Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 6 (7.2.1908)
- Date
- 1908-02-07
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 56 JÜDISCHE RUNDSCHAU Ko. 6 lehnte diesen Vorschlag ab, weil sic sich als Inkompetent für die Suche nach neuen Steuern erklärte. Aber der Vorschlag des Baron Meyendoiff, der noch kürzlich als Verteidiger der jüdischen Gleichberechtigung gepriesen wurde, ist doch charakteristisch für die Art. wie sogar die angeblichen Juden* freunde sich die Gleichberechtigung der Juden denken. Natiirlich würde es, wenn ein solcher Vorschlag Gesetz werden könnte, nicht mehr lange dauern, bis mit alsdann grösserer Berechtigung ein anderes Proickt auftauchen würde, dass die Juden überhaupt zu A u sländc r n erklärt. Bekanntlich ist es noch gar nicht ausgeschlossen, dass dieser letztere Vor* schlag, der vom Verband echtrussischer Leute vor einigen Wochen in einer Petition dem Zaren unterbreitet wurde, in der Duma ganz ernsthaft zur Dissktission gelangt. Und sol* eher Massregeln arbeiten sogar solche Leute direkt in die Hönde, die angeblich für die Rechte der Juden eintreten! Kleins Mitteilungen Verein zur Förderung Jüdischer Kunst. Der Verein zur Förderung Jüdischer Kunst hat am Mittw och, dem 19. Februar, abends 8’-• Uhr. im Saale der Gesellschaft de. Freunde. Potsdamerstr. 9. seine dritjte Veranstaltung in der Saison 1907׳19׳.'S, Fis wird ein musikalischer Abend sein: die künstlerische Leitung liegt in den Händen des Herrn Dr. Bcgumll Zepler. M i t w i r k c n d e sind: Frl. Vera G o I d b c r g . Herr Leon Gollanin u. a. Berlin. Die Jüdische Arbeiter!« lonie in Weissensec ist vor sechs Jahren zur Eröffnung gelangt. Ungleich den ähnlichen Instituten werden die Betriebe in Weissensec nicht aui eigene Rechnung geführt, sondern sind Unternehmern anvertraut, denen nicht nur kostenlos Arbeitsrüume, sondern zu einem angemessenen Satz auch genügende Arbeitskräfte gestellt werden. Die zurzeit vorhandenen 90 Kolonisten verteilen sich auf folgende Betriebe: Rohrfiechterei. Bürstenfabrikation und Klavierpolirerei. Raum und Arbeitskräfte iiir einen vierten Betrieb sind noch vorhanden. Reflektanten wollen sich an Herrn Inspektor Behrendt. Weissensec, Wörthstr. 20. wenden. Safäh Ber rah. Der hebräische Sprachverein begann seine diesjährige Tätigkeit mit einer Sitzung, die Montag, den 20. Januar stattfang. Der Einladung waren gegen 100 Personen. Datncn und Herren, gofolgt In seiner Einleitungsrede wies Herr J. L i n auf die erfolgreiche Tätigkeit des Vereins während seines 7jährigen Bestehens hin und eröffnete einen Ausblick aui die künftige Tätigkeit des Vereins, der ohne jede sonstige Tendenz die Kenntnis der hebräischen Sprache verbreiten und vertiefen will und zu diesem Zwecke Kurse eingerichtet hat. Daraui nahm der Leiter der Kurse, Herr Rabb. Dr. Rosenthal, das Wort, um gie Mcthcde darzulegen, die er bei seinem Unterrieht einschlagen will• Den Hauptteil des Abends bildete ein Vortrag über ״Die Bedeutung der hehr. Sprache‘*, in dem er die Wichtigkeit und Bedeutung der licbr. Sprache für das Judentum überzeugend nachwies. An der regen Diskussion nach dem Vortrage beteiligten sich die Herren Rabb. Dr. Roscnthal, Dr. Fink, Lin. Genug, Bjum, Gott- Dr. R e n z e r, W a s 1 o k o w s k i• Der Vorstand bestellt aus Schriftst. Brainin 1. Vors*. Rabb. Dr. Rosenthal 2. Vors., Dr. Renzer 1. Kassierer, S• Kosodczky 2. Kassierer. J. Lin 1. Schriftf., R. Halpcrsohn 2. Schrift!- — Die Versammlungen des Vereins finnden jeden Montag um 9 Uhr in Wittners Rcstaurant, Miinzstr. 81. die Kurse Montag. 8K: Uhr. Artillerlcstr. 