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Jüdische Rundschau · 1907-10-10 · Heft 41 (10.10.1907) · page 11

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 41 (10.10.1907)
Date
1907-10-10
Page
– (sequence 11)
Language
German
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No. 41 JÜDISCHE RUNDSCHAU. Seite 44? ich jetzt der. 1111 Innern des Landes und an der Küste zerstreuten Glaubensgenossen zu. , Die Verteilung der Spenden hat unendliche 'Miihfc gemacht. Bei der Auflösung aller Autorität fand ich bei niemand Hilfe, wohl.aber überall Beschwerden und -- Kritik. Ausnahmen bildeten einzig die Herren Banabu und David Alexander, die mir bei der Aufstellung der Liste der Bedürftigen von grossem Nutzen gewesen sind. (Diese Listen, in denen die Namen der Unterstützten und die ihnen gegebenen Betrüge verzeichnet sind, bleiben als Unterlagen für den Rechenschaftsbericht einstweilen im Archiv des provisorischen Komitees.) Soeben erhalte ich den beiliegenden Brief, der mir in der Abwesenheit des Herrn von Rothschild ausgelüindigt worden ist.' Wie ich erfahre, hat die Gemeinde von Mazagan sich die grössten Opfer auferlegt, um unsere Glaubensgenossen aus Settat freizukaufen und sie zu ernähren. Doch muss sie eine grosse Zahl fortschicken, weil sic bereits überlastet ist. Den Absendern des Briefes habe ich alsbald Ermächtigung geschickt, alle Familien auszulösen. die in der Gewalt der Araber sind, und ihnen einstweilen 151h» Ers. zur Verfügung gestellt. Gleichzeitig habe, ich Herrn. Elnialch von der Lage unterrichtet, damit er sich nach seine .Rückkehr nach Mazagan mit der Repatriierung dieser Unglücklichen beschäftigen könne. Heute früh kam aus Mazagan ein Zug von 123 Personen, die .von der Gemeinde freigekauti und von Herrn Zenaty, einem Notabclcu von Mazagan. hierhcrgeleitet waren. Pisa. Anlage. Mazagan. 17. September 1907. Wir beehren uns. au die menschlichen und grossherzigen Gefühle zu appellieren, die Ihnen die Bewunderung und die Dankbarkeit der Völker eingetragen haben. Infolge der kritischen Lage in Mazagan haben tust alle bemittelten Israeliten das Land verlassen. Wir aber sind unserer Geschäfte willen hier geblieben und haben vom ersten läge an es als unsere Pflicht gehalten, den 2!'Ü Brüdern, *die stell hier in tiefstem Elend befinden. Hilfe zu leisten. Während unsere Mittel so grosser Not gegenüber schon unzureichend waren, kamen die Araber vom Laude, um uns den Ereikauf der Unglücklichen anzubieten, die in Casablanca und anderen Ortschaften• gefangen worden waren. Es sind bereits 609 solcher Israeliten in Mazagan eingetrofien. Unser guter Wille wird niemals aufhören. aber unsere Mittel gestatten uns eine weitere wirksame Hilfe nicht. Wir vertrauen Ihrer edlen und mächtigen Intervention, auf die wir mit bewundernder• Zuversicht rechnen.• Genehmigen Sie den Ausdruck unserer Dankbarkeit und Ergebenheit.. Aron A. Zcnaty. Casablanca. 26. September 1907. Heute früh sind 150 Israeliten, die von der Gemeinde Mazagan freigekauit waren, durch unsere Vermittlung repatriiert worden. Sie kamen in beklagenswertem Zustand an. Wir haben ihnen die nötige Hilfe geleistet. Die von Herrn von Rothschild geschickten 20 000 Ers. sind in Händen des Kon»- mandanten Mangin. 6000 bis 7000 Ers. sind für Matratzen. Decken und Kleider ausgegeben worden. Eiir den Rest schlägt Kommandant Mangin folgende Verwendung vor: Ankauf von Rohstoffen zur Herstellung von Leinewand für Kinder und Brauen. Israelitische Frauen sollen mit dem Weben und Zuschneiden beschäftigt werden und dadurch einige Monate Arbeit haben. -- Reinigung und Desinfektion des Mellall. — Organisierung der Arbeiten zur Säuberung des Innern der Häuser, ihrer Abwaschung mit Karbolwasser, und zum Wcisscu der Mauern. — Ankauf einiger Esel für die Strassenaufsehcr im Mellah usw. — Das provisorische Komitee wird sich über die Vorschläge äussern. Pisa. Casablanca I. Oktober 190/. Ich beehre mich. Ihnen die Nachrichten zu übermitteln, die ein von mir nach Uleid-Uriss. Uled-Zyan, Ndakra und bis nach Settat entsandter Kurier gebracht hat: Das Land ist öde und verlassen. Der Kurier begegnete unterwegs nur einigen Familien, die. von den unterworfenen Stämmen frcigelasscn nach Casablanca zuriickkclirtcn. Die Hauptmasse der Flüchtlinge scheint sich nach Settat zurückgezogen zu haben. In dieser Stadt hatten sich jüngst 700 bis 800 Seelen aiigesarnmelt. von denen etwa 350 nach Mazagan und Rabat zurückgekehrt sind. Gegen 400 Personen blieben in Üusserstem Mangel zurück. Herr David Amur, der in den ersten Tagen sielt damit beschäftigt hatte, sic