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Jüdische Rundschau · 1907-11-01 · Heft 44 (1.11.1907) · page 13

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 44 (1.11.1907)
Date
1907-11-01
Page
– (sequence 13)
Language
German
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No. 44 JÜDISCHE RUNDSCHAU. Seite 4SI?um Hochschulstudium zugclasscn werden und deshalb ec- 7\vungen sind, ins Ausland zu gehen. Sic werden also die Bedingung der vorherigen Immatrikulation an einer russisehen Hochschule, die letzt gestellt wird, einfach nicht er-!'ringen können. Karlsruhe ist jetzt die einzige Technische Ifochschule, die noch nicht Ausnahmegesetze fiir ungetaufto russische Studierende jüdischen Stammes hat. Lütgendortmund. Neue S y n a g o g e n g c tu c i n d c. Die hiesigen Israeliten, die seit langer Zeit der Synagogengerncinde Dorstfeld angeboren, sind aus dieser Gemeinde rechtlich ausgetreten und beabsichtigen, eine neue Synagogengemeinde hier zu gründen. Die erforderlichen Schritte sind bereits bei den massgebenden Behörden cingclcitet. Hohensalza. Der Bau einer Synagoge ist nun soweit vorgeschritten, dass finde dieser oder Anfang nächster Woche das Richtfest gefeiert werden kann. Der imposante Bau wird der Sobaldstrassc zur höchsten Zierde gereichen. Göttinger!. Die hiesige Synagogengemeinde hatte die lirrichtung einer jüdischen Volksschule beschlossen und bei der Staatsregicrung den Antrag gestellt, diese Schule auf den Gemcindcctat zu übernehmen. Der Minister hat indes das Beciirinis zur lirrichtung einer israelitischen Schule nicht anerkanut. Die überwiegende Mehrzahl der jüdischen Kinder bcsucht die höheren städtischen Schulen. 1 Jüdischer Frauenbund iiir Kulturarbeit in Palästina. Der Jüdische Frauenbund fiir Kulturarbeit in Palästina scheint recht gute Fortschritte zu machen und es wäre dringend zu wünschen, dass er die reiche Unterstützung findet, die er J:ir seine hohen Ziele notig hat. Welcher Art diese Ziele Sind, hat der Frauenbund in seinem Aufrufe dargclegt, in dem cs hiess: ״Als erstes greifbares Ziel der Vereinstätigkeit wurde ins Auge gefasst: Krankenpflegerinnen i ii r Palästina aus zu bilden sowie ein Heim iiir Kranken- Pflegerinnen und Lehrerinnen cinzurichten. Mit diesem Heim soll eine f I a u s h a 11 u n g s s c 11 u lc verbunden Verden. Wir erwarten von allen Zionistinncn dass sie sich uuscrem Frauenbund anschlicsscn und in ihrem Bekanntenkreis dafür werben. Auch, in nichtziauistischcu Kreisen ist dies möglich, da es sich hierbei nicht um politische, sondern um rein menschliche Kulturaufgaben handelt. Der jährliche Mindestbeitrag beträgt 3 Mk. Hin einmaliger Beitrag von 100 Mk. berechtigt zur immerwährenden Mitgliedschaft. Beiträge sowie Spenden in jeder Höhe w erden von den Unterzeichneten, speziell von der Kassiererin sowie •von den Zahlstellen des Nationalfonds gerne entgegengenommen. Also an die Arbeit. Zionistinncn! Lasst sie euch nicht verdriessen! Zeigt, was Frauen vormögen, wenn sie nicht nur von Begeisterung erfüllt sind, sondem auch andauernd pflichtgetreu und tatkräftig arbeiten.‘ Der Vorstand des Frauenbundes besteht aus folgenden Damen: Frau Prof. War bürg. Berlin. Präsidentin. Fri. Prof. Schach, Versailles. 1. Vizcpräsidentin. Frau Dr. Fried- I ander. London, 2. Vizepräsidentin. Frau Dr. Boden- II c i m c r. Köln. 1. Schriftführerin. Frau Dr. Friede m a n n. Berlin, 2. Schriftführerin. Frau Jacobus Kann. Den Haag. L Kassiererin. Frl. stud. jur. Hoofien, Amsterdam. 2. Kassicrerin. Frau Prof. S c 11 a p i r a . Heidelberg Beisitzerin. Frau Dr. Markusc. Antwerpen. Beisitzerin. י* Amerika. Das Aufsehen, das die öffentliche Behauptung Jakob II. Schiffs hervorgerufen hatte: ״Zionismus sei unvereinbar mit wahrem Amcrikanertum“. und die energische und leidensdiaftlielie Abwehr, zu der die amerikanischen Zionisten demgegenüber gegriffen haben, hat Herrn Schiff veranlasst, in 1 inem zweiten offenen Briefe an Prof. Sehecliter seine ebenso unvorsichtige wie ungerechte Behauptung zu modifizieren. Zwar bcharrt er auch jetzt noch auf seinem Standpunkte der absoluten Ablehnung des Zionismus, aber