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Jüdische Rundschau · 1907-07-05 · Heft 27 (5.7.1907) · page 14

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 27 (5.7.1907)
Date
1907-07-05
Page
– (sequence 14)
Language
German
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״ /־ ״ *- r / ־ ',, No. 27 energische Durchlührung des Reorganisationswerkes gesichert werden könnte. Möchte ts den einsichtigen Männern, die an der Spitze der Chalekavcrwaltung stehen, gelingen, ihr grosses Werk, dessen Schwierigkeiten sie selbst am wenigsten verkennee, so rasch wie möglich und so gründlich wie möglich zu vollenden.״ Wir sehen hier einen ersten Schritt zu einer rationellen Umwandlung der Chalukah zur Heilung ihrer Schäden. Es gereicht dem Herausgeher dieser Blätter zur Befriedigung, dass cs seinen langjährigen Bemühungen allen seinen Angriffen auf seine Person zum Trotz, gelungen ist, diese Reform im Interesse der Judcnhcit und des Judentums im heiligen Lande durchzusetzen. Mögen die Leiter der Chalukah bald von den Worten zu den Taten schreiten. Berlin, 26. Juni. In den Räumen des D. I. 0. B. tagte keute hier der Ausschuss der ״Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums“. Vor Eintritt in die Tagesordiniiig ehrte die Versammlung das Andenken ihrer versturheuen Mitglieder, der Herren Dir. I)r. Baerwakl und Rabb. Dr. Ziemlich, sowie des heimgegangenen Professors Dr. Freudenthal durch Erhebung von den Sitzen. Der Geschäftshericht konstatierte ein stetiges Anwachsen der Mitgliederzahl, die z. Z. über 9511 beträgt, und stellte das Erscheinen mehre״,er Werke der Gesellschaft ihr die allernächste Zeit in Aussicht. Es sind dies: f. Sciiapiro, die haggadischcti Eiemente im erzählenden Teil des Koran: M. Philippsou, Neuere Geschickte der Juden. Bd. 1; das Maimonides-Gedenkbuch IW. I; und der I. Band der von M. Braun gesammelten Aufsätzc v**;1 D. Kaufmann. Von den wissenschaftlichen Unteriielimungeii der Gesellschaft sind ausser dem Maimonides- Werk die Arbeiten für die Germania- Judaica soweit gediehen, dass der grossere Teil des Arbeitsstoffes unter die Mitarbeiter \ erteilt ist und mit der Ausarbeitung demnächst begonnen werden kann. Y1>:n Corpus Taiiaiticiun wird der I. Bd., der Sifra von M. Pri.dmann-W icn demnächst dem Druck übergeben werden können. Der Ausschuss beschloss die weitere Ausgestaltung der Monatsschrift für Geschichte und Wissenschalt des Judentums, welche durch. Heranziehung einer weiteren Reihe von Mitarbeitern in den Stand gesetzt werden soll, von Zeit zu Zeit Berichte über de:1 Stand der Wissen- I schalt des Judemmns und der ihr verwandten Gebiete zu geben. Es wurde ferner in Aussicht genommen, die General- Versammlungen der Gesellschaft zuweilen auch ausserhalb Berlins in anderen Grossgcmcinden abzuhalten, um dort das Interesse für die Gesellschaft und iiire Ziele zu wecken. Der Ausschuss kooptierte endlich anstelle seiner verstorbenen Mitglieder die Herren Prof. Dr. Coim-Breslau und Doz. Dr. 1. Eibogen-Berlin. bewilligte eine Reihe von Subventionen und beschloss zuletzt die Ernennung des Herrn General-Konsul E״ Pliilippson in Brüssel, der sielt um die Gesellschaft durch wiederholte grössere Zuwendungen in hohem Masse verdient gemacht hat, zum Ehrcmnitglicde der