Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VII (1907)
- Issue
- Heft 43 (25.10.1907)
- Date
- 1907-10-25
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2651273-2651500-2651543--05132-2662140- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
No. 43 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 173 ausserordentlicher Hingebung hat er seit langer Zeit am Zionisnitis gehangen, In dem er sein Lebensideal sah und hat sich besonders auch der Charlottenburger Ortsgruppe gewidmet. Die Beerdigung findet am Montag Nachmittag unter grosser Beteiligung in Wcissensee statt. Sein Andenken wird in unserer Mitte zum Segen erhalten bleiben. Leipzig. Am 17. Oktober erlebte die zionistische Orts* gruppe Leipzig einen schonen Tag. Vor gefülltem Saale sprach in seiner bekannten glänzenden Art Herr D r. Elias Auerbach-Berlin über ״Taufen und Mischehen der deutschen .luden״. Lest griff er in die gefährlichste Wunde der westeuropäischen Judenheit, scharf gcisselte er ihre Hauptursachc, die unjüdische Erziehung der Kinder, und deutlieh zeigte er den einzigen Weg zur Rettung: Rückkehr zu dneni lebendigen und ganzen Judentum, jüdische Erziehung und indische Konzentration in Palästina. — Dem mit grossem Beifall angenommenen Vorträge schloss sich eine interessante würdige Diskussion an, in welcher 11. a. auch der Dozent iiir Religionsgeschichte an der Universität Leipzig, Herr Dr. A. Jeremiasdas Wort crgriii, wobei er sich als Freund der zionistischen Bewegung zeigte. Der Referent wiederlegte die Finwünde der Gegner in einer so sachlichen und überzeugenden Weise, dass man allgemein mit Befriedigung und in gehobe- 11er Stimmung die Versammlung verliess. Mehrere Neuanmeldüngen zur Ortsgruppe verzciclmetcn den unmittelbaren praktischen Erfolg des Abends, doch bedeutungsvoller war unser moralischer Sieg. la. Hamburg. Die zionistische Ortsgruppe Hamburg-Altona veranstaltete am R ds. Mts. im grossen Saale des Logenheims eine Versammlung, die von ca. 300 Personen besucht war. Oberlehrer Dr. Car leb ach. der bis jetzt am Lehrer- Seminar des .,Hilfsvercins der deutschen Juden" tätig war, sprach über das Thema: .,2לי Jahre in Palästina“. Wer, so führte der Redner aus. Palästina als den Boden betrachtet, der mit unserem religiösen und nationalen Empfinden auf das innigste verknüpft ist, der muss das Land trotz mancher unerfreulichen Erscheinungen lieb gewinnen. Das Land selbst ist gut. fruchtbar, sein Klima mannigfach und gut erträglich; wer es nicht bloss als flüchtiger Tourist kennen lernt, dem offenbart cs sich In seiner ganzen Schönheit. Schlecht dagegen Ist das türkische Vcrwaltungssvstem mit seiner Feind- Seligkeit gegen alle Kulturerrungenschaften, mit seiner Bestechlichkeit und Gesetzlosigkeit. Diese kulturfeindliche Tendenz der türkischen Verwaltung ist daraus zu erklären, dass man eine stärkere Invasion fremder Nationalitäten verhindern will. Man will das Land künstlich auf einer niederen Kulturstufe halten. Die Ansicdlung von Juden erfolgte früher , nur aus religiösen Motiven: an der Stätte alten Glanzes wollte man ein gottgcweilites Leben führen. Erst mit dem Beginn der Anlegung von Kolonien erhielt diese Ansiedlung nationale und wirtschaftliche Bedeutung. Seit Juden mit ihren Händen den Boden Palästinas