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Jüdische Rundschau · 1907-11-08 · Heft 45 (8.11.1907) · page 22

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 45 (8.11.1907)
Date
1907-11-08
Page
– (sequence 22)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU No. .45 Seite 190 Tätigkeit die Palästinaarbeit in den Hintergrund gestellt wurde. Er fordert, dass die Führer der Bewegung ein besseres Beispiel geben und für die Sache opferwilliger sein sollen. Del. Hör owitz wendet sich auch gegen die Vernachlässigung der Palästinaarbeit und kritisiert die Projekte des Referenten. Del. Frostig konstatiert, dass auch die Parteileitung als solche gar nicht für die Verbreitung der Idee der realen Arbeit in Palästina tätig war. Der Redner wendet sich dann gegen die Thesen des Referenten und beweist, dass sic nicht annehmbar sind. Wir haben in Biclitz und auf dem Kongresse beschlossen, eine Siedlungsgenossenschaft nach dem Oppenhcimcrscltcn Plane zu gründen, und wir haben dadurch der Hoffnung Ausdruck gegeben, dass wir die Kolonisation Palästiuas auf genossenschaftlicher Basis führen können werden. Wir müssen jetzt mit aller Kraft eine Industrie in Palästina schäften; unser wichtigstes Ziel wird aber immer die Er- Werbung der Erde und die Entwicklung eines gesunden Bauernstandes sein. Del. Tieg er macht der Opposition den Vorwurf, dass sie allzuviel theoretisch veranlagt, nicht iber praktisch genti/ ist. Die Anträge und Thesen des Referenten sind praktisch und deshalb sollten wir sie annehmen. Del. Frankel. Linn. Schönbach. Herz:.; und Tartakower sprechen sich auch gegen die bisherige Leitung der Palästinaangclcgcnheiten in der Parteiexekutive aus. Sie fordern mehr Verantwortlichkeit vor der jüdischen Bevölkerung, lnsbcsondere wird die frühere nachlässige Füll rang des N.-E. heilig kritisiert. Del. Dr. Brande bemerkt, dass die Partei eine gesunde Opposition krauche; die Opposition muss aber loyal sein und an die Ehrlichkeit der Führer glauben, ihr könnt uns vorwerfen, dass wir zu wenig ftir die Sache geleistet haben, dass ihr aber an unserem guten Willen, unserer Eiirlichkeit. unserem Zionismus zweifeln sollt, ist unzulässig. Die Opposition hat die Palästinaarbeit nur für sieh allein gepachtet: ich behaupte aher. dass wir alie die reale Arbeit in Palästina so gut wünschen, dass wir sie so unterstützen wollen, wie Sie. meine Herren. Die politische Tätigkeit hat auf einen Augenblick die palästinische Arbeit wirklich verdrängt: deshalb brauchen wir noch nicht zu verzweifeln. Wir werden die Arbeit jetzt mit allem Eifer in Angriff nehmen und damit khr beweisen, dass wir unser Endziel, unser eigentliches Programm nicht vergessen haben. — Der Redner tritt auch gegen die Thesen des Referenten auf. weil die Konferenz nicht das Recht habe, über das zu entscheiden, was der Kongress schon beschlossen hat. Es werden dann nach dem Schlussworte des Referenten die Anträge wegen der Propaganda mit kleinen Acnd״!״'׳■♦ angenommen. Uebcr die Thesen wurde nicht abzestimmt. da der Referent erklärt, dass er sie nur als Inhaltsangabe seines Referates hat drucken lassen. Als Mittel für die Propaganda (Palästina-Fond) wurden folgende Anträge des Refenrcnt?״ angenommen: a) Verkauf von Palästinaschekel, b) Verkauf von Palästinanrodiikten. c) Spenden bei Feierlichkeiten und dergleichen. Der Antrag, dass von dem im L.andc :1mV•’ brachten Schekel 7 Prozent und von Natinnalfondsarnmliingcn '3 Prozent in Abzug gebracht werden s׳>l!en. wurde a b g c - fe h n t. K a c h nt i 11 a g s s i t z u n g. Auf der Tagesordnung stand die Organisationsfrage. Es liegen einige Prospekte vor. Referent Dr. Läufer (Stanislau). Das Lcmbergcr D.-K. beantragt ein Zentralkomitee in Lernberg mit einigen Distrikten. Das Stanislauer D.-K. will eine Zentralstelle der Distrikskomitees haben, die aus 6 Mitgliedern — je 2 aus jeden! Distrikt — bestellen solle. Der Referent unterstützt das Stanislauer Projekt. In der Diskussion werden die einzelnen D.-K• einer scharfen Kritik unterzogen und besonders das Krakauer. Nach einer längeren Debatte, art welcher unter anderen Doktor Brande und Dr. Reich teilnehmen, werden als Generaldirektor Dr. Gabel pro, Dr. Israel WaWmaun (Tarnopol) kmttrug gewühlt. Bei der Abstimmung wird der Antrag angenommen, ein Zentralkomitee in Lemberg zu wählen, bestehend aus 5 Lernberger Gesinnungsgenossen und je 2 Mitgliedern der übrige:! Distrikte. In Anbetracht dessen, dass Tarnopol sowohl von Lemberg, als auch von Stanislau zu weit entfernt ist und eine sehr arbeitsfreudige zionistische Gruppe besitzt, wird ein Teil des Lernbcrger und Stanislauer D.