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Jüdische Rundschau · 1907-07-12 · Heft 28 (12.7.1907) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 28 (12.7.1907)
Date
1907-07-12
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Der Kongress wird um so fruchtbringender sein, Je mehr seine Probleme vor seiner Eröffnung von denen, die cs angeht, erörtert wurden. Das Haupt prob lein des Zionismus ist und bleibt die politische Arbeit. Diese Basis darf die Bewegung keineswegs verlassen. Für sie ist aber die Hauptbedingung, dass sie getan, nicht erörtert wird. Es ist daher in dieser Richtung die dringendste Erfordernis, dass die Exekutive der Partei, der Mann oder die Männer, die an die Spitze gestellt sind, die vollste Bewegungsfreiheit haben, und dass ihre Verantwortlichkeit nicht vor dem Kongress, sondern allerhöchstens vor dem Grossen Aktionskomitee nach dieser Richtung geltend gemacht wird. Es muss uns ihre Zu- Sicherung genügen, dass sic getan haben, was zu tun war, und dass sie wieder tun werden, was der Augenblick heischt. Wenn unser Präsident als Führer dieser Politik nicht das grösste Verantwortlichkeitsgefühl vor sich selbst hat, grösser und mehr noch als vor dem Grossen Aktionskomitee und dem Kongresse, so wird uns seine Arbeit nicht fördern. Aber so lange wir überzeugt sein können, dass dieses Gefühl der Verantwortlichkeit für die Zukunft des Judentums den Mann am Steuerruder beseelt, so lange werden wir ihm weiter getrost in voller Zuversicht das Amt des Steuermannes überlassen und erwarten, dass er das Rechte tun wird. Seine Bewegungsfreiheit soll durch keine Bedenken dnes Kollegiums gelähmt werden. Seine Tätigkeit .darf durch keine Neugierde des Kongresses oder irgend- Welcher Kongressmitglieder geschädigt werden. Damit scheidet die politische Tätigkeit, gerade weil sie die Hauptsache ist, aus der Diskussion des Konpesses so weit aus, als der Präsident nicht ausdrück-!!eh die Erörterung auf dein Kongresse wünscht. Liegt aber der Schwerpunkt der zionistischen Bewegung in der politischen Arbeit, so ist das Nauptmomcnt des Kongresses die Arbeit in Palästina. Auch hier gilt es, die bewährten Tradiponen Herzls fortzusetzen, der kein Dogma der Untätig- *eit kannte und als Anhänger echter Realpolitik selbst die Praktische Tätigkeit in Palästina in die Wege leitete,!js der Augenblick ihrer Notwendigkeit gekommen war. Da$s diese Arbeit auch ihrerseits wieder von politischen Grundsätzen zeugen muss, die mit der Politik des Engereu Aktionskomitees und seines Präsidenten Hand in Hand gehen müssen, ist selbstverständlich. Immerhin ist diese Landespolitik bereits ganz anders zu arten als die grosse Politik des Aktionskomitees. Sie muss mit den provinziellen und lokalen Behörden rechnen und arbeiten, während unser Präsident sich an die Zentralbchörde wendet. Sie muss dafür sorgen, dass die jüdisclie Siedlung in Palästina sich als im Interesse der Landesregierung und der einheimischen Bevölkerung ebenso erweist, wie als Notwendigkeit ifir das Jüdische Volk selber. Sie selbst ist nicht das,Ziel des Zionismus, aber sic gehört zu den Schritten, die notwendig sind, um mit Zustimmung der Regierung dem Ziele des Zionisnms näher zu kommen. Wenn die Politik des Aktionskomitees aus der Diskussion des Kongresses eigentlich ausscheidet und die Palästinaarbeit den Kongress auszufüllen hat, so weit nicht der Präsident selbst cs für angebracht hält, diese Zurückhaltung zu verlassen, so steht im Vordergrund dieser Arbeit das wirtschaftliche Programm, das geeignet ist, unsere Positionen zu stärken. Aber nicht minder wichtig sind die. kulturellen Arbeiten in Palästina und es würde von einer verhängnisvollen Kurzsichtigkeit zeugen, wollte man auf dem Standpunkte beharren, Geldmittel der Partei nur für die sichtbaren und greifbaren und deshalb freilich auch begreiflicheren wirtschaftlichen Arbeiten zur Verfügung zu stellen. Das hicssc alle die Imponderabilien ausser Rechnung zu lassen, die man nicht statistisch und rechnungsmässig zu belegen im stände ist, die aber nicht minder tief in das Leben und die Entwicklung eingreifen. Die hebräische Sprache ist gar kein wirtschaftliches Ding und dennoch vermag selbst der Laie einzusehen, dass er sich bei ihr um eine eminent wichtige Frage im Entwicklungsgänge jüdischer Arbeit in Palästina handelt. Was aber der Laie auf dem Gebiete der Kulturfragen viel weniger in der Lage ist einzusehen, das ist, dass er auf diesem Gebiete eben nur Laie ist. Lesen kann jeder, auch kann jeder der nicht stumm ist, sprechen, und jeder ist einmal in die Schule gegangen. Aber darum ist noch nicht jeder sachverständig für die Fragen des Lesens einer werdenden Nation, für die Sprache eines wachsenden Volkes oder für die Fragen der Schulbildung und Schulorganisation. Und es ist keineswegs damit abgetan, dass die wirtschaftlichen Kräfte in bescheidener Zurückhaltung und in aufrichtigem Bew'usst-

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