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Jüdische Rundschau · 1907-08-09 · Heft 32 (9.8.1907) · page 11

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 32 (9.8.1907)
Date
1907-08-09
Page
– (sequence 11)
Language
German
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ו ,**י• ... ►י täjwKä *■X No. 32 JÜDISCHE RUNDSCHAU. Seite 33t in Jaffa, in Asdod und Wilhelma bei Lydda, ferner hat das Reisebureau der Hamburg-Amcrika-Lltiic Hotels in Nabulus und Djemin eröffnet. Die Deutsche Palästinabank hat sich im Läufe der letzten Zeit gut entwickelt und konnte sogar eine Filiale in Haifa eröffnen. Eine deutsche und eine belgische Gesellschaft haben Studien für Strasscnbahnen in Jaffa und Jerusalem gemacht. Die natürlichen Bedingungen lassen für Jaffa den elektrischen Betrieb am zwcckmässigsten erscheinen, da der zwar kurze, aber nächst dem Jordan wasserreichste Fluss Palästinas, der Audsche, in einer Entfernung von noch nicht 10 Kilometern nördlich von der Stadt eine mehr als ausreichende Triebkraft abgibt. Derselbe Fluss würde auch in hervorragendem Masse geeignet sein, eine weite mit Apfel- sinenbäumen zu bepflanzende Fläche zu bewässern. Mendelssohn und die echten Russen Man schreibt aus Petersburg, 17. Juli 1907: Die reaktionäre Presse hat jetzt mit einer rührenden Einstimmigkeit den Feldzug gegen Frankreich begonnen. Nacn den Worten dieser Zeitungen befindet sich Frankreich am Vorabend eines grossen Kraches. SWET schreibt: «Ja für Frankreich gibt es fast keine Hoffnungen und keine anderen Anzeichen als beunruhigende.“ Die NOWOJK W REM JA selbst, welche ehemals ihren ganzen Vorrat an Schmeicheleien und Lobhudeleien Frankreich gegenüber ausleerte, fordert für den Verbündeten eine eigentümliche Straie. Sie schlägt vor. Russland möge doch all das geborgte ״Geld** sofort Frank- reich zurückersiattcn. Warum ist Frankreich plötzlich in eine solche Ungnade gefallen? Ans zwei Gründen: Erstens weil es ohne Sanktion der Duma kein ..Geld" mehr geben will, und zweitens, weil es, gestützt auf die bisherigen freundschaftlichen Beziehungen, sich erlaubte, für die inneren Angelegenheiten Russland Ratschläge zu geben und für die Idee einer Volks- Vertretung sich ausgesprochen hat. Dieses Verbrechen ist so gross, dass Frankreich natürlich eine gehörige Lektion bekommen muss. Und die echt russischen Leute haben daher den Feldzug begonnen. ,.Frankreich ist mit der unheilbaren Seuche des Sozialismus behaftet", ergo: ״solch ein Verbündeter ist für das fromme selbstherrliche Russland von grosser Gefahr!" — Das ist vollkommen einleuchtend. Bleibt nur die Frage offen, wie die Herren Patrioten die ungeheure russische Schuld an Frankreich zu tilgen gedenken? Da erscheint der Jude wieder als Erlöser und Retter in der bitteren ״Geldnot". — Die fanatische RUSSKOJE SNAMJA hat jetzt den Weg des Opportunismus beschritten. JSHclit umsonst ist sie ein offizielles Organ geworden. Der ausländische Jude lässt sich doch nicht übergehen, denn ״Geld" ist ja bitter nötig. Und die RUSSKOJE SNAMJA. welche fortwährend behauptet, dass die Juden Verräter. Christen- und Zarenmörder sind, erklärt heute in gerührtem Tone, dass der beste ausländische Jude — der Berliner Mendelssohn sei: er sei eigentlich auch gar kein Jude und könne gar ״nach den Statuten als Mitglied des Verbandes aufgenomnicn werden, nach welchcm Juden unter keiner Bedingung aufgenommen werden dürfen“. — ״Ist cs denn nicht ganz gleich, werden die patriotischen Söhne Russlands sagen, ob inan bei den Pariser, Londoncr oder Berliner• Juden Geld nehmen will? Aber wir ant- Worten unseren Lesern: nein, es ist nicht ganz gleich! Wenn cs schon .dazu gekommen, ist. dass unser unglückliches Vaterland ausländische Anleihen schlicssen muss, daun ist cs besser in Berlin, als in Paris und London." — Es handelt sich darum, dass Mendelssohn übchaupt nicht das ist. was Rothschild ist: ״Mendelssohn ist überhaupt kein Jude! Das gegenwärtige Haupt des beriihn!- teil Bankhauses in Berlin ist ein Urenkel des genialen Koniponisten Felix Mcndelssoliu-Bartholdy, der bekanntlich aus Ueberzeugung und nicht aus persönlichen Rücksichten das Christentum angenommen hat. Sogar Wagner musste sich vor den! hohen Geiste von Mendelssohn beugen. Aber nicht nur der Komponist Mendelssohn, sondern auch sein ״Onkel" (!) Moses Mendelssohn erfreuten sich allgemeinen Anschens. Und endlich: Der Berliner Geldmarkt wird an uns. ungeachtet des Vorherrsclieus von Juden, weniger Forderungen stellen als Paris und hauptsächlich die radikale französische Presse.