31, pari Gäste herzl. willkommen• Emden. Der Zuschuss der Stadt zu den Unterhaltungskosten der jüdischen Schulgemeinde ist von der Stadtdeputation auf 6000 Mark jährlich festgesetzt und unter Zustimmung des Schulvorstandes von den städtischen Kollegien bewilligt worden. Nürnberg-Fürth. Dieser Tage hat hier auf dem neueingerichteten jüdischen Gemeindefriedhof die neunte Bccrdigung stattgefunden. Die Schliessung des alten Friedhofes dürfte in nicht zu weiter Ferne liegen. Per Jüdische Klub Das zionistische Kreis-Komitee in Buczacz bereitet jetzt die Herausgabe einer Broschüre in jüdischer Sprache vor, aus der Feder des Abgeordneten Dr. Gabel über die Tätigkeit des «Jüdischen Klub" im österreichischen Parlamente. Diese Broschüre wird auch die Reden der Reichstagsabgeordneten Dr. Mahler und Staud enthalten. Not In Südrussland^ Die jüdischen Kolonien in den Gouvernements Cherson und Jekaterinosl aw wurden im vergangenen Jahre von einer Missernte schwer betroffen, und cs herrscht nun eine schreckliche Not in diesen Bezirken. Viele Kolonistenfamilien leiden Hunger. Von den Semstwos ist keine Hilfe zu erwarten; da cs sich ja nur um jüdische Bauern handelt, so haben die Scmstwo jede Hilfe glatt abgdelint. Kiew. Das Bezirksgericht verurteilte 16 Teilnehmer an dem im Oktober 1905 veranstalteten Pogrom zu Gefängnisstrafen von 2 bis 8 Monaten. 51־ Angeklagte wurden freigesprechen. Eine seltene Auszeichnung Eine wirklich seltene Auszeichnung ist vor einigen Tagen dein Leibarzt des Sultans, Prof. Dr. Hier, zuteil geworden, indem der Sultan ihn zu seinem A d j 111 an t e 11 ernannte. Unseres Wissens ist cs überhaupt das erste M a 1, dass ein Jude Adjutant des Sultans wird. Der neue Grossrabblrier von Saloniki Man trifft liier grosse Vorbereitungen zum Empfange des neuen Grossrabbiners. Rabbi J a k o l> M e i r, Die jüdische Gemeinde will ihrem neuen geistigen Oberhaupt eine grossartige offizielle Feier widmen, zu der auch alle• Zivil- und Militärbehörden der Stadt cingeladeo werden. Anlässlich seiner Anwesenheit in Konstantinopel ist Rabbi MeTr vor:״ Sultan der Medjidjc-Ordeii zweiter Klasse verliehen worden. Jakob Meir ist bekanntlich als Shaeham Basehi aus Jerusalem fortdenunziert worden. Palästinisches Museum Der Lehrer der Jerusalemer Kunstgewei beschule ״Bezalel“ Herr Aroni, hat ein Museum für Entomologie in Palästina begründet. Er sammelte eine bedeutende Kollektion paiästinischer Insekten, besonders Schmetterlinge, die bekanntlieh eine reiche Farbenpracht aufweisen. Für seine Leistungen erhielt er nun von dem auf diesem Gebiet bekannten Geehrten Prof. Otto Schmied ein Anerkennungsschreiben. Ausgrabungen in Palästina Zwei deutsche Archäologen haben kürzlich die Erlaubnis zu Ausgrabungen an verschiedenen Stellen erhalten und haben nun in der Umgegend von Haifa damit begonnen. Die Grabungen finden aui einem Platze statt, auf dem vor Zeiten eine Synagoge stand• Lissabon• Mehrere hiesige Handelsfirmen haben die Nachrieht erhalten, dass in Fes eine Judenrnetzelei stattgefunden habe. Die Angreifer waren augenscheinlich marokkanische Stämme aus der Umgebung der Hauptstadt. Nachdem sie das jüdische Stadtviertel geplündert hatten, zogen sie sich zurück und führten zahlreiche Frauen und Kinder in die Gefangen- Schaft. Mathias Acher in Amerika. Mitte Januar kam Dr. Nathan B i r n b a u 111. der als Mathias Acher bekannte Schrittsteller, in New York an, wo er von einer Deputation verschiedener jüdischer Vereine und einer Anzahl hervorragender amerikanischer Zionisten einpfangen wurde. Galizisclic rnd Bukowinacr Juden vcrun.st.ilteten zu seinen Ehren einen Festabend, die Zionisten eine öffentliche Versammlung. Birnbaum will in Amerika das Leben der dortigen jüdischen Bevölkerung studieren. Achad-Ha’am Der bekannte hebräische Schriftsteller U. Ginzberg aus Odessa der unter dem Namen Acliad-Ha'am (Einer aus dem Volke) auch eine Rciiic feinsinniger philosophischer Essays geschrieben hat. von denen der Jüdische Verlag unter dem Titel «Am Scheidewege“ einige in deutscher über- Setzung herausgegebeu hat. weilt gegenw ärtig in L 0 n d o 11. Am 7. Februar findet in London ein vom Jewish Workingmcn- Club veranstaltetes Meeting statt, in dem der berühmte Schrift* Steller zum ersten Male zu seinen Verehrern im Londoner Ghetto sprechen wird. Der Mieterstreik in New York Der .Mieterstreik wird womöglich auch nach Chicago hlnüberereitcu. Es hat sich dort schon eine Vereinigung der Mieter gebildet, die versuchen will, die Mieten mit allen Mitteln zu ermässigen.