Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VII (1907)
- Issue
- Heft 51-52 (20.12.1907)
- Date
- 1907-12-20
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 549 No. 51/52 JÜDISCHE RUNDSCHAU Leben sie dazu drängt. — Ich mache aber kein Hehl daraus, dass ich im höchsten Qradc froh wäre, wenn Ich an einem schönet« Morgen erwachen möchte und Russland ohne Juden finden würde. Ich wäre deshalb froh, weil die Juden -- ein nicht sesshaftes Volk sind und auch bleiben werden. Das bedeutet, dass sie überall ais Parasiten, auf fremde Rechnung leben werden. Die Ansicdlung von Juden in Palästina, Argentinien und Kanada kann nicht als Gegenbeweis dienen, da das alles nur ein Kinderspiel ist. Es ist auch unzweifelhaft, dass es eine universelle jüdisch• finanzielle Präge gibt; der ganze Welthandel ist von den Juden mit De sch lag belegt. Nicht mit solchen Beschrfinkitnget:.. wie sie bei uns existieren, kann man die Weltwage losen. Alle diese Beschränkungen berühren nicht die reichen, sondern die atmen Schichten ucr jüdischen Bevolkcrung, die die Mehrheit der russischen Judcnhcit ausmachen. Was die Handwerker. Arbeiter usw. betrifft, so mache ich keinen Unterschied zwischen Russen, Juden und Polen . . . Uelierhatipt würde ich den Juden raten, keine grossen Worte zu gebrauchen. Man s׳׳ll nicht mit einem Male die Judenfrage in ihrem gattzett Umfang atttrollen. Diese Präge muss man zergliedern ttttd s t ii c k w e i s e in die Duma einbringen. Pin besonderes (ksetzesprujekt über das Wohnrecht in den Dorfern, ein Gesetzesprojekt über die Abschaffung des ״Ansiedelungsrayons“, ein Gesetzesprojekt über die Abschaffung der prozentualen Auinalnr.enortnen in den Schulen usw. -- dann wird niemand von uns etwas dagegen haben. Da ich die Lösung der Juden frage als Sache der kommenden Generationen ansehe, so zweifle ich noch, ob die jüdische Präge, selbst so geteilt, sobald in der Duma, sei es in der eisten oder zweiten Session, cingebracht werden wird? In der jetzigen Duma muss aber C 11 o m j a k o w noch zu denen gerechnet werden, die in der Judctjfrage einen noch weniger feindseligen Standpunkt inneltaben. Plehwe redivivus Man könnte fast an ScclenwanJerung glauben, wenn man sieht, wie in Stoiypln. dem russischen Premierminister, der Geist Plehwes. unseligen Angedenkens, wieder lebendig wird. Alles, was seit dem Tode dieses Diktators den Juden an ״Prleichteruugen“ gewährt worden war. und was die nun so rühmlos beendete rus.4$chc Revolution der Regierung abtrotzte — das alles nimmt die Regierung nun in immer schnelleren Zügen wieder zurück. Alle jene Senatsbeschlüsse, die zu Ungunsten der Juden lauten, und deren Ausführung zeitweilig sistiert worden war, werdet» nun rücksichtslos angewendet. Dazu ist den Juden noch ein sehr bedeutsames Recht neu gcn 0in nt c!1 worden. Wahrend bisher die Kaufleute I. Gilde im Wohnrecht und im Recht, ihre Geschäfte zu betreiben, völlig unbeschränkt waren, ist nun den jüdischen Kaufleuten I. Gilde, die nicht in Moskau wohnen. verboten worden, in dieser Stadt Geschäfte zu machen. Moskau soll also wohl allmählich ganz ״judcnrciii‘* gemacht werden. Eine ganz unglaubliche Verschlechterung des bisherigen, wahrlich nicht allzu idealen Zustandes bringt aber eine weitere Verordnung betreffend das Wohnrecht der weiblichen jüdischen Akademiker. Die Diplome der weiblichen höheren Lehranstalten sollen nicht mehr das unbeschränkte Wohnrecht verleihen; d. 11. die Jüdinnen, die solche Diplome — meist nach harter Arbeit und unter grossen Aufwendungen — erwarben, dürfen ebenfalls nur innerhalb des Ansiedelungsrayons wohnen. Das ist eine Massregel. die viele Tausende jüdischer Mädchen einfach aus ihrer Existenz reisst. Nehmen wir noch dazu die durchaus nicht auss i c h t s 10 s e Agitation des ״Verbandes des russischen Volkes", der eine Bittschrift an den Zaren absenden wird, die Juden möchten zu Ausländern erklärt werden, so haben wir eine Aera Plehwe in optima forma! Nur dass der leitende Minister zufällig Stolypin heisst. Aus Odessa ln die Nachricht über Odessa, die wir in unserem Blatte von» 13. Dezember gebracht haben, hat sich durch W c g - lassung eines Satzes aus unserer Mitteilung ein Irrtum eingeschlichen. Die offiziellen Zahlen des jüdischen Krankenhauses bcziehen sich auf August und September, die ebenfalls bestrittet» worden waren. Ucber die letzten Ereignisse können naturgeinäss solche detailierten Zahlen noch nicht vorliegen. Ein gemarterter Verbändler Aus Odessa wird der RUSS. KORR, geschrieben: Die berüchtigte Geschichte mit den» Verbändler