Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 4 (24.1.1908)
- Date
- 1908-01-24
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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, No. 4 JÜDISCHE RUNDSCHAU. Seite 21 Petach-Tikwah mit Pcdsehe und Jchudje . . . 175 85 14UU* * 2200 I. In Samaria: , Kafr Saba. —— — 30 675 Chcdera . 38 5!65 2900 Sichron Jakob mit Mid* schmal und Schwcja . . 68 ca. 80 780 1700 Athlit.. 6 _ *•י 30 500 Tantura ■> m0 O 16 40 III. In Galiläa: Jetnma . 36 7 200 1350 Bet Dsclien. 15 60 1000 Mesclia. 23 4 150 100(» Sedschera . 28 . 15 200 1800 Mclhamie. 22 120 1000 Rnsch Pinah mit Machanajiu 70 50 700 4000 Misehmar |!a Jarden . . 11 10 90 220 Jessod Hamalah .... 31!0 200 1000 Metullali. 39 9 250 1300 6519 25 455 Bericht des österreichischen Konsuls, in Jaffa Soeben isl der Bericht des österreichischen Vizekonsnls in Jaffa. Max Wcnko. für das Jahr D06 erschienen. Es ist interessant, dass auch aus diesem neutralen Bericht überall die Wichtigkeit der jüdischen Positionen in P a I ä s t i n a hcraiisIcuchUt. Die Objektivität des Referenten ist im allgemeinen anerkennenswert. Hs ist begreiflich, dass er von seinem Standpunkt aus die deutschen Institutionen etwas mehr empfiehlt, dass er nicht ausdrücklich hervorhebt. uass die Besitzer der von ihm rühmend erwähnten Steinschen Maschinenfabrik und der neugegründeten Pariüniiabrd Juden sind, die auch ausschliesslich nur jüdische Arbeiter beschäftigen usw. Dass er aber eine nicht ganz zutreffende Darlegung der Haltung der Behörden gegenüber jiidischeu I.andkäufen gibi, beweist, dass es mit der Objektivität christlicher Beurteiler der jüdischen Bestrebungen in Palästina doch eine schwere Sache ist. Im allgemeinen bestätigt der Bericht selbstverständlich die aufstrebende Kn t Wicklung, welche Palästina, und namentlich der Distrikt Jaffa, im vergangenen Jahre genonunen hat. Die — übrigens schon bekannt gewesenen — Ziffern des Handelsverkehrs Jaffa werden wie folgt angegeben:!905 1906 Millionen Kranken ..12.3!5.5 16 18 60.3 908 16*1 526 Zunahme 3.2=26 2 =12,5 % % 61 10-1912 100 - 11 13 2*1 % % % Kxuort Import Schiffsverkehr: Dampfer.542 mit Tonnen.803 252 Segler.. 426 Diese Ziffern beweisen einen geradezu rapiden Aufschwung der Wirtschaft Palästinas. Ueber die einzelnen Produkte des Landes spricht der Berieht sehr ausführlich, bringt jedoch neues nur für diejenigen, welche den jüdischen Darstellungen über die enormen wirt* schaftlichen Möglichkeiten Palästinas keinen Glauben schenken wollen und sic als tendenziös ansehen. Den österreicischcn Vizekonsul aber werden sie wohl als objektiven Fachmann gelten lassen. Sie mögen lesen, was er z. B. über die Obstsucht schreibt: ..In dieser nimmt die Orangenkultur den ersten Platz ein. Infolge der guten Verzinsung, welche Orangerien abwerfen, wird denselben jährlich ein grösseres Terrain eingeräumt und man hofft, in einigen Jahren das Exportquautum auf eine Million Kisten zu bringen. Das hiesige Land, speziell die nähere Umgehung von Jaffa, ist zum Orangenbau geradezu prädestiniert״ usw. ..Seit acht Jahren ist die Orangenanbau* fläche auf das Doppelte angewachsen. Ebenso verweisen " die Skeptiker au! die Bmerkungen des Berichtes über die Eint* Wicklung der Industrien (Mühlen. Zement*. Maschinenfabriken usw.) auf den grossen Import von Mehl gegenüber einem he* richteten bedeutenden Export von Zereaiicn usw. Mit den jüdischen Kolonien beschäftigt sich der Bericht sehr ausführlich. Ueber die Selbsiändigmachuug der Roth* *’*) Pächter der Jewish Colonisation Association. (Aus der ״Zeitschr. f. Dem. u. Stat. d. Juden**.) schildschcn Kolonien spricht er kein eigenes Urteil aus, sondern verweist darauf, dass darüber die Meinungen geteilt w׳ären. Nach der ungünstigsten würde der Baron nach Ablauf der fünf Jahre zumindest gezwungen sein, die Administration wieder zu Übernehmen. Das wäre allerdings betrübend, doch nur eine Folge der seit 24 Jahren gemachten Fehler, die sich nicht so rasch gut machen lassen. Nie frühere Administration hat eben