bearbeiten, seit dort die Sprache der Propheten in Gesängen über die Felder tönt und von Kindern eesprochen wird, hat der nationale Gedanke in der jüdischen Bevölkerung tiefe Wurzel geschlagen. Gross war die Begeisterung. mit der der Präsident der zionistischen Orgauisation. David W o l f f s 0 11 n . überall empfangen wurde. Die Tätigkeit des ..Hilfsvercins der deutschen Juden" hat sich als sehr segensreich erwiesen, weil seine Leitung stets bestrebt gewesen ist. besonders bei Errichtung von Schulen, den nationalen und religiösen Bedürfnissen der jüdischen Bevölkcrimg Rechnung zu tragen. Ebenso Günstiges lässt sieb von den Schulen der Allianz nicht sagen. Die zionistischen Bank- Institute haben zur Befestigung der wirtschaftlichen Stellung der Juden wesentlich beigetragen. Die Chalukah, das System der Palästinaspende, fordert zur Kritik heraus, man darf aber nicht der Verdienste vergessen, die sich das System durch die Ansammlung und Unterhaltung jüdischer Massen in Palästina erworben hat. Der Vortragende schloss mit einem begeisterten Appell an die Opferfreudigkeit der ausserpalästinischcn Juden und forderte die Anwesenden auf. der Ortsgruppe beizutreten. Reicher Beifall iolgte den gehaltvollen und interessanten Ausführungen des Redners, der noch nach seinem Vortrag eine! Reihe von Fragen eingehend beantwortete. — Die Ortsgruppe ehrte Herrn O u s t a v T u c 11 wegen seiner Verdienste um die gesamte Judenheit durch Eintragung in das Goldene Buch des Jüdischen N a t i o n a l f 0 n d s. Frankfurt a. M.. 12. Okt. Gestern abend veranstaltete die hiesige Ortsgruppe ihren ersten dieswöchentlichcn Mitgliederabend, der sehr zahlreich besucht war. Zunächst referyste Herr Goitcin über die Ae n d e r u 11 g der Bank- Statuten. Der Referent schilderte ausführlich die Entstehung der 3ank und wies nach, dass niemals daran gedacht wurde, die kolonisatorische Tätigkeit auf andere Ländergebicte als Palästina und seine Nachbarländer atiszudehnen. Nachdem der Redner dargelegt hatte, dass auf absehbare Zeit die Leitung der zionistischen Partei immer so zusammengesetzt sein werde, dass tcrritorialistisclic Experimente seitens der Bank ausgeschlossen seien, zeigte er, dass selbst der gewonnenc Prozess ausserordentlich hohe Kosten verursachen würde, dass dagegen unser Unterliegen im Prozesse die Existenz der Bank geradezu gefährden würde, sei cs, indem Rückzahlung der Aktien an die mit der Statutenänderung imzufriedenen Aktionären angeordnet würde (und deren Zahl würde in diesem Falle durchaus nicht klein sein), sei es. dass der Richter die Auflösung der Bank verfügen würde. Er beantragte darum, folgende Resolution zu fassen: ״Die Frankfurter Zionistische Vereinigung stellt in Übereinstimmung mit allen massgebenden Faktoren im Zionismus auf dem Standpunkt, dass der J.C.T. nur in Palästina lind dessen Nachbarländern kolonisatorisch tätig sein soll; sie hält aber die Wciterfiihrurig des Prozesses behufs Abänderung der Bank- Statuten aus mannigfachen Gründen für unangebracht und erwartet, dass das A.-K. von der Weiterführung des Prozesses Abstand nehme.'* Nach kurzer Debatte wurde die Resolution c i 11 st i m ni i g angenommen. In der nächsten Woche wird Herr Davis Trietscli in einer grossen öücntüchcn Ver- Sammlung über die wirtschaftliche Entwicklung Palästinas in den letzten fünf Jahren sprechen. Bcuthen O.