aufzunehmen, zeigt trotz der Hilfsmittel, die sich ihm zur Linderung des Elends dieser Unglücklichen zur Verfügung stellte, jetzt nur noch massige Teilnahme und Fürsorge. Eine Zurückführung in Massen ist zur Zeit untunlich, weil Settat jetzt von dem Stamm der Schaujas besetzt ist und seit gestern das Gerücht sich hartnäckig erhält, dass die Mahalla des Oegcnsultaus Mulav Hafid zu den Schaujas gestossen sei. Man weiss noch nicht, welche Haltung die beiden Sultane entnehmen werden: cs scheint aber, dass die Hauptentwicklung des Dramas sich in dieser Gegend vollziehen wird. Unter solchen Umständen ist cs für uns äusserst schwierig, zu entscheiden, ob wir die Flüchtlinge hierher sollen kommen lassen oder ob wir ihnen Unterstützungen schicken sollen. Ihre Lage zwischen den beiden Sultanen und inmitten einer unentschiedenen ßevölkerung ist überaus besorgniserregend. Mit Freude teile ich Ihnen mit. dass eine der Fricdensbcdingungen. die General Drude. Admiral Pliilibert und Herr Malpcrtuy den Stämmen auferlegt haben, die Freigabe aller von ihnen während der jüngsten Ereignisse gemachten Gcfangeneu ist. Aus den Zeitungen wissen Sie, dass fast alle Stämme in der Umgehung von Casablanca ihre Unterwerfung angcmcldct haben. Es sind demgemäss auch alle Israeliten, die sich bei ihnen befunden, in die Stadt zuriiekgekehrt. Pisa. Berlin. Vom Hilfsverein der Deutschen Juden wird uns geschrieben: Herr Dr. Paul Nathan vom Hilfsvcrcin der Deutschen Juden hat eine mehrmonatliche Reise angetreten, um die iiidisehen Verhältnisse im Orient einleitend zu studieren. Er wird auf seiner Studienreise von dem Arabisten. Privatdozent au der Berliner Universität, Herrn Dr. Eugen Mittwoch begleitet Seinen ersten Aufenthalt nahm Her! Dr. Nathan in Soiia. Herr Dr. Nathan wurde hier vom Grossrabbiner von Bulgarien, Herrn Dr. Ehrenpreis aufs freundlichste empfangen, ebenso von den Vertreten! der aschkcnasischcn Gemeinde, dem Vor- Steher Herr Josef Färber, dem Präsidenten des Scliulkomitoes Herrn Mendel Adler, ferner von den Herren Dr. Feuerstein, Oscar SrJomon. Hermann Bierstein und Binder. Im Mause des Grossra! biners hatte Herr Dr. Nathan auch eine Besprechung mit den Vertretern der spanioHschen (Je- »neiiide, den Herren Reclit.-anwalt Resetoif, Aral! und Arie. In eingehenden Erörterungen wurden die Möglichkeiten diskutiert iiir einen weiteren Ausbau des Schulwesens. Die bisherigen Leistungen des Hilfsvereins wurden dankbar anerkannt, und von der weiteren Tätigkeit werden segensreiche Folgen erhofft. Den Wunsch nach Anstellung eines hebräischen Lehrers wird der Hilfsvcrcin gern criüüen. In Philippope! wurde Herr Dr. Nathan von dem Präsideuten des Synagngenkornitees. Nissim Sidi. den Herren Pardcj und Capon, sowie von dem Präsidenten des Schulkomitees Dr. Romano und Herrn Aron Romano empfangen. Auch hier fand das Werk des Hilfsvereins ausserordentlich günstige Bemteilung. Eine an Herrn Dr. Nathan gerichtete Bitte um Be- Schaffung von Anschauungsmaterial und Frübelrnatcrial w׳urdc von» Hillsverein sofort cutsptochen. Im weite»en Verlauf seiner Reise traf Herr Dr. Nathan dann in Konstantinopel ein. Die drei Schulen des Hilfsvereins dort die ״Or Thora Schule“, die Schule ״Seror ha-chaiim‘- und die Schule ״Achrida“, die bereits über 600 Schüler zählen, wurden eingehend besichtigt, und in einer Reihe von Kon jerenzen mit dem Schulleiter Herrn Dr. Marcus wurden die Einzelheiten des weiteren Ausbaues und die Lehrpläne festgesetzt. Der Chacham Basel!!**) Hess Herrn Dr. Nathan bei seiner Ankunft in Konstantinopel durch einen Vertreter begrüssen. In einer persönlichen Besprechung mit Herrn Dr. Nathan äusserte sich der Chacham Baschi ausserordentlich günstig über das Werk des Hilfsvereins und versprach es In jeder Welse zu fördern. Bei der Abreise Hess er Herrn Dr. Nathan wiederum durch einen Vertreter Adieu sagen. Von Konstantinopel setzte Herr Nathan seine Reise nach Syrien und Palästina fort. *) In Konstantinopel gibt es seit langen Jahren keinen Chacham-Baschi, sehr, zum Schaden der türkischen Juden, sondern nur einen Stellvertreter ״Kaimakäm Eifendi“. Die Schuld an diesem Zustande trägt in erster Linie der Kaimakäm Effendi. selbst. Die Red. Golusblüten Inowraclaw Ist tatsächlich germanisiert. Die BRESLAUER ZEITUNG enthält am שנת, 5. Oktober 1907 das folgende Inserat: Ein prächtiger Sonntagsjunge ist angekommeu. Mas David und Frau Paula, geb. Kempner. Kchensalza, Jacobstrasse II. dem Der junge Sonntags-David heisst also Manfred- Arni m. Ob in ilohcnsalza auch Sonnabend-Jungen ankommen?

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