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Jüdische Rundschau · 1908-02-14 · Heft 7 (14.2.1908) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIII (1908)
Issue
Heft 7 (14.2.1908)
Date
1908-02-14
Page
– (sequence 6)
Language
German
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No. 7 Seile 64 __JÜDISCHE RUNDSCHAU;!!;führte, ist hervorzuheben die Beseitigung der Missstäude Oehsenschiffeu. welche den Rücktransport der Auswanderer nach Europa besorgten lind aui denen die armen Juden in der rohesten Weise misshandelt wurden. Dank dem Eingreifen des Volksvereins wurden die Hauptiibcltüter ins Gefängnis gebracht und die Ueberfahrt vollzieht sich jetzt für die Juden auf den Ochsenschiffen ohne Belästigung. Herr Rechtsanwalt Dr. Fricdländcr ergänzte den Generalbericht durch einige Eiille aus seiner juristischen Praxis. Daran schoss sich eine kurze Debatte, in welcher aui Einwände des Vertreters der Alliance Israciite Universelle sowie einiger Mitglieder des Volksvereins von diesen geantwortet wurde. Nach der Entlastung des Vorstandes wurde zu den Neuwählen geschritten. Der bisherige Vorsitzende erklärte wegen Ueberlastung mit anderen Arbeiten dieses Amt nicht weiter führen zu köneen. Es wurde zum 1. Vorsitzenden Herr Rechtsauwalt Dr. Martin E r i c d I ä;1 d c r und zum Burcanieitcr Isidor W o 11 i gewählt. Den übrigen Vorstand bilden die Herren Dr. Sachs. Dr. N a in i o t. \V o 11 s t e i n e r , Zahnarzt G o I d e n b e r g. Rabbiner Dr. L c v y . Dr. M ii h s a m und trau Landau. Zu Kassenrevisorcu wurden Herr M o 11 r u s und Erl. Cohn wiedergewöhlt. Nach dem Dank an die bisherigen \ orstandsmitglicdcr und Mitarbeiter wurde die Generalversammlung geschlossen. MitglicderanmcUlungen und Spenden sind an Max Woil- Steiner, Berlin NW. 2;. Holsteiner Ufer 10. zu richten, der die Spenden in der JÜDISCHEN RüNDSCHUi ausweisen wird. j &»*״ *■י - ׳ E**• V- . Jüdische Arbeiterkolonie Aus dem jüngst erschienenen 6. Jahresberichte der Jüdisehen Arbeiterkolonie hi Wcissensec Kami mit Genugtuung entnommen werden, dass die Anstalt im abgelauienen Jahre wiederum 594 Kolonisten aafgenommen hat. Darunter war diesmal kein einziger, der bereits in früheren Jahren die Kolonie Jreqiienziert hatte. Hieraus und aus zahlreichen Dankschreiben ehemaliger Insassen geht hervor, dass das Institut seinen Hauptzweck erfüllt, seine Schützlinge nicht nur yorübergehend zu beherbergen und zu beschäftigen, sondern sie daucritJ erwerbsfähig zu machen. Seit Eröffnung der Anstalt hat dieselbe bereits an mehr als 2500 Unglücklichen ihre nachhaltig segensreiche Wirkung erprobt. Es ist schade, dass das Rechnungsjahr auch diesmal mit einem finanziellen Defizit von etwa 4000 Mark abschliessf. Leider muss hier mit einer Dauererscheinung gerechnet werden, sofern es nicht gelingt, weitere Einnahmen, vor allem feste Beiträge in gleicher Höhe zu gewinnen. Im Interesse des sozial so heilsam wirkenden Unternehmens ist das dringend zu wünschen. 9 ״ f־~i Sprechsaal CI Fir ü« Mllteilunseb an dieser Stelle. Bbemtmmt die Redaktion nur die pressgesetzHche Verantwortlichkeit Gestatten Sie mir. auf eine Tatsache in dem Artikel des Herrn Josef C a r! eh a c I! zurückzukommen, die niemes Erachtens vom Herrn Autor nicht richtig geschildert wurde. Das ist die Entwicklung des Hebräischen als Umgangssprache und Entstehung der Kindergärten in Palästina. Es kann kein Palästinenser die Verdienste des Herrn Jcllin auf dem theoretischen Gebiete der hebräischen Sprache abschwächen, ich glaube aber, dass der bescheidene Gelehrte David Jcllin zugehen wird. dass, obwohl er wirklich einer der bedcutendsten Hebraisten ist. er doch erst viel später imstande war. das Hebräische mehr seinen Schülern als lebende Sprache •zur Geltung zu bringen. Erst nachdem die K°l1״״crl die Probe gemacht haben, nachdem cs ihnen gelungen war. ein hebräisch-sprechendes Publikum zu erziehen, kam dieser Einfluss zur Geltung. Ist es ja in Palästina überhaupt der Fall. dass die Städte von den Kolonien in jeder Hinsicht beeinflusst werden, im Gegensatz *zu dem Verhältnis in Europa. 