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Jüdische Rundschau · 1907-05-31 · Heft 22 (31.5.1907) · page 14

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 22 (31.5.1907)
Date
1907-05-31
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 90 No. 22 JÜDISCHE RUNDSCHAU tisch ist es natürlich, wenn man auch bezüglich des Alters I sich empfiehlt, einen Antrag bezüglich Hcraufrückung der Altersder Wähler wie der Gewählten möglichst wenig Einschrän* f kungen macht, wie ja denn auch in Deutschland die Sozialdemokraten es schon wiederholt als wünschenswert bezeichnet haben, das Alter für das aktive wie passive Wahlrecht zum Reichstage noch weiter herabzusetzen• Höchst merkwürdig aber wäre es, wenn man nun eine entgegengesetzte reaktionäre Bestimmung bei uns Zionisten cintühren wollte, da wir doch; sogar den Frauen aktives und passives Wahlrecht gegeben haben. Und das in einer Zeit, in der auch sonst die Bedeutung der Jugend in der Politik immer mehr hervortritt und in der! z. B. in Deutschland sogar die doch garnicht so demokrati-; sehen Nationalliberalen sich dem Einflüsse ihrer eigenen ״Jung-; liberalen“ nicht mehr entziehen können. Wir werden daher besser dabei stehen bleiben, das aktive Wahlrecht bereits von der Vollendung des 18. Lebensjahres abhängig zu machen. Auch schon deshalb, um nicht die jungen Leute vor den Kopf zu stossen, die dies Mal im Alter von 18 Jahren mitwählcn, zum nächsten Kongresse aber im Alter von 20 Jahren nicht mehr mitwählcn dürften. Weit wichtiger aber erscheint es, dass die Altersgrenze für die passive Wahl nicht noch weiter hinaufgeschoben wird. Die Menschen bilden sich gewöhnlich ihre philosophische und politische Weltanschauung im Alter zwischen IS und 2-t Jahren; wer aber mit vollendetem 24. Lebensjahre noch keine politische Reife erlangt hat, wird sich diese auch im Alter von 30 Jahren noch nicht erworben haben, freilich auch noch nicht, wenn er in das Schwabenaltcr getreten ist und auch später nicht mehr, selbst wenn er so alt würde wie Methusalem. Das passive Wahlrecht für den deutschen Reichstag erlangt man ja auch mit vollendetem 25., das für das preussische Abgeordnetenhaus mit dem vollendeten 24. Lebensjahre. Es sind hier selbst von den reaktionärsten Parteien niemals Versuche gemacht worden, das Alter für die Wählbarkeit hinaufzurücken, und da sollten wir ein solches Unternehmen beginnen? Wenn 11. den meisten übrigen europäischen Ländern das passive Wahlrecht wirklich erst mit dem 30. Lebensjahre erlangt wird, so können diese uns unmöglich als Muster dienen. Aber vielleicht ist Dr Hantke über diesen Punkt überhaupt nicht richtig instruiert, und können uns andere Leser der RUNDSCHAU darüber eine bessere Auskunft geben. Sind schon andere Parteien auf rege Mitarbeiterschaft ihrer Jugend angewiesen, so sind wir cs ganz in besonderem. Der Verfasser vorliegenden Aufsatzes spricht hier nicht für seine Person; er hat, wie auch die Redaktion der JÜDISCHEN RUNDSCHAU weiss, schon IS90 vor Dr. Birnbaums SELBST- EMANZIPATION mitgearbeitet und darf sich wohl als einen Veteranen des Zionismus bezeichnen. Aber er ist schon damals bald zu der Uebcrzeugung gelangt, dass er bei Gleichaltrigen nichts Wesentliches ausrichtcn könne und hat seine Hofinung nur auf die Jugend gesetzt. Unsere Bewegung war ja bei ihrem Entstehen in Deutschland fast ganz Studentenbewegung und sic ist cs auch jetzt noch zum grossen Teil. Auf Jen ersten Zionistenkongressen bestand ja die deutsche Landsmannschaft grösstenteils aus Leuten unter 30 Jahren, und weil nun diese inzwischen in die 30 gekommen sind, deshalb sollen jüngere Leute von den Kongressen ausgeschlossen sein? Es ist ja auch Herrn Dr. Hantke nichts weniger als unbekannt, dass gerade jüngere Gesinnungsgenossen sich nicht nur in Agitations- Versammlungen, sondern auch auf den Dclegiertcntagen der deutschen Landsmannschaft ausgezeichnet haben. Diese Zionisten von den nächsten Kongressen auszuschlicssen, wäre nicht nur ein schweres persönliches Unrecht, sondern auch eine Schädigung des Zionismus selbst'. Auch unter den jetzigen zionistischen Studenten befinden sich solche, bei denen cs zu bedauern wäre, wie נ sie erst etwa nach zehn und nicht bereits schon nach vier Jahren Sitz und Stimme auf den Kongressen erlangen könnten. . Vielleicht gelangt Herr Dr, Hantke. der seine Vorschläge ja in wohlmeinendster Absicht gemacht hat, noch vor