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Jüdische Rundschau · 1907-11-08 · Heft 45 (8.11.1907) · page 21

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 45 (8.11.1907)
Date
1907-11-08
Page
– (sequence 21)
Language
German
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No. 45 JÜDISCHE RUNDSCHAU. Seite 189 .׳" Zionistischo Landeskonferenz in Galizien Sonntag, den 27. d. Mts., wurde die Konferenz der galizischen Zionisten im Krossen Saale des ״Jad-Charuzim"-Vcreins in Lemberg in Anwesenheit von 120 Delegierten und über 20(1 Obsten feierlich cröiinct* Die Eröiinungsrcde hielt der Obmann des Lemberger Distriktskomitccs Gg. Dr. 0. Zipper. Kr begrüsstc herzlich alle Delegierte als Kinberufer dieser Versammlung und drückte die Krwartung aus, dass, wie die früheren Zusammenkünfte der gaüzischen Zionisten, auch diese Konferenz viel zur Verbreitung und zum Wachstum der zionistischen Idee i!!1 Lande beitragen wird. Die Bewegung sei jetzt in Galizien sehr stark; cs t'eide ihr nur an einer ent* sprechenden Organisation. Die Vorwürfe, die man den galizischen Zionisten gemacht hat, dass die Landespolitik die reinzionistischc Tätigkeit verdrängt hatte, sind falsch, bewusst falsch. Wir werden darauf eine passende Antwort geben, indem wir alle die Kragen der praktischen Tätigkeit in Pah'istina, die docli die Basis des Zionismus ist, gewissenhaft he* sprechen und jede Möglichkeit atsntizcn, um sie in Ge* mcinschaft mit der ganzen zionistischen Organisation zu unterstützen* Anderseits aber sollen wir nicht die realen Be* dürfnisse des heutigen alläglichen jüdischen Lebens vergossen. In dieser Hinsicht werden wir auch über die Krage der national-jüdischen Politik und über die Gründung einer bcsonderen jüdischen Bank diskutieren. Aui unsere Beschlüsse warten 'lausende von Anhängern; :■';hleu wir also die Verant* Wörtlichkeit, welche wir gegenüber unserm Volke tragen und stehen wjr aui der Höhe unserer Aufgabe, ich begrüsse die Konferenz mit unserem alten Worte: Baruch haba! (Beifall.) Im Namen des A.*K. sprach dann Rabbiner Dr. Brande. ״In Vertretung des Abg. A. Staad, welcher durch sehr dringende parlamentarische Angelegenheiten zuriiekgehaiten ist, habe ich die Khre, im Namen des A.-K. diese Landes- Konferenz zu bcgriisscn und ihr den besten Erfolg zu ihren Beratungen zu wünschen. Ihr werdet, Gesinnungsgenossen, an die Tradition der zionistischen Landeskonferenzen in Lern* berg anzukniipfcn haben, welche schon seit 15 Jahren ein mächtiges Miücl zur Verbreitung des Zionismus im Lande sind. Diese Zusammenkunft wird das Verhältnis der galizisehen Zionisten zu der ganzen österreichischen Organisation gestalten. Aber nicht ein Akt der Sezession aus der osterreichischcn Landsmannschaft wird cs sein. Mit‘Zustimmung des B.elitzer Pareiages und der österreichischen Parteileitung werden wir eine besondere zionistische Organisation für Galizien schaffen, weil uns besondere Interessen und eine grundverschiedene politische und ökonomische Lage von unseren Genossen aus den andern Ländern Oesterreichs sondern. Bezüglich der praktischen Arbeit in Palästina selbst werden wir Beschluss fassen und auch die Ausgestaltung der Palästmaarbeit wie unsere diesbezügliche Agitation in Galizien werden wir in Betracht ziehen. Die Politik, welche wir jetzt תגו Lande zu führen begonnen