Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VII (1907)
- Issue
- Heft 46 (15.11.1907)
- Date
- 1907-11-15
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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4 O^ctvcm ו fi \ n V; 0 ס p ל f 1 j } . Abonnementspreis einschliesslich LITEk*,UCRBLATT . ו ch: . 1•• durch die E»peditian: l) In Berlin —,90 Mark, b) nach aus• *ärts Mark, c) lür das Ausland 1,5) Mark. 2. Im Petlabonnement 1,25 Mark. Inserllonsprels Ile vlcrgespaltcne Pe:it-Zeilc oder ■deren Raum 25 Pfennig. A.llg־eu3.ei11e Jücliselxe Zeitung־ Redaktion: BERLIN NW. 52, Melanchthonstrasse 4. Telephon: II, 3137. Expedition und Adresse für Geldsendungen und Bestellungen: Vortag Jüdische Rundschau, & O. m. b.H, Berlin N.M, Augushtraua 49«. aeschSftsstunden der Expedition tlglich (ausserSabbat und Sonnlag) vormittags 10—t, nachmiitags 3—7 Uh*״ Alle Rechte Vorbehalten. Abdruck aus der JUEDISCHEM RUNDSCHAU nur bei voller Quellcnangibc gestattet. Nummer 46 Berlin, 9. Kislew 5668 — 15. November 1907 4 XII. Jahrgang Frau Dr. H erzl . In der Nacht von Sonntag zu Moni::.; ist in A 11 a 11 s s c e die \V i t w e I) r. Tlicodo r M c r z! s , Julie HerzI, geborene Nascha 11er, im SS. Lebensjalirc an einem Herzleiden t;estorbcn. Die Leiche der Verstorbenen wird nach Wien gebracht werden, um auf dem 1) ü b i i n g e r Fried 110 f e a n der Seit c ihres (1 a11e 11 bestattet zu werden. — Frau Dr. Herz! war seit Jahren herzleidend. Nach dem Tode ihres Gauen verschlimmerte sich das Ucbel, und die schverkranke Frau, die den Sommer stets in Altaussce verbrachte, konnte in diesem Jahre nicht mehr nach Wien zu rückkehren. Ihr Zustand erlaubte auch nicht, dass man sie nach M a r k t - A u s s e e bringe, wo für alle Fälle raschere ärztliche Hilfe zur Hand gewesen wäre. An ihrer Bahre trauern die K i ud c r unseres Herzls, die von Vaters und Mutters Seite Waisen sind, und nicht minder d; hochbetagten M u 113 r unseres grossen Führers. Vielleicht ist es iiinen ein Trost in ihrem Schmerze, dass ein ganzes Volk ihnen Trost und Herzensruhe wünscht. Die Zionistische Vereinigung sandte ein Beileidstelegramm an die in neue Trauer versetzten Kinder. Die Lage der Juden in Oesterreich Vom Reichsratsabgeordneten Dozenten Dr. A r t h u r M a 111 e r.*) An einem schönen Sommertage ging ein Vater mit seinem Sohne an den Ufern eines Fa sses spazieren. Schwer lagerte der Dunst über der Gegend. Tief strichen die Vögel über das Wasser und haschten Fliegen und zahlreiche Mücken, die sich iin heissen Sonnenschein über den Gewässern tummelten. Und der Vater wies den Sohn auf das Schauspiel hin und sprach: ״Sich mein Sohn und bewundere die Güte und Weisheit der Vorsehung, die die Mücken schuf, damit unsere Vöglein stets ihre reichliche Nahrung finden.‘׳ Und der Sohn gab zur Ant¬ *) Reichsratsabg. Dr. Arthur Mahler hat am 6. November in einer vom jüdischen Natinnalvcrcin für Österreich in Wien im ,.Hotel Post“ veranstalteten Versammlung eine Rede gehaben, deren Inhalt wir nach der Wiedergabe in uuserm Prager Bruderblatt SELBSTWEilR gekürzt abdrucken. (Red.). wort: ״Preisen, mein Vater, die Mücken auch die Güte und Weisheit der Vorsehung?" An diese tiefsinnige Parabel des grossen holländischen Dichter-Philosophen MuUatuii wird nmn unwillkürlich erinnert, wenn inan die verschiedenen Zeitungen tiie Güte und Weisheit der Regierungen preisen hört. In Russland ist es der Güte und Weisheit der Regierung angeblich gelungen, die Revolution niederzuwerfen, aber nur dadurch, dass sie cmmeuschte Barbarenhorden auf die Juden losliess, dein Mordbrennerdrang der echt russischen Männer die Juden als wehrlose Beute — als Mücken — vorwarf. In Österreich will die Güte und Weisheit der Regierung Handel und Gewerbe retten; zu dem Behufe wird der Jüdisclic Hausierer geopfert und so sehen wir überall die jüdischen Rechte, ganz allgemein gesprochen, als vogeürcr behandelt, sie sind das Kompensationsobjekt, das im Streite der Parteien je nach Bedarf bald dem einen bald dem anderen geopfert wird. Fast zwei Jahrtausende dauert dieser Zustand, nur mit dem einzigen Unterschiede, dass, was früher nur kraft der Gewalt geschah, heute vielfach als vom Gesetze sanktioniert sich vollzieht. Und dabei leben wir im aufgeklärten 20. Jahrhundert! Ein grosser Teil unserer Volksgenossen sicht diesem Treiben mit verschränkten Armen und fatalistischer Ruhe zu: ״Das war so und wird so bleiben.“ Ja — wenn wir anderen kommen und das nichtt länger mit ansehen wollen, wenn wir auftreten und rufen: ״Wir wollen ja keine besonderen Judcnrechte, wir wollen Menschenrechte, das Recht, das*mit uns geboren, wir wollen nicht mehr gebückt nur an der Mauer uns herumdrücken, wir wollen nicht unser Judentum £n einen dunklen Winkel stellen und cs mit einem dicken Teppich zudeckn, sondern es frei und offen vor aller Welt bekennen und trotzdem unsere Rechte als Menschen und Staatsbürger haben“ — dann, ja, dann sind sie die ersten, die von ״jüdischer Selbst- Überhebung“ sprechen, um nichts Ärgeres zu sagen. Wie verhält es sich nun tatsächlich mit allem? Wer hat recht in dem Mcinungskampfe der Alten und Jungen, wenn ich so sagen darf, welches ist der Weg, den wir einzuschlagen haben und noch eine wichtige Frage: Sind nicht wir Juden am Ende zum Teil selbst daran schuld, dass uns immer die Mückenrolle, die Rolle des Ocfrcsscnwerdens zufällt? Mit blossen Anklagen und Behauptungen ״du hast zecht und du hast unrecht“ ist der Sache nicht viel gedient. Wer hier einwandfrei antworten will, muss in die Tiefe des Problems gehen, er muss das Jüdische Problem, denn als «*j\ r* i V fatM t?cleid: des t ß n.^ •? לי * f* /'