Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VII (1907)
- Issue
- Heft 43 (25.10.1907)
- Date
- 1907-10-25
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 472 JÜDISCHE RUNDSCHAU. No. 43 kommenden taubstummen jüdischen Knaben, den der Pöbel ebenfalls halbtot schlug. Schliesslich suchten sic den Schlechter auf. Dieser wollte fliehen, wurde jedoch ergriffen und ihm dann unter dem Gcfohlc der Anwesenden der Bart und der Schnurrbart gewaltsam abrasiert. Die entmenschte Horde misshandelte dann noch eine Anzahl jüdischer Kinder. Wo in: zwischen die Ortsbehörde gesteckt hat. darüber schweigt der Bericht. Die Gendarmerie hat strenge Untersuchung cingcleitet. Aber überall beginnen sich in Ungarn wieder Zustände zu zeigen, die uns erinnern, dass dort blindwütender Judenhass unter der Decke des Liberalismus schlummert. So hat die Kossuth-Partci sämtliche ihrer Partei angehörigen jüdischen Abgeordneten, welche bisher wichtige Ausschussstcllcn iiinchatten und in denselben hervorragende Tätigkeit entfaltet hatten, anlässlich der Konstituierung des Abgeordnetenhauses von der Kandidatenliste gestrichen und durch zumeist rcaktionär schillernde Agrarier ersetzt. Selbst solche, um die Partei hochverdiente alte Mitglieder wie Soma Visontai. Siegmund Farkashazy. Moriz Szatmari. Edmund Parta u. a. wurden einfach übergangen. Im Parteiklub wurde ganz offen erklärt, dass die Abgeordneten jüdischer Konfession von den wichtigeren Ausschüssen ferngehalten wer* den müssen, um christlichen Kollegen Platz zu machen. Per Austritt eines Teiles dieser derart brüskierten, jüdischen Ab* geordneten aus der immer mehr judemcindliciicu Acbtund* Vierziger-Parte^ wird als sicher angenommen. Aus Marokko Das Deutsche Bureau der Alliance Israelitc Universelle stellt uns folgende Mitteilung zur Verfügung: Herr Elmalch, Direktor der Alliance-Schule in Mazägan. hat aus Mazagan (7. 10. 07) an die Leitung der Alliance 1s* rächte Universelle nachstehenden Brief geschickt: Von allen jüdischen Familien, die anfang August die Stadt verlassen haben, ist noch nicht eine zurückgekchrt. Der Umkreis von Mazagan scheint ganz ruhig. Muiay Hafid übt eine .wahre Schreckensherrschaft über die Stämme aus, die ihm anhangen, und für den Augenblick wenigstens darf man an eine Wiederkehr der Ruhe glauben. — Seit einigen Tagen haben wir einen neuen Kaid. Der frühere. EI Hamdounia, ist in Ketten nach Marrakesch gebracht worden, um sich wegen seiner franzosenfreundlichen Haltung zu rechtfertigen. Auch alle anderen Beamten in Mazagan sind durch Kreaturen Muiay Hafids ersetzt worden. Im Schoss der israelitischen Gemeinde hat sich seit August nichts geändert, nur das Elend ist noch grösser, die Verlassenbeit eine vollständige geworden. Die Zahl unserer Armen hat sich beträchtlich vermehrt, nämlich um alle Flüchtlinge aus Casablanca, die wir von den Arabern freigekauft und in unseren Schulen untergebracht haben. Bis jetzt sind etwa 250 nach Casablanca zurückgebracht worden, gegen 150 sind noch hier, und täglich treffen neue ein. Bisher haben die an Ort und Stelle aufgebrachten Mittel für den Freikauf der Gefangenen von Casablanca ausgereicht. Jetzt aber ist es unmöglich, neue Spenden zu erhalten, da die Vermöglichen in rühmlicher Hilf* I * * * 5 6;- bercitschaft bereits alles Entbehrliche hergegeben haben. Wir mussten deshalb bei einem hiesigen Geschäftsinhaber eine Anleihe von 75t) Pesetas aufucmcn. Diese Last ist für uns umso schwerer, als für den Freikauf unserer Glaubensgenossen noch weitere Mittel erforderlich sind und wir überdies für Nahrung, Kleidung und Beförderung nach Casablanca zu sorgen haben. Für die Armen von Mazagan selbst hat. abgesehen von den Spenden der Alliance und des Herrn Cohen, noch nichts geschehen können. Sie leiden buchstäblich Hunger. Seit meiner Rückkehr bin ich förmlich umlagert von den Unglückliehen, die ihr Leid mir zuschreiben als der einzigen Pers m, die ihnen Hilfe bringen kann. Es ist ein klägliches Schausov•. Zu allem Unheil hat der Winter mit Regen und Kälte eingesetzt, und die Aernistcn, die alles sogar ihre elenden Betten vorkaufen mussten, haben nichts, um sich ziiztidecken. Ich bitte Sie deshalb um neue Spenden sowohl für dio Annen von Mazagan wie flir die Flüchtlinge von Casablanca, und um die Beträge, die erforderlich sind, diese Flüchtlinge in ihre Heimat zurflekzubrmgen. Ehnakh. * Die Leitung der Alliance Israelitc Universelle, die bisher 40 000 Franks nach Casablanca. Mazagan