“ -- Kleine Mitteilungen Herr Hans v. Mosch sendet den» VORWÄRTS folgende Zuschrift: Auf Grund des S II des ״Gesetzes über die Presse" fordere ich Sic hiermit auf. folgende Berichtigung in der nächsten Nummer ihres Blattes zu bringen: Es ist nicht wahr, dass ich in der DEUTSCHEN HOCH- WACHT. O. m. b. H., oder im ״Deutschen Volksbunde‘* irgendwelche grosse oder kleine Unterschlagungen verübt habe: wahr ist dagegen, dass ich mein ganzes Vermögen infolge schmählichen Vertragsbruches sogen. Antisemiten verloren habe, und dass ich durch gemeine Intrigen sogen. ״Bundesbrüder“ aus meiner Stellung hinausgedrängt worden bin. Wie sagte doch der grosse Friedrich bei Kunersdorf? — — Bremen. ־ Auf den! Friedhofe der hiesigen Jüdischen Gemeindc i£t kürzlich em Grabdenkmal der Familie Koopmann aufgestcllt worden, welches die Aufmerksamkeit aller Friedhofsbesucher erregt. Das Denkmal ist eine getreue Nachbildung des Hcrzl’schen Grabmonumentes in Wien. mm. Kürzlich wurden auf dem indischen Friedhofe zu Rogowo gegen 20 Grabsteine umgeworfen und zertrümmert. Als Täter sind *I Schulknaben ermittelt worden. Die Jungens fangen früh an, die Kulturerrungenschaften in sich aufzunchmen. Erst um Ostern herum wurde ein uralter Baum auf dem gleichen Friedhofe, der einer benachbarten Miihle im Wege stand, durcli Feuer nächtlicherweile vernichtet. Die Juden In Russland. Petersburg. Während des russisch-japanischen Krieges crliess der später ermordete Minister des Innern Plehwe ein Zirkular, welches weitere Ansiedelungen von Juden ausserhalb des Ansicdelmigsrayoiis untersagt. Da die Gültigkeit dieses Zirkulars jetzt abgelaufen ist, hat Stojypin im Kabinett den Antrag gestellt, die Wirkung desselben zu verlängern. Ausgcnommen davon sind Juden, die sich bis zum 1. August 1900 kgendwo widerrechtlich niedergelassen haben und Familie sowie eigene Wirtschaft besitzen. Das Kabinett hat diesen Antrag genehmigt. _ Kiew. Am 9. Juli fand vor dem Militärgericht die V e r - haiidlung gegen die Smeler Zionisten-Sozialisten statt. Am 12. November v. J. nahm der Polizeiineister des Städtchens Sinela bei einem gewissen Schereschewsky eine Haussuchung vor und fand dabei die Schrift- Stücke und das Broschürenmaterial der ״Smeler zion.-sozial. Arleiterpaitei". sowie eine blecherne Büchse, die die Anklage zu einer Bombenhülse, und Rizinusöl, das die Anklage zu Glycerin stempelt. Trotz dieser lächerlichen Grundlage der Anklage, die die Rechtsanwälte J. S. Goldenweiser und S. B. Ratner gebührend beleuchten, werden die Angeklagten zu u u g c \v ähnlich hohen Strafen v e r u r t e i 11: der 18jährige Schercschewsky zu 10, der 21jährige Umanski und der 211jährige Bätsch zu 6 und der 18jährige Chintschuk und der 19jährige Gotow zu •1 Jahren Zwangsarbeit und Deportation. Studentisches Herzl-Denkmal In Moza. Wir erhalten vom Denkmalkomitcc folgende Zuschrift: Da die Sammlungen für das studentische Herzldenktnal demnächst abgeschlossen werden, ist cs unbedingt nötig, dass die Einsendung der ausständigen Saminelbogen und der darauf gesammelten Betrüge unverzüglich erfolge. Die wiederholten Uigenzen während des letzten Schuljahres haben nur teilweisen Erfolg^ gehabt. Es ergeht hiermit an die Besitzer von Saminelbogen die dringende Aufforderung, Bogen und Geld an die Adresse: Teclin. Otto Krasny, Mähr.- Ostrau, abzufiihren. Ausständig sind die Sammelbogen No. 1, 4, 5, 6, 7. 8, 9, 10, 11, 12, 14, 15, 17, 19, 20-31. 36, 37, 45, 51-73, 75, 78, 79. 80, 81. 90-97, 102-109, 112. Die Vereine, resp. Einzelpersonen, auf deren Namen die Bogen lauten, werden um sofortige Erledigung dieser letzten Urgenz dringenst ersucht. Es geht absolut nicht an, die Sache noch weiter zu verschleppen! ... Geschäftliche Mitteilungen Unter den Lebensversicherungs-Gesellschaften nimmt die Germania In Stettin wegen ihrer Grösse, Sicherheit, hohen LeistungskTaft und ausserordentlich günstigen Bedingungen eine hervorragende Stelle ein. Obwohl der Form nach eine Aktiengesellschaft, deren Versicherte von jeder Nachschuss־ Pflicht befreit sind, gleicht sic ihrem Wesen nach einer Go• genseitigkeitsgescllschaft. da ihre mit Gewinnanteil Versicherten fast den vollen Ueberschuss (im Jahre 1906 rund 96 Prozent) erhalten. Seit 1871 sind diesen Versicherten mehr als 98 Millionen Mark zur Verteilung von Dividenden zugcilossen. Der Ycrsichcrungsbcstand der Germania umfasst 761 Mill. Mark und ihre Sicherheitsfonds betragen 329 Millionen Mark. Die Gesellschaft hat ihren Versicherten bisher 338,6 Millionen Mark Versicherungsbeträge ausgczahlt. Die Versichertingsbedingungen gewähren Unverfallbarkeit und Unanfechtbarkeil: die Policen sind Wcltpoiicen. Die von der Germania betriebene Todesfall-Versicherung mit Einschluss der Invaliditütsgefahr bietet für alle Berufskreise eine wirklich ge- ■diegene Pensionsversicherung.

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