er findet sich doch genötigt, zu erklären, dass es ihm durchaus fern gelegen habe. : u behaupten, Zionismus sei unvereinbar mit Patriotismus. Damit hat er aber den w e s e n 11 i c h c n Inhalt seines ersten Briefes zurückgenommen, und es ist kein Grund mehr vor- Iianden, sich darüber aufzuregen; denn das, was er sonst an Beweisen gegen den Zionismus vorbringt, ist ebenso alt wie der Zionismus seihst, und man kann unmöglich von den Zionisten verlangen, dass sic all das. was sie seit einem Jahrzehnt Tag für Tag wiederholen mussten, deshalb jeut aufs neue vorbringen, weil ein Jakob M. Schiff erst jetzt auf dem Punkte absoluter Verständnislosigkeit für den Zionismus angelangt ist. den seine europäischen Gesinnungsgenossen zum grössten Teil schon überschritten haben. BczalcI. Berlin. Sonntag, den 17. November um 10 ,.׳i Uhr vorm, findet im Saale der Grossloge fiir Deutschland, Berlin, Wilhelmstr. 118, die Hauptversammlung des Vereins ״B c z a I e 1*' statt, zu der auch Nichtmitgliedcr höflichst eingeladen werden. Tagesordnung: Berichterstattung und Neuwahlen., Einige fertjggcstclltc Teppiche werden zur Aussicht aufliegen. ( Nichimchl veröffentlicht ein Interview des Grafen Okunia, wonach er der Meinung Ausdruck gegeben haben soll, cs hestehe eine nicht veröffentlichte englisch-russische Vcrständigung in bezug auf die Balkanstaaten und Kleinasien, und hierdurch werde die Sorge wegen Entstehens zukünftiger Verwickehingen noch mehr beseitigt. i Marokko. Nach anscheinend verlässliche!! Meldungen wäre vorläufig von Mulay Hafid wenig zu fürchten, lniclge des Abfalls verschiedener Führer mit Gefolgschaft, des Mangels an Geld u n d ii hier B e h a 11 d 1 u 11 g der j ii - dischen Bevölkerung sei seine Aktionskraft bedeutem! geschwächt. Der Manager des Mulay Hafid ist.bekanntlich teuer Herr Ilolzmann, der sich Dr. nennt und der schon in Konsiantinopel zum Islam iil ergetrcten ist. Lodz. Unter der hiesigen und der in der Umgegend von Lodz wohnhaften orthodoxen jüdischen Einwohnerschaft herrscht, nach der LODZ ER ZEITUNG, grosse Aufregung wegen eines Dekrets, das drei der populärsten Rabbiner, und zwar einer aus Gtira-Kaluaria, einer aus Alexandrow bei Lodz sowie einer aus Sochatschew an die orthodoxe Judenschaft erlassen haben und das folgcndermassen lautet: ״Da wir in letzter Zeit eine Abnahme des religiösen Geistes, unter der orthodoxen jüdischen Bevölkerung beobachtet haben, werden alle unsere Glaubensgenossen gebeten, dahin wirken zu wollen, dass unter keinen Bedingungen ihre Kinder zum Unterricht in den allgemeinen Schulen, sondern nur zum Unterricht in den Chedern geschickt würden. Ausserdem ersuchen wir alle orthodoxen jüdischen Ehemänner dass sic ihre Frauen nicht dekolletiert und mit nackten Armen sowie mit eigenem Haar, sondern r.ur nach ritueller Vorschrift mit Perücken umhergehen lassen, widrigenfalls den Zuwiderhandelnden der Zutritt zu den jüdischen Gotteshäusern untersagt wird. Lodz. Der jüdische Bäckcrgescllenbund bringt zur offen!- liehen Kenntnis, dass durchreisende Mitglieder gegenwärtig in Lodz auf keine Unterstützung und Arbeit rechnen können, da zur Zeit infolge Arbeitsmangel selbst viele hiesige Mitglieder des Verbandes beschäftigungslos sind. . ....... ־ ו ״ <י -!,י י . u. 4 ׳ . Persönliches Persönliches. Die Trauung unseres Gesinnungsgenossen Dr. med. Emil Hirsch findet am 3. November um 5’i Uhr in der Synagoge Lützowstrasse statt. Unsere Gesinnungsgenossen Louis Lamm und Frau sind durch die Geburt eines Töeiiterchens erfreut. * I ... .."■י. .... —...ו■s!**ja _ י_ י! Briefkasten der Redaktion ^*11111'1^ ——-■־־. ..1 k£3 * ־"■ ---. Fräulein Bertha Ulilielder berichtigt die Notiz, in No. 42, Seite 459 der RUNDSCHAU betreffs ihres Referates. Sie hat 'licht über israelitische Hausbeamtiuuen-Vereine ge- .sprochen, denn ein solcher existierte nicht, sondern über den Allg. Deutsch. Verein fiir Hausbearntinnen. Sie hat nur eine Anregung gegeben, u׳ie ein solcher Verein zu gestalten w׳äre, Tälls vom jiid. Frauenbund eine derartige Organisation ins Leben gerufen werden soll.

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