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Jüdische Rundschau · 1907-12-20 · Heft 51-52 (20.12.1907) · page 18

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 51-52 (20.12.1907)
Date
1907-12-20
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Seit2 224 JÜDISCHE RUNDSCHAU. No. 51/52 Wo sind die Lieder und die Blumen? Mail kann sic fast eben so lange suchen wie den Meister von Nikanortor oder den König Agrippa. Wo ״schlugt der Chalil" vor dem Zuge? Das Ghetto bUist andere Melodien. Das Heiligtum, die Wallfahrten, die Erstlingsfrüelite — all dies ist versunken, aber eins ist geblieben: die gellenden Juden! Tief ist diese Eigenschaft in uns eingebrannt, unverwüstlich ist diese Gleichheit, die sich im Jammer der Gegenwart ebenso erhalten bat wie im Glanze der Vergangenheit. Man gibt, man spendet, man spart siet! den Bissen von den! Munde, um nicht zuriiekztibleiben: man versagt sich, um der Gesamtheit nicht versagen zu müssen. Das ist jüdische Eine . . . Die Hand muss immer offen Heil en . . . Man muss die Gemeinde aiishaiten — der Acrmste muss mittun. Man muss den Fremdling gastlich aufnehmen. den ..Gefangenen befreien", dem . KlaMsroci" (der jüdischen Gesämtlich) beistehen, und alle müssen mittun. Hundert ״Chcwrotli“ und ״Sendboten" erscheinen, kaum wurde der eine abgefertigt, da kommt der andere; man sammelt von der Kchilla und im kleinen Kreise und auf eigene Faust, und tausendmal grosser ist die verschleierte, uniwöikte. intimkeusche ..Zedakah" (Wohitätigkeit) von Mann zti Mann, die Keine Statuten umkrallen und der keine Statistik nachlauera kann. Das ist die Blüte hochentwickelter Gesittung: ein innigeres. zärtlicheres Gcmiitsleben. das sich in einer tieferen Seelengute. in einer hilfsbereiteren Teilnahme und FreigiebigkeU kundgibt. Nein, es s<'!! kein verlorener Naehklang vergessener Vergangenheit sein. sondern ein kraftvoller Antrieb für die Gegenwart. W ir Zionisten beiinJen uns noch ttichi auf den: geraden Wege jener Pilger. aber wir haben in den Wirrnissen und in der Nacht der Diaspora einen Ih'aJ nach jenem Lande angebahnt wo ein erlauchter Mittelpunkt geschaht 1! werde?! muss. Wenn hei irge::Je ner Gele;cniieit. so ist c> bei di-.ser. dass die wunderbare jüdische Tugend, die Virtuos!;.•: unseres Volkes i:n Spenden, zur Geltung kommen muss. Armer jüdischer Geldbeutel, du Hst die Welt-Milchkuh für Tausende von Gemeinden. Vereinen. Anstalten. Millionen vor, Bettlern umringen dich. Du spendest und fragst nicht, ob die verlorene Saat Früchte tragen wird. Jahrhundertelang, zw ecklos. für alle Nöte des unendlichen Elends, für die unausf ihrbarsten Hirngespinste der ..SchtaJlonitn". iür das unersättliehe Schmarotzertum, iür das Danaidenfass zu Gunsten der Ausgeplünderien. bis sie weiter ausgenh'indtrt werden. Alle, die auch nur den geringsten Zusammenhang haben mit Kchilla. Klaus. Chaluka und was nur im Almoseuhudget irgendwie erdenklich ist. besitzen d׳e Verfügungsgewalt über jüdisches Vermögen. Haben wir vielleicht auch das Recht heran;׳.!!