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Jüdische Rundschau · 1907-08-02 · Heft 31 (2.8.1907) · page 13

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 31 (2.8.1907)
Date
1907-08-02
Page
– (sequence 13)
Language
German
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No. 31 JÜDISCHE RUNDSCHAU. Seite 323 Juden haben angeblich an den jüngsten Aufständen tcilgc- | (iinnmcn; ihr Reiseziel ist Amerika. Die Teilnahme am Aufstand bestand in der Verteidigung des Lebens gegen die Mord- »buben riftnünischcr Kulturnation. m\--;-ך w! r־i—1 Sprechsaal 1—11 Für die Mltteltunfeh an dieser Stelle Obernimmt die Redaktion nur die pressgesetzliche Verantwortlichkeit. י—- - - - — -- —- I. Charlnttenburg. den 29. Juli 1907. Sehr geehrter Herr Redakteur! Gestatten Sie mir. einige Bemerkungen zu dem Artikel ..Gegenwartsarbeit in Palästina*‘ des Herrn Dr. Heinrich Sachse zu machen. Unter anderem misst der Herr Verfasser der letzten Lin- Wanderung eine grosse Bedeutung bei. Nun muss man ja z.u* geben, dass diese Einwanderung einen Einfluss auf die Kolouisation ausgeiibt habe, aber keineswegs kann man behaupten, dass dieser Einfluss ein nützlicher für das Land und für die zionistische Idee in der Diaspora war. Es ist leider keine Tatsache, dass der mit höherem Idealismus angehauchte Teil der Auswanderer sich nach Palästina wandte. Weder die Mittellosen noch die Bemittelten zeigten einige Geduld bei ihrem Aufenthalte im Lande was ein Idealismus von geringster Art doch verursachen konnte. Die Mittellosen haben sich, anstatt sicli den Verhältnissen anzupassen, mit Zersetzungsarbeiten beschäftigt, z. B. Organisieren von Streiks von Eingeborenen, welche lange noch, nicht fähig dazu sind. Und die Bemittelten, welche nicht wenig waren, scheuten sich, mit ihrem Kapital irgendwelche Unternehmungen zu schaffen, und zwar mit einem beträchtlichen Teil ihres Kapitals, welcher auch die ganze Energie des Menschen in Anspruch nimmt, sondern suchten und suchten so lange herum, bis die erste Taube aus Russland, dass die Pogrome vorläufig aufhörten, kam und benutzten das erste Schiff, um nach ihrem lieben Russland zurflckznkehren. Gar nicht wie die Einwanderer vor 18 Jahren, die ihre Kapifallen sofort ins Land steckten. Wären diese Leute nicht ge wesen, so hätten wir überhaupt auf kein einziges Resultat von Bedeutung hinweisen können. Es ist allerdings ein kleiner Haufe von nützlichen Menschen in den letzten Jahren nach Palästina eingewandert, aber deren Einwanderung ist ganz und gar nicht von den russischen Verfolgungen verursacht worden. Sie sind schon früheren Datums. Im Gegenteil, diese aufrichtigen Idealisten würden durch die Verfolgungen in Russland zurückgeblieben sein, um ihren Brüdern beizustehen und nicht in Zeiten der Gefahr sie zu verlassen.- Es ist nach meiner Ansicht eine Pflicht der Zionisten, sich vor Augen zu halten, dass Palästina auf solche zufälligen Ein- Wanderungen nicht rechnen darf und nicht rechnen soll. , M. Weiner. u. Pontrcslna. In No. 27 der RUNDSCHAU erwähnen Sic die Ausstellung ״Palästina in London“. Zufällig fiel mir hier in Pontrcsina der offizielle Führer durch diese Ausstellung in die Hände; ich fand darin folgende, für Ihre Leser vielleicht nicht uninteressante Bemerkung: ״The future of Jerusalem. That the city will continuc to grow as rapidly in the near future as it has donc iu the past Lhave no doubt. Jews continuc to flock back from lands of pcrsccution, while niany Germans arc encouraged to emigrate to a land which their Empcror recciitly honoured witli a visit. Ultimately it will bccotuc a Jewish city, with a Jcwisli form of government, and a J e wi sh K i n g." Der (christliche) Verfasser lügt allerdings hinzu ״that King will be Our Lord Jesus Christ"; das ändert aber doch nichts an seinem Urteil über die jüdische Zukunft Jerusalems." Dr. B. Lewy (Berlin). Kleine Mitteilungen Zur Abänderung der Bankstatuten. Die W E L T teilt mit. dass die weitere Verhandlung vom englischen Gericht auf den 7. April 1908 verschoben worden ist. Ein genauer Bericht wird folgen. Die literarische Gesellschaft ״Sinai“ (Sitz in Berlin) beginnt, wie schon früher von uns gemeldet wurde, mit der Herausgabe einer literarisch-wissenschaftlichen Quartals- Schrift in hebräischer Sprache, jedes Heft in der Stärke von mindestens 15 Bogen Orossoktav. Nach Schluss der Redaktion bekommen wir die schmerzliehe Nachricht, dass unser grosser Dichter Morris Rosenleid in New York in tiefste 111 Elend gestorben ist. Wir teilen dies