Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VII (1907)
- Issue
- Heft 22 (31.5.1907)
- Date
- 1907-05-31
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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i I Beilage JUEDISCHE RU N DSCH AU Jg.XII.No.22 Aus der zionistischen Bewegung Mitteilungen des Zentralbüreaus der Zionistischen Vereinigung für Deutschland DIE WELT gibt zu ihrem 10jährigen Gründlingstage, den 4. Juni d. JM eine Jubilaumsfcstmmmier heraus, die allen Zionisten eine würdige Erinnerung an die Gründung des zionistischen Zentralorganes bieten wird. Einzelexemplare kosten 40 Pf., 50 Exemplare werden mit 15 M., 100 mit 25 Mk. abgegeben. Bestellungen erbitten wir bis zum 31. Mai r.n den Verlag JUEDISCHE RUNDSCHAU, Berlin N. 54, August- Strasse 49a. * Von dem geplanten zionistischen ABC-Bucli sind noch die untenstehenden Stichworte unbearbeitet. Wir bitten diejenigen unserer Freunde, die bereit sind, einige derselben zu übernehmen, sich baldigst an Herrn Dr. Friedemann in Usingen (Taunus) zu wenden. Die Stichwortc sind für das Werk unentbehrlich. Wir bitten daher dringend, uns durch Bearbeitung derselben in der Herausgabe des Buches zu unterstützen. Stichwörterverzeichnis. Vereinzelte zionistische Organisationen. Gleichberechtigung der deutschen Juden. Staatsbürger tum und .nationale Bestrebungen. Politische Lage der rumänischen Juden. Amerikanische Juden (politisch). Kanada und die Juden (politisch). Politische Lage im Orient (Türkei. Marokko, Persien). Jüdische Renaissance. Ursache der Emigration. Emigrationsländer. Immigrationsländer. Auswanderung nach Deutschland (Preussens Verhalten). Einwandcrungsbeschränkungen. Alien bill und ihre Vorgeschichte. Konzentration und Dezentralisation. Amerika als Einwandcrungsland (New Yorker Ghetto, Sweating System). Südafrika als Ein wandern ngsland. Zukunft des Orients. Politische Bedeutung Palästinas. Kulturstufe der Eingeborenen Palästinas. Kommerzielle und industrielle Bedeutung Palästinas. Zurfrage derTiendemng des Organisationsstatuts I. Die Redaktion der JÜDISCHEN RUNDSCHAU hat dazu aufgefordert über das von Herrn Rechtsanwalt Dr. Hantke bei der letzten Sitzung des grossen Aktionskomitees gehaltene Referat eine Diskussion zu beginnen. Der Verfasser vorliegenden Aufsatzes möchte dies nur kurz in zwei Punkten tun. Zunächst in dem Punkte, den Herr Dr. Hantke selbst als den wichtigsten bezeichnet, der die Änderung der Partei- I e»t u n g betreffen soll. Dr. Hantke meint, das engere Aktions־ Komitee könne nur arbeiten, wenn seine Mitglieder alle an einem Orte wohnten oder doch wenigstens innerhalb weniger Stunden zu einer Sitzung zusainmentreten könnten. In der Tat haben wir ja bei Hcrzls Lebzeiten scheinbar diese Art der Arbeit gehabt. Sehen wir uns aber die Sache etwas näher an, so werden wir nicht leugnen können, dass Herzl allein den weitaus grössten Teil der Arbeit geleistet hat. An derjenigen Tätigkeit rvon ihm, die er selbst für die wichtigste hielt, an der diplomatischen, hat überhaupt kein anderes Mitglied des engeren Aktionskomitees selbständig teilgenommen. Hätte das eine oder andere Mitglied des damaligen engeren Aktionskomitees neben Herzl eine grössere Bedeutung bcsessen. so würde man dasselbe sicher auch wieder in das neue über alle Länder zerstreute engere Aktionskomitee gewählt ן haben. Eine solche überragende Persönlichkeit wie Herzl besitzen wir jetzt aber nicht mehr, so dass ein engeres Aktions- J komitce der Form, dass die übrigen Mitglieder desselben im | wesentlichen nurArbeitskräftc