Gesellschaft. Breslau. In den ersten lagen des Mai d. J. gabs in Lodz, wieder einmal eine Judenhetze, bei der der russische Pöbel nicht hlos aufs Rauben und Plündern bedacht war, sondern auch aus brutaler Lust an der Gewalttat ganz arme und w׳ehrlose Juden verfolgte und peinigte. Vor diesen Greueln flüentete, wer es irgend ermöglichen konnte, aus der Stadt. Unter den Flüchtlingen befand sich auch der IG jährige Metallarbciterlebriing Pinkus Hnlpirn, der sich mit wenigen Rubeln in der Tasche aui die Eisenbahn setzte und stracks nach Breslau i'ihr. Erst als er 1ie1 angekommen war, ging ihm die Erkenntnis auf. dass er eigentlich recht kopflos gehandelt hatte. Ohne Mittel, ohne Bekannte und ohne Empfehlungen war er hier!ה der frcmdeii Stad! völlig Irlüos. und als er sein letztes Geld;•usgegeben hatte, wandte er sich mit der Bitte um Beistand an den Vorstand der Symgogcngcmcindc. Dieser gab ihm einen Gutschein auf eine Eisenbalmfalirkartc ■I. Klasse nach Ostrowo im Werte von 2.•10 Mark und riet ihm, den Rabbiner in Ostrowo zwecks weiterer Beförderung anzunifen. Der Junge fürchtete sich aber vor der Rückkehr nach Russland, und da er wusste, dass er in Ratihor Verwandte batte, deren Namen er zwar nicht kannte, die er aber mit Hilfe des Rabbiners ermitteln zu können hoffte, so bcschloss er, nach Ratihor zu fahren. Statt sich aller wieder m. den Syiiagogengcmeindcvnr.staud zu wenden, der ihm auf! seine Bitte sicherlich (??> auch die Reise dorthin ermöglicht I haben w ürde, beging er die Torheit, den Gutschein zu fälschen, indem er den Ortsnamen und den Preis ausradierte und dafür .,Ratihor‘* und 3,211״ Mark” hinschricb. Am Eisenbalmschalter, wo er das Papier präsentierte, um sich dafür eine Fahrkarte geben zu lassen, wurde die Fälschung sofort erkannt und er in Haft genommen. Die erste Strafkammer verurteilte ihn jetzt wegen qualifizierter Urkundenfälschung zu 2 Wochen Seite 283 Gefängnis, erachtete aber die Strafe durch die Untcrsuchungshaft für verbüsst und ordnete seine sofo.tige Haftentlassung au. BRESLAUER ZEITUNG. Heize gegen Abg Dr. Mahler Die akademische Jugend der Prager deutschen Hochschulen, de׳ Stolz und die Blüte des deutschen Volkes in Böhtreu und was sonst drum und dran hängt, hat ein neues Ideal. Aus alkoholischen Dünsten im deutsche;! Kasino ist cs emporgetaucht, aus den mehr minder freiwillig und freigibig gespendeten Bierfässern, die in den Stunden zwischen dem Richtcrbaukctt und dem Früliiiagstest leer wurden. Dieses Ideal heisst Kampf gegen den Zionismus. Und weil diese akademische Jugend nicht weiss. was Zionismus ist. so wird cs ihr rasch von ihren Führern mundgerecht gemacht: Kamp׳' gegen Dr. Mahler! Denn Dr. Mahler ist heute der exponierteste Vertreter des Zionismus in Oesterreich. Stnsst an! Freiheit soll leben! Freilich diese Studentenschaft hat sicherlich nicht ohne Anstoss und Anregung von aussen gehandelt, als sic Versammhingen veranstaltete, zu denen sie wie es der Anstand erfordert hätte ־ den Angegriffenen hätte laden sollen. Das ist aus einem sehr klaren Grunde unterbliebe:•, aus Angst vor Dr. Mahler. Die Anregung zu der Aktion ist nicht aus der Mitte de״ StuJentcnsehaf: gekommen, sie kam aus dem Professorenkollcgium selbst. Das zeigt sehn•׳ der Umstand dass der Rektor einen Hö:>aa! zur Verfügu:;/ stellte. in den: Brandreden und Schmähungen gegen einen V.;•׳.