haben, müssen wir einzig und allein vom zionistischen Standpunkt betrachten. Wir wollen diese Politik auffasscn als Weg zur Verwirklichung des Basler Programms. Durch laten, nicht Worte, werden wir cs klar beweisen. Es wird unsere Aufgabe sein, das Verhältnis der ranzionistischen Arbeit zur politischen zu regeln und auf dem wirtschastlichen Gebiete mit aller Kraft und Energie tätig zu sein. Dabei soll aber nicht verkannt werden die Bedeutung der Kulturarbeit. Es ist eben ein dauerndes Verdienst der zionistischen Parei, dass sic die Notwendigkeit einer solchen Kulturarbeit schon in den Goltiskindern erkannt hat und dass letzt ein grosser Teil der jüdischen Jugend unter unserem Einnusse sich den alten Kuitiirschätzen unseres Volkes zuwendet. Das zionistische A.-K. wird mit voller Aufmerksamkeit Ihren Beratungen folgen, da der galiziscle Zionismus einen wichtigen Bruchteil unserer ganzen Organisation darstellt und wünscht Ihnen einen guten Erfolg. (Stürmischer Beifall.) Im Namen des ״Jüdischen Klub** im österreichischen Parlanient begriisste die Versammlung Abg. H. Gabel. Der Jüdische Klub, welcher im ständigen Kontakt mit der zionistischen Partei in Galizien wie auch mit dieser Konferenz verbleibt, will durch meinen Mund der Ueberzeugung Ausdruck geben, dass er einzig und allein die Ziele der zionistisehen Partei zu verwirklichen erstrebt. Unsere Aufgaben müssen wir ernst und ehrlich erfüllen, da wir heute schon die Repräsentanten des ganzen jüdischen Volkes sind welches mit Zuversicht und Hoffnung sein Los willig uns anvertraut hat. Der ״Jüdische Klub“ veiss ganz gut. dass er ein zionistischer Klub ist, der sich nicht mir mit den rein politischen und allgemein jüdischen Fragen zu beschäftigen hat, sondern auch mit der Palästinaarheit •und mit allen An gelcgeuheitcn, welche den Weg zur Lösung der Judenfrage vorn Standpunkte der zionistischen Weltanschauung anzubahnen bestimmt sind. Wir sind nicht nur ein besonderes Organ sür jüdische Politik, sondern für diese ganze Summe von Arbeitsmöglichketten, welche das politische und kulturell erwachende Judentum geschaffen hat, wollen wir tätig sei׳;. Und wie man alle diese Lebensfragen, welche heute unser Volk tangieren, nicht abtrennen kann von der zionistischen Tätigkeit und Organisation, so betrachtet sich der ״Jüdische Klub" als Repräsentant des ganzen modernen jüdischen Lebens.. — Mit Euch, meine Herren, zusammen wollen wir gehen, um dem jüdischen Volke seine Heimat wieder aufzubauen." (Minutenlanger, stürmischer Beifall.) Man schreitet dann zur Tagesordnung. Nachdem nach einer kurzen Debatte die Geschäftsordnung angenommen wurde, wurden Gg. Dr. Abraham Salz zum Präsidenten, Dr. Paclitniann, Scclenfrcuud, Tartakower und Dr. Weinberg zu Vizepräsidenten einstimmig gewählt. Da im letzten Moniciftc Dr. Malz das Referat über die Jetzige allgemeine Lage des Zionismus“ nicht abhalten konnte, wurde sofort zum zweiten Punkt der Tagesordnung geschritten, dem Referate über ״Die praktische Tät i g k e i t in P a 1 ä s t i 11 a.“ Der Referent Di. Samuel Rappoport verweist in der Einleitung seiner RcTäe aui das lebhafte Interesse, welches sich jetzt im zionistischen Lager für die Idee der realen Arbeit in Palästina fühlbar gemacht hat. Die Grundlage der ganzen früheren kolonisatorischen Arbeit war philanthropisch, religiös und geheim-national. Man schaffte grosse Kolonien. 