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Jüdische Rundschau · 1907-08-30 · Heft 35 (30.8.1907) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 35 (30.8.1907)
Date
1907-08-30
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Bevor ich än mein Referat gehe, mochte ich zuerst die Frage des Herrn Dr. Gronemann in meinem Namen und im Namen des ganzen Direktoriums dahin beantworten: Wir sind auch mit keinem einzigen Grosehen an irgend einem Zeitungsunternehmen der ganzen Welt beteiligt; ich glaube, diese offizielle Erklärung wird gelingen. Dr. Gronemann: Vielleicht könnte diese Erklärung auch auf die Eragc ausgedehnt’werden: War die Kolonialbank an einem Zeitungsunternchmcn beteiligt? Dr. Katzen clsohn: Die Kolonialbank hat für eine gewisse Aktion eine finanzielle Operation gemacht, die aber, mit einem Profit gedeckt, abgeschlossen wurde. Weiter sind wir absolut nicht beteiligt. — Dr. Katzeneisohn geht sodann zum eigentlichen Referat über: Verehrter Kongress! Es war vielleicht einer der günstigsten Gedanken von unserem verewigten Führer Dr. Herzl, dass er versucht hat, nicht nur die Imponderabilien, sondern auch die materiellen Kräfte des jüdischen Volkes, die nach allen Richtungen zerstreut waren und sich deswegen auch nach dem Gesetze der Mechanik aufgehoben haben, unter einem Winkel zu vereinigen. Also, wenn es auch nicht geht, dass sie an einem Punkt angesetzt sind, so sollten sie doch wenigstens in einer Fläche arbeiten, und nach dem Gesetze der parallelen Kräfte sollte sich eine Resultante bilden, die nach Zion, nach Palästina führt Und von den matericiien Kräften sollte der J. C. T. — die jüdische Koloniaibank — die Hauptkraft bilden. Es sollte ein Finanzinstitut sein, um, wenn es nötig, die Heizkraft, die Kohle dafür zu haben, um unser hohes Ziel durchzuführeii. (Lebli. Beifall und Händeklatschen.) Meine Damen und Herren! Nachdem wir nun jetzt ungefähr 8 Jahre dieses Institut haben, so dürften Sie mir wohl, wenn auch in ganz kurzen Worten eine Rückblick gestatten. Sie werden es mir nicht verdenken, meine Damen und Herren, wenn ich Sic hier weder mit Zahlen, noch mit Daten beschüftigen werde. Dafür haben wir unsere Generalversammluug, welche Mittwoch stat-tiindet, in der wir alle Einzelheiten genau durchspreclien und über alle geschäftlichen Angelegenbeiten diskutieren werden. Hier handelt es sich nur um die Prinzipien der Bank und zugleich darum, mit einigen Worten die allgemeine Lage zu beleuchten. Diese ist wohl irn allgcmeinen ziemlich bekannt. Die Entwicklung der Bank nimmt einen sicheren, ruhigen Verlauf. Es ist eine aufsteigende Linie in ihrer Tätigkeit und Entwicklung zu konstatieren, und wenn diese Linie manchem auch etwas langsam erscheint und wir von Merzen gewünscht hätten, dass dieses Tempo ein schnelleres werde, so kann dies nur in der Weise geschehen, wenn unsere Freunde, die Zionisten in der ganzen Welt, für unser Institut nicht nur ein platonisches Interesse bekunden, sondern auch mH Taten eingreifen und mehr Depots in die Bank legen, um dieselbe zu dem Institut zu machen, das wir erwartet haben. (Lebhafte Zustimmung.) Ich glaube kaum. Ihnen erst sagen zu müssen, dass das Direktorium stets die bekannten Worte Herzls beherzigte: dass wir da wie ein ängstlicher, fürsorglicher Familienvater zu Werke gehen müssen. Und ich muss sagen, dass wir eher zu ängstlich als zu kühn in der Sache Vorgehen. Unser Endziel ist nicht das einer Dividendenbank, die den Profit austeilt, sondern der Hauptzweck besteht darin, unsere Kapitalien sicher anzulegcn, und sobald der richtige Moment kommt, diese zu verwenden, sie in Bereitschaft zu haben. Und In dieser Beziehung kann ich Sie versichern, dass alles geschehen ist, um die Kapitalien der Bank stets in Sicherheit und mobil zu haben, um im nötigen Moment sie verwenden zu können. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Nun möchte ich noch auf ein Tätigkeitsgebiet der Bank zurnckkommen, und das betrifft unsere Tochteranstalt, die Anglo Palestine Company, die, wie ich hier mit Freuden konstatieren möchte, eine sehr schnelle und sehr schöne Ent- Wicklung nimmt. Ich glaube nicht zu übertreiben, wenn ich sage, dass die A. P. C. im Leben des Orieats jetzt einen nicht zu vernachlässigenden Faktor bilde. Und mit der Ausdehnung dieser Filiale auf Jerusalem, Beyrut und Hebron und — wie Sie in der Eröffnungsrede unseres verehrten Präsidenten gehört haben — bei der Hoffnung, dass wir bald eine Bankfiliale in der Hauptstadt des türkischen Reiches errichten werden, werden Sie zugeben, dass wir hier eine Entwicklung haben, mit der wir recht zufrieden sein können. Allerdings, wenn ich, wie hoffe, bei der Errichtung der Eiliale in Konstantinopcl zugegen sein werde, werde ich mich eines wehmütigen Gefühles nicht erwehren können, dass es unserem seligen Theodor Herz.!, dessen höchster Wunsch die Errichtung einer Filiale in Konstantinopel war, nicht vergönnt ist, diese Eröffnung zu erleben. Aber wir werden vielleicht darin einen Trost finden, dass wir alle Stein auf Stein legen, um diesen Grundplan weiter zu führen und zu verwirklichen. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Nun, meine Damen und Herren, muss ich Sie leider m‘: einem wichtigen Kapitel aus der Tätigkeit des Direktorium in der letzten Zeit beschäftigen und muss Sie um Verzeihung

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