- treten, wir. die wir eine Rcttungstnt des jüdischen Volkes vertreten? Bitterer Hohn steckt in der Notwendigkeit dieser Fragestellung. Wir beantworten diese Frage: Wir fühlen uns im Zuge jüdischer Geschichte. Wie die Pilger in Judäa schreiten wir mit unseren Gaben in der Hand. Der Unterschied mag noch so gross sein, und die gelähmten Flügel des jüdischen Genius mögen noch st» tief zur Erde hängen — in unserem Zuge werden wir sie leiten und stärken und zu neuem Schwünge spannen, lind einem solchen Zuge, wenn er vorw ärtsschrcitet. müssen sich die Handwerker und die Agrippas mit ihren Gaben anschliessen. Dass wir aber schreiten dass wir mit unseren Gaben vorangelten --־ die Erfüllung dieser Voraussetzung ist unbedingt erforderlich. ך Aus den Ortsgruppen Berlin. Die diesjährige Makkabäerfeier der Berliner Zionistischen Vereinigung (am 1*1. Dezember er.) begann mit einleitendem Potpourri jüdischer Nationalmelodien und dem von Herrn Rudolf Saloscliin vorgetrageneu Prolog. Frl. Joscphine Kraus sang mit einer herrlichen Sopranstimme. die den grossen Raum mühelos durchdrang, das Kiicken’sche ..Mädchen von Juda", und zwei jüdische Volkslieder aus der Arno Nadel’schen Sammlung, deren reichen Gehalt an (ietuütstkfe und Humor sie zu wundervollem Ausdruck brachte. Scliade. dass das Festkomitee den! Programm nicht die Liedertexte beigegeben hatte! — Es folgte nun die schwungvolle und gedankenreiche Festrede des Dr. Wittkowsky. der gelegentliche polemische Momente eine besondere Frische verliehen. An Stelle des leider plötzlich erkrankten Frl. Vera Ooldberg sprang 111 hebeswürdigster Weise Frl. Kuscbner ein. die drei schwerinfitige Lieder (darunter ..Zion, mein heilig Land") vnrtrug. Auf die wirkungsvollen Rezitationen des Herrn Ludwig Hartau vom .Deutschen Theater folgte, mit J1.׳hg•! begrfisst, Herr S. Rabiimwitscl) (Schoiaum Aleiohcm), der seine ,Militärgestcllung" vorlas. Das Fest dauerte bis 6 Uhr morgens. Berlin. Am Sonntag, dem 8. Dezember 1907 veranstaltete die Berliner Zionistische Vereinigung. A b t. B 1) e i Zion, im grossen Saale des Vereins Berliner Musiker eine CI1at!kah-Feicr, zu der sich ein zahlreiches Publikum eingefunden batte. F'rl. Klara Fische! sprach einen Prolog in glänzender Weise. Hierauf hielt Herr Rabbiner Dr. E m i 1 Lew y die Festrede. Den vorzüglichen musikalischen 'heil führten F'rl. Frieda Kusclmcr. Frl. Paula Schlesinger. Herr Kulik und Herr Adolph Taffer unter!cbl-aftem Beifall aus. Ferner deklamierten sehr wirkungsvoll F'rl. Recb.a Grebler in hebräischer Sprache, die Kinder Ci!ly Zimak und Regina Koppel. Den Schluss des offiziellen Teils bildete ein Chanukah- Festspiel mit Gesang und Tanz, arrangiert von Herrn Emanuel Fischei. welches von vier Mädchen und vier Knaben kunstvoll aufgefiilirt wurde. Dem offiziellen Teil folgte Bail. Das Geliugen der Chantikah-Feier bat alle Wims che und Erwartungen weit iibcrtrofi'en. Zwanzig neue ,Mitglieder In!חסי sich der Ortsgruppe an diesem Abend angeschlo5i.cn. Für den Nation:«!- fond wurde tüchtig gesammelt. Charlottenhiirg. Die am Sonntag, dem 22. Dezember, abends 8 Uhr. in den ..Kaiscrsäicn‘‘. Bismarcks! r. 8*1 <am Untergnmdhot Kn!