Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VII (1907)
- Issue
- Heft 44 (1.11.1907)
- Date
- 1907-11-01
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 182 No. 44 JODISCHE RUNDSCHAU ■— י ־•'־־' ** ־־ — י ——■«■■ -ן יי■ 11 י■'— ■י1•'1- י ד.... .׳/■׳• Köln. Vor einer zahlreichen, auch von vielen Nicht- Zionisten besuchten. Versammlung der hiesigen zionistischen Ortsgruppe sprach am •vergangenen Samstag Herr Julius Berner über das ־ Thema: Die Politik der d e u tsehen Juden, ein Nachwort zum Judentag in Frankfurt a. M. Eingangs seiner Ausführungen begriisste Redner den Verband der deutschen Juden als den aussichtsreichsten Versuch einer einheitlichen politischen Organisation der deutschen Juden und der Schaffung einer Vertretung der Gesamtintcrcssen der deutschen Judenhcit. Eine derartige Vertretung tue den deutschen Juden um so mehr not, als ihre politische Lage ausserordentlich viel zu wünschen übrig lasse. Durch die dem .Judentage erstattete Denkschrift des Justizrats Breslauer sei die ungesetzliche Zurücksetzung der jüdischen Referendare im Justizdienstc erwiesen, erwiesen sei auch, dass der Staat eine Prämie auf die Taufe setze und getaufte Referendare sogar in einem grösseren Verhältnis bei dem Einrücken in höhere Stellüngen berücksichtige als Nichtjuden. Auf allen Gebieten lasse sich eine von den Staatsbehörden geduldete und zum grossen Teile inaugurierte Zurücksetzung der Juden nachwciscn. Andererseits vernachlässigten auch die politischen Parteien die berechtigen jüdischen Interessen in jeder Beziehung. Itishcsondere die liberalen Parteien wären nicht nur nicht energisch genug für die vollständige Durchführung der vom Gesetze gewäiirieistetcii Gleichberechtigung der Juden eingetreten, sondern hätten auch dadurch, dass z. B. die nationallibcrale Partei Juden grundsätzlich nicht in die Parlamente entsendete, ein Beispiel das von den Freisinnigen vo es irgend gehe, nacligeahmt werde, ein gross Tel! Schuld an der ungerechten Behandlung der Juden auf sieh geladen. Diese Nichtberiicksichtigung der jüdischen Interessen lasse sich leicht psychologisch erklären. Von Anfang an hätten die Juden sich den liberalen •Parteien ohne Weiteres angeschh■5>en. wären immer die Sturmböckc des Liberalismus gewesen und hätten ihm nur zu bereitwillig die Kastanien aus den: Pen er geholt. Dadurch wären die liberalen Parteien In den Glauben versetzt worden, dass sie auf die jüdischen Stimmer, unter allen Umständen zählen könnten und sich nicht der unangenehmen Aufgabe zu unterziehen brauchten, für die jüdischen Interessen so nachdriicklich einzutreten, wie dies gegenüber jeder anderen Verletzung des Glcichbcrcchtigungsprirzips geschehen wäre. Eine Besserung könne nur erzielt werden, wenn die Juden sich geschlossen auf die Idee einigten, dass sic nur derjenigen Partei ihre Stimmen geben, die ihnen eine energische Durch- Setzung der Glcichbercchtigungsforderung garantiert. Man dürfe sich keiner Partei gegenüber von vornherein vcrpflichtcn. sondern müsse unter Hintansetzung allgemeiner Bestrebungen zunächst und nachdrückUc’st die endliche und tatsächliche Durchführung der Gleichberechtigung verlangen. Und da die Frage der Gleichberechtigung die Juden aller Schattierungen geeint fände und andererseits die liberalen Parteien durchaus nicht ohne weiteres auf die jüdischen Stirnn.cn ur.d die jüdischen Subsidien verzichten möchten, andererseits andere grosse