-K. ausgesehieden und ein neuer Distrikt in Tarnopol gebildet. An der Spitze der neuen Parteileitung steht Gg. Dr. Markus Braude. ׳ Die Sitzung wurde hierauf auf Dienstag vertagt. In der 1 Dicnstagsitzuno wurde nach längerer Debatte von der Gründüng einer selbständigen galizischen, Organisation abgesehen, so dass die politische Organisation der galizischen Zionisten der allgemeinen politischen Organisation angeücacrt werde:! wird. (Näherer Bericht folgt.) Die Konferenz begab sich ins Restaurant ״Bristol“, wo am Abend die ״Emimah“ zu Ehren des gegenwärtig hier weilenden Buhin Bramin ein Bankett veranstaltete. Kopenhagen. Der Dänische Zionistenverein croimete vor H Tagen seine Saison mit einem gut besuchten Morris R o s e n f c I d ־ A b e n d . an dem Direktor Georg Fr ä n - k e 1 über den Dichter sprach und Verschiedenes aus seinen Werken vortrug. Am 22. Oktober stattete Dr. Louis F r ä » k c I seinen Kongressbericht im Dänischen Zionistenverein ab. Lund. Vor einer grossen Versammlung der Zionisten Lunds und der Naehbarstödte referierte Dr. Louis F r ä!1 k c I aus Kopenhagen über den VIII. Kongress. Nachher sprach Herr N a c 11 e in s o I! n über jüdisches Nationaigenih! in der Diaspora. Manchester. Eine grosse zionistische Massenversammlung föne! ar: Samstag, dem 19. ü. Mts., in der Talmud Thora statt. D r. C :: a i in W e i t z in a 1! 11. der jü!:..st von seiner Palästinareise rariiekgekehrt ist. gab einen Bericht über das soziale und industrielle Leben des heiligen Landes. Dr. Weitzmann iiihrte aus. dass, wer als Autiziomst nach Palästina gehe•, gewiss hundert Beobachtungen macken werde, die gegen die Realisierung der zionistischen Idee sprächen. Umgekehrt dürfe ein Zi■ :!ist, der Palästina besucht, sich nicht durch seine Hoffnuugc״ und Wünsche sein Urteil beeinflussen lassen. Zunächst müsse man feststcHcn, dass Palästina sein Gesicht heute von lag?.!: 'Lag wechsele, ein besseres Aussehen bekomme. Und gerade diese Veränderungen in den Kolonien, die Verschieden־ heit der Menge des in jüdischen Händen befindlichen l-andes. der Wechsel im Leben, der Lebensweise und in der Arbeit im Lande selbst, all dieses wird bei der Verwirklichung unserer Idee mehr ins Gewicht fallen als alle diplomatische Arbeit. Man müsse sicli unter allen Umständen auf das im Lande bereits Bestehende stützen: man dürfe nicht erwägen, wie neue Kolonien am besten gegründet werden, sondern man müsse die Verhältnisse der bereits bestehenden studieren und in Betracht ziehen. Die Liebe der Kolonisten zum Lande wachse täglich unü sei schon so gross, dass ein A11sscnstck.cn־ der es gar nicht erfassen könne. Eine schwierige F'ragc sei die Frage der arabischen Arbeiter. In manchen Kolonien seien 60 und 80 ׳T der Landarbeiter Araber. In Pethach-Tikwah seien unter 1000 Arbeiter 800 arabische. Die jüdischen Kolonien könnten so lange nicht als jüdisch betrachtet werden, als die Araber in ihnen ein so grosse Rolle •spielten. Die jüdisehen Arbeiter hätten gezeigt, dass sie mit den arabischen konkurrieren könnten, nicht durch Hcrabdrücken der Lehensbcdiin'uisse, aber durch bessere und wertvollere Arbeit. Von den vorhandenen Arbeiterorganisationen rühmte Redner insbesondere die .PoaK-Hazair“. Die JCA tue wenig, aber was sie tue. tue sie gut. Redner plädierte sodann für Errichtung eines Zentralbureaus in K o n s t a 11 ז i 110 p e 1. das insbesondere die Erleichterung des Erwerbs von Grund und Boden zum Ziele seiner Tätigkeit machen müsse. Der Nati nalfond sei zu klein, um für grossen Landerwerb verwendet werden zu können; indessen könne er wohl das zwischen den Kolonien liegende unbebaute Land kaufen, um so eine Zone jüdischen Besitzes zu schaffen. Der Vortrag wurde mit lebhaftem Beifall aufgenommen. Amerika. 111 der letzten Sitzung des Exekutivkomitees der Federation 0! American Zionists wurde die Frage einer zweiten amerikanischen Tournee des Herrn Pr. Sc he marja!! Lewin eingehend behandelt. Dr. Lcwin wird nach Amerika kommen, um dort eine Propaganda für einen Fond zu entfalten, der der F ö rtlcr 11 n g d c s i ii d i s c h cm L; 111 e r r i c h t s w c s c!1 s in Palästina gewidmet sein soll. Zu diesem Zwecke soll ein unabhängiges Komitee eingesetzt werden, das sowohl aus Zionisten wie Niclitzionisteu bestehen wird. Bei dieser Konferenz wurde auch beschlossen, in eine energische Aktion zugunsten des Partcifonds eiuzutreten.

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