־. ) stattfindende M a k k a b;! er- 1־ e i e r der Zionistischen Ortsgruppe Charlottennstrg versorg1»: ein ttngew öniidcu interessanter Al ciul zu werde;’. Von den Damen F'rl. Cohn. Kusclmcr und Sternfekl wer.Len Terzette. Duette und Sologesänge jüdischer Komponisten zu Geh.'-r gebracht werden. Herr B e r 11: o I d F c i w c 1 hat sic’;! in Hebenswürdiger Weise bereit erkiärt. neue jüdische Ikeilten־.ti! zu rezitie־׳eu. Die Festrede hat Herr A 1 f r e d F i S c!־. e r!1 et!!!!!- üc’’st übernommen. Ausserdem r'ir.ae: eine Auf;’: ',rnng (i u Berlin z u m I. M a! e) von ״A h a s v e r״. I!ran׳u in! Aufzug v< n II. Heijennans von seiten der Ber!:;er Bühnenkünstler statt. Nach de::* 01:0!!!.׳*ך י*.ז!!0':״'ז!. Hnuriuskartvn;1 1 Mk. sind ir.1 ..Kaufhaus des Wes:e!;8". bei la uis Lamm. Neue Fricdricbstr. öUYA. und an der Abendkasse zu haben. Wir körnten tmsern FrtuuJcti den Besuch dieser Feier aufs w ärmste empfehlen. Glefwltz. Zu dem Bericht über die letzte Versammlung de»־ hiesigen Ortsgruppe ist noch naeb/.uiragen. dass sie durch eine Makkabäer-Festrede des I. Wrsk/.mden Artur Morgenstern eröifnet wurde, da eine besondere Feier des Mnkkbäcrfestes diesmal nicht stattfmden konnte. Ferner ti achen wir die Mitglieder nochmals darauf aufmerksam. dass jeden Donnerstag Abend nach 9 Uhr in dem nett cröffneten Imka! von Neutnarks ..Hotel Sanssouci" ein gen ütlich.es Beisammensein stattfindet, bei de;n auch. Gäste gern gesehen sind. — Die Sa mmlung iür den Parteifond ist hier tinhezi! abgeschlossen und hat bereits, dank dem angewandten System des ..persönlichen" Einsntrtnehis, bereits einen Betrag von über 250 Mk. gebracht. Ratlbor. Atn letzten Sonnabend sprach in unserer Ortsgruppe D r. Adolf P i n c z o w e r - Atttonienhüttc über ..D a s jüdische V o | k s! i e d" und brachte hierbei eine Reihe trauriger und heiterer Volkslieder in jüdisch-deutscher Sprache zu Gehör. Das sein־ zahlreich erschienene Publikי״•* spendete den genussreichen Dar hie ttr een acrzlichen Beifall und stiftet«' Dr. Pinczow er einen O e! b a u ni. The Klavierbcgleitnng hatte Her׳• Walter Pros kau er übernommen. b. Dessau. Am 22. November hielt Herr stu!. P i c z e n i k aus Königsberg, z. Z. in Cöthen. i.1 der hr«igen Ortsgruppe einen Vortrag ..lieber die Entwicklung des Zionismus im 18. Jahrhundert". Seine Ausführungen wurden beifällig aufgenommen. Am 8. Dezember wurde liier das M.ikkabuerfest gefeiert. Dasselbe verlief glänzend. IV11 nütwirkenden Künstlern. Frau Rabls Dr. S e 1 i g k o w i t z ־ Cöthen. dem Herr Kantor Weil! hier und Frl. Vera G o I d b c r g - Berlin sei hiermit nochmals bestens gedankt. B. Briefkasten Bureau des MBrachl lür Westeuropa: Dr. F e 11 c 111 - w ange r. Sie fordern uns auf. F ron Aufruf unter der Bedingung abz.udrucken. dass wir damit gleichzeitig auf unser Recht verzichten sollen. ..aus Paritätsgründen" auch eine etwa entgegengesetzte• Richtung zu Worte kommen zu lassen. Die entgegengesetzte Riclmng hat nier״ais an uns das Verlangen gestellt. Ihre Partei tot/uschweigen. Dieser Passus in Ihrem Begleitbriefe, der uns in unserer Pressfreiheit schon jetzt beschränken will, macht uns die Aufnahme Ihres Aufrufes 11 n - m ö g 11 c lt.

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