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Jüdische Rundschau · 1907-12-20 · Heft 51-52 (20.12.1907) · page 17

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 51-52 (20.12.1907)
Date
1907-12-20
Page
– (sequence 17)
Language
German
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v Beilage Aus der zionistischen Bewegung Jg.XI!,N0.51 52 Mitteilungen i der Zionistischen Vereinigung für Deutschland I!. Die verehrliclien Ortsgruppen und Vertrauensj fuäuuer werden dringend um schleunige Aufgabe ihrer 1 Bestellungen für die Broschüre ״Jüdische Realj Politik“ gebeten. Wir beziehen uns hierbei auf unser diesbezügliches Zirkular und bitten um umgehende Erhdigung der Angelegenheit. 2• Der Verlag JÜDISCHE RUNDSCHAU hat eine Anzahl K on g re ss b i 1 d c r vom ersten Z i o - nistenkongress in Basel 1897 erworben und gibt j dieselben zum Preise von' nur 1 M. ab. Bestellungen sind an den Verlag JÜDISCHE RUNDSCHAU zu Berlin, Auguststr. 49a, zu richten. flit!8il1!t!t!en der Propaganda-Ühtoilung des Deutschen Bureaus des Jüdischen Üaliüiia'londs. Das neue N a t i o n a I ו o tul s i 1 u g b 1 a 11 ist erscliieneu. Wir bitten die verehrliclien Ortsgruppen und Vertrauensmänner, mit Hilfe desselben eine energische Propaganda fiir den Nationalfonds zu entfalten. Die im Sommer d. J. erschienene Zusammenstellung der Nationalionds-Spenden nach Ortsgruppen hat bewiesen, dass in vielen Gruppen bisher viel zu wenig für den Nationalfonds geschehen ist. Gerade diese Gruppen werden das neue Flugblatt, das sich nicht nur au Zionisten, sondern vor allem an Nichtzionisten wendet, sehr gut verwerten können. Das Flugblatt wird gegen Zahlung von 1,50 AL pro 100 Exemplare von uns abgegehen. Zuschriften und Bestellungen sind an unsere Adresse Breslau VI, Königsplatz 3 b, zu richten. Bekanntmachung. Der dritte Parteifondsausweis erscheint am 3. Januar I9CS. Ich bitte alle Ortsgruppen, die bisher clngelaufenen Spenden, auch wenn die Sammlungen noch nicht abgeschlossen sind, bis Sonnabend, den 2S. Dezember 1907, an mich zu schicken. Auch bitte ich, mir Einzefspenden möglichst bis zutr. 28. Dezember zugehen zu lassen. Max WoMsteincr. Berlin NW. 23, Holsteiner Wer 10. Unser Parteifonds (Im Lichte geschichtlich-jüdischer Vorstellungen.) I. Ein stiller Sonnentag. Auf Weingärten und Felder und Wiesen ist die Ruhe atisgegosscn, die Wege jedoch wimmeln von Menschen allerlei Art. Sind es Karawanen oder Nomadenscliaren? Weder das eine noch das andere; sie waii• dern nicht, um Waren feilzubieten' oder um eine noch nicht abgegraste Weide fiir ihr Vieh zu suchen. Eine Karawane sieht nicht so schäferiscli und ein Nomadenzug nicht so festlich aus. Kränze prangen, und unter dichten Efeurattken. Palmenzweigen, unter dem Zauber von Blumen und Früchten träumt ein Märchen. Immer goldener färbt sich die bunte Menge, immer rascher flechten sich die Sträussehen, in denen jede Blüte eine unvergängliche Freude ist. Es sind Menschen, übe!• die eine grosse Sehnsucht gekommen ist: sie wallfahrten nach dem Mittelpunkt des Suche ns und Sehnens, des Trätuuens und Hottens, nach Jcruscholaini. nach dem Heiligtum, nach dem grossen Ethos ihres Daseins, das sic über das Leid der Erde zu den Sternen emporhebt. Die grossen Geister der Almen schweben über ihnen wie Adler in der Luft. Sie steigen zu ihnen herab und breiten einen weihevollen Schimmer über den Pilgerzug aus. Sic lassen die Augen der Menschenkinder hell auileuchten und entlocken ihren Lippen weiche Klänge von Freudenpsalmen, die wie lichte Vögel hell jubilierend, die feierlich cinhcrschrcitcndc, immer wachsende Menge um* flattern. Denn die Menge wächst, uml ein liebliches Bild nach dem anderen taucht flimmernd aus dem grossen Aschgrau des Staubes hervor. Bald ist es der Opferochs, den man mit toller Laune mit Blumen und Schleifen und goldschimmcrndcn Achren geschmückt, bald sind cs die kleineren, trippelnden Opfer, um die sich ein lustiges Treiben entwickelt. Alt und jung, reich und arm mischen sich durcheinander; der Handwerker legt sein Werkzeug und der König sein Szepter hin. Sie gehen alle zusammen. Es ist e i n Weg. der