für den Präsidenten sind, heute keine Berechtigung mehr hat. Man hat deshalb mit Recht auf | den letzten Kongress auch die Mitglieder des engeren Aktionskomitces über möglichst viele Länder verteilt, d. 11. aus Jedem Lande die geeignetsten Männer gewählt, um so einigermassen einen Ersatz für Herzl zu gewinnen. Wenn nun zwar die Hauptarbeit auch jetzt auf den Schultern unseres Präsidenten ruht, so haben sich doch die übrigen Mitglieder des engeren , Aktionskomitees reger und jedenfalls weit selbständiger an der Arbeit beteiligt, als dies zu Hcrzls Zeiten der Fall war. Ob sich aber wirklich an einem Orte so viel hervorragende Leute zusammenfinden, um sämtlich selbstständig an den Aufj gaben des engeren Aktionskomitees mitarbeiten zu können, ist doch äusserst fraglich. Daiier erscheint es richtiger, dass wir bei der jetzigen Organisation bleiben, die ja doch vom letzten Kongresse nicht ohne reifliche Ucbcrlegung geschaffen wurde. Wichtig ist dabei besonders der Umstand, dass wir gerade aus dem Hauptlandc der jüdischen Massen, aus Russland, zwei Mitglieder des engeren Aktionskomitees haben. Auch dürfte die Tätigkeit des Aktionskomitees schwerlich durch verschiedene Richtungen seiner einzelnen Mitglieder gestört werden. Der Territorialismus existiert ja nicht mehr; unter uns, und der sogenannte politische Zionismus, der die 1 Kolonisation Palästinas sistiert wissen wollte, ist zur Bedeuj tungsloslgkeit herabgesunken. Andererseits wünschen doch 1 selbst die eifrigsten Anhänger der Kolonisation Palästinas ihre kolonisatorischen Errungenschaften durch diplomatische Arbeit möglichst gestützt zu sehen. Die Ansichten aber über das Mass, in welchem überhaupt diplomatische Arbeit zu leisten | ist, gehen doch letzt unter dem Gros der Zionisten schwerlich j so weit auseinander, dass dadurch ein Zusammenarbeiten »m I engeren Aktionskomitee gestört werden könnte. Es schadet auch garnichts, wenn der Hauptsitz des־Aktions- Komitees sich nicht in einer europäischen Hauptstadt befindet, sondern in Köln verbleibt. Eine Verlegung unserer Zentrale etwa nach London oder Berlin würde doch wahrscheinlich auch einen Wechsel in der Person unseres Präsidenten notwendig 1 machen. Einen solchen sollten wir doch aber nur Im äussersten Notfälle vornehmen, da gerade die von Dr. Hantke gewünschte Stabilität in der Leitung sonst wirklich Schaden leiden könnte. Vor allem aber hat auch unser Präsident David Wolffsolm, der Vertraute Theodor Hcrzls und der Vormund seines Sohnes, das Vertrauen, das wir auf ihn gesetzt haben, durch seine rastlose und erfolgreiche Tätigkeit in vollem Masse gerechtfertigt. Wir würden ebenso unklug handeln wie undankbar erscheinen, wollten wir einen anderen an seine Stelle setzen. Der zweite Punkt, in dem ich Herrn Dr. Hantke entgegentreten muss, betrifft die von ihm gewünschten Acnderungen bezüglich des Alters der Wahlberechtigten und der zu Wählenden. Dr. Hantke meint, dass, weil der Kongress über du. wichtigsten politischen Fragen zu entscheiden habe, das aktive Wahlrecht an die Erreichung des 21., das passive gar an die des 30. geknüpft werden müsse. ״Gerade weil unsere Bewegung auf breitester demokratischer Grundlage aufgebaut ist, muss sie den grössten Wert darauf legen, dass nur erfahrene Männer zu Kongressdelegicrten gewühlt werden können." Wenn ich diese Worte Dr. Hantkcs recht verstehe, so will er durch Ein- Schränkung des Alters der Wahlberechtigten und besonders der zu Wählenden ein Gegengewicht gegen den demokratisehen Charakter unserer Bewegung schaffen. Denn demokra•