Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1907-06-14 · Heft 24 (14.6.1907) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 24 (14.6.1907)
Date
1907-06-14
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2651273-2651500-2651524--04758-2661746
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

No. 24 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 247 Bezcicluiend ist die vorgelesene Aussage eines inzwischen verstorbenen Zeugen, den» Polizeipräsidenten von SimferopcL Kusnicnko. Nach seinen Worten ״geriet er in Konfusion“ und ausserdem kommandierte die Polizei, ohne ein Recht darauf zu haben, Oberst S a g 0 s k i n. Wie er kommandierte, ersieht man aus folgender Aussage: Zeuge Sarctzky wurde verwundet und wollte sich in die I. Polizeiw ache retten. Oberst Sagoskin Hess ihn nicht hinein, versetzte ihm mit dem Fuss einen Bauchtritt und ״kommandierte“: ״Schlagt den verdammten Juden tot“ (KRIMSKI WESTNIK No. 110). Man kann wohl kaum Herrn Stolyprn eine bessere Gelegenheit verschaffen, seinen WL.en. ״die gesetzmässige Tätigkeit der Behörden zu erstreben", .zu beweisen. Ob er sic aber ausnutzen wird? (Uebersetzt von stud. J. Bcncnson). Deutsche Industrie und ztonistischeArbe»t Edmund Burke hat einmal gesagt, dass^in ihrem theoretischen politischen Denken die Leute gewöhnlich um 50 Jahre zurück sind. Solange braucht es. bis gewisse Wahrheiten und Tatsachen richtig erfasst und gewürdigt werden. Sind sie aber endlich erfasst und gewürdigt, dann — sind sie nicht mehr richtig. Namentlich gilt dies auf dem Gebiete sozialer Probleme und sozialer Erkenntnis. Zum Verständnis wäre viel geholfen, wenn wir uns nur daran gewöhnen könnten, synchronistisch zu denken, zu verstehen,.dass die Dinge eben nicht nur zeitlich neben und nacheinander geschehen. Wer würde 7. B. einen Zusammenhang vermuten zwischen russischen *־Prugroms" und dem Absatz deutscher Waren in — Palästina. Und doch bestellt, wie uns ein englischer Konsiliarbericht lehrt, ein Zusammenhang: Infolge des Anwachsens der Bevölkerung durch den beständigen Zustrom jüdischer Einwanderer aus Russland macht sich ein vermehrter Bedarf für Baumaterial, wie Eisen- und Stahlträger Wellblech. Dachziegeln. Bohlen und Zement iülilbar. Der mehr und mehr um sich greifende Ersatz der domförmigen Dächer Jerusalems durch Eisenträger und Dachzicgeln verändert ersichtlich das Aussehen der Stadt. Die durchgehenden Frachtraten der deutschen Eisenbahnen und der “Deutschen Levante-Linie*' ermöglichen es. Güter aus dem Innern Deutschlands unter nur geringen Transportkosten nach Palästina zu liefern. Die Einfuhr ron Eisen- und Kurzwaren, die eine lange Zeit konstant geblieben Ist. hat sich in der letzten Dekade verzehnfacht, hat also in noch grösserem Masse zugenommen, als der Prozentsatz des Anwachsens der Bevölkerung allein es gerechtfertigt hätte. Emaillierte Waren, wie Kessel. Teekannen. Kochtöpfe. Schüssel und Eimer in allen Formen und Grössen, meist aber in der billigen Qualität, finden leichten Absatz, hauptsächlich bei den jährlich nach Tausenden zählenden in Jerusalem zusammeiiströmcnden Pilgerscharen. Während des verflossenen Jahres sind mehrfach Gasmaschinen für Motorkraft, mit Einrichtung fiir Anthrazit- Nusskohlenfeuerung mit Erfolg nach Palästina eingeführt worden. Der Hauptvorteil. den Generatorgas gegenüber Dampf aufweist. liegt in dem sparsameren Gebrauch sowohl des Feuerungsmatcrials. als auch des Wassers. Jerusalem, gleich den anderen Ort Palästinas, ist mehr oder weniger zur Befriedigung seines Wasserbedarfs auf Regen angewiesen, so dass cs einleuchtend ist. weich enormen Vorsprung die Gasinascliincn gegenüber der Dampfkrait in diesem Lande hat. Die Wasserräder, die der Bewässerung der etwa 800 bis 90ü Orangengärten um Jaffa dienten, sind in den letzten Jahren durch die ölheizmig betriebene Maschinen ersetzt worden: sollte aber der schon als ziemlich hoch betrachtete gegenw artige Petroleumpreis andaiicrn. so werden zweifellos die Besitzer neuer Orangenhaino und Plantagen sich fiir die Auf- Stellung von Gasmaschinen entscheiden. Der englische Konsulurbericht bemerkt, dass die neuen Gasmaschinen hauptsächlich deutsches Fuhrikat sind Deutsche Firmen verstehen es ausgezeichnet, ihre Systeme;111 dem Markt zu plazieren. Sie beschäftigen als Agenten praktische Fachleute, die die Maschinen installieren und ein Jahr lang fiir ielilerfrtieii Betrieb garantieren und gleichzeitig ein Lager von Zuhchöi und Ersatzteilen unterhalten, so dass sie dem einheimischen lind unerfahrenen Käufern jedwede Schwierigkeit aus dem Wege räumen.