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Jüdische Rundschau · 1907-08-23 · Heft 34 (23.8.1907) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 34 (23.8.1907)
Date
1907-08-23
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Zehn Jahre sind es her, seitdem von der ersten zionistischen Tribüne in Basel der Schnsiichtsschrei des jüdischen Volkes, der Ruf nach Raum, Licht und Leben im Lande der Väter in die Welt hinausklang. Genau vor zehn Jahren, als uns:r unvergesslieher' Theodor Herzl den ' ersten Zionisten ־ kongress eröfirictc, sprach er die denkwürdigen Worte aus: ״Ein Volk muss sich selbst helfen.“ Und ein Blick zurück auf die Geschichte der verflossenen zehn Jahre unserer Arbeit kann nur dazu angetan sein, die tiefe Wahrheit, die in diesen Worten liegt, zu bestärken. Wohl fühlten wir uns schon, an der Schwelle unserer Tätigkeit stehend, für unser Ideal hoch begeistert und erglüht; doch waren wir schwach und winzig, und mit leeren Händen standen wir da. Den einen waren wir schwärmerische Gestalten, den anderen unbequeme Störenfriede. Man glaubte, uns mit einem spöttischen Achselzucken abtun zu können. Docli kiinimerten wir uns ebensowenig um die phlegmatische Gefiihllosigkeit als um die gegen uns gerichteten Angriffe des Missverstandes. Die Richtschnur unseres Arbeitsprogranmics war die Selbsthilfe. Und siehe, in unaufhaltsam fortschreitender Bewegung vollzog sich die Sammlung unserer Kräfte und die Gründung unserer Institutionen. Seit jener ersten Tagung in Base! 1897 haben sich unsere Kongresse einem mächtig anschwcllenden Strome gleich gestaltet. Wir können nicht mehr als Utopisten beiseite geschoben werden. Keinerlei Bannflüche sind imstande, uns aus der Welt zu schaffen. Ja, als wir von dem grössten Unglück, das eine junge Grganisation treffen konnte, hcimgesuciit worden sind, als unser Führer in unvollendeter Tagesarbeit uns durch den Tod entrissen wurde, da glaubten manche, die Be- Regung sei tot. Es war aber nur ein Scheintod. Der Kongress wird es kuiidtim, das der Zionismus sich in der Vollkraft des Schaffens befindet. Die Ungeduldigen »nd Zweifler, die, einer pessimistischen Anschauung huldigend, auf dem vorigen Kongress ״Auf Nimmer- Wiedersehen“ riefen, hatten keinen richtigen Einblick •n die unverwüstlichen, volkstümlichen Kräfte unserer Idee. - Sindwir doch'wieder im Zeichen Zions vereint und versammelt und werden - uns immer und immer wieder für unser Ideal vereinigen und versammeln. Von diesen Gefühlen bestärkt und gehoben, haben wir uns nun zum achten Zionistenkongress versammelt, und diesmal im Lande des siegreichen menschlichen Kampfes mit der Natur und der mittelalterlichen Tyranr.ei, im reichgesegueten Holland. Fiirwahr, uns Juden ist Holland kein unbekanntes Land. ׳ Eine versunkene Zeit zieht vor uns herauf. War cs ja •hier, wo viele unserer Volksgenossen, die vor den Furien der Inquisitiou geflohen, eine Stätte des Friedens gefunden haben. Anderwärts durch Gewissenszwang gequält und durch brutale Gewalt zu Tode gehetzt, wurden sie hier liebevoll aufgenommen. Hier fielen die letzten Strahlen der untergehenden Sonne der spanisch-jüdischen Glanz¬ Periode. Denker, Dichter und Künstler unseres Stammes haben nicht wenig zu dem Ruhmeskranze Hollands beigetragen. In den schönen Gauen der Niederlande, unter der milden Herrschaft des ruhmesreichen Hauses Oranien, an der Seite des guten, biederen holländischen Volkes zeigten sie, welche schlummernden Kräfte und Talente die Freiheit aus der Seele des jüdischen Volkes herauszuzaubetn vermag. (Beifall). Es wurde ihnen nicht nur die zur Existenz nötige Ruhe gegönnt, sondern auch die Möglichkeit gegeben, als schaffende Bahnbrecher und Pioniere auf vielen Gebieten erfolgreich zu wirken. Unter holländischer. Flagge segelten sie auch nach anderen, Ländern, um neue Zufluchtsstätten für unser Volk zu finden. Es ist dies ein Band rührender Erinnerungen, das sieh um dieses Land und die Juden schlingt. Und r.ccli ein.: Gedankenverbindung drängt sich uns auf. vVerden doch hier in dieser schönen Stadt, wo wir uns eben befinden, Anstrengungen gemacht, die zivilisierten Völker einander näher zu bringen, um den Weltfrieden zu fördern. In einem Lande mit solchen Tradilionen in der Vergangenheit, und mit einer solchen Scadüng in de.r Gegenwart glauben wir mit Recht auf *einen Widerhall unserer Bestrebungen hoffen zu dürfen. (Stürmischer Bcifalh) ‘ ־ Geehrter Kongress! Zwei Jahre sind .seit dem siebenten Kongress verflössen, und' tiefe Spuren haben sie in unserer Leidens-! *־־* t t- *>

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