Parteien auf ji.Jiscbc Stimmen z. B. bei Stadtratswahlen Wert legten und gerne zu Kompensationen auf politischem Gebiete bereit wären, wäre die Durchführung einer solchen Politik wohl möglich und bestimmt erfolgreich. Mit dem Wunsche, dass der Verband der deutschen Juden sich von dem bisherigen Wege des Einreichern«;׳'von Petitionen und . Bittschriften frei mache und zu dem allein richtigen Wege der Politisierung der deutschen Juden übergehe, schloss der Vortragende seinen von der Versammlung sehr beifällig aufgenommenen Vortrag. In der anschliessenden sehr lebhaften Diskussion kamen Freunde und Gegner der Ansichten des Referenten zum Wort. Herr Dr. H a n n o v e r betonte das Schädliche der bisher von den deutschen Juden •verfolgten Politik, sich den Liberalen mit Haut und Haar ausztilicicrn und keinerlei Gegenforderungen zu stellen. Das habe zu mancherlei Kuriositäten geführt. z. B. zu den bekannten Ausführungen der KÖLNISCHEN ZEITUNG über das Schächten, die einen Schlag ins Gesicht der Bekenntnisfreihcit der deutscheu Juden darstelltcn und denen gegenüber Redner auf das anerkennenswerte Verhalten des Zentrums in derselben Auge- .legenlieit hinwies. Wenn Redner auch nicht ohne Weiteres dazu auffordern wolle, dass die Juden Zentrum wählten, so sollten sic doch vorkomtuenden Falles nicht ohne Weiteres und : ohne jede Gegenleistung stell den liberalen Parteien aiisliefern. In seinem Schlusswort betonte der Referent noch einmal, dass er dagegen sei. dass die deutschen Juden sich für Irgend eine bestimmte politische Partei entschieden, sondern sie müssten so lange Gewehr hei Fuss stehen, als sie nicht von irgend einer Seite Garantien erhielten, dass ihre 'berechtigten Forderungen durchgefiilirt würden, und er - Redner glaube allerdings, dass wenn eine solche Garantie von uichtliberaler Seite ausgehe, sie mehr Vertrauen verdiene, als die eventuelle liberale Gegenkonzession. Denn die Liberalen hätten derartige Versprechungen schon viel zu oft gemacht und sie nicht gehalten, als dass man ihnen so leichthin Vertrauen schenken könne. Ausserdem sei cs auch taktisch unklug, sich ausgerechnet denjenigen Parteien anziischliessen, die nicht in der Lage seien. Einfluss auszuiiben, solange man eben Grund habe. Sonderiorderiingcn in den Vordergrund zu rücken. Und das sei es gerade, was die deutschen Juden unter allen Umständen tun müssten, wenn sie nicht noch länger die l’arias bleiben woilteil, die sie de facto heute in gesetzlicher und ministrativer Hinsicht darstelltcn. Lemberg. Wir benachrichtigen alle zionistischen' Vereine und Verbindungen über die Gründung der neuen zionistischen akademischen Verbind un g Ilasmonaea zu Lemberg; ersuchen zugleich alle Zuschriiten an die Adresse: ״H asmona ca, Lemberg, K 1 c p a - r o w sk a 4,“ zuzustcllen. David B r c n d c I, st. ined., h. S. X. Moritz K a z i n c l, st. iur. 11. S. XX. Josef Gerstniann, stt. med. h. S. XXX. Wien. In einer sehr stark besuchten Versammlung, welche der Zionistische Zcntralverein am 10. Oktober in seinem Lokal abhiclt, referierte G g. Adolf Böhm über den 8. Kongress. Den grossen Fortschritt könne man nur konstatieren, ,wenn man die Situation mit jener des 7. Kongresses vergleiche, auf welchem infolge des Todes Herzls und der Aufregung über das Ugandaprojekt chaotische Zustände herrschten. Der Territoriaüsniiis hat sielt inzwischen als Seifenblase erwiesen; die zionistische Bewegung, namentlich ihr palästinischer Grund- Charakter, ist wesentlich gestärkt, und die seinerzeit als Pr••־ visorium eingesetzte Leitung erwies sich als s׳» gefestigt, dass sie mit der grossen russischen Landsmannschaft einen Kampf Ire stehen konnte. Die oster r. Föderation setzte sielt übrigens für die Vertretung der russischen Zionisten im Engeren A.