-S. Die hiesige Ortsgruppe veranstaltete am 8. Oktober ihre erste öffentliche Versammlung in diesem Wintcrhalbjahr. Es referierte der Dclegirte Rechtsanwalt Dr. Pobrzvnski über den VIII. Kongress. An seinen Vortrag schloss sich eine längere angeregte Debatte. — A11 der diesjährigen ordentlichen Generalversammlung wurden zu Vorstandsmitglicdern gewählt die Herren Dr. Dobrzynski, Oberkantor de Beer. Salo Guttmann, Dr. Pinczowcr und Kurt Locwenstamm. D. Gelhvitz. Am 17. d. M. fand die Generalversammlung der hiesigen Ortsgruppe statt. Aus dem Geschäftsbericht, den Herr Dr. Cassirer erstattete, ging hervor, dass die Mitgliederzahl sich ungefähr gleichgeblieben ist. dass dagegen die Schekclzahlerzahl gestiegen ist. Erstcre beträgt 50. letztere 125. Die Propaganda wurde betrieben durch Versendung der Nossigsehen Broschüre ״Die jüdische Volksbewegung" und durch Veranstaltung von 3 Agitationsvcrsammiungen. in denen sprachen: Dr. Elias Auerbach über ״Die Judenfrage", Dr. Obstier-Breslau über ״Die kulturellen Momente in der zionistisehen Bewegung" und Dr. Blöde-Nürnberg über ״Jüdische Zeitfragen". Der InnenaTbeit galten 5 Diskussionsabende, an denen Referate über ״Zehn Jahre Zionismus", ״Rachmones- Zionismus und Nationaljudentum“. ״Chowcwe-, Kultur- und Kongress-Zionismus", ״Patriotismus und Zionismus" und ״Das jüdische Volkslied" gehalten wurden. Ferner fand während der Kongresswoche eine Zusammenkunft statt, und endlich wurden ein Makkabäerfest und im Anschluss an die Wahl der Kongressdelegierten eine Herzl-Feicr veranstaltet. Die Spenden für den Nationalfonds und andere zionistische Zwecke betrugen im letzten Jahre *J02.3S Mark. Nachdem hierauf Herr Förder den Kassenbericht erstattet hatte, wurde dem Vorst;•»! Dccliarge erteilt und zur Wahl des neuen Vorstandes geschritten. Aus dieser gingen hervor: Herr Arthur Morgensteril als I. Vorsitzender. Herr Leo Förder als 2. Vorsitzender. Herr Pr. Cassirer als Schriftführer, Herr Hugo Scheycr als Kassierer. Ferner wurde im Wege der Statutenänderung bestimmt, dass der Vorstand siel! noch weitere Mitglieder mit beratender Stimme kooptieren dürfe. Die Wahl eines Sharekommissars und Biicherwarts wurde vertagt, dagegen zu Nationalfonds- und Schekclkommissaret! die Herren Hugo Orüubcrgcr •und Referendar Nothmann gewählt. Es folgte eine rege Diskussion über verschiedene Fragen der Propagan י•!. Ncugriindung des Hcrzl-Klubs usw. — Der Generalversamnihing voraus ging die Berichterstattung unseres Kongressdelegierten Dr. Hermann Stahl-Tarnowitz über den VIII. Zionistenkongress im Haag. Der Referent gab in einstüudiger Rede ein anschauliches Bild von dem äusseren Verlauf des Kongresses wie von den Kongrcssverliandlungen selbst und brachte die wichtigsten Beschlüsse zur Verlesung. — Der nächste interne Vortragsabend findet Ende dieses Monats statt und wird einen Vortrag von Franz Landsbercer-Breslau über ein noch näher zu bestimmendes Thema aus dem Gebiete der jüdischen Kunst bringen. y Prag. Jüdische akad. - techn. Verbindung Barissia. H. Salmgassc 16/2003. Ergebnis der CI1 a r ge n wa h! c n für das Wintersemester 1907/0$: .1. U. C. Jaro Stein X (XXX, XX, FX, X), phü. Heinrich Witt-