2. Die Kindergärten entstanden in Palästina hauptsächlich nicht von Erziehungswegen, sondern uni für die Schule eine Generation hebräisch-sprechender Kinder vorzubereiten. Der Vater des Gedankens war der vor Hunger verstorbene idealistische Lehrer A, L. Hurwitz. Den ersten Kindergärten gründete er ungefähr vor 15 Jahren in ..R 1 s c 11 o n - I e ־ Zion. Der Kindergarten in Jerusalem ist ungefähr 9 Jahre nach den Kindergärten in Rischon-Ie-Zion und cm jahr nach dem Kindergarten in Jaffa, der übrigens ebenfalls %on Herrn A. L. H 11 r w i t z gegründet wurde, entstanden. Ich glaube, dass das doch eine ganz andere Eutwickluugstinie aui diesem Gebiete zeigt. mw. Kleine Mitteilungen ** Berlin. Eine Feier seltener Art wird der hiesige ..Taliiiud• Verein” (Schass-Chewra) am nächsten Sonntag (16. Februar) begehen, nämlich einen sogenannten Sijjüui gadöl. In täglichen Vorträgen, die der Rektor Dr. D. Hof;- mann gehalten hat. wurde der ganze Talmud beende!, wozu ein Zeitraum von 2U Jahren erforderlich war. Diesen Ab- Schluss gedenkt der ..Talmud-Verein** festlich zu begehen und zwar am Nachmittag um 5 Uhr .durch eine Feier in seinem Lehrhausc (Oramcuhurgerstr. 64). sowie durch ein Festmahl abends 7 Uhr im Saale der Ressource. Sehadowstr. 6/7 zu dem der Vorstand des Vereins. Herr Adolf Prager. Neu•.• Scliöuliauserstr. 7. soeben die Einladungen ergehen lässt; Nürnberg. Seitens des Vereins orthodoxer Juden wurde an den Magistrat das Ersuchen gestellt, gleichwie in München denienucu Juden, welche am Sonnabend Ihr Personal nicht beschäftigen, zu gestatten, dass a n d e n S o n 11 : a g e n b c i g e s c 111 o s s e 11 e!1 T ii ren das j ii d i s e h e P e r s o 11 a I drei Stunden beschäftigt wird. Mit allen gegen zwei Stimmen wurde dieses Gesuch ahgelehnt. Dessau. Die Einweihung der neuen Synagoge der hiesigen Israelitischen Kultusgcmeiude ist nunmehr auf Dienstag, den IS. Februar, mittags 12 Uhr, testgesetzt worden. Duisburg. A.u 25. Januar!'eierte der Verein der Jüdi sc h cn Jugend Duisburg das Fes: seines zweijährigen Bestehens. Ungefähr 250 Pe.soncn hatten der Einladung Folge geleistet. Nach einigen Begriissungsworten des Vorsitzenden. Referendar Löwe, der auf die Tendenz des Vereins, in der Jugend den alten jüdischen Stolz, zu wecken, hinwies, hielt Herr Rabbiner Dr. Neumark die Festred.'. Er führte aus. dass der Verein in richtigen Bahnen wandele lind in anderen Städten Nachahmung verdiene. In gleichem Sinne sprachen die Vorstände der Svnagogengemcinde. des Vereins für Jüdische Geschichte und der Zionistischen Vereinigung Duisburg. Einer rührigen Vergniiguneskommission verdankt es der Verein, dass das Fest zu den glänzendsten gerechnet werden muss, die in Duisburg gefeiert wurden. - Brietablage für den Verein: Referendar Löwe, Duisburg. Kuhlenwall 30. Köln a. Rh. Das Israelitische Asyl für Kranke und Altersschwache, das an der Ottostrasse in Köln-Ehrenfeld mit grossem Kostenaufwande errichtet worden ist, wird am Mlttv och, dem 19. Februar, seiner Bestimmung übergeben. Schächtantfsemitismns. Hanau. Auf das Gesuch des Hanauer Tierschutz- Vereins -Vorstandes um Einschränkung des Schachteils antwortete der Magistrat der Stadt Hanau: Wir sind nicht in der Lage .dem Gesuche des Vereins um Einschränkung des Schüchtens im hiesigen städt. Schlachthofe stattzugeben. Durch eine derartige Anordnung würde das hiesige Metzgergewerbe geschädigt, da die hiesige jüdische Bevölkerung ihren Bedarf an koscherem Fleisch ganz oder zum Teil von ausserhalb decken würde. Der Vorstand des Tierschutz- Vereins Hanau beschloss mm in seiner letzten Sitzung, dem neugegriindeten Antischächtverein (Sitz Gotha) beizutreten. Verein bezweckt eben Antisemitismus, und der Tierschutz ist ihm so gleiehgiltig wie Hekuba, Parforcejagden, das Brühen lebender Krebse, das be — - ־ ־ rühmte Schweinesehlachten sind ihm keine Tierquälerei. Pilsen. In feierlicher Weise fand gestern die Installierung des neuen Rabbiners der hiesigen Kultusgemcinde Phil. Dr. G o I i n s k i statt. Budapest. Die Budapests köwgUche Staatsanwaltschaft hat gegen das rumänische Blatt EUPTA einen Prozess angestrengt. Veranlassung hierzu bot ein in dem genannten Blatte gegen den Alkoholisnius veröffentlichter Artikel, in welchem den Gemeinden empfohlen wird, die Wirtshäuser ja nicht an Juden zu verpachten, da diese den Branntwein fälschen. Paris. Das jüdische Konsistorium von Frankreich wühlte den Lvoner Rabbiner Levy zum Grossrabbiner von Frankreich. [ » .... . . 1i feil 1\f Erfolgreiche Judenbekehrung. Wie die PETERSBURGER ZF.I1UNG meldet, erhalten nach ciuerti Sana tsukas vom 27. Januar 1903 Juden, die in Polen zum evangelischen Glauben ü berge-

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