Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VII (1907)
- Issue
- Heft 45 (8.11.1907)
- Date
- 1907-11-08
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite!87 No. 45:־ JÜDISCHE RUNDSCHAU Emden. Am 27. Oktober fand unsere erste diesjährige Winterversammlung statt. Nach Begrüssung durch den 1. Vorsitzenden Is a a c A. Stein gedachte unser 2. Vorsitzende Edmund v an CI e e f des verstorbenen Grossherzogs von Baden, des eifrigen Förderers unserer Sache. Die Vcrsatnmlur.g ehrte das Angedenken des Verstorbenen durch Erheben von den Plätzen. Daraufhin hielt unser Kongressdclegierter Jacob Schnelling sein Referat über den VIII. Zionistenkongress. dessen Verlauf uns derselbe in beredten Worten schilderte, wofür ihm auch von der Versammlung der Dank abgestattet wurde, nachdem im Laufe der Diskussion folgende Diskussion gefasst worden: ״Die am Sonntag, den 27. Oktobe'r. in der Börse abgehalteue Versammlung der zionistischen Ortsgruppe nimmt mit Dank Kenntnis von dem Berichte des Kongressdclcgicrten. Herrn Jacob Schnelling, Hannover, und verpricht. die Bestrebungen des Kongresses unterstützen zu wollen. Sie spricht der Leitung ihr Vertrauen aus.״ — Nach diesem Referat erfreute uns der junge hochbegabte Schriftsteller Siegfried Fürst aus Berlin durch Rezatitioncn eigener Dichtungen jiidisehen Inhalts. Ausserdem hielt unser Mitglied W. Valk noch einen Vortrag ״Unser Trost“. Erst nach Mitternacht trennte man sich mit dem Bewusstsein, recht angenehme Stunden verbracht zu haben und mit dem Wunsche, recht bald wieder zu derartigen Veranstaltungen zusammen zu kommen. Den beiden Gästen des Abends wurde aus Dankbarkeit aus der Vereinkasse je ein Ociabum zur Pflanzung des Herzl-Waldcs gestiftet. j Posen. Am 26. Oktober fand eine Monatsversammlung der hiesigen Ortsgruppe statt, zu weicher auch zahlreiche Gäste erschienen waren. Der Vorsitzende. Herr Rechtsanwa't Dr. Kollcntseher. gedachte zunächst in warmen Worten des Dankes der ausserordentlich hingebungsvollen Tätigkeit des bisherigen Vorsitzenden, Herrn Dr. Jeremias, der als erster in Posen eine zionistische Propaganda entfaltet und unter Kämpfen und Feindseligkeiten die hiesige Ortsgruppe ins Leben gerufen und zu ihrer heutigen Bedeutung emporgeführt habe. Die Ortsgruppe werde ihren Dankesgefühlen dadurch Ausdruck verleihen, dass sic die nächste Eintragung in das goldene Buch des N.-F. auf den Namen des Herrn Dr. J. bewirken lasse- — Dieser dankte für die ihm zuteil gewordene Ehrung und ermahnte zu eifriger weiterer zionistischer Arbeit. Sodann erstattete der Vorsitzende Bericht über die neuesten Ereignisse und über die Lage im Zionismus. Daran schloss sich eine anregende und reichhaltige Diskussion, die besonders lebhaft bei־ der Gründung eines jüdischen Frauenbundes in Berlin für Kulturarbeit in Palästina verweilte und die Bedeutun■•; und das fruchtbare Arbeitsgebiet jüdisch-nationaler Frauenvereinigungen allgemein anerkannte. In einem Bericht über die politische Lage erwähnte Herr Dr. Jeremias die Frankfurter Tagungen: des zweiten Judentages und des jüdischeu Frauentages, die sieh durch selbstbewusste jüdische Haltung und nationalen Sinn auszeichneten, und gab sodann bei der Besprechung der Itotagung ein eingehendes Bild über die Tätigkeit, welche die Ito im letzten Jahre entwickelt bat. um einerseits die' traurigen Verhältnisse und schlechte Behandhing der jüdischen Zw ischcndeckpassagiere auf den deutschen Auswandererschiffen und den Endstationen in wirksanier Weise zu bessern, andererseits um den Auswandererström aus den überfüllten nordamerikanischen Grossstädten zu einer plamiuissigen Besiedelung der noch aufnahmefähigen Südstaateu überzuleiten. Bei der Erwähnung der ka-An.siedlungen in Argentinien berichtete Herr Schild über die überaus traurigen Erlebnisse argentinischer Rückwanderer, die erkennen lassen, dass die lea die kulturellen und religiösen Bedürft! isse der jüdischen Ansiedler vollkommen vernaclik'bsige. Nach einer Reihe geschäftlicher Mitteilungen durch den Vorsitzenden fand diese Monatsversammlung nach Mitternacht ihr Ende. Hessischer Gruppenverband Am Sonntag, den 27. Oktober, fand in F r a n k f u r t a. M. die konstituierende Versammlung des neuen Gruppenverbandes statt, der die Ortsgruppen und Schekelznhler in Hessen und Hessen-Nassau vereinigt. Die Tagung war ausser von dem Gesamtvorstande der Frankfurter Ortsgruppe auch von zahlreichen Frankfurter Zionisten besucht, sowie von Vertrauensieuten der Ortsgruppen Alsfeld. Mainz. Marburg. Oberingelheim. Schlüchtern, sowie von einem Vertreter des