Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VII (1907)
- Issue
- Heft 48 (29.11.1907)
- Date
- 1907-11-29
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 48 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 207 den Vorträge Über den 8. Kongress hat er die Hörer für den 1 Zionismus geradezu begeistert. Es fanden bereits 3 grosse * Versammlungen statt, in denen Herr Tri et sch und Herr Dr. Nossig Vortrüge hielten. Neuerdings machten Herr Rechtsanwalt Dr. Ascher, Dr. Moses und Kantor Blitz eine Agitationsreise durch Anhalt. Uebcrall mit Erfolg. In Köthen wurde eine neue Gruppe gebildet. Seit dem vorigen Sonntag nahm Herr Kantor Blitz seine G c - schichtsvortrüge wieder auf. Diese sind stets intercssant und halten das Leben in der Gruppe wach. Für den Parteifonds wird eifrig gesammelt. Die Nichtzionisten nehmen an unseren Versammlungen regen Anteil. R. Dessau. In der vorigen Nummer der RUNDSCHAU ist der Qruppenbüdung in Cöthen und Zerbst durch die Dessaucr Herren Dr. Ascher, Moses und Blitz Erwähnung getan worden. Es dürfte im Interesse weiterer zionistischen Kreise sein, wenn hier auf die ausgezeichnete Rede, die Herr Dr. Ascher in den betreuenden Orten hielt, näher eingegangen wird. Ausgehend von der Neigung aller Individuen zw Konzentration, wies er logisch und treffend auf Grund geschiehtliehen Tatsachen nach, dass das Jüdische Volk stets einen Zusanmicnsch’uss seiner Glieder angestrebt habe. Mose stand an der ersten Epoche der jüdischen Volksentwickelung, die jüdischen Grossen nach ihm. wie Esra, Nchemia. Das Epilarichat und Gconut haben diese Volksbildung gefördert und Hcrzl habe sic nach scheinbarer Auilüsuirg wieder aufgenommen. Diesen natürlichen Prozess werde keinerlei ki'mstlüche Bestrebung hemmen. Diejenigen, die, zur Ass!- milation neigen, seien als Harnwesen zu betrachten, veil sie auf Grund jenes Gesetzes sich v1:״ ihrem Ursprünge sich nicht ganz, lossagen können, um in einer neuen Umgebung Wurzel zu fassen. Von diesem Gesichtspunkte aus betrachtet, sei der Zionismus, der eine Sammlung des Siammesgliedcs anstreb*, nicht nur eine historische Notwendigkeit, sondern auch die Folge eines Naturgesetzes. Daker sei er unbedingt berechtigt. Der Redner wies!enter die Befürchtung zurück, die viele hegen, als wolle man sie aus einer gesicherten Position reissen, Der Zionismus befasste sich 11 fehl mit Einzel-Personen, sondern mit der Volkskraft, die dem jüdischen Stamme inr.ewohr.c. Seine Ausführung, die auf streng wissenschaftlicher Forschung sich aufbauten, haben auf das gebildete Publikum in jenen Ver- Sammlung einen tiefen Eindruck gemacht, so dass jene Gruppen zustande Famen. N. Chemnitz. Die am 17. März er. abgehaltene grössere Versammlung, zu der die ganze Gemeinde eingeladen war, hatte eine ziemliche Aufregung hervorgerufen und das ganze Heer der alten Beschuldigungen gegen •die zionistische Bewegung ans Tageslicht gebracht, der Zionismus sei vaterlandsfeindlich, schade den deutschen Juden usw. Die ausländischen Mitglieder unserer Gruppe wurden eingeschüchtert, so dass eine grössere Anzahl derselben sich auch tatsächlich abmeldete. Deshalb beschlossen wir. als Thema unserer nächsten grossen, der ganzen Gemeinde zugänglichen Ver- Sammlung die Frage zu wählen: ״Dürfen die deut* sehen Juden Zionisten sein?“ Der Redner des Abends (die Versammlung war am 10. er.), Herr Lazarus Barth-Berlin, gab eine Erklärung des Wortes ״n a t i o n a 1“. führte an, dass der Zionismus mehrfach Forderung von hochgestellter Seite erfahren habe, und wies an der Tatsache, dass er seit 12 Jahren unter den Augen der Behörde offen seine Ziele verfolge, nach, dass die Juden ohne Verletzung ihrer patriotischen Pflichten dem Zionismus sich ansehücssen könnten. Die nachfolgende Diskussion, in der ausser einem Herrn, der vorläufig weder für noch gegen den Zionismus engagiert ist, nur von seinem Standpunkt aus einigen Bedenken Ausdruck gab, noch ein strikter Gegner und Herr Rabbiner Dr. Fuchs sprachen, welch letzterer sich schücsslieh zwar ablehnend, im ganzen aber doch freundlich aussprach, gab dem Referenten Gelegenheit, in einem begeisterten und begeisternden Schlusswort hinzuweisen auf die freie Ent- Wicklung, die der Zionismus all den keimenden Sprossen der werdenden neuj'üdischcn Kultur gewährleiste, wie er den Juden Boden unter die Füsse gebe und ihnen zu Würde und Selbstachtung verhelfe. Reicher Beifall wurde dem Redner zu teil, und utn Vt 1 Uhr nachts schloss die Versammlung, die sehr würdig verlief und sehr zahlreich besucht war, trotzdem die Oegner, der’ Gemeindevorsteher an der Spitze, die Parole ausgegeben und auch beiolgt hatten, die Versammlung zu boykottic ren, ״damit die Ortsgruppe nicht hoch käme.