Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VII (1907)
- Issue
- Heft 41 (10.10.1907)
- Date
- 1907-10-10
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2651273-2651500-2651541--05080-2662086- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
/ ראס 00 0 Abonnemcntspre.'s. einschliesslich LITERAT URBLATJ «lerUIjihrlich: . 1. durch die Eipedition: a) In Berlin —,90 Mark, b) nach aus* *ärts I,- Mark, c) (Ür das Ausland 139 Mark. 2. Im Pottabonnement 1,25 Mark. Inser.tonsprcls die viergespaltene Petit-Zeile oder deren Raum 25 Pfennig. Allgemeine Jüdische Zeitung‘ Redaktion: BERLIN NW. 52, Melanchthonstrasse 4. Telephon: II, 3537. Expedition und Adresse für Geldsendungen und Bestellungen: Vorlag indisch• Rundtchiu, E. 0. m. b.tl, Berlin N.&4, Augustttrane 49a. QetchSfUttundea der Expedition täglich (ausser Sabbat und Sonntag) vormittags 10—1, nachmittags 3—7 U*״ Alle Rechte Vorbehalten. Abdruck aus der JUF.DI5CHEN RUNDSCHAU nur bei voller Quellenangabe gestattet. Nummer 41 Berlin, 2. Cheschwan 5668 10. Oktober 1907 1 XII. Jahrgang Liberale Konsequenz Während der christliche Religionsunterricht mit Recht ausschliesslich dazu bestimmt ist. christlichen Kindern Kenntnis von ihrer Religion und Liebe zu ihrem Glauben cinzuprägen, will es das libcralq Dogma, dass der jüdische Religionsunterricht zwar vielleicht auch irgend etwas Jüdisches, was man doch nicht ganz umgclicn kann, zum Gegenstände habe, dass er aber dem Unterricht im Patriotismus gewidmet sein soll. Dabei versteht inan unter Patriotismus keineswegs das Interesse des Staates und Volkes, sondern ledig!ich die Anschaumigen der jüdischen Sekte, zu der die Gruppe hinneigt, die infolge ihres Reichtums ein unveräusserliches Recht hat, sich liberal nennen zu dürfen. * Der Nationalismus dieser Liberalen, die eben in Wahrheit keine Liberalen sind, ist ein ganz eigenartiger. Denn wenn der deutsche Nationalismus etwas ganz Unabhängiges davon ist, wie andere Nationen zu ihren Angclegenheiten stellen, erfordert der deutsche liberale Judenpatriotismus nicht bloss die Erziehung zum deutschnationalcn Standpunkte im jüdischen Religionsunterricht, soiidern er verlangt auch die Erziehung der französischen Juden zu französischen Nationalisten und die. der Warschauer Juden zu — ja, wie man’s nehmen will — zu polnischen oder russischen Patrioten. Nun hat der deutsche Patriotismus bei Leibe nichts mit dem französischen zu tun, und der Deutsche hat gar kein Interesse daran, ob der Franzose iranzösischnational ist oder nicht. Aber gerade hierin zeigt sich wieder einmal recht krass die Unechtheit des liberalen Talmipatriotismtis. Dabei müssen wir ausdrücklich feststellqn. dass dieser angebliche jüdische Genicindeliberalisnms natiirlieh gar nichts, absolut gar nichts Gemeinsames mit dem politischen Liberalismus hat und dass er eben nichts anderes ist, als der noin de guerre der Sonntagsrcformgemeinde, die w ir vom jiidisehhisiorischen Standpunkte nur als eine im Judentuine unberechtigte Sonderbildung, als eine Sekte auscheii können. Gewiss hat eine Gruppe politisch Liberaler das Geiilhl, dass sie ihren Liberalismus auf das Gebiet der religiösen und philosophischen Uebcrzeugimg übertragen müsse und identifiziert gleichzeitig die jüdische Nation mit einem religiösen Dogma, so sehr, dass sie das Vorhandensein eines jüdischen Typus, leugnet. Man braucht sich nur die Artikel der letzten Wochen in den politisch liberalen Blättern anzusehen, die sie über die Adventisten geschrieben haben, um zu verstehen, dass auch der politische Liberalismus kein Verständnis für eine opfermutige Uebcrzeugimg hat und dass es ״politische•• Erwägungen sind, nicht die Frage der Wahrheit und Gerechtigkeit, von der sich viele seiner Blätter leiten.lassen. Dass auch der jüdische Gemeindeliberalismus sich lediglich von solchen ״politischen“ Erwägungen leiten . lässt, wird uns klar, wenn wir uns erinnern, wie die Berliner Jüdische Gemeinde einen ihrer besten Rabbiner über Knall und Fall entliess, weil er ihrer Ghettofurcht-. Politik einen Schreck in alle Glieder jagte, als er einem Schuldirektor in Charlottenburg gegenüber frei und freimutig sich über die Verwerflichkeit des Abfalls vom• Judcntiime äusserte, was kraft seiner Abstammung grade dieser Schulvorsteher nicht begreifen konnte.. Diese Politik lässt den jüdischen Genieindeliberalisnius seine eigenen Grundsätze verleugnen. Man braucht gar: nicht liberal zu sein und kann doch feststellen, dass vier Fünftel zum mindesten von allen Mitgliedern des Idiüs- Vereins der Deutschen Juden der äussersten liberalen. Richtung angehören. Dieser Hilfsvercin aber stellt an• die Lehrer seiner Jerusalemer Schulen so grosse Aniorderungen an ihre Zugehörigkeit zur äussersten Orthodoxie, dass eine hervorragende.pädagogische Kraft lediglich aus diesem Grunde vom Lehramt zurückge,- wiesen wurde und dass ebenso der soeben als Geschichtsichrer für das Jerusalemer Lehrerseminar angenommene Dr. Israel Scliapiro vor seiner Anstellung von einer als ultra-orthodox geltenden Seite die Bestätigung bekommen musste, dass er in religiöser Hinsicht den Ansprüchen dieser Seite vollauf genüge. Man kann selber der gesetzestreueu Richtung angehören und wird doch hierin eine I1;k׳.r! eque-nz und falsche Politik des jüdischen Liberalismus erblicken; müssen. Denn wenn er seinen Prinzipien treu wäre, wenn es ihm Ernst wäre mit sein.*11 freisinnigen An־' schaumigen,_su müsste er auch annehmeu, dass d'eselbui philosophischen und naturwisenschaftüchcn Wahrheiten; in Jerusalem gelten müssten, wie in Berlin. Aber ein Liberalismus, der verlangt, dass in Berlin allmählich der Sonntag bei den Juden die Stelle des Sabbat cimiehmeii solle und der in Jerusalem die Grundsätze systematisch lehrt, die er in Berlin bis aufs Messer bekämpft, beweist, dass es ihm nicht Ernst ist mit der Gewissensfreiheit, nicht Ernst mit der freien Forschung, nicht Ernst mit der