Eröffnung des nächsten Kongresses zu der Ueberzeugung, dass es grenze für die Wählbarkeit zum Kongress garnicht erst zu stellen. Denn wir haben doch bereits genug andere Dinge, mit denen wir uns auf dem nächsten Kongresse zu beschäftigen haben werden. Hierhin gehören vor allem der ,weitere Ausbau unserer finanziellen Institute, die Art der Kolonisation Palästinas und Eingreifen der diplomatischen Arbeit in dieselbe. Ucber eigentliche Organisationsfragen sollte man doch nur, •so weit es ringend notwendig ist, auf den Kongressen handeln. Freiburg i. Br. Zu deni von Herrn Dr. Hantke gestehteil Anträge: ..Die jährliche Scliekelzahhmg kann durch einmalige Entrichtung von 100 Mark abgclöst werden,‘* möchte ich Vorschlägen, die geforderte Summe auf 30 Mark hcrabzusetzen. Denn einerseits genügen die Zinsen dieses Betrages vollauf, um davon alljährlich den Schekel zu zahlen, andererseits wird sich aber eine bei weitem grössere Zahl von Gesinnungsgenossen zur Ablösung bereit finden, wenn man den Betrag reduziert. Bei genügender Agitation würde man wohl etwa ein Fünftel der Schckelzaliler zur Leistung der Ablösung Jahres die veranlassen können, und das A.-K. würde ini Laute eines Jahres die Summe von mindestens 1 000 000 Mark erhalten, während bei einer Forderung von 100 Mark kaum 25 dieser Summe einkommen würden. Natürlich müsste mit der Zahlung des Schekels, wie bisher, die Anerkennung des Baseler Programms verknüpft sein, so dass trotz erfolgter Ablösung bei einem etwa cintretenden Gesinnungswechsel des Sdtekelzahlers. dieser seines W ahlrechtes verlustig geht. Es ist Sache der Vertrauensmänner dafür zu sorgen, dass derartige Fälle, sowie das Ableben von Schckelzaldern zur Kenntnis des A.-K. gelangten. S. Wolfi, Freiburg i. B. -—ן Aus den Ortsgruppen ן— Freiburg I. B. Aut 13. Mai veranstaltete die Verbindung im K.Z.V. ״I v r i a“ ihre erste Scmestcrantrittskneipe. die einen überaus würdigen Verlauf nahm. Nach einer kurzen Begrüssungsrcde des Erstcliargierten hielt Herr cand. med. Brunn (Ivriac) die Tendenzrede, die die Ziele der Korporation in sachlicher und übersichtlicher Weise zum Gegenstand hatte. Unter anderen sprachen der Vertreter des Vereins Jüdischen Studenten an der Universität Freiburg sowie der Vorsitzende der hiesigen Ortsgruppe. Herr Dr. Kaufmann, der seiner Freude über die Gründung einer K.Z.V.-Korporation in Freiburg Ausdruck gab. deren rege Mitarbeit er in der Ortsgruppe mu Freude begrüsste. An den offiziellen Teil schloss sich eine gemütlichc Fidulität. die die Gäste noch lange fröhlich zusammen hielt. Die stattliche Anzahl der Aktiven, besonders der neu eingetretenen Füchse, lässt eine gedeihliche Arbeit im Sommer- Semester erhoben. — Die Cliargcinvahlen ergaben folgendes Resultat: jur. Hans Lew x. Ffckerstr. 8. itir. Fritz Müllerbeim XX, med. Nathan Körber XXX. Hamburg. Am 26. d. Mts. beging der Vizepräsident des Zentralkomitees. Herr Dr. A d 1 e r - Lübeck, das Fest der Silbernen Hochzeit. Dr. Kalmus sprach ־ persönlich die Wünsche des Z.-K. aus und überreichte das Diplom über die vom Z.-K. auf Namen des Jubelpaares gespendeten 12 OI - bäume. Von der Gemeinde w urde eine kunstvolle Adresse übergeben, in der u. a. auch die Verdienste des Geieierten um den Zionismus vermerkt w aren. Die Ortsgruppe, die c i 11 Dun am Land stiftete, die Esra-Lngc U.O.B.B. sow׳ie alle andern Vereine waren durch Deputationen vertreten. Zahlreiche Nationalfonds-Tclegrammc liefen ein. Die fünfte Landeskonferenz der ungarischen Zionisten. Am 12. Mai fand im neuen Zionistenheim zu Budapest die fünfte Jahresversammlung der ungarländischcn Zionisten statt. An deiselhcp nahmen 60 Delegierte teil, die von -8 Ortsgruppen entsandt worden waren. Vertreten waren u. a. die Städte: Budapest. Kaschau. Bonyhäd, Märamaros-Szigct. Debrecen. Nagvszcben. Nagv-Tapolcsany. Szatmär, Nagybänya. Pressburg. Päpa. Die Beratungen begannen um 9 Uhr vormittags. Im Namen des vorbereitenden Ausschusses schlug Dr. L. Dömöny zum Präsidenten der Konferenz Gg. Samuel Bettelheim (Pressburg) vor. zu Vizepräsidenten: Moriz Juhäsz und Armin Beregi. zum Beisitzer: I.copold Lebowitscii und zu Schriftführern: Josef Kenpich und David Widder. Nachdem diese: Kandidaturen einstimmig genehmigt waren, übernahm S. Bcttclheim den Vorsitz und begrüsste die Teilnehmer. Nachdem der Referent des Legitimationsaus-

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