in aller Kürze mit und bringen in nächster Nummer einen ausführlichen Nachruf. Verband der Deutschen Juden. Auf die Beschwerde des Verbandes der Deutschen Juden über die Zurücksetzung der Juden bei Auswahl der Schöffen und Geschworenen hat nun auch der prcussischc Herr Justiz minister, wie er dem Verbände mitgeteilt hat, angeordnet, dass der tatsächliche Inhalt der Beschwerde zur Kenntnis der Vorsitzenden der bei den in Betracht kommenden 'Amtsgerichten zusammentretenden Ausschüsse gebracht wird. » Welssensee. Zum dritten Male beraubt wurde in der Nacht zum Freitag ein Erbbegräbnis aui dem Friedhof der jüdischen Gemeinde. Frevelnde Diebe stahlen von dort zwei bronzene Ziei traubep im Werte von 200 Mark. Es ist dies nun oereits zum dritten Male der Fall, dass die Trauben von dem Begräbnis entwendet wurden. Sie wurden immer wieder geiuuden und sind rum zum dritten Male verschwunden. Schändüngen jüdischer Fiicdhöfe sind ja bereits üblich. Braunschwelg. Zu den Massnahmen, die im Herzogtum Braunsehwcig von dem Eingreifen seines neuen Regenten erwartet werden, gehört auch die Beseitigung eines alten konitssionclicn Unrechts inbezug auf die jüdischen Staatstingehörigen. Es ist dies die prinzipielle Ucberzcugung der jiidisehen Rechtsanwälte bei Besetzung der Notariat>s;eIlen. Die Erteilung des Notariats geschieht in Braunsehwcig rein nach dem. Dienstalter der!Rechtsanwälte, so dass die L'ebergehung eines einzelnen nur bei besonderen persönlichen Gründen eriolgt. Solche Gründe scheint die Regierung aber bis jetzt in der Zugehörigkeit zum Judentum erblickt zu haben. Denn in den letzten zwanzig Jahren sind die jüdischen Rechtsanwälte, trotzdem bei jeder neuen Vakanz Meldungen derselben zum Notariat Vorlagen, grundsätzlich bei der Besetzung übergangen worden. Zurzeit sind einige ältere jüdische!Rechtsanwälte in der Stadt vorlianden, die ihrem Dienstalter nach längst Notare sein müssten. Dass bei dieser Uebergelntng r.ur die Konfcssion massgebend gewesen ist, geht daraus hervor, dass diese Anwälte allgemein grosse Achtung geniessea und zum Teil sogar dem Vorstande der Anwaltskammer angehören. Colmar. Dein ELS. KURIER wird aus Hüningen berichtet: ״Im Anschluss an die hiesige Gemeinderatsersatzwahl wurde der hiesige, erst kurz vorher gewählte Vorsteher der israclitischen Kirchengemeinde. Möbelhändler Bloch, von verschiedcncr Seite aufgefordert ,sein Vorstchcramt niederzulegen, weil er bei der Ersatzwahl mit den Sozialdemokraten marschiert, bezw. ihr Programm anerkannt habe. Da sich die Unstimmigkeiten nicht ausglichen, erschien ein Regierungs- Vertreter, der die Mitglieder der israelitischen Gemeinde versammelte, um diese Angelegenheit zu regeln. Nach seiner Ansicht liegt kein Grund vor, Herrn Bloch zum Nicderlegcn seines Amtes zu drängen, da durch das Unterzeichnen des sozialdemokratischen Wahlprogramms nicht zugleich die Zugchörigkeit zur Partei dargetan sc׳. Der Stimmung in der Gemeinde Rechnung tragend, legte Herr Bloch dennoch sein Amt nieder." Verein zur Gründung und Erhaltung eines jüdischen Museums In Prag. Am 30. Juni fand unter Vorsitz, des Vizepräsidenten des Kuratoriums, Herrn Magistratsrat Dr. Stein, die erste ordentliehe Generalversammlung statt. Der Vorsitzende hielt dem dahitigescliiedenen Kurator Herrn Hermann Inwald einen warmen Nachruf, der von den Anwesenden stellend angehört wurde. Den Geschäfts- und Kassabericht erstattete Schriftfiihrer Lieben, vom Revisionsbericht wurde abgesehen. Aus dem Geschäftsbericht ist das stetig wachsende Interesse für die Vereinsbestrebungen ersichtlich. Mehrere Korporationen haben ihre Sympathien für den Verein durch Subventionen zum Ausdruck gebracht. Hervorzuheben ist der Gründungsbeitrag der Erben des Herrn kais. Rates Gottlieb Bondy im Betrage von 5p0 K., der Stiftungsbeitrag des Herr kais. Rates Moritz Arndt im Betrage von 200 K. Der Verein will im September sein Museum eröffnen. Bei der Ergänzungswahl für das Kuratoriuni wurde Herr Dr. Haas auf zwei Jahre gewählt. Die Revisoren wurden wiederge wählt. Nachdem noch Herr Beutuni dankenswerte Anregungen für die Propaganda gegeben, schlicsst der Vorsitzende die Generalversammlung. Moskau. Auf Initiative des Moskauer Generalgouverneurs Herschelman wurde vom Minister des Innern die Frage über die Nichtzulassung־ der Juden an die höheren Lehranstalten der Stadt Moskau bis zur Zeit, wo der Prozentsatz der Juden an ihnen seine frühere Norm erreichen wird, zur Erörterung ge-

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