und Marrakesch geschickt hatte, hat Herrn Elmalch auf den obigen Bericht hin alsbald mit den gewünschten Mitteln ausgestattet. Casablanca. Von einer unerhörten Gewalttat wird aus Marokko von zuverlässiger Quelle berichtet. Danach haben die verschiedenen sich dort bekriegenden marokkanischen Horden 250 junge jüdische Mädchen. Töchter von geflüchteten Juden, gefangen weg geführt. Ein Teil von ihnen wurde als Sklaven oder in die Harems der reichen Machthaber verkauft, der andere Teil wurde den Anführern der verschiedenen M c h a 11 a s preisgegeben. Darum regt sich niemand in Europa auf — es sind ja nur Judenmüdchcn. Kleine Mitteilungen Das BERLINER TAGEBLATT bringt folgendes Inserat: Alle diejenigen, die gesonnen sind, einer in kürzester Zelt In Wilmersdorl zu errichtenden Synagoge als Interessenten oder Mitglieder beizutreten, wollen sich melden unter .1. J. 664 Rudolf Mosse, SW. Städtische Stiftung. Am 24. November 1907 und 25. Februar 191V8 kommen aus Mitteln der Elias- und Friederike Meyer-Stiftung, Vermächtnis der Frau Mathilde Weigert geh. Meyer, eine Anzahl Kohlen- Unterstützung von je 1000 Stück Presskohlen au Juden und Nichtjuden zur Verteilung. Gesuche sind an die Städtische Stiitungsdcputation zu richten und müssen enthalten: 1. Vor-, Zuname, event. Geburtsnanie. 2. Geburtstag und (iehurtsort. hei verheirateten, verwitweten und geschiedenen Bittstellern auch des Ehegatten. 3. Angabe, oh und wieviel Kinder unter 14 Jahren am Lehen sind. 4. Angabe der Religion, ln jedem Gesuch muss ferner vom Armenkommissionsvorsfelier heschcinigt sein, dass Bittsteller und sein Ehegatte weder AImosen noch Pfiegegeld erhalten. Unvollständige Gesuche bleiben unberücksichtigt, ebenso alle Gesuche, die nach dem 12. November 19u7 eingeliett. 3 L J C Briefkasten der R ודש ב r: #־׳׳ 1 ״׳:non M. P. In Berlin. Israelitische F ii r s o r g e - E r - z i e h 1111 g s a n s t a 11 für Mädchen in P1 ö t z c n s e c . Siidnier. dcsgl. für minderjährige Knaben vom 6. Lebensjahr an in Repzin in Pommern. Beide verwaltet vom Deutsch- Israelitischen O c m c i n d c b u n d Berlin W. 35, Stcglitzcrstr. 85. W. L. Wir bestätigen Ihnen gern, dass der Satz in Ihrer kleinen Mitteilung (No. 42 S. 642 Z. 28) heissen sollte: ״Man sagt: Mögen die jüd. Architekten sehen, wie sie so weiter kommen, wir können keinen Grund finden, sie den Christen vorzuziehen.“ Die Hamburg-Amcrlka-Lfnie meldet: Nordamerika: D. Albano. 20. Oktober 5 Uhr morgens in New York. D. Armenia, von Baltimore kommend, 20. Oktober I Uhr 35 Min. nachm. Beachy Head passiert. D. Bliicher, von New׳ York kommend. 20. Oktober 4 Uhr nachm, auf der Elbe. D. Hamburg, von Genua nach New York. 19. Oktober 5 Ohr 30 Min. von Neapel. D. Kaiserin Auguste Victoria, nach New York, 19. Oktober 11 Uhr 31) Min. morgens Sciily passiert. D. Maccdonia, nach Philadelphia, 20. Oktober 3 Uhr 30 Min. nachm. Dover passiert. D. Patricia, 19. Oktober 6 Uhr nachm, von New York direkt nach Hamburg. D. Pennsylvania, nach New York, 20. Oktober 4 Uhr 45 Min. nachm, von Bouloguc sur Mer. D. Scliaiintbtirg. 19. Oktober in Galvestmt. Westlndicn, ,Mexico. Südamerika: D. Bavaria, nach Havana und Mexico. 20. Oktober 12 Uhr mittags in Antwerpen. D. Borussia, von Mittelhrasilien kommend, 2!>. Oktober 12 Uhr mittags von Funchal, D. Fürst Bismarck, nach Havana und :Mexico, 20. Oktober 11 Uhr morgens in Santander. D. König Friedrich August, von dem La Plata kommend. 19. Oktober (• Uhr naclmi. von Funchal nach Hamburg. I). Kronprinzessin Cecille, von Mexico kommend. 20. Oktober von Havana. D. Nordamerika. 19. Oktober in Havana. D. Patagonia, 19. Oktober von St. Thomas über Havre nach Hamburg. D. Rhactia, von Santos kommend. 18. Oktober von Rio de Janeiro. D. Sardinia, von Westindiern kommend. 19. Oktober II Uhr 30 Min. morgens Sciily passiert. I). Sparta, 20. Oktober Ui Peruambuco. Ostasien: D. Ainbrla, auf der Heimreise von Ostasien. 19. Oktober 8 Uhr morgens in Havre. D. Bclgravla, 20. Oktober 12 Uhr mittags von Hongkong. D. Brlsgavla, 19. Oktober von Tsingtau weitergegangeu und am 21. Oktober in Taku angekommen. D. Habsburg, auf der Heimreise von Ostasien. 19. Oktober 10 Uhr morgens in Havre. D. Hohenstaufen, 20. Oktober 2 Uhr nachm, von Mnji. I). Numantla. 18. Oktober 6 Uhr nachm, in Hongkong. D. Scandia, auf der Ausreise nach Ostasien. 20. Oktober 1 Uhr morgens Cuxhaven passiert. D. Scgovla. 19. Oktober von Sabang. D. Sucvla, 19. Oktober 6 Uhr morgens von Moji.