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Jüdische Rundschau · 1907-06-14 · Heft 24 (14.6.1907) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 24 (14.6.1907)
Date
1907-06-14
Page
– (sequence 3)
Language
German
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. I % Abonnementspreis einschliesslich LITERATÜRBLATT vierteljährlich: 1 ״. durch die Espcditiae: •) In Berlin —.90 Mark. bJ nach aus- «rlr'-s I,— Mark, cj (ür das Ausland },50 Mark. 2. In Pestabonnement: 1,25 Mark. A Insertionspreis M* viergespaltene Petit •Zeile oder deren Raum 25 Pfennig. Allgemeine Jüdische Zeitung. Redaktion: BERLIN NW. 52, Melanchthonstrasse4 Telephon: n, 5387. Expedition und Adresse für Geldsendungen and Bestellungen: Vertag Jüdisch• Ruodaehau, EQ.0.LK. Berlin N. 54, Augustitr. 49«. QetchlfUatunden der Espedltlo■ tlgtlch (ausser Sabbat und Sonntag) vormittags 10—I, nachmittags 5-1 Uhr. Alle Rechte Vorbehalten. Abdruck aus der JUEDISCHES RUNDSCHAU nur bei voller Quellenangabe gestattet Nummer 24 Berlin, 2. Tammüz 5667 14. Juni 1907 XII. Jahrgang I i Zwei Versammlungen Der landiuhrige Lehrer an der jüdischen Religionsschule in Magdeburg, Herr Mcj*er Steinhardt aus Witzenhausen, ist der Vorsitzende des Vereins israelitischer Lehrer Mitteldeutschlands. Herr Steinhardt hat in dieser Eigenschait schon manchen Streit ausgefochten und ist jedenfalls ein streitbarer Herr. Schon nach wenigen Jahren, wo er in Magdeburg im Amte war, schloss er sich der dort aus Gleichgiltigkeit und Entjtidüng entstandenen liberalen Richtung mehr und mehr an, indem wir dabei als bekannt unterstellen müssen, dass der Liberalismus jüdischer Gemeindebeamteji und jüdischer Gemeindevorsteher auch in Magdeburg himmelweit verschieden ist, weil — nun Weil ... der iüdische Beamte nicht ganz so unwissend im Judentum und deshalb ihm gegenüber gleicligiltig ist wie manche jewellige Gemeindevorstände. Also Herr Steinhardt ist ״liberal“, und glaubt trotzdem nicht, dass seine Anschauung das Judentum begräbt und einsargt. Er ist ״liberal“ und Lehrer in einer Gemeinde, die so erzliberal ist, dass die Söhne früherer Gemeindevorsteher und recht viele andere den Liberalismus im Taufwasser bestätigt haben, wie die Söhne eines Rabbiners der Refornigemeinde und der Sohn eines in der Berliner Hauptgemeinde amtierenden Rabbiners. Also es ist kein Zweifel, dass Herr Steinhardt liberal ist, und weil er das ist und weil er' zugleich ein ganzes Leben erbitterten Kampfes gegen die Rabbiner hinter sich hat, deshalb ist es ganz verstandlieh, dass er sich gegen den Rabbiner wendet, der von dem Berliner Genieindevorstaud als bei ihm ״i n Loh ti und Brot stehend“ in einer Weise vergewaltigt ist, dass die ganze nichtjüdische und ein immer grosserer Teil der jüdischen Bevölkerung Berlins aufs tiefste über die Gewalttat entrüstet ist. Und da dies eine innere Angelegenheit der jüdischen ״Glaubensgemeinschaft" ist, die christliche Redakteure absolut nichts angeht, so ist das Grund genug für die MIT- TEILUNGEN, mit dem langen Namen und dem kurzen Gedächtnis, die Ansprache abzudrucken, in der Herr Steinhardt als infallibelcr Präside und im Hinb!!:l: auf seine angesehene Steilung in Magdeburg und im ganzen Deutschen Vaterlande, Protest gegen eine Aeusserung Dr. Emil Cohns