“ Aus der deutschen FINANZ-CHRONIK.‘London. Pflanztmgsverein Palästina Ausw eis der Eingänge vom 2b. Anrd bis zum \. Jnv.i \%7. I. Ordentliche Mitglieder. Dunam Mark 19. Dr. A r t h u r H a n t k e . Berlin (eingetragen durch Herrn Dr. Hans Gideon Hcymann) . . f 80.־־ 20. Siegfried ß r ü n n. Berlin . 300,— .21 ללי 23. 24. 25. 26. 27. 28. 29. 30. 31. 4. 5. 6. 7. Dunum Verein ״Zion". Mülhausen . Rabbiner Dr. Markus Braudc. Stanislaii (eingetragen durch Verein ״Bar-Kochba“. Stanislau) . Albert Asch. Berlin . David W 01 f f s o h n . Köln am Rhein . . Dr. Ad. Z im tu e r ma nn . Berlin . . . . Prof. Dr. Martin Philippson. Berlin . Ad. Böhm. Wien. Dr. E. Adler und Frau. Lübeck (eingetragen durch die zionistische Ortsgrurpc Lübeck) . Apotheker Otto Panofskv und Braut. Tarnowitz (gesammelt auf deren Hochzeit durch Frau Bloch. Breslau).• . C. L. Netter. Berlin. Ing. Joh. Kremenczky. Wien . . . . 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 Mark 80,— 80.— 80.- 80.- 80.- 80.- 80.— 80.— 80.— 80.— 80- Zusammen 1340.— II. Ausserordentliche Mitglieder. Mark lug. M. Wechsler. Düsseldorf.20,— Rabbiner Dr. Eschelbach er. Berlin . . . 20,- Bezalel J a f s a . Grondno.20.— Dr. Arthur H a n t k e . Berlin.20.־ - Zusammen 80.— III. Erste Jahresrate. Ma rk 6. J. M. und Frau G u s t a W e i n r e 1>. Sosnowice . 10.-- 7. Dr. J a k o I) T h on . Berlin-Haleusee. 10, - Zusammen 20. Bei dieser Gelegenheit wiederholen wir unsere Bitte an die bereits beigetretciicn Mitglieder unseres Vereins, die gezeichneten Beiträge zu überweisen. Die Zahlstellen des Vereins sind: Bank 11 aus A. H. Hevniann & C *».. Berlin NW. 7. Unter den Linden 59. J .L. O o l d b e r g . Wilna. The J e w i s h Colonial T r u s t Ltd., London E. C. Walbrook. Brook House. Die Adresse des Bureaus des Vereins lautet: Berlin W. 15. Uhlandstrassc 175. Sämtliche immerwährenden und ordentlichen Mitglieder, die die Beträge voll eingezah.i haben, haben die Radierung des Kunstmalers Hermann Struck bereits erhalten. Bei dieser Gelegenheit betonen wir zur Vermeidung von Missverständnissen, dass unser Verein nicht etwa Privatwirtschaftliche, sondern nur gemeinnützige Zwecke verfolgt. POIanzungsverein ״Palästina". O. Warhurg. Aus Marokko Tanger. In Casablanca dauern die Reibereien zwischen Mohammedanern und Juden fort. Die geringsten Anlässe reichen hin. einen Volksauflau!' Iicrbeiziiiiihrcn. mul die schnell ziisammengcrottete Menge ist sogleich zu groben Ausschreitungen bereit. Dieses schlechte Verhältnis der Rassen wird besonders durch die Sehutzgeimsscn und Moclialaten fremder Kaiifleute verschlimmert, die siel! dreiste Herausforderungen der Ai aber zu Schulden kommen lassen, und sie dadurch oft schwer reizen. So kommt es. dass sich die Araber in ihrem Hasse gegen die Juden vergessen und Gewalttaten verüben. Ende vorigen Monats wurde ein jüdischer Kaufmann Akoba. der in seinem Laden mit Bricisehhreiben beschäftigt war. wie es heisst, auf Anstifter! eines gewissen lild Hassar von einem Araber mit einem Steine erschlagen. Sowohl der Täter, wie auch der angebliche Anstifter wurden bald darauf festgenominell. Mohammed Uld Hassar Slawi ist jedoch jetzt von tkm Gouverneur w ieder freigelassen worden, weil die gegen ihn erhobene Beschuldigung .nicht bewiesen werden konnte. Die hier erscheinende französische Zeitung LE COURRNER Dil MAROC irrt aber, wenn sie in der Nummer vom 3. Mai meint, der deutsche Konsul in Casablanca habe die Freilassung herbeigefülirt, wel Uld Hassar sein ״employe" gewesen sei. Dieser ist vielmehr ־Mochalat eines iüdisehen Kaufmanns Salomon Benabbu, der aber ist naturalisierter Spanier, vertritt eine französische und portugiesische Firma und erhält von nicht weniger als drei Gesandtschaften Scliutzgenosseii und Moclialaten bewilligt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.