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Jüdische Rundschau · 1907-11-08 · Heft 45 (8.11.1907) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 45 (8.11.1907)
Date
1907-11-08
Page
– (sequence 3)
Language
German
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I \ J . Abonnementspreis einschliesslich LITER Al URULATT »isrleljlhrlich: 1. durch die Eipedilicn: •) In Berlin —,90 .Mark. l>) nach aus• *5rts I,— .Mark, c) lür das Ausland I.S0 Mark. 2. Im Pedabonnemrnt 1,25 Mark. InserUonsprels Ile viergespaltcne Petit •Zeile oder deren Raum 25 Pfennig. A-llgremein© Jüdische Zeitung; Redaktion: BERLIN NW. 52, Melanchthonstrasse 4. Telephon: II, 3387. Expedition und Adresse für Geldsendungen und Bestellungen: Varlag Jüdische Rundschau, E. O. m. b. HL, Berlin N.64, Auguststratte 491. aeschiftsstunden der Expedition täglich (ausser Sabbat und Sonntag) vormittags 10—1, nachmittags 3—7 Ub״־ Alle Rechte Vorbehalten. Abdruck aus der JUEDtSCHEN RUNDSCHAU nur bei voller Quellenangabe gestattet. Nummer 45 Berlin, 2. Kislew 5668 8. November 1907 XII. Jahrgang Endziel und reale Arbeit Wenn eine Zeit lang die Blicke eines Volkes auf das ideale Ziel gelenkt waren, dem es im Völkerleben entgegenstcuiert, so ist es von Nutzen, die Bücke wieder zur Erde zu wenden und die realen Verhältnisse zu erwägen, unter denen es lebt und kämpft. Der Blick, der nur nach oben zu den lichten Gestirnen gerichtet ist, lässt zu leicht dm alltäglichen Vorkomnisse auf Erden fibersehen oder zum mindesten in einem schiefen Gesichtswinkel betrachten. Darum muss immer wieder der Blick von den letzten hohen Zielen zur Erde schweifen, um nicht zu vergessen, dass diese Erde der Grund ist, auf dem die Völkergeschichte sich abspielt. Wenn aber dieser notwendige Blick uns gezeigt hat, was wir tun sollen und auf welchem Wege wir uns befinden, dann heisst es das Haupt wieder zu erheben zu den ewigen Gestirnen, das Auge auf das Ziel gerichtet, das unserem Volke vorgeschrieben ist, wie der Nord* Stern den Schiffer auf der Sec leitet. Die reale Arbeit, die wir leisten, müssen, geschieht auf dieser Erde und bedarf der irdischen Mittel. Das Ziel, dem wir zustreben, ist ein ewiges Gestirn, ist unser Polarstern, der uns in den Stürmen der Völkerflut ewig und sicher die Wege weist. Wir mussten uns in den jüngsten Tagen der Gegenwartsarbeit im Zionismus zuwenden; denn sie ist das realste Mittel, das uns den Weg ebnen soll, um unserm Ziele näher zu kommen. Das politische Ziel aber ist der unverrückbare Pol, der uns die Richtung angibt. Wir dürfen diese praktische Arbeit zwar keinen Augenblick ruhen lasse;!, müssen vielmehr mit allen Kräften uns der wirtschaftlichen Er- Schliessung unseres Zukunftslandes nicht minder widmen, als der wissenschaftlichen Erforschung. Aber diese praktische Arbeit Ist nur das Mittel zum Zweck, ist eines der Mittel, dessen wir zu unserem nationalen, d. h. politischen Endziele bedürfen. Wenn wir dieses Ziel ausser Augen verlieren, wenn wir nicht immer wieder von der realen Arbeit den Blick auf das Endziel richten, den! wir zustcuern, so werden wir die Arbeit, die praktisch, d. h. dem Ziele zweckmässig gewidmet sein soll, gedankenlos verrichten und also keine zweckmässige Vor bered tu ng unseres Zieles ins Auge wmw fassen. Der stete Hinblick auf die grundlegenden Unterschiede in den Anschauungen, auf die diametral entgegengesetzten Endziele allein ist imstande, die praktische Arbeit davor zu bewahren, dass sie dieselbe Methode einschlägt., die wir kritisierten, als wir zuerst unser nationales Endziel als etwas Neues verstanden, das freilich mehr als das Bisherige ans Allerälteste in unserer Geschichte anknüpft. Neben der rein praktischen Arbeit und über ihr steht uns die politische Tätigkeit unserer Partei. Denn erst durch diese bekommt sie Sinn und Zweck. Nicht als ob tin Gegensatz zwischen politischer Tätigkeit und der Arbeit mit Pflug und Egge bestünde. Das ist keineswegs der Fall. Vielmehr gehören sie beide aufs innigste zusammen und ergänzen sich aufs genaueste. Nur wäre es ein Irrtum, zu glauben, dass mit der einen allein es schon getan wäre. Aber es gibt doch einen Unterschied. Während die praktische Arbeit von der Privatinitiative ausgeht und immer ausgehen wird, so dass die Partei nur dazu verhelfen kann, die Bedingungen zu schaffen, unter denen die Privatinitiative mit Nutzen arbeiten kann, muss die poltische Arbeit in ieder Form, auch die des Palästinaressorts, von der Partei geleistet werden. Dazu aber gehört Geld. Und das gerade ist es, woran es unserer Partei, die nicht aus den Kapitalisten unseres Volkes besteht, immer gemangelt hat. Der Parteifonds soll diesem Mangel abhelfcn, und es ist heute die vornehmste Aufgabe der gesinmmgstreiien Partei, diesen Fonds zu schaffen, damit unsere Parteileitung den Blick von der Erde da unten auch einmal zu den Sternen erheben kann, wo die ewigen unverbrüchlichen Rechtstitcl der Völker hängen. Es ist nicht die Schuld der Leitung, wenn sie nicht alles das tun kann, was sie für nötig und nützlich im Interesse der Partcizictfc erkannt hat, wenn die Partei ihr die Mittel zur Ausführung vorenthält. Um so grösser ist heute die Pflicht jedes Einzelnen, dafür zu sorgen, dass die einmaligen Gaben für den Fonds von allen gegeben werden und dass sie möglichst reich bemessen werden. Wir haben lange genug den Blick zur Erde gerichtet. Und wahrlich, cs ist wirklich gut, wenn man festen Grund unter den Füssen hat, denn ״sturmfest steht der

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