die — übrigens!teilweise schlecht ausgew ähltcn — Leute nicht zur Selbständigkeit erzogen. Jedenfalls werden die fünf Jahre, in welchen die Rotschildschen Kolonisten sich in der Autonomie erproben sollen, eine bessere Schule der Selbstverwaltung sein, als es die 24 vorangcgangencn Jahre der bevormundeten Administration waren. Von Petach-Tikwah wird berichtet, dass die Versuche mit verschiedenen Fruchtgattmigen (Acpfel. Birnen. Pflaumen, Pfirsiche usw.) sehr zufriedenstellend ausgefallen sind. Ferner, dass die Kolonisten beabsichtigen, von der Regicrung die Erlaubnis zur Befahrung des Audschaflusses. an dem die Kolonie liegt, zu erlangen, wodurch die Produkte der Kolonie per Remorqtier zu der nur 6 km entfernten Mündung des Flusses, dann längs der Küste nach Jaffa geschafft lind Transportkosten gespart werden könnten. Leider ist wenig Hoffnung, dass die Erlaubnis erteilt werden wird, weil die Be* sitzer der am Fluss angelegten Mühlen Störungen ihrer Be* triebe befürchten. Zum Schluss erwähnt der Bericht die grosse Einwanderung russischer Juden im Jahre 1906. vgn denen ein beträchtlicher Teil w ieder auswandern musste, w eil das Land nicht genügend Erwerbsmöglichkeiten gab. Das ist uns leider schon lange bc* kannt. Die zionistischen Bestrebungen, die au! Förderung der Entwicklung Palästinas gerichtet sind, damit eine grössere Zahl von Einwanderern dort Arbeitsgelegenheit findet, müssen eben energisch fortgesetzt und allseits unterstützt werden. Dass Palästina nur Kapital und Unternehmungsgeist braucht, um sich glänzend zu entwickeln, ist nach dem Aufschwung, wclchen das Land ohne besondere Hilfe, aus eigener, sehr schwacher Kraft nimmt, evident. Ganz unrichtig ist es aber, wenn der Berichterstatter meint, dass sich die Regierung jeder weiteren Einwanderung von Juden widersetzt und den Landankauf verbietet. Kein einziger Fall, der eine solche Aeusserung rechtfertigen würde, ist zur Kenntnis jüdischer Institutionen gekommen. I m Gegenteil. Das seit 20 Jahren bestehende Einwanderungsverbot wurde nie gehandhabt. Was den Landankauf betrifft, so hatten die Einwanderer allerdings Schwierigkeiten damit, aber nicht, weil sie Juden, sondern weil sie Ausländer waren. Der Berichterstatter scheint das deshalb zu vergessen, weil eine nennenswerte christliche Emigration nicht besteht und daher die gesetzlichen Schwierigkeiten bei Landankaut seitens irgend welcher ausländischer, d. h. nicht türkischer Untertanen, fast ausschliesslich bei Juden in Erscheinung treten. Diese Schwierigkeiten sind aber nicht so gross, dass sie nicht überwunden werden können. Beweis dessen hat sich der JüdischcLandbesitz in Palästina gerade in der letzten Zeit ganz bedeutend v e r m e 11 r t. Immerhin ist es w ünschens* wert, dass die von dem A.-K. w ieder angenommenen Unter* handlungcn mit der Piortc zu Erleichterungen für Grundtransaktionen von Juden in Palästina iiihrcn. Auf keinen Fall wird der־ österreichische Konsul umhin können, in seinem nächsten Jahresbericht ein weitaus be* deutendes Fortschreiten der Juden in Palästina zu koa-!:.itieren. __ Islamitischer Kongress in Karo In Kairo, der alten Stätte des Islams, mit dem berühmtesten Universität der muhammedanischen Yelt, wird in Kürze der erste allgemeine islamitische Kongress stattfinden, dessen Ar* beiten dazu bestimmt sind, das muhamniedanischc Volk wieder zu beleben. Auf dem Kongress sollen gemeinsam die Natur sowie die Bedingungen der Bewegung festgesetzt werden. Die Anregung geht von dem Russen Ismael Bcy Oasprinski aus. der als Redakteur des Blattes Terdschumän heute in der Krim und im Kaukasus einen grossen Einfluss hat. Gasprinskl ist kein fanatischer Panislamit. sondern will ein Vcrtcldigungs* bündnis der Muselmanen schaffen. Zuerst gärt es sehr unter der muhammedanischen Bevölkerung Ägyptens, die sich zum grössten Teil um Mustapha Pascha Kamel schart, der 111 grossen Versammlungen den Nationalismus schürt und gegen die eng* lischc Herrschaft predigt. Die Muslimin Kairos sehen dem Kongress mit viel Interesse entgegen.