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Jüdische Rundschau · 1907-11-15 · Heft 46 (15.11.1907) · page 13

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 46 (15.11.1907)
Date
1907-11-15
Page
– (sequence 13)
Language
German
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No. 46 JÜDISCHE RUNDSCHAU. Seit•; 501 m a s s c gibt, werden, wenn sic sich ruhig verhalten. geduldet, i hat aber einer seine eigenen Ansichten und den Mut. diesen I Ausdruck zu verleihen, wie dies Professor Pikier vetan. dann 1 werden Demonstrationen inszeniert, um ein Pinschreiten der Untcrriehtsvcrwaltnng zu veranlassen. Ganz wie in Oester-! reich. Diese vorläufiRen Angaben RcniiRcn wohl, um zu he- I weisen. _ dass die antisemitisch-magyarischen Kreise ihre ״neue Zeit“ für gekommen erachten und an der christlichsozialen OrKanisieruuR der Gesellschaft emsiger denn je arbeiten. Rechnet man zu alledem den hlindwfttiRcn Hass der Agrarier rcrch Handel und Dörse. so kann man eine Vor- 1 Stellung erhalten, wie es derzeit in Ungarn bestellt ist. Wahlen in der Pogromei Uebcr das Endresultat der jüdischen Wahlen in Russland berichtet man der WELT noch folgendes: Die Wahlen in die Reichsduma sind schon iast beendet. In sämtlichen Orten des Ansicdhmgsrayons ausser Odessa sind die Deputierten gewählt, und wir können die Oesamtbilanz unserer parlamentarischen Vertretung ziehen. Summa Summarum hat die jüdische Bevölkerung zwei Vertretcr in der dritten Duma: einen' von den kurländischen Juden - Rechtsanwalt N i s s e 1 <> w i t z - und einen von dem Kownoer Gouvernement — Rechtsanwalt 1־ r i c d m a 11 n aus Ponewesch. Diese beiden Gouvernements, wo die Juden stets mit den Letten und Littauern blockieren bleiben der jüdischen \ertretung treu! Das Blockieren der jüdischen Waiihnüitner mit den Russen. Polen und anderen Majnritütsvölkern hat leider zu keinem günstigen Resultate geführt. Beide obengenannte jüdische Deputierte nennen sich Anhänger dm K a - d e 11 e 11 p a r t e i, in der jüdischen Präge vertreten sie das Programm des^ V e r b a 11 d e s ז ii r o 11 h e r e c 111 i g u!1 g . das sich bis auf einige Details mit unserem H c 1 s i 11 g ז o r s e r diesbezüglichen Programm deckt. Quantitativ und qualitativ ist unsere Vertretung schlecht und zwar um so mehr, als die Duma sich höchstwahrscheinlich sehr viel mehr als bisher mit den Juden beschäftigen wird, wie die Sl'AA'lSBüR(]ER /1EITUNG. die die Russen um die Pogroms beneidet, irolilockend mitteüt. Odessa. 6. Nov. Das Ergebnis der neuen Wald eines Abgeordneten für die R c i c!1 s d 11 in a in der zw eiten Kurie ist folgendes: der Kandidat der Kadetten. Nikolski. bekam von 10263 Stimmen 7271־. der Kandidat des russischen Bundes. Ka nowiiitzcw. erhielt trotz aller Repressalien nur 29S3. Gewühlt ist also Nikolski. Nikolski wurde für die Dauer der Wahl in Polizeigewahrsam gehalten. Odessa. 29. ,()kt. Vielen Mitgliedern des russischen Bundes, welche an der jüngsten Judcnhctzc teilnahmcn. wurden die Waffen von der Polizei weggenommen. Heute schrieb die G c n d a r in e r i e v e r w a 11 u 11 g der Polizei v o r. den Volksverbärullern die Waifen zuriiekzugeben. Die zur Reiehsduma gewählten Abgeordneten des Bessarabischen und Podoüschen Gouvernements, die zu den Parteien ■der Rechten gehören, arbeiteten ihre Taktik in der Duma aus. Sic fordern R e p r e s s i v m a s s r e g e 1 n gegen die Jud e 11 und E i n f ii h r 1111 g des Kriegszu- Standes in g a 11 z R 11 s s I a 11 d. Darf man Judenkinder stehlen? Es sind seit Jahren viele Palle von Internierung von Judenkindern gegen den Willen ihrer Eltern ־-■ in Klöstern vorgekommon. Bis jetzt war es eine gewisse klerikale Gruppe katholischer Polen, die in Warschau diesen Sport betrieben batte. Man konnte Bände über diese Fälle schreiben - nur muss mau zngebcn, dass es in der letzten Zeit in dieser Be- I Ziehung ruhiger geworden ist. Aber neu ist es. dass das Echtrussenblatt RUSSKOJE ZNAMJA die Theorie aufstellt, dass man den .luden Kinder stehlen lind sie in den Schoss der orthodoxen Kirche bringen darf. Zu der Nachricht, dass die Pamilie Potschalitz gegen die MagJ. welche ihnen die Kinder geraubt, und gegen die Häupter der Johanniten, welche bei diesem Raul) ihre Hand im Spiel gehabt haben, einen Kriminalnro/.ess anstrengt, protestiert die Zeitung tolgendermassen: ..ln Bälde steht ein Prozess