Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VII (1907)
- Issue
- Heft 30 (26.7.1907)
- Date
- 1907-07-26
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 312 No. 30 JÜDISCHE RUNDSCHAU. Der erste Briei stammt aus den Tagen während der letzten rumänischen Juden-Pogrome. Dabei ist zu bemerken, dass der betr. Briefschreiber sich in aufopferndster Weise dafür cingcsetzt hatte, die Juden an dem Ort, an dem er sich seihst aufhält, vor Vergewaltigungen zu schützen. Die beiden Briefe lauten: 13. IV. 07. ״.Die Stadt hat heute ca .18000 20—־ Seelen. Die Katholiken, oder wie sie hier heissen, die Ungarn, sind Vorstädter und zählen in runder Summe 700 Männer. Juden sind hier ca. 3000 Seelen. Die Kauflüden sind alle in den Händen der Juden. Da war etwas zu holen. Meine erste Sorge war cs, meine Bauern zu beruhigen, ihnen klar zu machen, dass ich eine Teilnahme an der Revolution absolut missbillige. Am II. März sagte ich ihnen in der Kirche: ״Jetzt ist die Zeit gekommen, dass Ihr beweisen sollt, dass Ihr wahre Katholiken seid. Beweist auch, dass meine Predigten, die ich Ruch 9 Jahre lang gehalten habe, nicht umsonst gewesen sind. Ewige Schande über meine Pfarrgetncinde, wenn ein einziger sich unterstehen sollte, zu revoltieren. Sie gehorchten. Ca. 8 bis 10 Dörfer in der Umgegend waren in hellem Aufruhr, von meinen Katholiken hat nicht ein einziger teilgeuommen. ...... Wären die Katholiken losgegaugeti. die Stadt wäre heute eine Ruine. Die katholischen Bauern sind sehr kräftige, wild aiissehcnde Kerle, vor denen sich die ganze Stadt fürchtete. Die anderen schismatischen Dörfer warteten nur darauf, dass die Katholiken anfängen, um dann gemeinschaitlieh über die Stadt und besonders über die Juden herzufallcn. .Als ich am 12. Mdurch die Stadt fulir, hatten alle Christenhauser Kreuze Bilder an die Fenster geklebt, damit sie kenntlich sei. Doch Gott sei Dank, alles ging gut vorüber.’* 22. VI. 07. ..Wenn ich in den schweren Tagen der letzten rumänischen Bauernrevolution meine eigene katholische Ge■ nuilde vor Raub und Mord bewahren konnte, so geschah dieses einerseits aut Grund des freundschaftlichen Verhältnisses, in dem iclt zu den angesehensten Mitgliedern der hiesigen israelitischen Kuitusgemcinde stehe, andererseits aber זיוה Grund eines bewunderungswürdigen Gehorsams, mit dem meine katholischen Bauern sich mir fügten. Es waren aber Tage des Schreckens, die ich nie vergessen werde. Katholiken und Juden leiden beide unter der Ungerechtigkeit der rumätiisehen Wirtschaft. Rumänien steht tatsächlich auf einem Vulkan, der eines Tages Schrecken verbreiten wird.“ Diesem katholischen Pfarrer, der sich in so würdiger Weise den Juden angenommen hat. gebührt aufrichtiger Dank für seine edle Handlung. Kleine Mitteilungen Berlin. Über die Missachtung der staatsbürgerlichen Rechte der Juden durch uic Justizbehörden hat man bekenntlich auch in Prcussen lebhafte Klage zu führen. So wird berichtet, dass in Forst i. d. L. bereits seit etwa 20 Jahren kein Jude Schöffe oder Geschworener geworden ist. obgleich die Stadt eine Anzahl jüdischer Industrieller und Kauileute besitzt, die wohl den schärfsten Ansprüchen, die an das Amt eines Geschworenen oder Schöffen gestellt werden, genügen würden. Zürich. Eine Eingabe der israelitischen Rcligionsgescllschaft an den Stadtrat. jüdischen Kauflentcn. die am Samstag geschlossen haben, zu gestatten, ihre jüdischen Angestellten am Sonntag in bestimmten Stunden in ihren Bureaux und Magazinen zu beschäftigen, ist abgewiesen worden. Lemberg. Seit einigen Wochen streiken die Lemberger jüdischen Klempner, welche unbedeutende Lohnaufbesserungen und Arbeitserleiehterungcn verlangen. Mit vollem Nachdruck muss das Verhalten der Meister missbilligt werden, die nicht einmal in Unterhandlungen mit den Streikenden treten wollen. Ob sic auf solche rücksichtslose Weise die Solidarität und den Widerstand der Arbeiter brechen werden,!)leiht abzuwarten. Jassy. Die JÜDISCHE ZUKUNFT ist der Titel eines 7.iomstiscUcu MouatshUutes. welches von dieser Woche ah in Jassy ctscheinen wird. Die Zeitschrift wird von A rjc Kisch herausgegeben und vom Direktor der jüdischen Schule in Buzen, Lewi Sega!, redigiert. Die JÜDISCHE ZUKUNFT erscheint iu jüdischer Sprache und will den Zionismus in den breiten jüdischen Schichten Rumäniens propagieren. Auch alle anderen jüdischen Angelegenheiten und Probleme will sie behandeln. Eine Reihe von hervorragenden jüdischen Schrift- Mt-ücrn und Publizist•.