenannte ״Grossjuden", sich mit der Judenfrage zu beschuftigen im Sinne der Gründung einer Heimstätte mit nationaler Autonomie. So vorbereitet werden diese Juden auch nicht beiseite stehen, wenn statt der J.T.O. der Zionismus ihnen ein Territorium anbieten wird und selbst wenn dieses ,Territorium Palästina sein wird. Auch die Palästinaarbeit ist ,ein bedeutendes nationales Erziehungsmittel. Das Wort l’alästina hat noch immer einen guten Klang ln der jüdischen Welt und mancher ist auf dem Wege von der Liebe zum jüdischen Lande zur Liebe zum jüdischen Volk und zum Verständnis seiner nationalen Bedürfnisse gekommen. Die Basis der Palästinaarbeit sind die drei Gesichtspunkte: I. Erforschung. 2. Kulturarbeit, die die Lage der Juden des Landes bessern und dadurch bei den türkischen Behörden den Befähigungsnachweis Jüdischer Wirtschaft erbringen soll, 3. Die Schaffung der Krcditbasis für künftige grosse Unter-• nehmimgen durch wirtschaftliche Betätigung. Kredit aber kann uns nur der Erfolg geben und darum sind alle Experimente ausgeschlossen, die nicht die Bürgschaft des Erfolges in sich tragen. Die Palästinaarbeit erhält ihren wahren Wert erst durch die politische Tätigkeit. Redner wendet sich der letzten A.K.-Sitzung zu, gibt ein scharfes Bild ihrer Ergebnisse und deren Bedeutung. Bcsonders wies er auf die Hauptaufgabe hin. die un« jetzt erwächst die Stärkung des Parteifond. W ir befinde{! uns in der Lage eines genialen Erfinders, der ein Patent amneiden will, das ihm Millionen eintragen wird, aber die lächerlich geringe Summe für die!,atcntanmeblung fehlt ihm. Die ist für uns der Parteifond. Der Zionismus ist für uns mehr als eine Emigrationsfrage, mehr als eine Palästinafragc. er ist der Beginn und die Voraus- Setzung der grossen jüdischen Volksregeneration, die im Juden- Staat ihr Zentrum und ihre Kraitcucllc haben lind die Judenfrage lösen wird. Das jüdische Volk hat alle seine Hoffnungen auf dies eine Schiff, den Zionismus, gesetzt, wir Passagiere sehen zwar noch kein Uicr. aber wir hören das Stampfen der Schiffsniaschine. das uns sagt: Wir fahren! Und unser Kapitän, der Fernrohr und Kompass hat. ruft uns von der Kommandobrücke das Wort ,.Land" zu. Das muss ein Zauberwort für uns sein, unsere Kräfte zur höchsten Leistung anspannen, jeder einzelne muss Hand anlcgen. auf unserem Schiit gibt es kein Piomenadendeck. Wir sind durch Stürme, und gefährliche Klippen gesegelt, wir haben lange Zeit im dichtesten Nebel stilllicgen müssen, aber letzt dringt die Sonne wieder durch und wir hören den Ruf ..Land". Vielleicht nur noch eine grosse Kraftanstrengung und unser Schilf ist aus den Gefahren der hohen See gerettet und segelt in ruhigem Fahrwasser dem Hafen unserer Hofinung entgegen.*‘ In der sehr lebhaften Diskussion, die erst nachmittags stattiinden konnte, flammten alte Gegensätze in der Frage der Bankstatuten und des Territorialismus noch einmal auf. Es sprachen die Herren Schcrck, Auerbach, Salinger und Gronemann: die konziiiante Art des letztgenannten Dcbatters gab der Diskussion eine versöhnliche Schlusswendung. In der Mittagspause voreinigte ein Diner 50 Damen und Herren in gehobenster Stirnmutig und bei anregenden Tischreden der Herren Auerbach, Dr. Jeremias, Gronemann, Bochncr-Schönlanke. Gold-Samter, Dr. Rosenberg. Salinger-Filehnc. Den fröhlichen Schluss bildeten wie Immer die Marschalik-Künste des Herrn Lewin. Die Nachmittagverhandlungen brachten zunächst ein Referät des Frl. Ella Fink über ״Frauenarbeit im Zionismus“. Die Frau könne und müsse im Zionismus mitarbeiten, durch Erziehungsarbeit im Hause, durch Werbetätigkeit ausser dem Hause. Insbesondere die Bemühungen um die Emigranten, die N.F.-Arbeit. die Kulturabeit in Palästina und alle sozial-kulturelle Betätigung für die Volksmassen sollten bei der jüdischen Frau eifrigste Mitarbeit finden. Zu diesem Zwecke empfahl Referentin zum Schluss die straffe Organisierung eigener Frauen Vereinigungen. Lebhafter Beifall lohnte ihre inhaltreichen und von tiefem Verständnis und warmer Begeisterung getragenen Ausführungen, die hier nur kurz skizziert werden konnten. Nach kurzer Diskussion ergriff D r. K 011 e n s c h e r das Wort zu seinen! Referat über ״Jüdische Gemeindepolitik“. Staat und Religion (Kirche) seien die grossen Organisationsformen jedes Volkes. Vollkommene Trennung beider Gewalten von einander sei schon allgemein zu wünschen, ganz besonders aber für die jüdische Religionsgcselischait. die nicht einem jüdischen Staate gcgenüberstelie. Deshalb sei jede Staatsauf־ u״d staatliche Kontrolle, jedes staatliche Ernennungsrecht der Beamten, Überwachung der religiösen Übungen und insbesondere des Religionsunterrichtes abzulehncn. Das vom Staate verliehene Recht der Besteuerung und Beitreibung der Steuern sei unentbehrlich: auch hierbei müsste die Ausübung des Rechtes den Juden überlassen bleiben. Die Aufgaben der Gemeinde wären im Laufe der Zeiten grossen Wandelungen unterworfen. Vor der ״Emanzipation'* wären die Gemeinden wahre jüdische Volkskörpcr gewesen, in denen sich das volle jüdische Volksleben abgespielt hätte, sie hätten Verwaltung. Rechtsprechung und Kulfurpflege unter den Juden besessen. Die ״Emanzipation“ — von den massgebenden offiziellen Juden missverstanden — habe aus diesen Gemeinden die blossen ״Kultusgcmelnden** gemacht. Die moderne jüdische Volksbewegung müsse wieder die alten Vollgemeinden, die jüdischen Kulturgemeinden schafien. Dazu sei erforderlich, dass die Geineuide ihre Aufgaben auf das gesamte jüdische Volksleben erstrecke. Guter Unterricht in den Schulen Insbesondere in ־ייי•

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