-K. ein. da sie ־der Ansicht war. dass unsere Leitung keine Verv.altimgsbehörde sei, sondern zu leiten und grosse Aktion.cn durchzuführen habe. Redner bespricht die Arbeiten des Kon* grosses, besonders die auf Palästina bezüglichen. Die Ein- Setzung eines P a I ä s t i 11 a a m t e s im Lande selbst begriisst Redner aufs wärmste. Er wendet sieb, gegen eine Bemerkung, welche in einer Versammlung der Poale-Zion gefallen ist, dass die .,Bürgerlichen‘* in der Frage der Sicdlungsgenossenschaft .,umgcfallcn“ wären. Er schildert eingehend die Situation am Kongress und legt dar. dass nur durch das Eingreifen der csterr. Landsmannschaft ein Kongressbeschluss in dieser Sache herbeigeführt wurde. Bezüglich der nationalen Erziehung in Palästina habe Dr. Lew ln Redners Ansichten bestätigt und dem Kongress die grosse Bedeutung der Kulturarbeit zum Bewusstsein gebracht. Bezüglich der Organisation sei eine Verschlechterung beschlossen worden. Anstatt festzulegen, dass jeder Zionist seiner Landesorganisation nngchören müsse, was das einzig Richtige sei. wurde sogar die Bildung i n t e r r i t o r i a I e r F ö r d c r a t i o n e n gestattet. Redner schildert noch das glanzvolle äussere Bild, das der Kongress bot, und den Verlauf der Verhandlungen, welche trotz der leider nicht immer genügenden Vorbereitung des Kongresses stellenweise ein hohes Niveau hatten. Wieder erwies sich, dass bei all seiner schlichten Einfachheit Prof. War bürg mit seiner ruhigen Klarheit und sachlichen Entschicdcnhcit der — nicht ,.ruhende'4, aber — feste Pol inmitten der stell bekämpfenden Richtungen war. An das Referat schloss sich eine lange und interessante Diskussion. Gg. Gross plädierte für die Schaffung besoldeter Sekretariate bei den Ressorts der Leitung. Es sprach noch Dr. K a d i s c h , der vor Einseitigkeit warnte und die Wichtigkeit betonte, welche eine sofortige Hilfe für die emigrierenden’Massen hat. ferner Dr. W c i s e n g r ii ti, der die Sicdlungsgenossenschaft nur als eines der nötigen Mittel betrachtet und angesichts der in Palästina betriebenen intensiven Kulturen auf die Produzeutengeiios-senscliaften hinwies. Nachdem noch einige Redner — darunter ein Genosse aus Riscliön-FZiön hebräisch — gc- Sprüchen hatten, forderte Gg. Bo 11 in die Anwesenden auf, auch die weiteren Abende so zahlreich zu besuchen, damit Wien wieder ein reges zionistisches Leben entfalte. Wien. Vereinigung jüdischer Jlochschiiler aus *Galizien Bar-Koehba in Wien VIII, Langegasse 5/7. Für das XXI. Semester wurde folgender Ausschuss gewählt: Präses: iur. Moses.Stöckel, Vi/epräses: iug. Josef Fbr a n 7. o s; I. Schriftführer: iur. Josef 11a ende!. 11. Schriftführer: iur. Pinkas Adlcrsbcrgs Kassierer: med. Victor K r c i s b c r g. Zürich. Zum Zwecke der Berichterstattung von seiten ihres Kongressdelcgierten, Herrn M. Fogall. hatte die zionistische Ortsgruppe auf Sonntag abend eine Versammlung einberufen, die sehr gut besucht war. Herr Fogall refcrierte in kurzer treffender Art über den Verlauf, die Ergcbnissc und die Beschlüsse des Kongresses, w׳ic sic bereits aus