־:!, u־s.» Dr. Safir in Odessa, Le- ״ i n s k y . Dr. Lo k i m o w i t z., S pe k t a t o r und Sc hei nk i n in Jaffa, haben ihre Mitarbeiterschaft zugesagt. Sir Samuel Montaguc wurde in das englische Oberhaus ein* berufen. Ethroglm aus Palästina. Das österreichisch-zionistische Landcskomitec hat sich mit dem ungarischen Komitee in Verbindung gesetzt, um gemeinsam dafür Vorsorge zu treffen, dass allen Interessenten die Möglichkeit gegeben werde, zu dem nächsten Sukkothiest palästinische Ethrogim zu erhalten. Nähere Verlautbarungen über die Art des Bezuges folgen. Auswanderung nach Argentinien. Das Jahr 1906 war ein Rekordjahr in der Geschichte der argentinischen Einwanderung, denn cs landeten laut der vurliegenden amtlichen Statistik in den argentinischen Häfen insgesamt 336 309 Personen (276 739 im Jahre 1905). Unter diesen wurden 252 536 als Einwanderer klassifiziert (gegen 177 117 im Jahre 1905). Wie immer stellen die Völker lateinischer Zunge das Hauptkoutingent zur argentinischeu Einwanderung. Es befanden sich unter den Ringewanderten: 17*121־ Russen (1905: 10078) 7177 Syrer (1905: 7085). *1277 Ocstreicher (1905 : 2793). Der Religion nach waren von den Einwanderern 226 813 katholisch. 13 8S0 jüdisch. An eine Anzahl galizischer Abgeordneter ist aus Podwoloczyska eine Depesche folgenden Inhalts eingelaugt: Nachts wurde mein Mann, österreichischer Untertan. Israelit, von russischen Grenzsoldaten ermordet, worauf dann dessen Leiche, um die Sache zu verschleiern, zerschossen wurde. Ich habe bereits a!1 das Ministerium telegraphiert, fürchte aber ein nicht energisches Vorgehen de! hiesigen Behörde. Ich bin eine arme Witwe und Mutter von acht Kindern, ülttcl Birnbaum aus Podwoloezyska. Das ist die zweite gleiche Affäre in eine in Monat. Wien. Seit zwei Wochen befindet siel! im Rothschild- Spital ein Kjahriger Junge namens Wassermann aus Warschau. Der Bursche hatte in einem. Orte nächst Wa:schau beim Eisenbalitij-chalter eine Karte gelöst, um nach Warschau zu iahren. Da er sehr klein war. gab ihm der Kassier eine halbe Karte. Als der Zug bereits im Fahren war. kam der Kondukteur und kontrollierte die Karte. Er verlangte eine Nachzahlung, und da Wassermann kein Geld hatte, nackte ihn der Kondukteur um Arm. iiihrte ihn auf die Plattform lind sticss' ihn die Treppe hinab. Der Junge kam so unglücklich unter den Zug zu liegen, dass ihm beide Füsse überfahren wurden. Er wurde in Warschau im Spital notdürftig operiert und iuhr dann mit Unterstützung edler Menschen nach Wien um sich dort heilen zu lassen. Görlitz, Schl. Die hiesige Synnagogengemeinde hat einen am Park gelegenen Platz zuin Bau einer Synagoge erworben. ־■■ , ״■ I—■— — 'ו 528» < ־־ ־." ~ , Briefkasten der Redaktion S. in B. Sie schreiben 1ms: ״In einer Grossstadt Deutschlands, wo auch an vornehmen jüdischen Lokalen kein Mangel herrscht, findet demnächst in dem ersten christlichen Lokale, wo Juden nicht *mal gern gesehen sind, eine Hochzeit wohlhabender Juden statt, — natürlich sind die Kuverts aus der christlichen Küche geliefert. — Da mm aber an dieser Hochzeit auch Gäste der noch ״alten" Richtung teilnehmen, werden für diese extra Kuverts aus einem rituellen Restaurant gestellt." — Das ist nichts Neues. Das geschah bei der Berliner ..Gesellschaft der Freunde" mit Rücksicht auf die getauften ״Freunde" von ihren liberalen Gesinnungsgenossen schon vor fünfzig Jahren /% la Gänseschmalz, gar. rein, Pfd. 1.40• la Schlack-a.Salarm* 1.40' la Mettwurst . . . Phi. t.20 Warst Pfd. £xtr.f.Schlacku.Salami| Oft *eknob,u.ungcknob. Pfd. *.”“ 11 Schlesische Wurst . Pfd. 1.— la Polnische ״ . Pfd. 1. I& Leberwurst Ptd. 80 Pf. u. I M, Extrafeine Leberwurst Pfd. 1.20, 1.60 u. 1.80 M. Fraustädt. Dtz. 1.—, Wiener 2 M. Rindcrfott (Kernfett) Pfd. 65 Pf. la Dampfwurst Pfd. 80 Pf. u. l.M. | Kalbsfett, gar, rein . Pfd. 95 Pi Berlin S. 42, •| Luckaueratr. 16 l Versand nur gegen Nacuoaiune. ר