Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 2 (10.1.1908)
- Date
- 1908-01-10
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Als vor zehn Jahren die Berliner Zionistische Vereinigung ins Leben trat, zum Teil sogar bekämpft von Männern, die heute eifrig in ihr und im Zionismus arbeiten, als wenige Wochen darauf Theodor Herz! zum ersten und einzigen Male in öffentlicher Ver- Sammlung in Berlin sprach, da konnte man wohl w־ünscheu, aber keineswegs in so naher Zukunft erwarten, dass der Zionismus seinen Siegeszug. wie in allen Ländern. wohin die Juden auf ihrer Wanderung verschlagen worden sind, so auch in Deutschland antreten werde* Und Berlin, die Hauptstadt der Assimilation und Judentumsverleugnung, tritt immer mehr in den Vordergrund der neuen jüdischen Bewegung, die der Entjudung ein Halt geboten, und die Assimilation abgclöst hat. . So ist es ganz von selbst aus der Entwicklung der ' jüdischen Psvclic heraus gekommen, die wieder jüdisch zu werden beginnt, dass die Sitzung des Grossen Aktionskomitees in Berlin stattfand• Und es freut uns, dass diese erste Sitzung in Berlin zugleich den Beweis erbrachte, dass die beiden Hauptrichtungen, die sich im .politischen Zionismus nebeneinander bewegen und ihn als ein Ganzes zusammensetzen, die diplomatische t׳nd die praktisch-kolonisatorische berechtigte Hoffinnigen liegen. Der unselige Ugandastreit, dann der Tod Hcrzls hatten eine gewisse Entmutigung in unser!! Kreisen hie und da Platz greifen lassen. Diese Entmutigung ist wieder geschwunden. Es geht wieder vorwärts. Das ist das Resultat der Sitzung gewesen, in der nicht über theoretische Unterschiede, wenn auch über ideelle Werte, wohl aber übe die praktischste Art der Weiterarbeit gesprochen wurde. Es geht wieder vorwärts und aufwärts. Unser Aktionskomitee schreitet uns mit den besten Hoffnungen und dfen allerbesten Aussichten voran. Wir wollen ihm folgen, indem wir 111m die Mittel zur Arbeit zur Verfügung stellen, den Parteifonds, der ein Arbeitsfonds int zionistischsten Sinne des Wortes ist. Wir können nicht alle führen und raten, aber wir können alle mitarbeiten und selbst geben und andere zum Geben veranlassen, lim den zionistischen Arbeitsfonds zu schaffen, den wir Parteifonds genannt haben. w׳ell er allen Bedürfnissen der Partei dienen soll. Die Berliner Tagung des Grossen Aktionskomitees war eine der wichtigsten Sitzungen unseres höchsten Ausschusses. Sic wird noch wichtiger mit jedem Betrage, der dem Parteifonds zufliessen wird. Zionisten, tut Eure Püicht! Heinrich Sachse. Bericht des E. A.-K. Sehr geehrte Kollegen! Seit der Sitzung des G rossen Ak ti0nskom itces im Haag, auf der die Grundlagen für die Weiterarbeit des Aktionskomitees festgcstelk wurden, haben wir Sie über unsere Tätigkeit durch zweimalige Z!1kularberichte auf dem Lautenden gehalten. Unsere Arbeit war in dieser Periode zunächst darauf gerichtet, die Kongressbesch’iisse aaszuführen eder sie der Erledigung nahe zu bringen. Das Engere Aktionskomitee hat inzwischen am 24. November eine S1tzu״g gehabt; die dort gefassten Beschlüsse sind Ihnen aus unserm Berichte bekannt. Bemühungen in Konstantinopcl. Von dem Aufenthalt unseres Vorsitzenden in Konstantinopcl und seinen dort unternommenen Schritten haben wir Ihnen bereits Kenntnis gegeben. Diese Bemiiliungen werden ununterbrochen fortgesetzt, und die uns darüber ztikommenden Nachrichten sind geeignet, unsere günstige Meinung vom Stande der Verhandlngen zu stärken. Ständige Vertretung in Konstantinopcl. Die persönliche Fühlungnahme in Konstantinopel führte uns wiederum mit besonderem Nachdruck die Notwendigkeit einer ständigen Vertretung dort vor Augen. Die Unterhandlungen, die unser Präsident gemeinsam mit dem Präsidenten der Jüdischen Kolonialbank wegen Errichtung einer Bankfiliale in Konstantinopel geführt hat, werden demnächst die Schaffung dieser Einrichtung zur Folge haben. Palästina-Amt. In der Sitzung des Engeren Aktionskomitees vom 24• November wurde beschlossen, das vom Kongress bestimmte Palästina-Amt nunmehr zu errichten• Der für diese Institution engagierte Sekretär, Herr Dr. Thon, ist inzw'sehen bereits in Palästina argelangt und wird seine Tätigkeit im Laufe dieser Tage aufnehmen. Der zum Leiter des Amtes bestellte Herr Dr. Ruppln beabsichtigt, nach Erledigung einiger noch schwebender Fragen, die auf der Tagesordnung der