einlegt, die dieser gar nicht geL ־. hat und die der Konstruktion des jüdischen Portestier ens ihre Entstehung in dieser Form und vor allem in diesem Sinne verdankt. Die MITTEILUNGEN, die wenigstens ihrem Namen nacli den Antisemitismus bekämpfen, dem sie seit anderthalb Jahren ein so geschätzter Bundesgenosse geworden sind, unterstellen durch die Bekampitmg des Herrn Dr. Emil Cohn stillschweigend die Ansicht, dass Dr. Cohn in dem Lager stünde, das von ihnen berufsmässig bekämpft werden soll. Sie stem* peln dadurch 1iir ihr offenbar recht unkritischen Leser den einzigen Mann, der in dieser ganzen leidigen Affäre einen jüdischen Standpunkt vertreten hat. zu einem Antisemiten. Wäre es nicht so komisch, so wären nur solche Ausdrücke hierfür am Platze, die nach literarischem Usus und nach den herrschenden Rechtsanschaumigen nicht zulässig sind Die MITTEILUNGEN aus dem Verein zur Abwehr des Antisemitismus berichten über die Jahresversammlung des Vereins israelitischcr Lehrer in Eisenach folgendes, wobei wir das durch Sperrung im Drucke hervorlieben, was bereits von den MITTEILUNGEN in gleicher Weise gesperrt wurde: *Deutschtum und Judentum. Die Jahresversammlung des Vereins israelitischer Lehrer Mitteldeutschlands, welche am 21. Mai in Eisenach stattiand, wurde von den! Vorsitzenden Lein er Steinhardt-Magdeburg durch folgende Ansprache eröffnet: ״Ich kann nicht in die Tagesordnung eintretea, ohne Ihnen von einem bedeutsamen Vorialle Kenntnis zu Reben. An! IS. d. Mts. tagte in Magdeburg der Laiulesverein preussisoher Volksscliullelirer. Inter den Forderungen, über welche die Versammlung beschließen sollte, befand sich auch die, dass bei den dauernd mit einem kirchlichen Amte verbuiidenen Stellen das aus diesem fliessende Einkommen nicht auf das Lehrergehalt angeieclmet werde. Bei der Beratung stellte Herr Lehrer Urebe-Cassel den Antrag, durch einen Zusatz auch den jüdischen Kollegen gerecht zu werden, deren l)c 1 cchtiirtcr Anspruch aut eine besondere Honorierung des Vorsangerdicnstcs bis jetzt stets von der Regierung zurückgewiesen worden sei. Obwohl aus Opporhtnitatsgrü.״.Je!» — es wurde der berechtigte Liuwaud erhoben, die Vc:sa!n!ulang solle sich, nicht auf die Beratung von Linzeltragen einlassen ־ ein einflussreicher Führer der preussisehen Lehrerseliaft sich gegen den Zusatzantrag erhob, wurde dieser mit grosser Meli:heit angenommen. Die Schlussabstinnr.ung ergab sogar e i n s t i m m i g e Annahme der Forderung, welche nunmehr lautet, ״dass bei den dauernd mit einem kirchlichen Amte, wozu auch der Vorsängerdienst der israelitischen Lehrer gehört, verbundenen Stcltcn das aus diesem iliesscnde Einkommen nicht auf das Lehrergehalt ungerechnet werde." ich habe mich über diesen Beschluss ausserordentlich geireut. Nicht etwa w egen des für einen kleinen Teil unserer Kollegen in Aussicht ״estelltcn materiellen Lriolges. das brauche ich Ihnen wohl nicht besonders zu betonen. Ich habe nach getreut über den wahrhaft liberalen und kollegialen Sinn der preussisehen Lehrerschaft. Ich habe mich gefreut darüber, dass ein für das deutsche Volksleben so wichtiger F'aktor, wie die deutsche Lehrerschaft es ist. sich von dem zerf 1. 1 1 IJ»"■ i|||1rn״ll1p■ דיו "ויי,««)•"

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