Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VII (1907)
- Issue
- Heft 51-52 (20.12.1907)
- Date
- 1907-12-20
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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r rייח?) קגל־ז tW C'^Ajüh \ Abonnemcntsprels einschliesslich LITERA! URBUTT wlertefiahrlich: 1. durch die Eopedillon: l) In Berlin —,90 Mark, b) nach aus- «rärts 1,— Mark, c) IQr das Ausland 1,50 Mark. 2. In Pottabonnement ],25 Mark. 1 gemeio e «Jüdische Zeitung: 69 Expedition und Adresse für Geldsendungen und Bestellungen: Vurtaj Jüdisch• Rundtshau, E. 0.m.b.ti, Berlin N. 54, AtpitrtrM*• 41a. GeechifUttuadra der Expedttloa tlgllch (ausser Sabbst und Sonntag) »ormittags 10—1, nachmitugs 3—7 L’*• י Insertionspreis die viergespaltene Petit-Zelle oder deren Raum 25 Pfennig. Redaktion: BERLIN NW. 52, Melanchthonstrasse 4 Telephon: II, 3337. Alle Rechte Vorbehalten. Abdruck aus der JUEDiSCHEN RUNDSCHAU nur bei voller Quellenangabe gestattet. Nummer5I/52 Berlin, 15. Tebeth 5668 — 20. Dezember 1907 XII. Jahrgang Zur gefl. Beachtung Diese Nummer der JUEDISCHEN RUNDSCHAU erscheint als Doppelnummer. Dafür fällt die Nummer vom 27. Dezember aus. Wir sehen uns zu dieser Massnahme mit Rücksicht auf die gesetzlichen Feiertage genötigt. Die nächste Nummer unseres Blattes erscheint somit erst am 3. Januar 1908 Di3 Lstis tlsi* luden in Deutschland Bericht, erstattet dem Bureau des VIII. Zionistenkongresses im Aufträge der Zionistischen Vereinigung für Deutschland von Dr. H. Q. Heymann. (Schluss.) Der Antisemitismus ha: bisher im allgemeinen zu keiner Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage der deutschen Juden geführt. Soweit durch ihn, wie durch die oft mit ihm im Zusammenhang stehcr.Je landwirtschaftliche Genessen- Schaftsbewegung die Abwanderung in die Gressstädte bcschleunigt wurde, hat er höchstens den Landjuden Gelegenheit gegeben, dort ihre Fähigkeiten besser auszunützen; soweit er die akademischen uni administrativen Berufe sperrte, zwang er die begabten Juden, ihr Talent in den Dienst des Erwerbslebens zu stellen. Das z. T. aus antisemitischen Motiven hervorgegangene Börsengesetz, von 1896 hat allerdings die zahlreichen Juden unter den Bankiers, Maklern und (ictrcidehändlerii schwer geschädigt. Doch fällt auch hier sehr viel auf Rechnung der Konzentration von Hand e 1 und Gewerbe, welche auf die Dauer die wirtschaftliche Stellung der deutschen Juden noch schwer erschlittern dürfte. Sic nimmt den meisten von ihnen die Möglichkeit, wirtschaftlich selbständig zu werden und zwingt sie, ihr Leben als Privatbcamte und Angestellte zu verbringen. Diese Position, die weniger selbständiges Denken und Initiative, als Unterordnung und Disziplin verlangt, passt aber zu der geschichtlich gegebenen Charakteranlage der Juden weniger, als der freie Kampf ums Dasein, und ausserdem neigen nur allzuviel gresse und mittlere Unternehmungen, selbst wenn zahlreiche Juden deren Vorstand, angehören, dazu, es dem Staate an Vornehmheit gleichzutun und keine Juden zu beschäftigen. Dies trifft die Kaufleute ebenso wie die Chemiker, Ingenieure, Aerzte und Juristen. Die rechtliche Gleichberechtigung und Gleichstellung der Juden herrscht seit 1S69 in allen 'feilen des Reiches, nachdem sie seit den Napoleonischcn Kriegen langsam die Barbarei der Ausnahmegesetze verdrängt hatte. In den sechziger und siebziger Jahren schien es, als solle sie auch praktisch durchgefüart werden, da zahlreiche Juden hohe Posten in der Justiz und UniversitätskarriCre erlangten, und selbst in! Militär und in der Verwaltung vereinzelt Juden Stellungen fanden. Doch hat sich hier seit 1S78 die antisemitische Regierungspraxis stets in scharfem Widerspruch zur liberalen Verfassung befuiiden und die Juden überall zurückgedrängt. Auf den Universitüten findet schon der jüdische Privatdozent häufig Schwierigkeiten, der ausserordentliche Professor ist schon sehr selten und ungetaufte Ordinarien sind wcissc Raben. Genau ebenso geht cs in der Richterkarrüre. Man vermeidet nach Möglichkeit die Anstellung jüdischer Volksschul- und Gymnasiallehrer, die als Privatlehrer sich mühselig ihr Brot erwerben. Militär, Staat und V e r w a 11 u n g sind heute in Norddeutschland dem Juden hermetisch verschlossen. Int Süden ist es etwas besser und in Bayern wurden früher häufig und jetzt noch gelegentlich Juden Reserveoffiziere. Dieser staatliche Juden-Boykott trifft alle Berufe, die vom Staate abhängig sind und verschont selbst den einfachen Arbeiter nicht; nur der Taufschein öffnet dem Stellensuchenden einen Winkel der Bahn, deren Rest auch dem Judenabstämmling in vielen Fällen verschlossen bleibt. Feste Normen ' lassen sich naturgemäss hier nicht aufstellen, da Willkür und Protektion über das Los des einzelnen Bewerbers entscheiden, so wie die mehr oder weniger ausgesprochen antisemitische Tendenz des einzelnen Ministers oder Personalreferenten, und so treten periodisch kleine Schwankungen in der Behandlung der Juden ein. Der Antisemitismus der Verwaltung findet die volle Zu- Stimmung der Landesparlamente, die wie gelegentlich in Preussen und Bayern die Minister noch zu schärferem Vorgehen gegen die Juden anspornen. Der politische A 111 i s e m t i s m u s, der bis IS93 bedrohlich anwuchs, hat als Partei erst bei den Wahlen von 1907 wieder einige Eiioigc erzieh; aber er hat die konservative Partei vollständig für sicli gewonnen und macht im Zentrum und unter den Nationalliberalen ständige Fortschritte. So ist es kein Wunder, dass auch die konservativen Elemente unter den Juden, wie Grossgrundbesitzer und Grossindustrielle, mit wenigen nationalliberalen Ausnahmen, den Parteien der Linken angehöreu, die programmatisch für die Gleichberechtigung aller Staatsbürger eintreten und *ich■ ,^י־״יי^מר^^ ‘w *f־״**r* ».