Melnikow, die sich im Sommer abspielte, und die in ganz Russland Aufsehen erregte, wird bald vor dem Odessaer Kriegsgericht ver- I handelt werden. Dieser Melnikow erschien nämlich eines Tages vor dem Staatsanwalt in Odessa und machte ihm folgende Mitteilung: Eine Anzahl von Revolutionären, meistens Juden, hätten ihn auf einen abgelegener» Ort am Meeresufer gelockt, dort unbarmherzig verprügelt und sogar den Versuch gemacht, ihn zu hängen. Einzig und allein aus dem Grunde, weil er den Verbändler!» treu ergeben sei. Auf diese mysteriöse Anschuldigung hin nahm die Polizei einige Monate hindurch Sistirungcn aller möglichen Personen vor. die sic Mclnikow zur Rekognoszierung vorfiiltrte. Von vielen Hunderten wies Melnikow auf zwei Personen als Mittäter, nämlich auf den jüdischen Handelsangestellten Grünblatt und das Christliehe junge Mädchen Ktirskaia. Beide stehen nunmehr unter kriegsgerichtlicher Anklage und beiden droht die Todesstrafe. Melnikow selbst hat Odessa verlassen und ist in ein Kloster auf dem Atlms getreten. Der Prozess wird in seiner Abwesen• heit stattfinden. In den Akten befindet sich ein Gutachten des offiziellen Experten, des bekannten Universitätsprofessors Popow, der Melnikow als ..degeneriert‘* bezeichnet. Zu dem Prozess sind J't Zeugen geladen. Hoffentlich bringt der Prozess endlich Licht in diese dunkle Angelegenheit, die seit Monaten von den Verbändlern und den sie begünstigenden Behörden zu Gewalttaten aller Art gegen friedliche und unschuldige Bürger benutzt worden ist. Jedenfalls ist es merkwürdig, dass mau den Prozess in Abwesenheit Melnikow's führen will, der doch die ״Täter* am besten rekognozieren könnte. Kleine Mitteilungen Wenn jemand in Deutschland schreibt, er sei ״von einem Jüngling hebräischer Abkunft in ungeziemender Weise abgcfertigt worden‘*, so hat er damit keine beleidigende Absicht verknüpft, sondern wollte nur den ״ihm dem Namen nach unbekannten" jungen Mann ״in einer Weise kennzeichnen, dass er unter der grossen Zahl der Bureauangesteilten ermittelt werden konnte". So entschied vor kurzem ein Berliner Gericht. Berlin. Im Jüdischen Mädchenstift fand am 5. Dezember anlässlich der Chanukahfeier im Beisein des Vorstandes und einer Reihe von Preunden der Anstalt neben der üblichen Bescherung auch eine Prämien Verteilung für treue Pflichterfüllung im Dienste statt. Es konnte diesmal crireu- Iicherweise 3 Mädchen, welche die Bedingung eines mindestens zweijährigen einwandfreien Dienstes bei derselben Herrschaft erfüllt haben, die Prämie in» Betrage von je *10 Mk. zuerteilt werden. Unter den im ganzen während des 17jährigen Bestehens des Stiftes aus demselben entlassenen 92 Zöglingen ist bisher 19, welche sich 2—9 Jahre lang in derselben Stellung bewährt haben, die Dienstprämie zuerkannt worden, ein Erfolg, der am deutlichsten für die crspriessliche Wirksamkeit der immer noch nicht nach Gebühr gewürdigten und unterstützten Anstalt spricht. Gesänge und andere Vorträge eröffneten und beschlossen die Feier, bei welcher der Vorsitzende, DL-ektor Dr. Strelitz eine eindrucksvolle Anspräche an die versammelten gegenwärtigen und ehemaligen Zöglingen hielt. Hannover. Israelitische Erziehungsanstalt z u Ahlem zur Heranbildung jüdischer Knaben und Mädchen in Handwerk. Gärtnerei, Land- Wirtschaft bezw. Hauswirtschaft. Vor kurzem fand die diesjährige Sitzung des Kuratoriums i!» Hannover statt. Die finanzielle Stellung der Anstalt beruht, wie aus dem Etat hervorgeht, zun» grössten Teile auf freiwilligen Spenden ihrer Freunde, daneben aber auch auf Beiträgen zu den Erziehungskosten, die von den Angehörigen der Zöglinge zu zahlen sind. In den diesmaligen Etat konnte nunmehr ein Einnahme-Posten von 1ÜOÜO Mark eingesetzt werden, der von der kürzlich ins Leben getretenen grossen Simonschen Stiftung in Hamio.vcr für die Anstalt bewilligt worden ist; der grössere Teil dieser Summe soll zur Herabsetzung jener Erziehungskosten-Beiträge bezw*. Einrichtung von Freistellen verwendet werden. Nach dem vom Vorstände erstatteten Bericht haben seit dem 1. Ja* nuar d. J. 13 Lehrlinge (11 Gärtner, l Schuhmacher und I Bäcker) nach vollendeter Lehrzeit die Anstalt verlassen und sämtlich Stellung gefunden. Aus dem Mädchenhause gingen II Haushaltungsscluilerinnen ab. davon *1 in Stellung als Dienstboten bezw*. Stützen, die anderen zu ihren Angehörigen. Persönliches. Unser bekannter Gesinnungsgenosse, der Maler E. M. Lilien, wurde durch die Geburt eines erstgeborenen Knaben erfreut. Unsere herzlichsten GlückwünscheI ־*•י»*,«*-";«"■«"■•-; ־ * ־־ * ' f < ‘ * ״ ^׳l■