01;ne auch nur das Land in geogra- Pinscher Hinsicht zu kennen, ohne jedwede Vorbereitung ging man an den Bau eines so wichtigen Werkes. Die Felder sind heute übrigens schon allgemein bekannt. Darum musste die erste Kolonisation misslingen. Der politische Zionismus hat jeder kolonisatorischen Tätigkeit im Lande entsagt, weil er seine Ziele durch eine diplomatische Arbeit von aussen heraus zu erreichen liofftc. Der Vif. und VIII. Kongress haben diese Voraussetzung als falsch endlich abgeschabt. Denn mit Palästina ist die Hoffnung auf eine jüdische Kultur, auf eine normale jüdische Wirtschaft und auf eine jüdische Zukunft innig verbunden; mit Palästina ist auch das Interesse des jüdischen Volkes für den politischen Zionismus eng verknüpft. Ohne Palästina ist Zionismus ein leerer Schall, ein Wort ohne Inhalt (Beifall), eine Assimilationsarbcit. (Beifall.) Wir müssen also jetzt, da sich wieder ein neues Leben in Palästina entwickelt, mit aller Kraft mitarbeiten an der wirtschaftlichen Erschliessung Palästinas.“ Der Redner bespricht alle jüdischen Institutionen, die jetzt in Palästina wirken und legt besonders Gewicht darauf, dass die politischen Zionisten den ״B e z a I e 1" und das I n ־ dustriesyndikat unterstützen sollen. Er vertritt den Standpunkt, dass die Kolonisationsarbeit sich auf industrielle Gebiete erstrecken müsse und zwar durch Heranziehung grösserer öffentlicher und privater Kapitalien behufs Schaffung industrieller Unternehmungen im Sinne der Palästinakommissioii in Berlin. Der Redner fordert weiter die Schaffung kleiner selbständiger Bauernwirtschaften, wobei die jüdische Kolonialbank und der Naitonalfonds indirekt durch Palästinabanken zur hypothekarischen Kreditgewährung, keineswegs aber zum direkten Lauda »kauf herangezogen werden sollen; die Förderung und Gründung von jüdischen Ackcrbauschulcn und Musteriarmcn. Zugleich müssen Gründungen grösserer gemeinschaftlich bewirtschafteter Farmen vermieden werden.— Zuletzt stellt Dr. Rappaport Anträge, welche sich auf dio Propaganda und Organisation der Palästinaarheit in Oalizien beziehen. Die Propaganda für die Kolonisation Palästinas wird geleitet: 1. Durch Vorträge über Palästina und den Stand der Kolonisation. 2. Durch Verbreitung von Schriften sowie durch Gründung einer Vicrteljahrsschriit im Jargon, die sich mit der Kolonisation Palästinas befassen soll. 3. Durch Ankauf von Anteilscheinen der Genossenschaften ״Palästina“ und ״Agudat Nctaim ‘. 4. Durch Werbung von Mitgliedern für den Bezalel. 5. Durch Gründung von Gruppen, die sich mit dem Absätze und Vertriebe der in Palästina erzeugten Produkte befassen. 6. Durch Gründung eines Informationsburcaus. — Der Redner schloss mit einer Autforderwng an die gallzischcn Zionisten, dass sic eine regere und lebhaftere Tätigkeit fiir den wichtigsten Punkt des Zionistischeu Programms, die reale Arbeit in Palästina, entwickeln sollen. (Beifall.) Es entspinnt sich dann eine ernste, manchmal sehr aufgeregte Diskussion, welche ihre Spitze gegen die Parteileitung wendet, die im letzten Jahre die Palästinaarheit gänzlieh vernachlässigt habe. Del. K a 11 a n fordert Aufrichtigkeit seitens der zionistischeu Führer. Sie müssen zugeben, dass durch die politische

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