׳!: laut wurden, der seit Jahren dem Lehrkö׳per augehör:. Das beweist weiter die Art und Weise mit der der Rektor über die Depesche zur Tagesordmuig überging, in welcher Ab,:. Dr. Mahler von Wien aus gegen die Lebe־Ia>s!n!e des Horsaales protestierte. Charukteristiscl! aller ist die Haltung, die das Organ des Ministe־׳‘; Pr*!e zu dieser Frage einnimmt. Die REICHENBEROER VOLKS- ZEITUNG erklärt diese Depesche schlankweg für einen F.ingrii! in die akademische Freiheit. Schon während der Wocb.cn, in denen Dr. Mahler dem Polenkiub im harten Kampf gogenüberstaiul, drangen ganz merkwürdige Gerüchte in die Oeffemlichktit. Man erzählte von einem Antrag des akademischen Senates an das Unterrichtsniinisterium. dem Dr. Mahler die veni legendi wegen Gefährdung des deutsehen Charakters der Hochschule zu entziehen. Dieser Antrag stammte aus der geistigen Verwandtschuft zwischen der polnischen Schlachta und jenen Akadcmikern, denen der deutsche Charakter zur Stillung ihres Reklamehedürtnisses dient, weil man sonst an ihnen überhaupt keinen Charakter entdecken kann. Als dann Di. Mahler gewählt war verschwand der Antrag wieder und cs kr*m die Bewegung unter den Studenten. Ir! zwei Versammlungen nahmen die Studenten Gelegenheit, der Mitwelt zur Kenntnis zu bringen, dass sic vom Zionismus soviel verstunden wie von Takt und Anstand. Antideutsche Politik! KJerikalismus: Das waren die Phrasen, mit denen die wildccmaeliten Jungens um sich warfen. Und dann rcsolvicrtcn sic. dass die Freiheit des Gewissens, des Wortes und des Gedankens nur für sie und ihre Hintermänner gcstattet sei. Fs fällt uns nicht hei. diesen Sturm im Wasserglas ernst zu nehmen. Wir wollen nur mit den Hetzern in der Amtsrobe ein ernstes Wbrt!cin .sprechen. Frstens gibt cs so etwas wie ein Gesetz zum Schutze der Wahlrciheit. das auch die Kamlidaten vor nachträglichen Massrcgduiigen schützt. Zweit!״; richtet sich der Kampf gegen den Zionismus auch gegen die zionistischen Hörer und!.obrer, die Söhne indischer Steuerzahle־: sind. Die Universität lebt von Steuergeldern a1u’< von jüdischen. Wenn nnn die Herrschaften sieb bezahle:! lassen, so haben sic auch ihre Pfliclit zu tim. Sic haben r\ lehren und nicht zu politisieren. Drittens und das ist das letzte Wort, das wir sprechen•. Wir machen aufmerksam, dass die I.andtagswahlei: kommen. Und wir wc־dcn dafür sorgen, dass die jüdische Wählerschaft deutscher Zunge ihre Stellung zu dieser Art deutscher Politik einer gründlichen Revision unterzieht SELBSTWEHR. Konstantinopel. Die Gemeinde von Safonfchi. deren Rahbinat erledigt war. hat R. Jakob Me'ir in Jerusalem zum Chacham gewählt. Bekanntlich war Jakob Me'ir iirsprfiuglich in Jerusalem zu Chacham-Baschi gewählt, die Wahl aer fiir ungültig erklärt worden. Es ist nun sehr erfreulich dass Jakob McTr einen anderen Wirkungskreis erhält, weil damit die Streitigkeiten, die sich in der heiligen Stadt zwischen seinen Parteigängern und seinen Gegnern entspönnen hatten, wohl von selbst entfallen werden. Der ISRAELIT, der diese Mitteilung bringt, gibt aber keine Auskunft, warum ihm der in seiner Gesinnung so ge- JÜDISCHE RUNDSCHAU

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