sich vor ihnen dehnt, und e i n Ziel, auf das ihre Augen gerichtet sind. Ein Spruch aus uralter Zeit, c i n Lied der Sehnsucht, e i ti Sturm des Jubels umfasst alle. Aber nicht nur glühende Andacht. Festesfreude. Ewigkeitsworte. die wie Erz und Stahl sich ins Herz bohren. Eritmermigsstrahlcn. die alle gleich durchzucken; nicht nur die Friililingsgrazien mit ihrem lau und Duft und silberhellen Lachen lassen aus diesem flutenden Menschengetriebe jede. Spur, jeden Schatten eines Unterschiedes verschwinden. All dies wäre vielleicht nur eine bunte Scheinwelt. eine launig ubersprudehide Sinfonie von Segcnsspriichen und Willkommensgriissen mul Träumen einer jungen Frühlingsnacht, wem! liier nicht noch etwas vorhanden wäre, das den Wert und die Kraft dieser Stimmung kennzeichnet. Seine Gabe trägt ein jeder in diesem Zuge: der Po:•!, der am Nikanorscl.cn Tor soeben seinen Hammer niedergclegt hatte, und ..Agrippa. der König von Judäa". AHe sind Geber: es zeigen alle die Kraft, den Edelmut und den Schv. uag. von dem verdienten Gut. vor. den Fruchten ja von den Erstlingsfruchten eigenen Sciiweisses ihr das (iem.eiusamc. für den belebenden und erwärmenden Mittelpunkt etwas spenden zu können. Da gibts keine in! Staube kriechende, enterbte Bettler und keine traditionslosen, feisten Emporkömmlinge — die grausame Dissonanz ist verschwunden. Der Refrain ist immer: Owi (..Arami owed owi"| — mein Vater, oder unser Gott. Alle sind von gleicher Herkunft und Würde, haben die gleiche Pflicht und das gleiche Recht. 'Alle sind Gebende, wenn auch die Gaben verschieden sind. Hier schillert der Goldton. dort strahlt das helle Silber, aber schöner sind die irühlingsgriincn Sträussehen und die WeiJenkörbchen, die das arme, aber nicht verelendete Volk mit derselben Grösse trägt, wie Agrippa seinen feurigen Purpur. Ein schlaffer Träumer blieb — so erzählt die Sage — hinter dem Zuge zurück. Er hatte nichts, auch nicht das Dürftigste für sich. Er bemerkte einen Stein am Wege, hob ihn auf und trug die Last mit frühlieber Anstrengung, von der Hoffnung beschwingt, der Stein könnte zu einem Ban verwendet werden. Es ist schwer, dern Reize zu widerstehen, der in diesem sonnigen Eckchen unserer historischen Idylle enthalten ist. wie sie in der Mischna (״Bikkurim“) angedeutet und von der Phantasie weiter ausgemalt wird. Es ist schwer, die Geister und die Erinnerungen, die um uns wie die Vögel flattern und schwirren, zu verscheuchen. East ist cs unmöglich, weil sich uns der Vergleich mit aller Gewalt aufdrängt. Wir wallfahrte״ nicht, wie die lichtumflossenen Pilger in Judäa. Blind wandern wir durch den Weltenraum auf den wüsten Irrfahrten des Goluth. Wir sind nicht jener fröhlichen Schar kraitkiihncr Naturmenschen gleich, die ganz waren in ihrem Leben und Sehnen. Der Wahn wäre ebenso kindisch wie eine Beweisführung, die cs fiir notwendig hält, zu erklügeln, dass zwischen Makkabäer-Zeit und -Charakter tmd den heutigen Begriffen und Möglichkeiten ein grosser Unterschied vorhanden ist. Du lieber Gott, ein Baby kann dieses schon als Banalität emofinden, denn dass wir mit unserer Denk- und Sinnesweise, mit unseren Zwiespältigkeiten, mit dem träumerischen Grübeln, mit all unseren Gedanken und Anregtmgen. Erfahrungen und Wünschen und mit all den tausendfältigen Lebensbedürfnissen anders geartet sind als der antike Judeugcnius im grauen Altertum, das wissen ja auch die Kinder. Wir können in der Form in der Peripherie ebensowenig den Makkabäern wie den jüdischen Pilgern ähnlich sein, aber den Kernpunkt können und müssen wir behalten. Wir müssen mir einen untrügerischen Blick fiir den Kernpunkt haben. Ein stiller Tag in der Judengasse. Trüb und düs'e*• ist die Enge des Ortes, der Verhältnisse, der Aussichten. Die meisten Leute sind von der Sorge um das tägliche Brot niedergedrückt, viele entbehren das Allernotwendigste. Anstatt einem schlichten, holden, pastoralen Blicke, begegnet man eher einem demütig-verschmitzten Blinzeln; anstatt trotziger, gesunder Kraft — begegnet mau einer Biegsamkeit und einem Witze. I S r״w %־; "fS׳ V**•

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