“ — Die hiesigen Zionisten treffen sich jeden Dienstag Abend 9 Uhr im Pensionat von Fr 1. Nathan. Friedrichstr. 17 I. Strassburg. Die Zionistische Ortsgruppe begeht am Sonnabend, 30. November, abends 9Vf! Uhr im Restaurant Blum ihre diesjährige Makkabäerfeier. Herr Julius Simon aus Mannheim hat die Festrede übernommen. Karten zu der Feier — Ei«- tritt 1 Mark — sind im Restaubrant Blum zu haben. Ratlbor. Der Begründer und langjährige Vorsitzende der Zionistischen Ortsgruppe Dr. Fritz Kassel siedelt zu unserm Bedauern nach Berlin über, ein Verlust für die zionistische Bewegung in Oberschlesien. Nicht nu% dass Dr. Kassel vor nun 5 Jahren unter den ungünstigster. Auspicicn die heimische Ortsgruppe mit rastlosem Eifei begründet und bis heute geleitet hat. auch an der Gründung aller anderen iom'stischen Vereinigungen Obersclilesicns war Dr. Kassel in hervorragender Welse beteiligt. Die allgemeine Verehrung, die der Scheidende darum genoss, bewies am besten der dicht gefüllte Saal am letzten Mittwoch, an dem Abschiedsabend, der zu Ehren von Dr. Kassel veranstaltet wurde. Waren doch auch aus Oesterreich und den benachbarten Ortsgruppen Gesinnungsgenossen herbeigcciit. Der Abend begann mit einem Vertrage von Dr. Kassel über seinen kiirzlichcn ״Besuch bei Morris Rose nie! d“ in Ncw-York. Wir erfuhren so. dass der grösste lebende jüdische Poet sich erfreulicherweise wohl in kleinbürgerlichen, keineswegs aber in durchaus ärmlichen Verhältnissen befinde. Trotzdem der Ge.sundhcitszustand Rosenfclds viel zu wünschen übrig lasse, sei doch iu nächster Zeit ein neues Geschenk seiner Muse zu erwarten. Nach diesem beifallsfreudig aufgenommenen Vortrage dankte in» Namen der Ortsgruppe Zahnarzt Block dem Scheidenden in herzlichen Worten für seine grossen und selbsiiosen Bemühungen uni die Verbreitung der zionistischen Idee, vor allem auch für die־ uiienr.ndache Arl eit. mit der!).•־..Kassel sein eigenes Ideal in die Herzen der jüdischen Jugend zu pflanzen verstanden hat. Als bescheidenen Dank habe die Ortsgruppe für Dr. Kasse! die .Mitgliedschaft des Pflanzungsverelns ..Palästina" erworben, die identisch ist mit dem Besitze eines bepflanzten Du :.am Land jüdischen Bodens. Nun ergriff Herr Louis IJ i n c z 0 w e r das Wort, um namens de: orthod< xen Kreise Dr. Kasse! für seine befruchtende und belebende Tätigkeit im gesamten jüdischen Leben Ratibors. das sich in allen Vereinen kundgab, zu danken und zu feiern. Sichtlich erfreut dankte Dr. Kassel mit der Bitte an die Versammlung, r.ie zu ermüden im Kampf und Streben utn die Ehre und Freiheit des Judentums. Eine Parteifonds- und Naiionalfonds- Sammlung beschloss die schöne Feier. — Die Leitung der Ortsgruppe hat Zahnarzt Block übernommen. Gross-Strclilitz. Am 10. d. Mts. sprach Herr Dr. Stahl- Tarnowitz O.-Schl. über den VIII. Zionisten-Kongress in Haag. Der Redner gab ein anschauliches Bild vom Leben und Treiben aui dem Kongress und erörterte die Beschlüsse desselben. Grossen Beifall zollte ihm die Versammlung. Die sich anschliessende Sammlung ergab den Betrag von 6 Mk., für die auf den Namen des Redners ein Oclbaum gespendet wurde. Am 24. fand die Generalversammlung der hiesigen Zionistischen Ortsgruppe statt. Es wurden: Herr W. Nothmann zum Vorsitzenden, Herr E. Samuel zum Schriftführer, Herr L. Angrcss zum Kassierer gewählt. Beabsichtigt wird einen Vortrags־. Zyklus abzuhaltcn. a. ר־ד Sprechsaal 3 für ila Mlttetlungeh an ditser Stelle Cbemlmmt dt• Redaktion nur die prtssjesetxIfcHe Verantwortlichkeit O Eine Anregung. Ich erlaube mir. Im Aufträge des Vorstandes der Königsb:*rger Zionistische Vereinigung iolgcndc Anregung zu geben: Es gibt wohl wenig Ortsgruppen, die auf Ihren Chanukahfeiert nicht Lieder und Gedichte von Morris Rosenfcld vort agen lassen. Diu s. Zt. eingelciteten Sammlungen für den krängen Dichter hacten keinen allzu glänzenden Erfolg und dazu musste dar. Geld für Rosenfold das Beschämende und Drückende eines Almosens haben. Wenn sich nun Jede Ortsgruppe verpflichtet, pro Lied und Gedicht einen bestimmten Betrag als Dichterhonorar, als ״T a n t i t m c“, wie es in aller Welt üblich ist, abzuführen, dann wird, glauben wir, auf einmal eine beträchtliche Summe zusammen kommen und Morris Rosenfcld dar! des ״Almosens“ entbehren. Die Königsberger Ortsgruppe hat beschlossen, für Jedes Lied oder Ocdicht als Honorartantiöme 10 Mk. abzuführen. Hoffentlich finden sich recht viele Nachahmer. Mit Zlonsgruss Dr. Arthur P«lz. Königsberg I. Pr., 25. November 1907.