bevor, dank welchem die Juden, die in ihrer Ereeliheit alles Mass verloren haben, wieder das religiöse Gefühl der griechisch-orthodoxen Leute einer schweren Prüfung unterwerfen werden. Gegen einfache rtissisehe Leute, welche den Schwestern Potschalitz die Reinheit des orthodoxen Glaubens erklärt haben, ist eine Kriminaiver־ folgung angestrengt. Bis jetzt gab cs noch keine Gesetzesbcstiniiming. die cs den russischen Leuten verbietet, die Lehre der orthodoxen Kirche zu bekennen. Bald werden wohl die Juden an die russische Regierung die Forderung stellen, den orthodoxen Geistlichen zu verbieten, in Kirchen und Vcrsammhingen Predigten abztihalten.“ Es ist bemerkenswert, wie vorzüglich die russische ״Kulturwclt“ erlernt hat, die glcissncrische Sprache mit sophistisehen Verdrehungen ganz nach der Art Drurnonts et consortcs zu führen. Rumänische Soldatenmisshandlungen Bukarest. König Car •1 hat erst jetzt durch einen Zufall von den Polterungen der jüdischen Soldaten im Regimcute VIII Dragos (Dorohoi). über die wir seinerzeit berichtet haben. Kenntnis erlangt. Der König hat sofort den Kriegsminister. General Avereseu, beauftragt, ungesäumt eine gründliche Untersuebung gegen den Colonel Marascscu neuerdings eiiizuleiten, und ihm ־•-- dem Könige — von deren Ergebnis Bericht zu erstatten. Diesem Allerhöchsten Befehle zufolge wird sich Colonel Marascscu gemäss den vom Kricgsminister getroffenen Dispositionen Mitte November vor einem Kriegsgerieht, bestellend aus den Generalen Pavlo, Pressan und Zossima. zu verantworten haben. Die Anklage wird Colonel Paleolnglu vertreten. Kleine Mitteilungen Berlin. Ausstellung iüdisclier Künstler. Die Eröffnung der Aufteilung ist für Pr ei tag. den 15. November. 1י l;hr mittags i n A 11 s s i c I! t genommen (..Galerie für alte und neue Kunst". V\ :.:!ehiistrasse 45). Sollte eine AenJcrung eintreten. so wird diese durch Säulenanschlag bekannt gegeben werden. Ausser den in der vorigen Nummer genannten ist noch eine Reihe von neuen Künstlern hinzugekommen. Mehrere Berliner Künstler wrden!; it Kollektivausstellungen vertreten sein, ln den Kreisen des jüdischen Publikums gibt sich für die Ausstellung ein ausserordentliches Interesse kund. Berlin. Wie der Verband der Deutschen Juden aus Braunschweig erfährt, :st dort zum erstenmal ein jüdischer Notar ernannt, und zwar in der Person des Justizrats Heymann. Inwieweit dies mit einer vom Verband der Deutschen Juden am 1J. Juli 1937 an die herzogliche Regierung gerichteten Vorstellung in Verbindung steht, entzieht sich der Beurteilung. Düsseldorf. 7. November. Der frühere Oberrabbiner von Krefeld, liorowitz. wurde während eines Vortruges irn Hotel Heck vom Schlage getroffen und war sofort tot. Strassburg I. Eis. Sonntag, den 3. November, fanden in den jüdischen Kultusgemcimlen des Unter-Elsass die Wahlen für 3 w eltliche Mitglieder des B e z i r k s k o n s i s t o r i u m s statt. Das Wahlergebnis war folgendes: Aron Durlach- Strassburg (trüberes Mitglied) 1 -181 Stimmen (gewählt), Meyer Speyen-Oberehnheim (früheres Mitglied) 1240 Stimmen (gewählt), Kommerzienrat Karl Kaufmaim-Strasshurg 1205 Stirnmen (gewählt), Luziau Reishofer-Strassburg 836 Stimmen. Julius Kalm-Strassburg. Inhaber des Warenhauses Tietz, J6S Stimmen, Bankier Emil Mcyer-Zabcru 900 Stimmen. Das Wahlergebnis einiger kleiner Gemeinden stellt noch aus, kommt aber für das Endergebnis der Wahl nicht mehr in Bctracht. Der Wahlkampf war äusserst hart, die Wahlbeteiligung ziemlich lebhaft. Cronberg. Die jüdische Kultusgemeinde in Crnnberg hat bei der hiesigen Kgl. Regierung ihre Auflösung beantragt, weil sic nur noch aus drei Personen bestehe und nicht kräitig genug sei. ihren finanziellen Verpflichtungen nachzukommeu. London. Im Lastend Londons ist die Polizei zu einer bemerkenswerten Neuerung geschritten. Sie hat in den jüdischen Vierteln die Feuermelder mit Auischriiten in jüdischer Sprache versehen lassen. Lodz. Auf Verordnung des Warschauer Generalgouverucurs wurde der proiesshmeUc indische Schuhmacherverband auf die Dauer des Kriegszustandes geschlossen. , Dorpat. Audi die hiesige U n i v e r s i t tü hat dem Un- 1 terrichtsiuim'ster ein Verzeichnis von jungen Leuten mosaischer Konfession vorgcstcllt, und deren Aufnahme über die gesetzlich ׳ vorgesehene Norm hinaus befürwortet.

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