Zentralbureaus. Herrn Dr. Friedemann. Der Vorsitzende. Herr Sondlieimcr, begrüsst die Erschienenen und legt dar, dass in dem neu *gebildeten Bezirke zahlreiche Juden wohnen und ein lebhaftes jüdisches Leben herrsche. Es sei unsere Pflicht, unter diesen Juden, die zum Teil vom Zionismus noch gar nichts wissen und ztmi Teil eine ganz falsche Auffassung von diesem haben, den Zionismus bekannt zu machen und zu verbreiten: an jedem Orte müssen Vertrauensmänner gewonnen und durch Verbreitung von Broschüren und Zeitungen den Rednern vorgearbeitet w’crden. Die Beispiele von Schlüchtern uni Bergen haben gezeigt, dass die Juden ausser in der Synagoge auch noch sonst etwas vom Judentum wissen wollen. lieber die Verhältnisse in Kurhessen, insbesondere in Schlüchtern und Fulda, berichtet Herr Sichel, über Mainz Herr Dr. L c v y - 0 b c r i n g e 1 h e i m , über 1Alsfeld und Marburg die Herren Zahnarzt Buctow und Oppenheim. Dr. Friede mar. n ist der Meinung, dass gerade auf dem Lande noch etwas für den Zionismus zu erreichen sei und er fordert die jü.'ischcn Studenten auf. in ihren Ferien sich in den Taunus. Vcgelsberg und Kurhessen zu wenden und dort von Haus zu Haas iiir den Zionismus zu agitieren, dem könnten dann später Zeitungsagitationen folgen. Ucbcr die Frankfc'tcr Verhältnisse spricht sich dann der Vorsitzende eingehend aus. Er erklärt weiter, dass die zionistisehe Presse in bezug auf Volkstümlichkeit oftmals mit der übrigen jüdischen Presse konkurrieren könne. In unserem Bezirke sei das FRANr'FURTER ISRAELITISCHE FAMILIEN- BLATT stark verbreitet. Die Zionisten seilen durch ihre praktische Mitarbeit mit da?.! heilen, das Blatt weiter zu lieben. An die Berichte sclil ss sich eine lebhafte Debatte, die folgende Beschlüsse zeitig:-:*: 1. Der Gruppenveri and w ird konstituiert mit Frankfurt a.. M. als Vorort. 2. In den Vorstand treten ein die Herren: Sondh e i m c r. Dr. J. F e u c h t w a n g e r. Stern-Frankfurt a. M.. Dr. Friede m a n n - Usingen. B r a u d e - Geisa, W i s I i c k i ־ Neuwied. B a u nt - Wiesbaden. N u s s b a 11 m - Fulda. Dr. L e v y - Obering-Jheini, S i e!! e! ־ Schlüchtern, B u e t o w - Alsfeld. 0 p p c n h e i m - Marburg; für Mainz wird noch ein Vertreter bestirnmt. 3. Die nächsten Arbeiten bestehen in Agitationsvcrsammlangen in Kurhessen. •i. An einer Reihe von Plätzen, an denen Vertrauensleute schon gewonnen sind, soll der Versuch gemacht werden, Gruppen ztisammenzttbringeu. 5. Jeder organisierte Zionist ist verpflichtet. 0.75 Mark Beitrag an den Grur״•eaverband zu zahlen. Abrechnung gcschiebt mit den einzelnen Ortsgruppen. Als Grundstock für die Kasse des Gruntenvcrbandes zeichnen die Anwesenden gemeinschaftlich 130 .Mark. 6. Der Gruppenverband hält die Abhaltung des deutschen Delegiertentages au? mannigfachen Gründen Weihnachten 1907 nicht für wünschenswert und überlässt die Festsetzung des Termins dem deutschen Zentrnlburcau. Hierauf wurde beschlossen, iiir den Parteifonds energisch zu arbeiten und eine erstmalige Tagung des GruppenverbandsVorstandes auf Ende Dezember nach Mainz einzuberufen. — Um S Uhr nach vierstündiger Dauer schloss Herr Sondr. eimer die äusserst harmonisch .wer- Iauienen Verhandlungen. Schweizer Zionistentag Zum Parteitag am 20. Oktober 1907 in Biel waren aus fast allen gröseren Orten der Schweiz Gesinnungsgenossen erschienen, so aus Baden. Basel. Bern. Biel. Genf. 5t. Gallen. Winterthur und Zürich. J. Horn-Zürich hiess als Präsident des Landeskomitees eie Erschienenen mit einigen herzlichen Worten willkommen. Sodann hielt Dr. Levy-Bicl sein Referat über den 8. Kongress. Er Hess seine Eindrücke als Delegierter Revue passieren und kam im Rückblick auf die vorhergehenden Kongresse auf die Ergebnisse der Haager Versammlung eingehend zu sprechen. Als wichtigstes Resultat erscheint die Eröünung einer Filiale der Kolonialhank in Konstantinopel. Eingehend referiert sodann der Vortragende über die Fragen der jüdischen Erziehung, über die Legalisierung des Nationalfonds, über die Erhöhung des Schekelbeitrages auf 1 הי Fr. (statt 1 Fr.t und über den Parteifonds. Die Ergehnissc des Kongresses büchen zurück gegenüber dem vorhergehenden, aber dies!:egt auch daran, dass die Bewegung an Geldmangel leidet. Die Palästina-Arbeit kann nur fortgesetzt werden, wenn mehr Beiträge cingehen. weshalb auch beschlossen wurde. 25 aller Eingänge dem Palästina-Ressort zuzuweisen. Das eingehende sachliche Referat, das lebhaften Beifall fand. erw׳eckte eine umfangreiche Diskussion, die sich in sehr ernstem Rahmen bewegte. Rom* Zürich spricht von